Schwer verliebt (DVD) Testbericht

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Erfahrungsbericht von casati

Hollywood trägt dick auf

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Das Zauberwort heißt Verkehrung. Vermieter, die ihre Mieter peinigen? Sind leider traurige Realität. Doch erst, wenn ein Mieter die Hausbesitzer quält, wie Michael Keaton in "Fremde Schatten", wird ein Hollywood- Film daraus. Oder Thema Mobbing: Natürlich werden Frauen am Arbeitsplatz sexuell belästigt. Aber erst wenn eine Frau ihren Kollegen verführt wie Demi Moore Michael Dougles in "Disclosure", wird daraus ein kontroverser Kinohit.

Dasselbe scheint auch für Komödien zu gelten. Niemand würde sich noch trauen, Witze über übergewichtige Menschen zu machen. Das ist einfach nicht mehr pc. Es sei denn, sie gehen auf Kosten einer ultraschlanken Schönen wie, sagen wir mal, Gwyneth Paltrow. Wie das? Ganz einfach: Ein seinerseits nicht eben ansehnlicher Vertreter der Spezies übler Macho-Typ (Jack Black) steht nur auf die attraktivsten Frauen, auch wenn ihn nach seiner plumpen Anmache recht deutlich abblitzen lassen.

Bis das Unsympath regelrecht umgepolt wird: Ein Fernsehmoderator predigt ihm so eindringlich ins Gewissen, er müsse die innere Schönheit suchen, dass der derart Bekehrte plötzlich Gwyneth Paltrow begegnet- und nur wenige Einstellungen verraten dem Kinopublikum, dass die Lady in Wahrheit ein Schwergewicht ist, das direkt aus Eddy Murphys "Familie Klumps" zu stammen scheint. Und so kann man denn unbeschwert schwere Geschütze gegen Dicke und Fette auffahren- weil sie eben nicht die Betroffen treffen, sondern einen Hollywoodstar, dem man wohl eher Magersucht attestieren würde.
Das hat schon was, Frau Platrow zu erleben, wie sie zwei Riesenpizzen und fette Fritten in sich stopft; wie Stühle und Betten unter ihr zusammenbrechen; wie das Wasser sintflutartig aus dem Pool spritzt, wenn sie hineinspringt, oder wie der Galan hinten in einem Boot in der Luft rudert, weil sie vorne sitzt: Das zeugt schon von einer geradezu grotesken Komik.

Rücken die Dicken dann doch mal ins Bild, dann sind das eher mitfühlende, mitleidige Momente. Und es zeugt von einem hohen Fingerspitzengefühl, dass diese Balance den ganzen Film über durchgehalten wird.
Das war zwingend nicht vorauszusehen, immerhin saßen die Farrelly- Brüder Bobby und Peter im Regiestuhl. Und denen hing noch in "Verrückt nach Mary" keine Gürtellinie zu tief, um ihre teilweise recht infantilen Gags zu zünden. Zoten über eingeklemmte Hodensäcke oder Sperma als Haargel haben den Flachwitz salonfähig gemacht- und zahllose Ableger wie "American Pie" nach sich gezogen. Mit "Schwer verliebt" scheinen die Farrellys nun erwachsen geworden zu sein. Sie tragen zwar immer noch und diesmal buchstäblich dich auf, aber jetzt kann man lachen, ohne sich dafür schämen zu müssen.

Und Gwyneth Paltrow- die darunter leidet, dass alle in ihr nur das Schönchen sehen- darf mit Lust gegen ihr Image anspielen, ja dekonstruiert es geradezu. Bei den wenigen Einstellungen, in denen sie als Fettleibige zu sehen ist, haben die Spezialeffektler allerdings derart kräftig zugelangt, dass sie auch glatt als neues Michelin- Männchen durchginge.




Kinostartdatum: 14.02.02
Genre: Komödie FSK: 6
Laufzeit: 114 Min.
Regie: Bobby Farrelly, Peter Farrelly
Darsteller: Gwyneth Paltrow, Jack Black, Jason Alexander
OT: Shallow Hal Land: USA 2001




Pro: unsere so perfekte Welt wird zum Nachdenken gebracht

Kontra: wie immer, zeigt die Werbung alles über den Film

4 Bewertungen