Hoffmanns Erzählungen (DVD) Testbericht

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ab 6,82
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Erfahrungsbericht von IQIQIQ

Opernverfilmung, wie es sie heute nicht mehr gibt

Pro:

schöne Opernverfilmung, die der Bühnenaufführung eine weitere Dimension hinzufügt

Kontra:

veraltet in Bezug auf Gesangstechnik und Partitur

Empfehlung:

Ja

Wieder einmal eine Besprechung zu einer Musik-DVD von mir, genauer gesagt: zu einer Opernverfilmung.
Dass ich Filmfan bin, könnt ihr ja an meinen Berichten schon sehen. Aber meine zweite Leidenschaft gilt in der Tat der Oper.

"Hoffmanns Erzählungen" ist eine Oper des französischen Komponisten Jacques Offenbach von 1881. Sie gilt als eher "leichte" Musik, denn ihre Melodien sind größtenteils sehr eingängig. Auch diejenigen von euch, die normalerweise keine Opern mögen oder auch nur kennen, dürften einige Stücke daraus schon einmal gehört haben, etwa die Bacarole, die auch schon häufiger als Filmmusik herhalten musste.

Inhaltsangabe:
Der Dichter Hoffmann (bezieht sich auf E.T.A. Hoffmann) wartet auf seine Angebetete, die Primaballerina Stella (normalerweise: Sängerin), die ihn nach ihrer Vorstellung eingeladen hat. Um sich die Wartezeit zu verkürzen, lässt er sich von anderen Gästen in Luthers Bierkeller, der Kneipe, in der er wartet, dazu überreden, Geschichten zum Besten zu geben. Bald kommt er zu Erinnerungen an seine früheren unglücklichen Liebesgeschichten:
Olympia erschien ihm als die ideale Frau. Doch es stellte sich heraus, dass sie nur eine perfekte lebensgroße Puppe war und Hoffmann von ihrem Erfinder mit einer Brille genarrt wurde.
Dann verliebte sich Hoffmann in die Kurtisane Giulietta, die er verklärte. Doch Giulietta ging auf sein Werben nur ein, um ihm im Auftrag seines Rivalen das Spiegelbild zu rauben.
Und schließlich war da Antonia, die Sängerin, die wegen einer Krankheit nicht mehr singen durfte. Doch der unheimliche Scharlatan Dr. Miracle überredet sie, ihren Gesang nicht für Hoffmann aufzugeben. Antonia stirbt.
Von den traurigen Erinnerungen übermannt, trinkt Hoffmann zu viel. Als Stella endlich kommt, um sich mit ihm zu treffen, ist sie von seinem Zustand entsetzt und geht mit Hoffmanns Rivalen weg.


Auch heute gibt es ja im Fernsehen gelegentlich Opernaufnahmen zu sehen. Diese sind aber normalerweise ganz einfach in einem Opernhaus "abgefilmte" Bühneninszenierungen.
1951, als diese Aufnahme von "Hoffmanns Erzählungen" entstand, was das aber häufiger als heute ganz anders: Die Aufnahme entstand eigens als Kinoinszenierung. Zunächst wurden die Tonaufnahmen gemacht, die dann bei den Filmaufnahmen als Playback eingespielt wurden. Nur zwei der Sänger der (originalen) englischen Fassung wurden als schauspielerisch ausreichend qualifiziert betrachtet (oder auch umgekehrt), um ihre Partien nicht nur zu singen, sondern auch zu spielen, nämlich Robert Rounseville als Hoffmann und Anne Ayers als Antonia (heute wäre das sicher anders, weil die Sänger heute selbstverständlich auch Schauspielunterricht haben und die meisten sehr gut spielen). Die übrigen Rollen ließ man von Schauspielern oder Balletttänzern zur eingesungenen Musik nachspielen.
Der Film ist so inszeniert, dass durchaus der Eindruck einer Bühnenaufführung entsteht, aber über das, was in einer normalen Aufführung in einem Opernhaus möglich wäre, nutzt der Film wesentlich mehr Änderungen des Schauplatzes bzw. der Kulisse und natürlich häufige Wechsel der Kameraposition.
In mancher Hinsicht ist die Verfilmung natürlich veraltet. So ist beispielsweise zumindest an den meisten Opernhäusern im deutschsprachigen Raum der Einsatz des Balletts in Operninszenierungen aus der Mode gekommen. Ebenso ist es üblich geworden, den Stücken mindestens eine moderne Aussage, wenn nicht gar eine komplett moderne Inszenierung zu geben. Und üblicherweise werden heute an beinahe allen Opernhäusern fast alle Opern in der Originalsprache (das wäre hier Französisch) gegeben.
Auch der Gesangsstil der Aufnahme erscheint - egal ob im englischsprachigen Original oder in der deutschen Fassung - vergleichsweise schmalzig. Heute wird ganz anders gesungen.
Speziell für diese Oper muss man hier sogar noch weitergehen: Sie wurde bis in die 90er Jahre in der Fassung gespielt, die hier zugrunde liegt, doch nach neueren Forschungen sind Aufzeichnungen des Komponisten aufgetaucht, die nahe legen, dass die (nicht abgeschlossene) Oper in einer anderen Form konzipiert war. So ist in neuen Inszenierungen die Partie von Hoffmanns Muse, die ihn in Gestalt seines Freundes Nicklausse begleitet, gegenüber dieser Fassung ganz erheblich ausgebaut. Außerdem wird in neuster Zeit der Giulietta-Akt und der Antonia-Akt üblicherweise in umgekehrter Reihenfolge gespielt, was die Aussage der ganzen Oper ein wenig verschiebt.
Eigentlich bin ich ein Fan dieser "Neuentdeckungen" und "Neuinterpreationen" innerhalb dieser Oper. Dennoch gefällt mir diese alte Inszenierung recht gut, weil sie den Ton des Stücks (und der Erzählungen von E.T.A. Hoffmann) immer an der Grenze zwischen Realität und surrealen Elementen (bzw. Hoffmanns "Suff") sehr schön trifft. Außerdem ist es schön, dass auch die Vorgeschichten zur jeder der Storys während der Ouvertüre und den Orchesterzwischenspielen ein wenig gezeigt werden.

Zu den Sängern der englischen Originalfassung kann ich wenig sagen, sie sind mir nicht geläufig, obwohl Robert Rounseville in Amerika ein großer Star gewesen sein soll. Ich habe aber außer dieser Aufnahme leider nie etwas von ihm gehört.
An der deutschen Synchronfassung wirken allerdings überaus renommierte Sänger mit, allen voran Rudolf Schock als Hoffmann und Rita Streich als Olympia. Ich habe mir beide Fassungen angehört und finde die deutsche qualitativ besser. Einen Haken hat sie allerdings: Während die englische einigermaßen lippensychron ist, gilt das für die deutsche leider überhaupt nicht. Ich schätze allerdings, dass das auch nicht zu bewerkstelligen gewesen wäre, denn man hat hier ja höchstens minimale Möglichkeiten, den deutschen Gesang an die bereits an den englischen Gesang angepasste Schauspielerei anzupassen.



Die DVD-Ausstattung:
Die DVD enthält den Film in deutscher und englischer Fassung, man kann auch deutsche Untertitel einblenden lassen. Die deutsche Fassung ist damals (fürs deutsche Kino) stärker geschnitten worden als die englische. Aus diesem Grund bekommt man auch bei Auswahl der deutschen Fassung einige Abschnitte in englischer Fassung (mit deutschen Untertiteln) gezeigt. Eine sehr gute Entscheidung, finde ich, denn in der eigentlichen deutschen Fassung würden ein paar Stellen verloren gehen, die nicht nur für die Story wesentlich sind, sondern auch ein paar besonders schöne Gesangstücke enthalten.
Was aus heutiger Sicht fehlt, ist eindeutig eine französische Fassung, sprich: eine in der Originalsprache der Oper, aber in den 50er Jahren war es noch nicht üblich, Opern auch im Ausland in der Originalsprache aufzuführen.
Leider - aber für einen Film von 1951 selbstverständlich und daher nicht wirklich zu bemängeln - sind beide Fassungen nur Mono, für Dolby Digital nachbearbeitet. Wer nun bei "50er Jahre"-Aufnahme die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, liegt deshalb falsch, denn die Nachbearbeitung war hervorragend. Man bekommt zwar zwangsläufig keinen echten Stereoton, aber man bekommt zumindest auch kein ständiges Knacken und Rauschen, wie man das befürchten könnte. Die Qualität ist damit für das, was man aus so einer alten Aufnahme machen kann, sicherlich ziemlich nah am Optimum.


"Extras":
"Trailer":
Hier findet sich der deutsche Kinotrailer von "Hoffmanns Erzählungen" von 1951. Trailer aus dieser Zeit wirken heute meistens sehr merkwürdig, aber dies ist einer der besseren. Er zeigt viel und preist vergleichsweise wenig marktschreierisch an.

"Produktionsnotizen":
Das sind mehrseitige schriftliche Informationen über die Produktion, sicherlich interessant für diejenigen, die ein wenig über die Hintergründe der Produktion erfahren möchten, aber leider nicht genug, um die Neugier wirklich zu befriedigen.

"Weitere Highlights":
Hier sind Trailer zu "Carmen", "Hamlet", "Goya", "Das blaue Licht", "Sein oder Nichtsein", "Der Zauberberg", "Medea" und "Die Reise der Pinguine" versammelt. Obwohl ich große Mühe hätte, den gemeinsamen Nenner all dieser Filme zu benennen, glaube ich doch, dass die Auswahl gut ist und viele der Zuschauer von "Hoffmanns Erzählungen" ansprechen könnte.



Fazit:
Ein sehenswerter Opernfilm, der der Bühnenerfahrung optisch noch eine zusätzliche Dimension hinzufügt. Das macht die Aufnahme sehenswert, selbst wenn gerade bei dieser Oper die Entwicklung seither weitergegangen ist.
Ich weiß natürlich, dass ich die Opernhasser unter euch nicht dazu bewegen werde, diese DVD anzusehen. Aber für alle, die Oper mögen, ist es eine lohnende Anschaffung, zumal die DVD mit unter 15 Euro recht günstig ist.

77 Bewertungen, 27 Kommentare

  • Düsseldorf

    26.11.2006, 02:00 Uhr von Düsseldorf
    Bewertung: sehr hilfreich

    lese gern

  • Baby1

    23.11.2006, 00:11 Uhr von Baby1
    Bewertung: sehr hilfreich

    ~~ ** LG Anita ** ~~

  • swissflyer

    16.10.2006, 04:05 Uhr von swissflyer
    Bewertung: sehr hilfreich

    Klingt in der Tat sehr gut, auch wenn ich mit Opern bis zum jetztigen Zeitpunkt nichts am Hut hatte, sondern eher ein wenig der Musical-Zyp war (Mama-mia, Buddy, Cats usw.) Aber Dein Bericht mach mich doch neugierig...

  • junior33

    04.10.2006, 11:25 Uhr von junior33
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH und liebe Grüße, Ingo !

  • sudden23

    27.09.2006, 03:50 Uhr von sudden23
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg Martin

  • superlativ

    26.09.2006, 18:06 Uhr von superlativ
    Bewertung: sehr hilfreich

    liebe grüße!

  • anonym

    22.09.2006, 19:59 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße Edith und Claus

  • stegi

    16.09.2006, 17:40 Uhr von stegi
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG Martin

  • misscindy

    16.09.2006, 00:08 Uhr von misscindy
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh + lg

  • Zuckermaus29

    15.09.2006, 13:42 Uhr von Zuckermaus29
    Bewertung: sehr hilfreich

    :o) liebe Grüße Jeanny

  • anonym

    15.09.2006, 12:24 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    das waere doch mal etwas fuer mich..............lg eva

  • anonym

    14.09.2006, 15:37 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Lieben Gruß :-)) Marianne

  • felix_edzard@web.de

    14.09.2006, 14:18 Uhr von [email protected]
    Bewertung: sehr hilfreich

    schöner bericht, danke sh gruss felix

  • Binki

    14.09.2006, 14:08 Uhr von Binki
    Bewertung: sehr hilfreich

    °°° sh & LG Binki °°°

  • bigmama

    14.09.2006, 01:13 Uhr von bigmama
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg Anett

  • papaonline

    14.09.2006, 00:04 Uhr von papaonline
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg von papaonline und ein gleichzeitiges SH

  • anonym

    13.09.2006, 18:30 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh :o)

  • Schnarcher1

    13.09.2006, 18:15 Uhr von Schnarcher1
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr hilfreich! LG

  • anonym

    13.09.2006, 17:28 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    war meine erste Operette, die ich gesehen habe :-)

  • mural9

    13.09.2006, 17:07 Uhr von mural9
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG Inna

  • krullinchen

    13.09.2006, 16:25 Uhr von krullinchen
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh... LG Bine

  • panico

    13.09.2006, 14:06 Uhr von panico
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh+lg panico :-)

  • Vamada

    13.09.2006, 14:02 Uhr von Vamada
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg Michaela

  • willibald-1

    13.09.2006, 13:09 Uhr von willibald-1
    Bewertung: sehr hilfreich

    ich freue mich schon, das Stück in wenigen Wochen live zu haben - eine gute Vorbereitung vielleicht?

  • honeymaus

    13.09.2006, 13:07 Uhr von honeymaus
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH & LG, Manuela

  • anonym

    13.09.2006, 13:05 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    ***SH und LG***

  • Tweety30

    13.09.2006, 12:58 Uhr von Tweety30
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöner Bericht. Liebe Grüße, Tweety30!