Red Eye (DVD) Testbericht
Auf yopi.de gelistet seit 05/2008
Erfahrungsbericht von IQIQIQ
B-Movie mit A-Movie-Qualitäten
Pro:
extrem spannender Mittelteil, hervorragende Hauptdarsteller
Kontra:
Anfang zieht sich, Ende nicht besonders glaubwürdig, fehlende Motivation des Antagonisten
Empfehlung:
Ja
Die junge Hotelmanagerin Lisa wartet auf ihren verspäteten Rückflug nach Miami, als sie einem charmanten Fremden, Jackson Rippner, kennen lernt. Durch Zufall, wie es zunächst scheint, sitzen sie später auch im Flugzeug nebeneinander. Doch was scheinbar als Flirt beginnt, entwickelt sich für Lisa schnell zu Albtraum: Es stellt sich heraus, dass Jackson sie offensichtlich schon lange Zeit beobachtet hat und alles über ihr Leben weiß. Er teilt ihr mit, dass er einen Killer auf ihren Vater angesetzt habe und der sterben werde, wenn sie nicht genau das täte, was er von ihr verlangt. Was er von ihr will, ist, dass sie dafür sorgt, dass ein Gast ihres Hotels, ein hoher Politiker, in ein anderes Zimmer umgebucht wird.
Lisa wird klar, dass ein Mordanschlag auf den Politiker geplant ist. Doch ihre Versuche, Hilfe zu erhalten, scheitern, und Jackson Rippner wird immer brutaler und bedrohlicher. Lisa ruft also vom Flugzeug aus im Hotel an und arrangiert die Verlegung. Doch sie kämpft weiter, um ihren Vater und den Politiker zu retten ...
Im Jahr 2005 wurde die klaustrophobische Situation in einem Flugzeug gleich zweimal für Hollywood-Thriller verwendet: Für die Big-Budget-Produktion mit Starbesetzung „Flightplan“ und für diesen B-Movie, eine Low-Budget-Produktion mit ziemlich unbekannten Schauspielern.
Perfekt gelungen sind meines Erachtens beide Filme nicht, aber beide sind zumindest sehenswert. Und wenn ich dann das Riesenbudget von „Flightplan“ mit dem (nach Hollywoodverhältnissen) kleinen Budget von „Red Eye“ vergleiche, dann finde ich, dass „Red Eye“ aus seinen Möglichkeiten erheblich mehr gemacht hat.
Fangen wir mit den Negativpunkten von „Red Eye“ an:
Der Anfang des Films zieht sich. Man bedenke nur, dass es über 20 Minuten dauert (und das bei einem Film von rund 75 Minuten reiner Spielzeit), bis durch Jackson Rippners Erpressung erstmals ernsthaft Spannung aufkommt – abgesehen von zwei Szenen ganz zu Beginn, noch während der Credits, wo die Vorbereitungen auf den Anschlag und auf Lisas Erpressung gezeigt werden, die der Zuschauer zu diesem Zeitpunkt aber nicht verstehen kann und daher auch spannungsmäßig nicht mitgeht. Danach dümpelt der Anfang des Films vor sich hin und könnte genauso gut der Anfang einer Komödie oder romantischen Komödie sein.
Der Schluss des Films (ungefähr die letzten 15 Minuten) stellt für mich ein anderes Problem dar: Nachdem Lisas das Flugzeug verlassen hat, ist die Handlung nicht mehr logisch. Ich meine, was tut ein vernünftiger Mensch, wenn der eigene Vater in Lebensgefahr ist und ein Politiker ermordet werden soll? Auf eigene Faust losstürmen? Auch wenn vorher konstruiert wurde, dass Jackson sie nun als Übeltäterin darstellt, gelingt es dem Film nicht, mir plausibel zu machen, dass sie jetzt immer noch auf eigene Faust losstürmt und alle retten will, statt die Polizei einzuschalten und ihnen zu sagen, sie sollen das Hotel evakuieren und ihren Vater retten. Auch die Art des Anschlags auf den Politiker wirkt ... na ja, B-Movie-mäßig halt, so eine Art James-Bond-Bösewicht-Methode.
Und letztlich ist auch nicht klar, warum Jackson Lisa nach ihrer Flucht aus seiner Gewalt verfolgt. Sein Ziel, den Politiker zu ermorden, kann er nicht mehr erreichen, Lisa oder ihren Vater zu töten, bringt ihm nichts. Es wäre also logischer, wenn er sich in Sicherheit bringen würde.
Und noch ein Schwachpunkt, der letztlich sicher auch zu dem eben genannten Eindruck führt: Man erfährt den ganzen Film über nicht, was Jacksons Motive und die Hintergründe des Anschlags sind. Das liegt vielleicht daran, dass Regisseur Wes Craven eigentlich Horrorfilm-Spezialist ist – und im Horrorgenre gilt es nicht als unbedingt nötig, der antagonistischen Kraft eine spezifizierte Motivation zu geben, hier kommt „das Böse“ als archetypische Kraft zum Zuge. Ein Thriller braucht dagegen üblicherweise einen Antagonisten, dessen Handeln dem Zuschauer zumindest nachvollziehbar sein muss (auch wenn es abgrundtief schlecht sein kann).
Die Negativpunkte werden aber wettgemacht von den Pluspunkten des Films, und die liegen im Mittelteil des Films. Hier kommt Wes Cravens Horror-Erfahrung dem Thriller eindeutig zugute. Er schafft es nämlich, den eigentlich wenig filmischen Teil des Psychoterrors zwischen Jackson und Lisa auf zwei Flugzeugsitzen mit wenig Handlungsmöglichkeiten zu einer unglaublich spannenden Sache zu machen, und das, obwohl hier das allermeiste über Dialog vermittelt wird, was normalerweise einen Film schwächen würde. Hier passiert das aber nicht, ich war über diesen ganzen Teil hinweg absolut gefesselt, so sehr, dass ich bereit bin, über die Schwächen am Anfang und am Ende des Films hinwegzusehen.
Durch die Beschränkung auf wenige Locations und diesem Hauptteil des Films an nur einem Ort, nämlich dieser Flugzeugkulisse, hat man es außerdem geschafft, dass dieser Low-Budget-Film hier absolut nicht nach Low Budget aussieht. Noch dazu hat man hier – im Gegensatz zu dem Riesenflugzeug von „Flightplan“ – die klaustrophobische Stimmung durch die Begrenztheit des Flugzeugs hervorragend eingefangen.
Kritisiert wurde manchmal, dass der Film nur 82 Minuten lang ist – wobei das sogar noch die offizielle Angabe ist, wenn man aber die End-Credits abzieht, sind es sogar nur rund 75 Minuten. Das ist natürlich ungewohnt kurz für einen Kinofilm, aber ich denke, letztlich kommt es nicht auf die Länge an, und diesen Film künstlich in die Länge zu ziehen, hätte ihm sicherlich geschadet. Ich bin daher mit der Länge ganz zufrieden, für diesen Film ist es die perfekte Länge, auch wenn ich an sich schon mindestens 90 Minuten erwarte, wenn ich ins Kino gehe.
Ganz wesentlich für meine positive Beurteilung des Films, sind auch die schauspielerischen Leistungen der beiden Hauptdarsteller. Im Zusatzmaterial redet Wes Craven darüber, dass er ganz absichtlich keine übermäßig bekannten Gesichter für die Rollen haben wollte, damit die Zuschauer nicht so sehr den Schauspieler, sondern die Figur sehen. Ich empfinde das manchmal auch so – bei Jodie Foster ist es nun einmal schwer, nicht Jodie Foster, sondern ihre Figur zu sehen, einfach weil ihr Gesicht einem so vertraut ist und man sie schon in so vielen Rollen gesehen hat –, und hier passiert das nicht, einfach weil die Gesichter der Schauspieler nicht so „verbraucht“ sind.
Natürlich passiert es nur selten, dass man unbekannte Gesichter findet, die dann auch noch hervorragenden Schauspielern gehören. Aber hier ist das gelungen:
Rachel McAdams spielt Lisa. Sie spielte schon in mehreren kleinen Hollywoodproduktionen mit und ist kurz nach „Red Eye“ mit „Familie Stone – Verloben verboten!“ groß rausgekommen. Mir gefällt ihre Leistung in „Red Eye“ aber eigentlich noch besser, sie schafft es, dass man ihre Wandlung vom Opfer zu jemandem, der sich wehrt, glaubt.
Cillian Murphy spielt Jackson Rippner. Er war auch vor „Red Eye“ schon in kleinen Rollen in großen Filmen zu sehen, u.a. in „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“, „Unterwegs nach Cold Mountain“ und – seine vor „Red Eye“ größte Rolle – als Scarecrow in „Batman Begins“. Aber in „Red Eye“ spielt er meines Erachtens einfach umwerfend – der ideale Bösewicht.
Auch zu Regisseur Wes Craven muss ich natürlich ein paar Worte sagen: Wie schon angeführt, ist er eigentlich Horrorfilm-Spezialist. Bekannt sind vor allem das Original von „The Hills have Eyes“ aus den 70er-Jahren, „Nightmare on Elm Street“ aus den 80er-Jahren und die drei „Scream“-Filme. Mit „Red Eye“ beweist er, dass er – mit Abstrichen, die sicher seinem Horror-Hintergrund zuzuschreiben sind – auch im Thriller-Genre gute Filme machen kann, noch dazu mit geringem Budget.
„Red Eye“ ist in Deutschland ab 12 Jahren freigegeben. Ich halte das für das absolute Minimum. Auch wenn nicht viel äußerliche Gewalt zu sehen ist, ist das, was zu sehen ist, teilweise schon recht brutal und noch dazu unterstützt von sehr viel psychischer Gewalt. Wenn ich Kinder hätte, würden die den Film unter 16 deshalb nicht zu sehen bekommen.
DVD-Ausstattung:
Der Film liegt auf der DVD in englischer Originalfassung und deutscher Synchronfassung vor. Untertitel gibt es in diesen beiden Sprachen und zusätzlich auf Türkisch.
Über das Sprachenmenü ist auch der Audiokommentar aufrufbar, der sich auch im Zusatzmaterial findet.
Es lohnt sich übrigens, den Film auch einmal im Original anzusehen, denn insbesondere Cillian Murphy hat eine Wahnsinnsstimme – da kommt der Synchronsprecher meines Erachtens nicht ran.
„Zusatzmaterial“:
Die Zusatzmaterialien sind natürlich auf Englisch, aber deutsch untertitelt.
- „Red Eye – Making Of“:
Nach langer Zeit habe ich hier mal wieder ein gutes Making Of zu sehen bekommen, dass über die Story redet, Anekdoten und Tricks vom Dreh anspricht, die wichtigsten Schauspieler vorstellt und selbst zu Wort kommen lässt, natürlich auch den Regisseur, und damit insgesamt einen guten Einblick in den Film bietet. Einziges Manko ist, dass das Feature nicht sehr ausführlich geraten ist.
- “Wes Craven: Eine neue Art von Thriller”:
Hier wird der Film zerpflückt und analysiert, zwar „wohlwollend“, da die Beteiligten natürlich von ihrer Produktion überzeugt sind, aber trotzdem bleibt dieses Extra sowohl fachlich als auch für Normalzuschauer interessant. Es geht zunächst um die Story, dann um die Hauptdarsteller und schließlich um Wes Craven, den Regisseur.
- „Gag-Rolle“:
Dieses Feature zeigt Pannen vom Dreh. Damit kann ich nie etwas anfangen – es ist für mich nichts Lustiges daran, dass Kulissen umfallen oder Darsteller mitten in ihrem Text zu lachen anfangen. Aber wer seinen Spaß daran hat, der findet hier eine ganze Menge solcher Szenen vom Dreh versammelt.
- „Audiokommentar des Regisseurs“:
Der Titel ist etwas irreführend, denn außer Regisseur Wes Craven kommen auch die Produzentin Marianne Maddalena und Cutter Patrick Lussier zu Wort.
Die drei reden zum Teil über dramaturgische Sachverhalte, zum Teil verbreiten sie Anekdoten vom Dreh und Hintergrundinfos über einige Darsteller. Sie gehen auch offen mit einigen kleinen Fehlern des Films um. Daher ist der Audiokommentar sicherlich sowohl für fachlich interessierte als auch für Normalzuschauer sehenswert.
- „Trailer“:
Hier findet sich nicht etwa der Trailer zu „Red Eye“, sondern der (deutsche) Trailer zu „Solange du da bist“. Keine Ahnung, was das soll, denn abgesehen davon, dass ich an dieser Stelle wirklich den Trailer zu „Red Eye“ erwartet hatte, passt „Solange du da bist“ von der Zielgruppe her absolut nicht zu „Red Eye“. Vielleicht etwas für all die, die bei „Red Eye“ völlig im falschen Film waren.
Die DVD ist leider derzeit mit über 15 Euro noch recht teuer, dafür aber auch ordentlich ausgestattet. Für den Herbst ist eine Ausgabe für rund 10 Euro angekündigt, allerdings ist noch nicht bekannt, ob und welche Extras da enthalten sein werden. Abwarten könnte sich allerdings lohnen!
Fazit:
Trotz einiger Schwächen finde ich den Film sehenswert. Im Mittelteil baut er tolle psychologische Spannung auf, und die Darsteller sind zwar noch relativ ungewohnt, aber darstellerisch großartig. Die DVD ist ordentlich ausgestattet, aber leider auch noch relativ teuer.
82 Bewertungen, 26 Kommentare
-
23.11.2006, 00:59 Uhr von Baby1
Bewertung: sehr hilfreich~~ ** LG Anita ** ~~
-
10.09.2006, 14:59 Uhr von Volker111
Bewertung: sehr hilfreichob sehenswert weiß ich nicht 100%ig, aber lesenswert weiß ich. ;-)
-
02.09.2006, 15:00 Uhr von philippspecht
Bewertung: sehr hilfreichSH und LG Gunnar
-
01.09.2006, 12:52 Uhr von superlativ
Bewertung: sehr hilfreichliebe grüße!!!
-
31.08.2006, 02:36 Uhr von Hatma
Bewertung: sehr hilfreichsh, lg, Hartmut
-
30.08.2006, 00:09 Uhr von maus1991
Bewertung: sehr hilfreichtoller bericht , lg yvonne
-
29.08.2006, 21:55 Uhr von Zuckermaus29
Bewertung: sehr hilfreich:o) liebe Grüße Jeanny
-
28.08.2006, 23:34 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüße Edith und Claus
-
28.08.2006, 20:05 Uhr von monteanu
Bewertung: sehr hilfreichHabe ich noch nicht gesehen, aber schaue ich mir sicher noch an. LG Andi
-
28.08.2006, 19:46 Uhr von annemone62
Bewertung: sehr hilfreichSH und LG - ANNEMONE
-
28.08.2006, 18:21 Uhr von bigmama
Bewertung: sehr hilfreichsh, LG Anett
-
28.08.2006, 16:56 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichden hab ich auch schon gesehen.lg
-
28.08.2006, 00:14 Uhr von Estha
Bewertung: sehr hilfreich☼☼☼ ... lg susi ... ☼☼☼
-
28.08.2006, 00:08 Uhr von MatthiasHuehr
Bewertung: sehr hilfreichCiao Matthias
-
27.08.2006, 20:21 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichLieben Gruß :-) Marianne
-
27.08.2006, 17:35 Uhr von Elfe1988
Bewertung: sehr hilfreichsehr ausführlich
-
27.08.2006, 15:53 Uhr von MichiStephan
Bewertung: sehr hilfreichSH + LG
-
27.08.2006, 14:44 Uhr von Tweety30
Bewertung: sehr hilfreich☼ sh. Sonnige Grüße, Tweety30! ☼
-
27.08.2006, 14:31 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichklasse Bericht
-
27.08.2006, 14:15 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich
-
27.08.2006, 13:00 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichSchöner Bericht von dir.LG Bernd
-
27.08.2006, 11:00 Uhr von blackangel63
Bewertung: sehr hilfreichSH - LG - ANJA
-
27.08.2006, 09:47 Uhr von waltraud.d
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich
-
27.08.2006, 09:00 Uhr von campimo
Bewertung: sehr hilfreichIch wünsche dir einen wunderschönen, guten Sonntagmorgen!
-
27.08.2006, 02:22 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichsh :o)
-
27.08.2006, 01:32 Uhr von _rimini
Bewertung: sehr hilfreichhey schöner bericht, sh =) lg, sophie
Bewerten / Kommentar schreiben