Napoleon Dynamite (DVD) Testbericht

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ab 14,69
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Erfahrungsbericht von Gemeinwesen

Every underdog has its day

Pro:

- ein sehenswerter Film - eine minimalistisch, dabei aber trotzdem gut ausgestattete DVD

Kontra:

- nix

Empfehlung:

Ja

Einen Napoleon Dynamite gibt es an jeder Schule – mindestens einen. Der muss selbstverständlich nicht Napoelon heißen, und männlich muss er auch nicht zwingend sein.



Als ich zur Schule ging, gab es in meinem Jahrgang mindestens zwei Napoleons. Der eine hieß Dietmar, der andere Ulrike. Dietmar machte sich gern mit Storys über einen Onkel interessant, der angeblich in den Staaten wohnte. Der Onkel sei nicht nur Astronaut und werde in naher Zukunft im Space Shuttle mitfliegen, sondern werde seinem Neffen demnächst echte Cowboystiefel schicken. Also nicht solche billigen Treter, wie wir sie im Schuhgeschäft Deichmann als Sonderangebot kauften, sondern solche, wie sie die echten Cowboys trugen.

Ulrike hatte keinen Onkel in den Staaten. Und wenn sie doch einen hatte, erzählte sie wenigstens nichts von ihm. Überhaupt erzählte Ulrike, glaube ich, herzlich wenig. Ich habe nur in Erinnerung, dass sie mit vielen ihrer Antworten auf Fragen, die im Unterricht gestellt wurden, herzliches Gelächter erntete. Das lag wenigstens zum Teil daran, dass ihre Äußerungen von einer Unbefangenheit zeugten, die eben leider nicht alle Leute erfrischend finden. Ob Ulrike wirklich so naiv war, wie das gemeinhin von ihr angenommen wurde? Ich weiß es nicht und wusste es auch damals nicht. Immerhin arbeitet Ulrike heute als Layouterin in einer namhaften Werbeagentur. Was Dietmar beruflich macht, weiß ich zwar nicht. In seiner Freizeit fährt er offensichtlich Motorrad und macht Fotos von Bikertreffen (ist es nicht erstaunlich, was Google immer wieder hergibt?) Merke: Es gibt ein Leben nach der Schule. Es gibt Hoffnung. Auch für die, die in der Schule immer nur auf der Außenseiter-Position spielen durften.

Genau so einer ist auch Napoleon.

Im Schulunterricht fabuliert der Schlaks sich schon mal Geschichten von Atombombentests am Loch Ness zusammen, die irgendwie gar nicht zu der Frage passen wollen, welche die Lehrerein gerade gestellt hat. In seiner Freizeit zeichnet Napoleon Löger (Fabelwesen, die zur Hälfte Löwe und zur Hälfte Tiger sind), hofft auf schnelleren Bartwuchs und sinnt auf Möglichkeiten, eine weibliche Begleitung für den Schulball zu finden.

Mit anderen Worten: Irgendwie ist selbst Napoleons Oma cooler als Napoleon. Immerhin hat die Großmama einen Freund und beteiligt sich an Quad-Rennen, die sich rüstige Senioren in den Dünen liefern. Von Quad und Freund erfährt Napoleon allerdings erst, als Großmütterchen einen kleinen Unfall hat, deswegen für eine Weile ins Krankenhaus muss und plötzlich Napoleons Onkel Rico auf der Matte steht. Der soll auf Napoleon und dessen Bruder Kip aufpassen, bis die Großmutter wieder fit ist (warum Napoleon und Kip bei der Großmutter aufwachsen? Keine Ahnung – das verschweigt der Film, und es ist auch nicht weiter von Bedeutung.) Brüderchen Kip ist zwar schon jenseits der 30, hat Napoleon aber augenscheinlich mehr an Lebensjahren als an echter Lebenserfahrung voraus. Immerhin aber hat Kip eine Chat-Bekanntschaft namens LaFawnduh, die sich beim persönlichen Kennenlernen als ziemlich steiler Zahn entpuppt, und die … nein, wie es mit Kip und LaFawnduh weitergeht, soll an dieser Stelle nicht verraten werden.

Napoleon hätte zwar auch gern eine Freundin, wäre aber auch schon ganz froh, wenn sich erstmal eine weibliche Begleitung fände, die man zum Schulball ausführen kann. Erste tollpatschige Versuche, mit der etwas verhuscht wirkenden Deborah anzubandeln, verlaufen freilich im Sande – und das, obwohl jeder Blinde sieht, dass Deb nichts dagegen einzuwenden hat, sich von Napoleon schöne Augen machen zu lassen.

Da ist es gut, dass Napoleon in Mexikaner Pedro einen neuen besten Freund findet. Pedro weiß nicht nur, wie man Frauen anspricht, sondern hat außerdem ein paar Brüder, deren selbstbewusstes Auftreten im Wahlkampf um den Posten als Klassensprecher Gold wert ist.
Denn auch diese Botschaft vermittelt der Film: Es macht nichts, anders zu sein als der Rest der Welt – und manchmal sind es eben nicht die hoch gehandelten Siegertypen, die das Rennen machen, sondern die Außenseiter.

Jedenfalls endet die Geschichte versöhnlich: Sowohl für Napoleon als auch für Kip und Pedro gibt es ein Happy End oder doch wenigstens die Aussicht darauf; die stromlinienförmigen Strahlemänner hingegen bleiben in diesem Film blass und schauen am Ende ziemlich blöde aus der schicken Wäsche. Tatsächlich mausert sich „Napoleon Dynamite“ im Laufe von gut 90 Minuten vom tragikomischen Außenseiter-Portrait zum Feel-Good-Film. Frei nach der amerikanischen Redewendung Every dog has its day (was sinngemäß in etwa unserer Volksweisheit vom blinden Huhn entspricht, das irgendwann sein Korn findet) trumpft Napoleon gegen Ende der Geschichte noch mal so richtig auf – was übrigens nicht einmal aufgesetzt wirkt, weil der Abgang dann wieder höchst glaubwürdig-„nerdig“ in Szene gesetzt ist. Großes Lob gebührt der kompletten Darsteller-Riege: Jeder von ihnen schafft es, seiner Figur eine stille Würde zu verleihen, die sie deutlich abhebt von den Karikaturen, wie sie die mainstreamorientierte Teenager-Klamotte seit Jahr und Tag nimmermüde reproduziert.

Was mir persönlich außerdem besonders gut gefallen hat, war das “Look and Feel“ des Films. Dessen Geschichte spielt zwar im Hier (hier: USA) und Jetzt, trotzdem atmet der ganze Film den Geist der frühen 80er. Auch die Musikauswahl ist mir positiv aufgefallen: Ich kann mich nicht erinnern, das Stück Music for a Found Harmonium schon vorher jemals als musikalische Untermalung in einem Film gehört zu haben.

Hören lassen kann sich auch die Ausstattung der DVD, deren Highlight der filmbegleitende Audiokommentar ist. Außerdem gibt’s ein paar Szenen, die es nicht in den fertigen Filmschnitt geschafft haben sowie ein kleines Making of, das man sich aus bestimmten Gründen erst dann ansehen sollte, wenn man sich den eigentlichen Film bis ganz zu Ende angesehen hat. Was hier soviel heißt wie: Bis der DVD-Player die Vorstellung beendet – und nicht der Druck ungeduldiger Finger auf die „Stop“-Taste.


R e s ü m e e

Napoleon Dynamite setzt der Figur des schulischen Außenseiters ein ebenso liebenswürdiges wie lebensnahes Denkmal. Sämtliche Darsteller machen ihre Sache ausgezeichnet; die Ausstattung der DVD lässt ebenfalls nichts zu wünschen übrig.

42 Bewertungen, 14 Kommentare

  • Iris1979

    27.06.2008, 09:48 Uhr von Iris1979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Super Bericht. LG Iris

  • ingoa09

    23.06.2008, 14:11 Uhr von ingoa09
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr hilfreich! Gruß Ingo

  • MasterSirTobi

    09.05.2008, 14:13 Uhr von MasterSirTobi
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöner Bericht. LG von MasterSirTobi

  • creedy18

    27.04.2008, 11:31 Uhr von creedy18
    Bewertung: sehr hilfreich

    feiner Bericht LG Andrea

  • Wegeno

    23.04.2008, 10:39 Uhr von Wegeno
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöne Grüße -->> Werner

  • Mondlicht1957

    20.04.2008, 19:36 Uhr von Mondlicht1957
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr informativ Liebe Grüsse pet

  • bea1502

    16.04.2008, 01:11 Uhr von bea1502
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg bea

  • alge52

    15.04.2008, 21:01 Uhr von alge52
    Bewertung: sehr hilfreich

    kann nur sagen - sh -

  • Mauilein

    15.04.2008, 17:14 Uhr von Mauilein
    Bewertung: sehr hilfreich

    klasse Bericht, SH von mir. LG Kathrin

  • waltraud.d

    15.04.2008, 11:06 Uhr von waltraud.d
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich

  • NancyNoack

    15.04.2008, 02:33 Uhr von NancyNoack
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH und einen schönen Dienstag

  • swissghostly

    15.04.2008, 00:27 Uhr von swissghostly
    Bewertung: sehr hilfreich

    toller Bericht

  • campino

    14.04.2008, 23:44 Uhr von campino
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg andrea

  • zauberfuchsi

    14.04.2008, 22:22 Uhr von zauberfuchsi
    Bewertung: sehr hilfreich

    toller Bericht....