Hoffmanns Erzählungen (DVD) Testbericht
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Erfahrungsbericht von IQIQIQ
Opernverfilmung, wie es sie heute nicht mehr gibt
Pro:
schöne Opernverfilmung, die der Bühnenaufführung eine weitere Dimension hinzufügt
Kontra:
veraltet in Bezug auf Gesangstechnik und Partitur
Empfehlung:
Ja
Dass ich Filmfan bin, könnt ihr ja an meinen Berichten schon sehen. Aber meine zweite Leidenschaft gilt in der Tat der Oper.
"Hoffmanns Erzählungen" ist eine Oper des französischen Komponisten Jacques Offenbach von 1881. Sie gilt als eher "leichte" Musik, denn ihre Melodien sind größtenteils sehr eingängig. Auch diejenigen von euch, die normalerweise keine Opern mögen oder auch nur kennen, dürften einige Stücke daraus schon einmal gehört haben, etwa die Bacarole, die auch schon häufiger als Filmmusik herhalten musste.
Inhaltsangabe:
Der Dichter Hoffmann (bezieht sich auf E.T.A. Hoffmann) wartet auf seine Angebetete, die Primaballerina Stella (normalerweise: Sängerin), die ihn nach ihrer Vorstellung eingeladen hat. Um sich die Wartezeit zu verkürzen, lässt er sich von anderen Gästen in Luthers Bierkeller, der Kneipe, in der er wartet, dazu überreden, Geschichten zum Besten zu geben. Bald kommt er zu Erinnerungen an seine früheren unglücklichen Liebesgeschichten:
Olympia erschien ihm als die ideale Frau. Doch es stellte sich heraus, dass sie nur eine perfekte lebensgroße Puppe war und Hoffmann von ihrem Erfinder mit einer Brille genarrt wurde.
Dann verliebte sich Hoffmann in die Kurtisane Giulietta, die er verklärte. Doch Giulietta ging auf sein Werben nur ein, um ihm im Auftrag seines Rivalen das Spiegelbild zu rauben.
Und schließlich war da Antonia, die Sängerin, die wegen einer Krankheit nicht mehr singen durfte. Doch der unheimliche Scharlatan Dr. Miracle überredet sie, ihren Gesang nicht für Hoffmann aufzugeben. Antonia stirbt.
Von den traurigen Erinnerungen übermannt, trinkt Hoffmann zu viel. Als Stella endlich kommt, um sich mit ihm zu treffen, ist sie von seinem Zustand entsetzt und geht mit Hoffmanns Rivalen weg.
Auch heute gibt es ja im Fernsehen gelegentlich Opernaufnahmen zu sehen. Diese sind aber normalerweise ganz einfach in einem Opernhaus "abgefilmte" Bühneninszenierungen.
1951, als diese Aufnahme von "Hoffmanns Erzählungen" entstand, was das aber häufiger als heute ganz anders: Die Aufnahme entstand eigens als Kinoinszenierung. Zunächst wurden die Tonaufnahmen gemacht, die dann bei den Filmaufnahmen als Playback eingespielt wurden. Nur zwei der Sänger der (originalen) englischen Fassung wurden als schauspielerisch ausreichend qualifiziert betrachtet (oder auch umgekehrt), um ihre Partien nicht nur zu singen, sondern auch zu spielen, nämlich Robert Rounseville als Hoffmann und Anne Ayers als Antonia (heute wäre das sicher anders, weil die Sänger heute selbstverständlich auch Schauspielunterricht haben und die meisten sehr gut spielen). Die übrigen Rollen ließ man von Schauspielern oder Balletttänzern zur eingesungenen Musik nachspielen.
Der Film ist so inszeniert, dass durchaus der Eindruck einer Bühnenaufführung entsteht, aber über das, was in einer normalen Aufführung in einem Opernhaus möglich wäre, nutzt der Film wesentlich mehr Änderungen des Schauplatzes bzw. der Kulisse und natürlich häufige Wechsel der Kameraposition.
In mancher Hinsicht ist die Verfilmung natürlich veraltet. So ist beispielsweise zumindest an den meisten Opernhäusern im deutschsprachigen Raum der Einsatz des Balletts in Operninszenierungen aus der Mode gekommen. Ebenso ist es üblich geworden, den Stücken mindestens eine moderne Aussage, wenn nicht gar eine komplett moderne Inszenierung zu geben. Und üblicherweise werden heute an beinahe allen Opernhäusern fast alle Opern in der Originalsprache (das wäre hier Französisch) gegeben.
Auch der Gesangsstil der Aufnahme erscheint - egal ob im englischsprachigen Original oder in der deutschen Fassung - vergleichsweise schmalzig. Heute wird ganz anders gesungen.
Speziell für diese Oper muss man hier sogar noch weitergehen: Sie wurde bis in die 90er Jahre in der Fassung gespielt, die hier zugrunde liegt, doch nach neueren Forschungen sind Aufzeichnungen des Komponisten aufgetaucht, die nahe legen, dass die (nicht abgeschlossene) Oper in einer anderen Form konzipiert war. So ist in neuen Inszenierungen die Partie von Hoffmanns Muse, die ihn in Gestalt seines Freundes Nicklausse begleitet, gegenüber dieser Fassung ganz erheblich ausgebaut. Außerdem wird in neuster Zeit der Giulietta-Akt und der Antonia-Akt üblicherweise in umgekehrter Reihenfolge gespielt, was die Aussage der ganzen Oper ein wenig verschiebt.
Eigentlich bin ich ein Fan dieser "Neuentdeckungen" und "Neuinterpreationen" innerhalb dieser Oper. Dennoch gefällt mir diese alte Inszenierung recht gut, weil sie den Ton des Stücks (und der Erzählungen von E.T.A. Hoffmann) immer an der Grenze zwischen Realität und surrealen Elementen (bzw. Hoffmanns "Suff") sehr schön trifft. Außerdem ist es schön, dass auch die Vorgeschichten zur jeder der Storys während der Ouvertüre und den Orchesterzwischenspielen ein wenig gezeigt werden.
Zu den Sängern der englischen Originalfassung kann ich wenig sagen, sie sind mir nicht geläufig, obwohl Robert Rounseville in Amerika ein großer Star gewesen sein soll. Ich habe aber außer dieser Aufnahme leider nie etwas von ihm gehört.
An der deutschen Synchronfassung wirken allerdings überaus renommierte Sänger mit, allen voran Rudolf Schock als Hoffmann und Rita Streich als Olympia. Ich habe mir beide Fassungen angehört und finde die deutsche qualitativ besser. Einen Haken hat sie allerdings: Während die englische einigermaßen lippensychron ist, gilt das für die deutsche leider überhaupt nicht. Ich schätze allerdings, dass das auch nicht zu bewerkstelligen gewesen wäre, denn man hat hier ja höchstens minimale Möglichkeiten, den deutschen Gesang an die bereits an den englischen Gesang angepasste Schauspielerei anzupassen.
Die DVD-Ausstattung:
Die DVD enthält den Film in deutscher und englischer Fassung, man kann auch deutsche Untertitel einblenden lassen. Die deutsche Fassung ist damals (fürs deutsche Kino) stärker geschnitten worden als die englische. Aus diesem Grund bekommt man auch bei Auswahl der deutschen Fassung einige Abschnitte in englischer Fassung (mit deutschen Untertiteln) gezeigt. Eine sehr gute Entscheidung, finde ich, denn in der eigentlichen deutschen Fassung würden ein paar Stellen verloren gehen, die nicht nur für die Story wesentlich sind, sondern auch ein paar besonders schöne Gesangstücke enthalten.
Was aus heutiger Sicht fehlt, ist eindeutig eine französische Fassung, sprich: eine in der Originalsprache der Oper, aber in den 50er Jahren war es noch nicht üblich, Opern auch im Ausland in der Originalsprache aufzuführen.
Leider - aber für einen Film von 1951 selbstverständlich und daher nicht wirklich zu bemängeln - sind beide Fassungen nur Mono, für Dolby Digital nachbearbeitet. Wer nun bei "50er Jahre"-Aufnahme die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, liegt deshalb falsch, denn die Nachbearbeitung war hervorragend. Man bekommt zwar zwangsläufig keinen echten Stereoton, aber man bekommt zumindest auch kein ständiges Knacken und Rauschen, wie man das befürchten könnte. Die Qualität ist damit für das, was man aus so einer alten Aufnahme machen kann, sicherlich ziemlich nah am Optimum.
"Extras":
"Trailer":
Hier findet sich der deutsche Kinotrailer von "Hoffmanns Erzählungen" von 1951. Trailer aus dieser Zeit wirken heute meistens sehr merkwürdig, aber dies ist einer der besseren. Er zeigt viel und preist vergleichsweise wenig marktschreierisch an.
"Produktionsnotizen":
Das sind mehrseitige schriftliche Informationen über die Produktion, sicherlich interessant für diejenigen, die ein wenig über die Hintergründe der Produktion erfahren möchten, aber leider nicht genug, um die Neugier wirklich zu befriedigen.
"Weitere Highlights":
Hier sind Trailer zu "Carmen", "Hamlet", "Goya", "Das blaue Licht", "Sein oder Nichtsein", "Der Zauberberg", "Medea" und "Die Reise der Pinguine" versammelt. Obwohl ich große Mühe hätte, den gemeinsamen Nenner all dieser Filme zu benennen, glaube ich doch, dass die Auswahl gut ist und viele der Zuschauer von "Hoffmanns Erzählungen" ansprechen könnte.
Fazit:
Ein sehenswerter Opernfilm, der der Bühnenerfahrung optisch noch eine zusätzliche Dimension hinzufügt. Das macht die Aufnahme sehenswert, selbst wenn gerade bei dieser Oper die Entwicklung seither weitergegangen ist.
Ich weiß natürlich, dass ich die Opernhasser unter euch nicht dazu bewegen werde, diese DVD anzusehen. Aber für alle, die Oper mögen, ist es eine lohnende Anschaffung, zumal die DVD mit unter 15 Euro recht günstig ist.
77 Bewertungen, 27 Kommentare
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26.11.2006, 02:00 Uhr von Düsseldorf
Bewertung: sehr hilfreichlese gern
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23.11.2006, 00:11 Uhr von Baby1
Bewertung: sehr hilfreich~~ ** LG Anita ** ~~
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16.10.2006, 04:05 Uhr von swissflyer
Bewertung: sehr hilfreichKlingt in der Tat sehr gut, auch wenn ich mit Opern bis zum jetztigen Zeitpunkt nichts am Hut hatte, sondern eher ein wenig der Musical-Zyp war (Mama-mia, Buddy, Cats usw.) Aber Dein Bericht mach mich doch neugierig...
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04.10.2006, 11:25 Uhr von junior33
Bewertung: sehr hilfreichSH und liebe Grüße, Ingo !
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27.09.2006, 03:50 Uhr von sudden23
Bewertung: sehr hilfreichlg Martin
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26.09.2006, 18:06 Uhr von superlativ
Bewertung: sehr hilfreichliebe grüße!
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22.09.2006, 19:59 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüße Edith und Claus
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16.09.2006, 17:40 Uhr von stegi
Bewertung: sehr hilfreichLG Martin
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16.09.2006, 00:08 Uhr von misscindy
Bewertung: sehr hilfreichsh + lg
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15.09.2006, 13:42 Uhr von Zuckermaus29
Bewertung: sehr hilfreich:o) liebe Grüße Jeanny
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15.09.2006, 12:24 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichdas waere doch mal etwas fuer mich..............lg eva
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14.09.2006, 15:37 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichLieben Gruß :-)) Marianne
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14.09.2006, 14:18 Uhr von [email protected]
Bewertung: sehr hilfreichschöner bericht, danke sh gruss felix
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14.09.2006, 14:08 Uhr von Binki
Bewertung: sehr hilfreich°°° sh & LG Binki °°°
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14.09.2006, 01:13 Uhr von bigmama
Bewertung: sehr hilfreichlg Anett
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14.09.2006, 00:04 Uhr von papaonline
Bewertung: sehr hilfreichlg von papaonline und ein gleichzeitiges SH
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13.09.2006, 18:30 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichsh :o)
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13.09.2006, 18:15 Uhr von Schnarcher1
Bewertung: sehr hilfreichSehr hilfreich! LG
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13.09.2006, 17:28 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichwar meine erste Operette, die ich gesehen habe :-)
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13.09.2006, 17:07 Uhr von mural9
Bewertung: sehr hilfreichLG Inna
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13.09.2006, 16:25 Uhr von krullinchen
Bewertung: sehr hilfreichsh... LG Bine
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13.09.2006, 14:06 Uhr von panico
Bewertung: sehr hilfreichsh+lg panico :-)
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13.09.2006, 14:02 Uhr von Vamada
Bewertung: sehr hilfreichlg Michaela
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13.09.2006, 13:09 Uhr von willibald-1
Bewertung: sehr hilfreichich freue mich schon, das Stück in wenigen Wochen live zu haben - eine gute Vorbereitung vielleicht?
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13.09.2006, 13:07 Uhr von honeymaus
Bewertung: sehr hilfreichSH & LG, Manuela
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13.09.2006, 13:05 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreich***SH und LG***
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13.09.2006, 12:58 Uhr von Tweety30
Bewertung: sehr hilfreichSchöner Bericht. Liebe Grüße, Tweety30!
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