May (DVD) Testbericht

May-dvd-horrorfilm
ab 9,93
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Erfahrungsbericht von LilithIbi

"NIEMAND ist GERN allein."

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Nicht genug damit, dass sich die Freiwillige Selbstkontrolle so absolut uneins war, welches Label sie dem 90minütigen Werk

===“May“=== verpassen sollten, so dass man nach wie vor die FSK18 Version wie auch die Uncut Ausgabe (FSK16!) erwerben darf ~ auch die Kategorisierung fällt hier so schwer, dass man hin und wieder mit den Bezeichnungen Drama | Horror | Mystery | Thriller konfrontiert wird ~ und das alles gleichzeitig, versteht sich.

Fakt ist, dass ich persönlich mich ansatzweise der Aussage seitens des sog. _„Lexikon des internationalen Films“_ anschließen würde, wo es wortgemäß heißt: _„Streckenweise intensiv gespieltes Psychodrama, das sich im letzten Drittel zum lupenreinen Horrorfilm mit drastischen Effekten entwickelt.“_

Tatsächlich reicht _„May“_ weder an einen waschechten Horrorfilm heran, noch darf man den werbetextenden Vergleich zu _„Chucky“_ auch nur einen Hauch ernst nehmen. Vielmehr beginnt das eigentliche Psychodrama damit, wie sehr bereits in der Kindheit der Grundstein für die späteren Ereignisse gelegt wird. So abgedroschen der begründende Satz „sie hatte eine schwere Kindheit“ auch lauten mag, so sehr krampft sich gleichermaßen das zuschauerliche Herz zusammen, wenn er die junge May (Chandler Riley Hecht) sieht, die durch einen Augenfehler bedingt eine entsprechende Augenklappe tragen muss, dessengebleitend die Mutter (Merle Kennedy) den Ratschlag

_„Möchtest du Freunde finden? Dann lass dein Auge verdeckt!“_

loslässt. Mit den späteren Worten _„wenn du keine Freunde findest, dann mach dir welche“_ überreicht sie ihrer Tochter schließlich eine Puppe, die May allerdings weder auspacken, geschweige denn anfassen darf. Die Zurückgezogenheit, die May somit als Kind bereits auslebte, nimmt mehr und mehr Gestalt an; zu sehr hat sie sich als Kind einzig und allein auf Susy konzentriert, ihr alle Geheimnisse anvertraut und den Rat ihrer Mutter beherzigt.Der Gedanke

_„Wenn du Leute das erste Mal siehst, denkst du, du könntest sie gern haben. Aber wenn du mit ihnen redest, siehst du etwas, was dir nicht gefällt.“_

wird nicht nur ihr Leitmotiv, sondern involviert eine unabstreitbare Wahrheit, die nur einen Kern der Tiefgründigkeiten des Filmes ausmacht.
Ein wenig wehmütig somit durchaus der Aspekt, dass hier und dort Szenerien platziert wurden, von denen man nicht weiß, ob sie wahrhaftig ernst gemeint waren oder eben doch eher _absichtlich_ amüsieren sollen.

Als Erwachsene arbeitet May (Angela Bettis) schließlich als Tierarzthelferin, die sich wenig später in Adam (Jeremy Sisto) verliebt. Völlig fasziniert von dessen Händen setzt sie alles daran, um ihn kennenzulernen; wirkt bei ihren Versuchen so hilflos-aufdringlich-sympathisch, dass spätestens an dieser Stelle klar sein dürfte, für diese Rolle eine großartige Schauspielerin gewonnen zu haben. Jene schafft es, sämtliche Facetten May's absolut authentisch zu transportieren; überzeugt in einem obskuren Baby-doll-dress gleichermaßen wie als kompetente Operationshelferin und kuschelt sich unumgänglich in das Herz des Zuschauers.

Von Anfang an litt ich wahnsinnig mit, erkannte mich darüber hinaus in manchen (stalking) Momenten wieder; der bittersüße Humor, der an für sich eher tragischer Natur ist, geht nur schwer an einen vorbei. So gibt May beispielsweise nicht auf, Adam von sich zu überzeugen, will ihn zurückgewinnen, indem sich stundenlang gut gelaunt unmittelbar vor seiner Wohnungstür auf ihn wartet oder im gemeinsam besuchten Waschsalon verführerisch gedachte Wäsche in die Luft hält, um eine gemeinsame Erinnerung künstlich am Leben zu erhalten.

Potential für ein melancholisches Werk über die verletzliche Psyche einer Außenseiterin ist somit durchaus gegeben; leidet fatalerweise jedoch unter der ein oder anderen Darbietung, die einfach zu viel des Guten zu sein versucht.
In diesem Zusammenhang komme ich gut und gerne auf die „obligatorische Lesbenszene“ zu sprechen, die Dank der Kollegin Polly (Anna Faris) „immerhin“ recht ästhetisch gestaltet wurde. Um den Eindruck hingegen, hier etwas zu kredenzen, was auf Teufel komm raus wenigstens den männlichen Zuschauern einen Anreiz liefert, komme ich dennoch nicht umhin.
Zu unglaubwürdig fügt sich Mays plötzliche Zuneigung zu Polly ins Ganze, scheint somit nur dem Umstand dienlich zu sein, dass diese von Anfang an von dem Hals-Stück ihrer Freundin fasziniert war.

Weiterhin betrachtete ich persönlich die Geschehnisse in einer Blindentagestätte als recht windig ~ dass irgendjemand auf dieser Welt, der nicht gerade Bestandteil eines der Saw-Filme ist, tapfer durch Glasscherben waten würde, um etwas zu suchen, kann mir fürwahr niemand weismachen.

Vermuten kann man in dieser eindringlichen Szene eher, dass es lediglich darum ging, dem Zuschauer ein weiteres malerisches Blutlachen-Bild zu repräsentieren.
Der mehr oder minder plötzliche Umschwung ins Tal der Blutrünstigkeit deutete Drehbuchautor und Regisseur zugleich Lucky McKee schon in einer Art Vorspann an ~ jenes Tun könnte man malerisch unter der Kernaussage „Menschen verletzten, nur als Puppen hingegen könnten sie echte Freunde sein“ zusammenfassen.
Die damit verbundenen Körperteilsammlungen sind nichts, was der Zuschauer in Großaufnahme präsentiert bekommt; und doch muss man sich gleichermaßen auf Momenten, in denen eine Schere als Mordwerkzeug verwendet wird, gefasst machen. Skalpell und sonstige Instrumente einer Tierarztpraxis kommen ebenfalls zum Einsatz; wohingegen die dargebotene Brutalität sich durchaus im Rahmen der erteilten FSK Freigabe bewegt. Soll heißen: ein Skalpell dringt in den Hals ein; von der eigentlichen Kopfabtrennung hingegen sieht der Zuschauer nichts.

===Summa summarum=== darf der Interessierte von „May“ generell nicht zu viel erwarten, Der Untertitel „Die Schneiderin des Todes“ wurde mal wieder etwas opulent gewählt; zumal die Basis des Films von Vertrauensbrüchen, Sehnsucht, Einsamkeit und einer gewissen Resignation ausgeht. Diese Ausgangssituation weist meiner Meinung nach durchaus ernsthaftes Potential für eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Serienkiller-Thematik auf ~ pure Horrorfilmfans hingegen werden zwangsläufig von dem Film enttäuscht sein und sich streckenweise sogar eher veralbert fühlen.

'''Die DVD selbst''' hingegen gaukelt dem Sammler ein umfangreiches Bonusmaterial vor, welches u. a. deutsche wie auch '''trailer''' in O-Ton beinhaltet, ein '''Audiokommentar''' umfasst und nicht zuletzt mit '''Biografien''', 'Production Notes''' sowie '''DVD Credits''' wirbt. Dass es sich bei letzteren drein um jeweilige Texttafeln handelt, nimmt der Menge an Extras natürlich wieder die Fülle. Zugegeben, die '''Production Notes''' sind einerseits zwar nicht völlig uninteressant sind, ergänzen das Gesehene förmlich mit einigen Informationen, die für das Gesamtverständnis wichtig sein könnten... andererseits wage ich zu behaupten, dass jene, die mit dem Film überhaupt etwas anfangen konnten, auf eben jene Offenbarungen auch selbst gekommen sein dürften.

'''Abschließend betrachtet''' hat mir der Film durchaus gefallen; während mir zugleich eine Bewertung nichtsdestominder schwer fällt. Mit dem einmaligen Ansehen ist die Sache durchaus gegessen, den Reiz, sich die DVD wiederholt in den Player zu legen, stelle ich mir just in diesen Augenblick eher geringfügig vor.

Generell weiß man von Anfang an, wie de Nähnadel läuft; großartige Überraschungen liefert „May“ somit an für sich keine. Ferner hätte man keineswegs auf eben jene Darsteller verzichten können, die für die entsprechenden Rollen ausgewählt worden ~ mit einer anderen Besetzung hätte das Gesamtwerk meiner Ansicht nach kaum derartig überzeugen können. Da aber nunmal alles so ist, wie es denn nunmal ist, einige ich mich nach diesem Monolog mit mir selbst auf eine 3sternige Neutralitätsempfehlung sowie eine etwas eindringlichere für jene, die wissen, dass wahrer Horror stets zwischenmenschlicher Natur ist.

31 Bewertungen, 5 Kommentare

  • Miraculix1967

    13.08.2011, 16:17 Uhr von Miraculix1967
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schönes Wochenende und LG aus dem gallischen Dorf Miraculix1967

  • anonym

    08.08.2011, 21:49 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße Edith und Claus

  • goat

    08.08.2011, 00:26 Uhr von goat
    Bewertung: sehr hilfreich

    Einen schönen Sonntag Abend wünsch ich Dir.

  • sirikit06

    07.08.2011, 16:50 Uhr von sirikit06
    Bewertung: sehr hilfreich

    Wünsche noch einen schönen Sonntag! LG

  • tina08

    07.08.2011, 16:12 Uhr von tina08
    Bewertung: sehr hilfreich

    Viele Grüße ... Tina