Thirteen Days (DVD) Testbericht

ab 8,35
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Erfahrungsbericht von mima007

Mittelguter Film, klasse DVD

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Bricht der Dritte Weltkrieg nun aus oder nicht? Das ist die Hauptfrage, und sie erzeugt am meisten Spannung im Film. Denn alle Militärs sind wie anno 1914 geil darauf, Krieg zu führen – und dabei kurz mal die Commies in Kuba plattzumachen. Die einzigen, die dagegen sind: die beiden Kennedys, John und Robert, und ihr Sonderassistent, Kenny McDonnell (K. Costner). Denn sie wissen: Dieser Krieg wird ein Atomkrieg sein. Und Berlin wäre sein erstes Opfer.
Ein Thriller für Historiker, so lautete daher mein erster Eindruck. Dass dieser Film aber auch eine Charakterstudie und ein historisches Dokument in sich selbst ist, wurde mir erst nach Durchsicht der 2. CD klar. Sie enthält schier zahllose Porträts der wichtigsten Persönlichkeiten, die im Film im Kontext der Kuba-Krise eine Rolle spielen.

Der Film ist immer noch ein gutes Stück davon entfernt, vollkommen zu sein. Dafür haben zu viele Köche daran mitgekocht, beispielsweise die Regierung und das Militär. Castro etwa kommt überhaupt nicht vor, lediglich sein Botschafter. Chruschtschow dito. Durch die geschnittenen Szenen kommt der Einfluss der Hauptfigur, Kenny McDonnells, nur noch unvollständig zum Tragen, und folglich macht ihr Darsteller Kevin Costner des öfteren den Eindruck, einfach nur dekorativ in der Gegend herumzustehen (meist mit in die Hüfte gestützten Fäusten) – tödlich für jeden Schauspieler.

Handlung

Mitte Oktober 1962. Ein hochfliegendes U2-Aufklärungsflugzeug der Amis macht Fotos von Raketen, die die Sowjets heimlich nach Kuba transportiert haben. Castro hat eine Scheißangst, dass die Amis eine zweite Invasion wie die gescheiterte in der Schweinebucht vorbereiten und lässt daher mit russischer Hilfe einen Raktenschutzschild an seiner Nordlüste errichten.

Die Nachricht von den Raketen versetzt die Amis in Angst und Wut. Raketen in ihrem Hinterhof, die in der Lage sind, ihre Hauptstadt binnen 5 Minuten auszuradieren – mit 80 Mio. Toten? Nie und nimmer!
Der Generalsstab von Navy, Army und Air Force drängen den gerade mal zwei Jahre amtierenden US-Präsidenten John "Jack" F. Kennedy (JFK) , sofort einen Luftangriff und danach eine Invasion anzuordnen. Die russischen Schiffe mit den Raketen an Bord müssten zudem gestoppt, notfalls versenkt werden.

Doch wie Jacks Bruder Robert, der Justizminister, und ihrer beider Freund kenny McDonnell schnell erkennen: Die angreifenden USA würden als Aggressor sofort in die schwächere Position geraten. Doch zum Verhandeln bleibt auch keine Zeit: Die gefährlichen Raketen werden bereits einsatzbereit gemacht. Daher bleibt nur eine dritter Weg: die Blockade Kubas und das Abfangen der russischen Schiffe.

Dumm nur, dass die Militärs anderes vorhaben. Sie erhöhen eigenmächtig den Verteidgungsstatus der Streitkräfte, testen unbekümmert eine neue Atombombe und knallen den Russkis einen vor den Latz. Offenbar haben sie überhaupt nichts kapiert. Wie können der Präsident und seine engsten Berater einen friedlichen Ausweg finden und Chruschtschow einen Rückzugsweg eröffnen, wenn ihnen die eigenen Militärs in den Rücken fallen?

Der Regen der Atombomben scheint nicht mehr abwendbar zu sein: Von Anfang bis Ende bekommen wir schaurig-schöne Explosionen zu Lande, zu Wasser und in der Luft zu sehen: Armageddon wartet schon.

Meine Meinung

Wie gesagt: ein historischer Thriller. Doch ein gut gemachter, äußerst realistischer Thriller von fast dokumentarischer Akkuratesse. Schwarzweißsequenzen sollen im ersten Viertel den Eindruck der Historizität verstärken. Allerdings geben die Dokumentatoren auf der 2. CD indirekt zu, dass gerade die Figur des Kenny McDonnell mit dichterischer Freiheit gestaltet wurde. Alle anderen Darstellungen basieren auf Ende der 90er Jahre freigegebenen Tonbandaufzeichnungen des Weißen Hauses.

Kritikpunkte

Das Vergnügen an diesem Film ist nicht ungetrübt. Zunächst einmal gibt es kaum einen Funken Humor außer in einer Szene – und selbst die einzige humorvolle Figur, eine Telefonistin, hat nur einen kurzen Auftritt. Alle anderen Frauen sind entweder moralische Stützen oder Ausführungsgehilfen der Mächtigen: Sekretärinnen, Ehegattinnen usw. – sogar Jackie Kennedy tritt nur ein einziges Mal auf.

Das Personal ist sehr umfangreich. So umfangreich, dass es schwerfällt, Namen zu behalten oder gar richtig zuzuordnen. Der engste Kreis der Berater umfasst locker ein Dutzend Leute. So freut man sich immer wieder, etwas erleichtert, wenn das Triumvirat aus den beiden Kennedys und Kenny im Zentrum steht. Sie spielten alle mal in Harvard in der Football-Mannschaft, und so sieht man sie hin und wieder einen ebensolchen merkwürdigen geformten Ball zuwerfen: geübte Spieler mit eigenen Regeln.

Das Militär ist während der Krise immer im Bild: Schiffe hier, Kampfjets dort, U-Boote links, arme verfolgte Russendampfer rechts. Wahrhaftig kein Wunder, dass es hier und da mal knallt. Aber die Militärs denken falsch; sie denken wie 1914. Selbst der Herr Verteidigungsminister – sehr gut gespielt – hat seine liebe Not, dem Herrn Admiral die neue "Sprache" beizubringen, in der sich Herr Kennedy und Herr Chruschtschow "miteinander verständigen". Denn der Admiral hat seine Vorschriften, und die bestehen seit über 100 Jahren. Tradition kann etwas gefährliches sein.

Die Schauspieler

Kevin Costner sollte zwar im Mittelpunkt der Handlung stehen, doch er kann nur den Roten Faden dafür liefern. Wir spüren seine wachsende Besorgnis um seine sechsköpfige Familie, und als irischer Katholik geht er schon auch mal zur Beichte. Doch wenn es hart auf hart geht, spielen ihn die zwei Kennedy-Darsteller locker an die Wand (Footballspieler!). besonders "Robert Kennedy" hat mir gut gefallen, Steve Culp. Er sieht noch etwas jungenhaft aus, hat es aber faustdick hinter den Ohren. Als seine Expertenkommission EXCOM keine neuen Vorschläge vorweisen, tritt er auf wie ein Dompteur in der Arena und tritt ihnen verbal in den Hintern. Und erst dann traut sich jemand, die dritte Option aufzuzeigen: Blockade.

"JFK" Bruce Greenwood ist charakterlich der stärkere der beiden Brüder, doch muss er seine Gefühle und Ansichten häufiger hinter einem Pokergesicht verstecken, als ihm oder uns lieb wäre.—Militärs und Diplomaten sie alle bleiben "in character", das heißt: Kommissköppe und altgewordene Kämpfer gegen die Commies.

Offene Fragen

Keine einzige Szene der endlosen Dokumentationen geht auf den russischen Spion ein, der den geheimen Kontakt zwischen Chruschtschow und JFK via einen Journalisten herstellt. Er wurde entweder erfunden oder steht pars pro toto für alle russischen Spione.
Und wer ist der hohe Militär im Sicherheitsrat, der aussieht wie Robert Mitchum, aber nie ein Wort sagt? Eins steht fest: Mitchum spielt nicht mit. Schade eigentlich. Er hätte vermutlich einen (zu) guten Chruschtschow abgegeben.

Michael Matzer © 2002ff

Info:
Regisseur: Roger Donaldson
Darsteller: Kenneth McDonnell: Kevin Costner, JFK: Bruce Greenwood; RFK: Steve Culp; Verteidigungsminister Robert McNamara: Dylan Baker.
CD 1: der Film in Englisch und Deutsch (jeweils in Digital Dolby und DTS), mit 2 versch. Kommentaren, Untertitel

CD 2 (= Extras):
historische Dokumentation (ca. 30 Min.)
Making-of (ca. 20 Min.)
1 Trailer und 4 TV-Spots
Geschnittene Szenen mit Kommentar (in Englisch und dt. Untertiteln)
Doku über die visuellen Effekte mit einer Tieffliegerszene in 5 Stadien der Entwicklung
Starinfos: (sehr umfangreiche Liste)
4 Darsteller, 1 Regisseur, 1 Drehbuchautor, rund 20 Videobiografien der wichtigsten historischen Persönlichkeiten im Film (darunter keine Spione, wen wundert's?)


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-12-17 16:46:33 mit dem Titel Spannendes Krisendrama mit K. Costner

Bricht der Dritte Weltkrieg nun aus oder nicht? Das ist die Hauptfrage, und sie erzeugt am meisten Spannung im Film. Denn alle Militärs sind wie anno 1914 geil darauf, Krieg zu führen – und dabei kurz mal die Commies in Kuba plattzumachen. Die einzigen, die dagegen sind: die beiden Kennedys, John und Robert, und ihr Sonderassistent, Kenny McDonnell (K. Costner). Denn sie wissen: Dieser Krieg wird ein Atomkrieg sein. Und Berlin wäre sein erstes Opfer.

Ein Thriller für Historiker, so lautete daher mein erster Eindruck. Dass dieser Film aber auch eine Charakterstudie und ein historisches Dokument in sich selbst ist, wurde mir erst nach Durchsicht der 2. CD klar. Sie enthält schier zahllose Porträts der wichtigsten Persönlichkeiten, die im Film im Kontext der Kuba-Krise eine Rolle spielen.

Der Film ist immer noch ein gutes Stück davon entfernt, vollkommen zu sein. Dafür haben zu viele Köche daran mitgekocht, beispielsweise die Regierung und das Militär. Castro etwa kommt überhaupt nicht vor, lediglich sein Botschafter. Chruschtschow dito. Durch die geschnittenen Szenen kommt der Einfluss der Hauptfigur, Kenny McDonnells, nur noch unvollständig zum Tragen, und folglich macht ihr Darsteller Kevin Costner des öfteren den Eindruck, einfach nur dekorativ in der Gegend herumzustehen (meist mit in die Hüfte gestützten Fäusten) – tödlich für jeden Schauspieler.

Handlung
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Mitte Oktober 1962. Ein hochfliegendes U2-Aufklärungsflugzeug der Amis macht Fotos von Raketen, die die Sowjets heimlich nach Kuba transportiert haben. Castro hat eine Scheißangst, dass die Amis eine zweite Invasion wie die gescheiterte in der Schweinebucht vorbereiten und lässt daher mit russischer Hilfe einen Raktenschutzschild an seiner Nordlüste errichten.

Die Nachricht von den Raketen versetzt die Amis in Angst und Wut. Raketen in ihrem Hinterhof, die in der Lage sind, ihre Hauptstadt binnen 5 Minuten auszuradieren – mit 80 Mio. Toten? Nie und nimmer!
Der Generalsstab von Navy, Army und Air Force drängen den gerade mal zwei Jahre amtierenden US-Präsidenten John \"Jack\" F. Kennedy (JFK) , sofort einen Luftangriff und danach eine Invasion anzuordnen. Die russischen Schiffe mit den Raketen an Bord müssten zudem gestoppt, notfalls versenkt werden.

Doch wie Jacks Bruder Robert, der Justizminister, und ihrer beider Freund kenny McDonnell schnell erkennen: Die angreifenden USA würden als Aggressor sofort in die schwächere Position geraten. Doch zum Verhandeln bleibt auch keine Zeit: Die gefährlichen Raketen werden bereits einsatzbereit gemacht. Daher bleibt nur eine dritter Weg: die Blockade Kubas und das Abfangen der russischen Schiffe.
Dumm nur, dass die Militärs anderes vorhaben. Sie erhöhen eigenmächtig den Verteidgungsstatus der Streitkräfte, testen unbekümmert eine neue Atombombe und knallen den Russkis einen vor den Latz. Offenbar haben sie überhaupt nichts kapiert. Wie können der Präsident und seine engsten Berater einen friedlichen Ausweg finden und Chruschtschow einen Rückzugsweg eröffnen, wenn ihnen die eigenen Militärs in den Rücken fallen?

Der Regen der Atombomben scheint nicht mehr abwendbar zu sein: Von Anfang bis Ende bekommen wir schaurig-schöne Explosionen zu Lande, zu Wasser und in der Luft zu sehen: Armageddon wartet schon.

Meine Meinung
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Wie gesagt: ein historischer Thriller. Doch ein gut gemachter, äußerst realistischer Thriller von fast dokumentarischer Akkuratesse. Schwarzweißsequenzen sollen im ersten Viertel den Eindruck der Historizität verstärken. Allerdings geben die Dokumentatoren auf der 2. CD indirekt zu, dass gerade die Figur des Kenny McDonnell mit dichterischer Freiheit gestaltet wurde. Alle anderen Darstellungen basieren auf Ende der 90er Jahre freigegebenen Tonbandaufzeichnungen des Weißen Hauses.

Kritikpunkte
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Das Vergnügen an diesem Film ist nicht ungetrübt. Zunächst einmal gibt es kaum einen Funken Humor außer in einer Szene – und selbst die einzige humorvolle Figur, eine Telefonistin, hat nur einen kurzen Auftritt. Alle anderen Frauen sind entweder moralische Stützen oder Ausführungsgehilfen der Mächtigen: Sekretärinnen, Ehegattinnen usw. – sogar Jackie Kennedy tritt nur ein einziges Mal auf.

Das Personal ist sehr umfangreich. So umfangreich, dass es schwerfällt, Namen zu behalten oder gar richtig zuzuordnen. Der engste Kreis der Berater umfasst locker ein Dutzend Leute. So freut man sich immer wieder, etwas erleichtert, wenn das Triumvirat aus den beiden Kennedys und Kenny im Zentrum steht. Sie spielten alle mal in Harvard in der Football-Mannschaft, und so sieht man sie hin und wieder einen ebensolchen merkwürdigen geformten Ball zuwerfen: geübte Spieler mit eigenen Regeln.

Das Militär ist während der Krise immer im Bild: Schiffe hier, Kampfjets dort, U-Boote links, arme verfolgte Russendampfer rechts. Wahrhaftig kein Wunder, dass es hier und da mal knallt. Aber die Militärs denken falsch; sie denken wie 1914. Selbst der Herr Verteidigungsminister – sehr gut gespielt – hat seine liebe Not, dem Herrn Admiral die neue \"Sprache\" beizubringen, in der sich Herr Kennedy und Herr Chruschtschow \"miteinander verständigen\". Denn der Admiral hat seine Vorschriften, und die bestehen seit über 100 Jahren. Tradition kann etwas gefährliches sein.

Die Schauspieler

Kevin Costner sollte zwar im Mittelpunkt der Handlung stehen, doch er kann nur den Roten Faden dafür liefern. Wir spüren seine wachsende Besorgnis um seine sechsköpfige Familie, und als irischer Katholik geht er schon auch mal zur Beichte. Doch wenn es hart auf hart geht, spielen ihn die zwei Kennedy-Darsteller locker an die Wand (Footballspieler!).

Besonders \"Robert Kennedy\" hat mir gut gefallen, Steve Culp. Er sieht noch etwas jungenhaft aus, hat es aber faustdick hinter den Ohren. Als seine Expertenkommission EXCOM keine neuen Vorschläge vorweisen, tritt er auf wie ein Dompteur in der Arena und tritt ihnen verbal in den Hintern. Und erst dann traut sich jemand, die dritte Option aufzuzeigen: Blockade.

\"JFK\" Bruce Greenwood ist charakterlich der stärkere der beiden Brüder, doch muss er seine Gefühle und Ansichten häufiger hinter einem Pokergesicht verstecken, als ihm oder uns lieb wäre.—Militärs und Diplomaten sie alle bleiben \"in character\", das heißt: Kommissköppe und altgewordene Kämpfer gegen die Commies.

Offene Fragen

Keine einzige Szene der endlosen Dokumentationen geht auf den russischen Spion ein, der den geheimen Kontakt zwischen Chruschtschow und JFK via einen Journalisten herstellt. Er wurde entweder erfunden oder steht pars pro toto für alle russischen Spione.
Und wer ist der hohe Militär im Sicherheitsrat, der aussieht wie Robert Mitchum, aber nie ein Wort sagt? Eins steht fest: Mitchum spielt nicht mit. Schade eigentlich. Er hätte vermutlich einen (zu) guten Chruschtschow abgegeben.

Michael Matzer © 2002ff

Info:

Regisseur: Roger Donaldson
Darsteller: Kenneth McDonnell: Kevin Costner, JFK: Bruce Greenwood; RFK: Steve Culp; Verteidigungsminister Robert McNamara: Dylan Baker.
CD: der Film in Englisch und Deutsch (jeweils in Digital Dolby und DTS), mit 2 versch. Kommentaren, Untertitel

CD (= Extras):

historische Dokumentation (ca. 30 Min.)
Making-of (ca. 20 Min.)
1 Trailer und 4 TV-Spots
Geschnittene Szenen mit Kommentar (in Englisch und dt. Untertiteln)
Doku über die visuellen Effekte mit einer Tieffliegerszene in 5 Stadien der Entwicklung
Starinfos: (sehr umfangreiche Liste)
4 Darsteller, 1 Regisseur, 1 Drehbuchautor, rund 20 Videobiografien der wichtigsten historischen Persönlichkeiten im Film (darunter keine Spione, wen wundert\'s?)

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