Alles ist erleuchtet (DVD) Testbericht

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ab 10,10
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Erfahrungsbericht von LilithIbi

"Das ist alles, was übrig ist."

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Die Existenz des Buches sowie des darauf basierenden Filmes

===Alles ist erleuchtet=== wäre mir ohne die werte Frau Riesenkeks vermutlich bis zu meinem Tode nie bewusst geworden. Der Name „Liev Schreiber“ schrie mir bei meiner kurzen vor-DVD-Einlegung zwar regelrecht entgegen und sorgte für rundherumige Begeisterung meinerseits; doch wieder war es Riesenkeks, die mich dezent aber bestimmt darauf hinwies, dass dieser Mann lediglich Regie führen, nicht aber mitspielen würde. Umfangreiche Enttäuschung ausgebremst, sag ich da nur; doch frei nach Zen dachte ich mir „besser ein Liev als Regisseur als gar kein Liev“ und freute mich auf das rund 105Minütige Werk, an dessen Entstehung überdies der entsprechende Buchautor Jonathan Safran Foer nicht minder beteiligt war.

Die _Handlung: beginnt allerdings recht schleppend. „Alles ist erleuchtet“ wurde in mehrere Kapitel untergliedert, Zwischenüberschriften finden ihren Platz, ähnlich, wie es wohl in der Romanvorlage der Fall gewesen sein wird. Dass im ersten Kapitel so gut wie gar nichts gesprochen wird, während man sich ab dem zweiten auf eine beinahe völlige Untertitelung gefasst machen msus, sorgte bei mir offen gestanden nicht gerade für Begeisterung. Und doch hat der Film vom ersten Moment an etwas an sich, was mich in seinen Bann zog.

Am Sterbebett seiner Oma gibt diese ihrem Enkel Jonathan (Elijah Wood) ein Foto für seine Sammlung ~ nichts ungewöhnliches im ersten Moment. Doch kaum wird eben jene Sammlung dem Zuschauer offengelegt, weiten sich die Augen: Jonathan sammelt nicht lediglich Fotos; sondern von überall her recht eindrucksvolle Erinnerungsstücke, foliert diese ein und heftet sie an die Wand. Schmuckstücke, kleinere Spielfiguren, abgepackter Sand und schlussendlich das Gebiss der jüngst Verstorbenen.

Dass Foto schließlich gibt Anlass für Jonathans Reise in die Ukraine, um dortig neben dem Dorf Trachimbrod auch die abgelichtete Frau zu suchen. Was genau er sich davon erhofft, bleibt bis zuletzt unklar ~ wenngleich dies im weiteren Verlauf mit dem Satz „ihr seit nicht wegen dem Ring hier. Der Ring ist wegen euch hier.“ quasi erklärt wird. Irgendwie halt.

„Ihr“ sind zum einen – konsequenterweise – der amerikanische Jude Jonathan, der Ukrainer Alex (Eugene Hütz) , dessen Großvater (Boris Leskin) sowie der „Blindenhund“ Samy Davis Junior Junior. Da dass Vierergespann ~ ein jeder für sich ~ recht schrullig ist, wirkt die filmische

===Umsetzung=== ebenfalls leicht skurril. Grundsätzlich kann man bei „Alles ist erleuchtet“ von einer ernsten Grundthematik sprechen, die jedoch von einem gewissen (eigentümlichen) Humor belebt wird. Hier und da wirkt das Gesehene etwas überzogen, trägt ein wenig zu dick auf ~ und doch konnte ich mir das fassungslos-amüsierte leichte Kopfschütteln nicht verkneifen, als Alexens Großvater sich mit seiner ominösen „Blindenbrille“ ans Steuer setzt, während Alex Jonathan mit den Worten „keine Sorge, er _denkt_ nur, dass er blind ist“ beruhigen möchte.

Die grob-befehlshaberische Äußerung _„Hund und Jude auf den Rücksitz!_“ mag für den ein oder anderen Zuschauer arg provokant rüberkommen, ist in dem dargebotenen Moment jedoch alles andere als anstößig. Überhaupt liefert „Alles ist erleuchtet“ kleinere Denkanstöße, mit denen man in jenen Momenten gar nicht mal gerechnet hätte; besticht gleichzeitig durch eine tiefe Ernsthaftigkeit sowie Szenen, die nicht aberwitziger hätten sein können.

Obschon die Frage _„Warum ist er kein Fleisch? Was fehlt ihm denn?“_ an für sich gar nicht so witzig ist; hat die genannte Szene, in der Jonathan somit lediglich eine trockene Kartoffel vorgesetzt bekommt, definitiv etwas für sich. Dass er diese sodann versehentlich auf den Boden befördert, der Großvater ein trockenes „Willkommen in der Ukraine“ von sich gibt und Jonathan sodann seine Plastikfolien hervorholt, klingt in der von mir gelieferten Beschreibung wie ein schlechter Mr. Bean Gag; weiß im Film jedoch durchaus zu überzeugen.

Ohnehin stellt „Alles ist erleuchtet“ eine Darbietung dar, die man nur schwer umschreiben kann, ohne dass sich der völlig falsche Eindruck auftut, es würde sich hier um ein absolut langweiliges und nichtssagendes Werk handeln.
Unabstreitbar weist das Gesehene einerseits ein paar wenige Längen auf, in denen man sich über kurz oder lang die Frage stellt, was das Ganze überhaupt soll. So richtig nachvollziehen kann man die Reise nur bedingt; überdies verschweigt der Autor/Regisseur alles, was nicht unmittelbar mit dieser Suche zu tun hat. Man erfährt rein gar nichts über die persönliche Lebenssituation von Jonathan, nur eine winzige Kleinigkeit über jene der Gastfamilie ~ dass man hier nicht auf pure Unterhaltung setzen darf, sollte dem potentiellen Interessenten somit bewusst sein, bevor er sich diesem Werk widmet.

Die vereinzelte Überspitzung diverser Momente erinnert leicht an „Jakob der Lügner“ (wo Liev Schreiber dann tatsächlich auch VOR der Kamera zu sehen war), geht manch einem vermutlich zu weit, während die Szenen, die unter die Haut gehen, jenes oftmals genau aus dem Grund tun, weil sie so unverhofft-plötzlich ihren Platz finden. Gerade noch weiß man als Zuschauer nicht, was man von einer Szene halten soll, findet sie regelrecht obskur und hart an der Grenze zum albernen.... da erwischt es einen eiskalt. Dabei wirkt der Übergang dieser Gefühlsebenen nicht deplatziert oder „zu hart“, sondern weiß vielmehr zu überzeugen und zu berühren.

Besonders hervorzuheben der Umstand, dass hier einerseits offenkundig Jonathans Geschichte erzählt wird; gleichzeitig sich jedoch mehr und mehr herauskristallisiert, dass es sich vielmehr (oder zumindest gleichermaßen) um die Geschichte des Großvaters handelt.

Eine Suche, die Vergangenheit, Träume, Erinnerungen, Verschwiegenheit, Verarbeitung, Tragik, Melancholie, Einsamkeit, Überlebenswillen, Verdrängung, Erlösung... all jenes spielt in den überaus ruhigen Film eine Rolle, ihren Platz, weiß je für sich zu überzeugen und zu berühren. Die vermeintliche Aussage _„Die Vergangenheit ist immer an unserer Seite ~ auf diese Weise wird jeder, der uns ein Stück unseres Weges begleitete, immer bei uns sein“_ findet schlussendlich ihren (gesprochenen) Platz; rundet das Gesehene noch einmal ab und lässt den Zuschauer mit einem etwas melancholischen Gefühl zurück, welches nicht zuletzt überdies auf dem filmisch dargebotenen Versuch basiert, sein Leben an der Seite seiner Vergangenheit zu begraben.

Die drei Hauptprotagonisten überzeugen allesamt, jede für sich, während Elijah Wood hier völlig anders rüberkommt, als ich es befürchtet hätte. Seine ihm auferlegte Rolle passt haargenau zu seiner Optik; von Anfang an nimmt man ihm den leicht schrägen Sammler ab, den es nur bedingt zu stören scheint, dass er auf seiner Reise mit den für ihn merkwürdigsten Momenten konfrontiert wird.

Wer sich für die '''DVD-Extras''' interessiert, dem sei gesagt, dass sich diese auf den '''Kinotrailer''', sowie 18 '''nicht verwendete Szenen''' beschränken. Meiner Ansicht nach sind gerade die entfernten Szenen oftmals sehenswerter als ein Audiokommentar; doch auch diese schaut man sich im Grunde lediglich ~ wenn überhaupt ~ ein einziges Mal an und wird seine Kaufentscheidung kaum von jenen Details abhängig machen.

===Summa summarum=== hat mir „Alles ist erleuchtet“ überraschend gut gefallen. Überraschend dahingehend, dass ich mir während den ersten 15 Minuten nicht vorstellen konnte, dass der Film noch die Kurve bekommen würde. Ich bin absolut kein Fan davon, fast die halbe Spielzeit die stattfindenden Gespräche lesen zu müssen; dank dessen ich mitunter „Gegen die Wand“ nie zu Ende geschaut habe. „Alles ist erleuchtet“ hingegen schaffte es, dass ich meine diesbezügliche Abneigung überwand; was durchaus für sich sprechen sollte.

Nichtsdestotrotz basiert der von mir vorgenommenen Punktabzug auf der Untertitelung; eben weil diese zum einen von den oftmals wahrlich bombastischen Bildern ablenkt und zum anderen stellenweise nicht mal wirklich lesbar ist. Weiße Schrift auf schwimmbadblauem Hintergrund ist selten eine gute Idee, zu guter letzt darf man sich fast schon die Frage stellen, ob es nicht klüger gewesen wäre, Jonathans Text zu untertiteln, während man die ukrainischen Gespräche in der jeweiligen (DVD-bezogenen) Landessprache übersetzt hätte.

Dass man „Alles ist erleuchtet“ nicht monatlich sehen mag, liegt auf der Hand ~ ähnlich wie “Unter der Sonne der Toskana“ mag man den Film eher selten betrachten, was aber durchaus nicht als Manko zu verstehen sein soll.


Erneut eine Veröffentlichung für die eher ruhigen, behaglichen und besinnlichen Tage; wer eher auf Action, Spannung und vielerlei turbulenten Geschehnissen aus ist, der darf ruhigen Gewissens sein Augenmerk auf alternative Angebote im DVD-Regal richten.

33 Bewertungen, 5 Kommentare

  • XXLALF

    02.10.2010, 21:32 Uhr von XXLALF
    Bewertung: sehr hilfreich

    und ein wunderschönes wochenende

  • anonym

    02.10.2010, 18:41 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöne Grüsse, Talulah

  • Lanch999

    02.10.2010, 17:49 Uhr von Lanch999
    Bewertung: sehr hilfreich

    Guter Bericht! LG von Lanch999 Freue mich über Gegenlesung von dir :D

  • Bochsi

    02.10.2010, 17:45 Uhr von Bochsi
    Bewertung: sehr hilfreich

    Super Bericht von dir mach weiter so :) Ps: Freue mich sehr auf gegenlesung :D lg Julian

  • morla

    02.10.2010, 15:05 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    wünsche dir ein schönes wochenende. lg. petra