Napoleon Dynamite (DVD) Testbericht
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Erfahrungsbericht von Gemeinwesen
Every underdog has its day
Pro:
- ein sehenswerter Film - eine minimalistisch, dabei aber trotzdem gut ausgestattete DVD
Kontra:
- nix
Empfehlung:
Ja
Als ich zur Schule ging, gab es in meinem Jahrgang mindestens zwei Napoleons. Der eine hieß Dietmar, der andere Ulrike. Dietmar machte sich gern mit Storys über einen Onkel interessant, der angeblich in den Staaten wohnte. Der Onkel sei nicht nur Astronaut und werde in naher Zukunft im Space Shuttle mitfliegen, sondern werde seinem Neffen demnächst echte Cowboystiefel schicken. Also nicht solche billigen Treter, wie wir sie im Schuhgeschäft Deichmann als Sonderangebot kauften, sondern solche, wie sie die echten Cowboys trugen.
Ulrike hatte keinen Onkel in den Staaten. Und wenn sie doch einen hatte, erzählte sie wenigstens nichts von ihm. Überhaupt erzählte Ulrike, glaube ich, herzlich wenig. Ich habe nur in Erinnerung, dass sie mit vielen ihrer Antworten auf Fragen, die im Unterricht gestellt wurden, herzliches Gelächter erntete. Das lag wenigstens zum Teil daran, dass ihre Äußerungen von einer Unbefangenheit zeugten, die eben leider nicht alle Leute erfrischend finden. Ob Ulrike wirklich so naiv war, wie das gemeinhin von ihr angenommen wurde? Ich weiß es nicht und wusste es auch damals nicht. Immerhin arbeitet Ulrike heute als Layouterin in einer namhaften Werbeagentur. Was Dietmar beruflich macht, weiß ich zwar nicht. In seiner Freizeit fährt er offensichtlich Motorrad und macht Fotos von Bikertreffen (ist es nicht erstaunlich, was Google immer wieder hergibt?) Merke: Es gibt ein Leben nach der Schule. Es gibt Hoffnung. Auch für die, die in der Schule immer nur auf der Außenseiter-Position spielen durften.
Genau so einer ist auch Napoleon.
Im Schulunterricht fabuliert der Schlaks sich schon mal Geschichten von Atombombentests am Loch Ness zusammen, die irgendwie gar nicht zu der Frage passen wollen, welche die Lehrerein gerade gestellt hat. In seiner Freizeit zeichnet Napoleon Löger (Fabelwesen, die zur Hälfte Löwe und zur Hälfte Tiger sind), hofft auf schnelleren Bartwuchs und sinnt auf Möglichkeiten, eine weibliche Begleitung für den Schulball zu finden.
Mit anderen Worten: Irgendwie ist selbst Napoleons Oma cooler als Napoleon. Immerhin hat die Großmama einen Freund und beteiligt sich an Quad-Rennen, die sich rüstige Senioren in den Dünen liefern. Von Quad und Freund erfährt Napoleon allerdings erst, als Großmütterchen einen kleinen Unfall hat, deswegen für eine Weile ins Krankenhaus muss und plötzlich Napoleons Onkel Rico auf der Matte steht. Der soll auf Napoleon und dessen Bruder Kip aufpassen, bis die Großmutter wieder fit ist (warum Napoleon und Kip bei der Großmutter aufwachsen? Keine Ahnung – das verschweigt der Film, und es ist auch nicht weiter von Bedeutung.) Brüderchen Kip ist zwar schon jenseits der 30, hat Napoleon aber augenscheinlich mehr an Lebensjahren als an echter Lebenserfahrung voraus. Immerhin aber hat Kip eine Chat-Bekanntschaft namens LaFawnduh, die sich beim persönlichen Kennenlernen als ziemlich steiler Zahn entpuppt, und die … nein, wie es mit Kip und LaFawnduh weitergeht, soll an dieser Stelle nicht verraten werden.
Napoleon hätte zwar auch gern eine Freundin, wäre aber auch schon ganz froh, wenn sich erstmal eine weibliche Begleitung fände, die man zum Schulball ausführen kann. Erste tollpatschige Versuche, mit der etwas verhuscht wirkenden Deborah anzubandeln, verlaufen freilich im Sande – und das, obwohl jeder Blinde sieht, dass Deb nichts dagegen einzuwenden hat, sich von Napoleon schöne Augen machen zu lassen.
Da ist es gut, dass Napoleon in Mexikaner Pedro einen neuen besten Freund findet. Pedro weiß nicht nur, wie man Frauen anspricht, sondern hat außerdem ein paar Brüder, deren selbstbewusstes Auftreten im Wahlkampf um den Posten als Klassensprecher Gold wert ist.
Denn auch diese Botschaft vermittelt der Film: Es macht nichts, anders zu sein als der Rest der Welt – und manchmal sind es eben nicht die hoch gehandelten Siegertypen, die das Rennen machen, sondern die Außenseiter.
Jedenfalls endet die Geschichte versöhnlich: Sowohl für Napoleon als auch für Kip und Pedro gibt es ein Happy End oder doch wenigstens die Aussicht darauf; die stromlinienförmigen Strahlemänner hingegen bleiben in diesem Film blass und schauen am Ende ziemlich blöde aus der schicken Wäsche. Tatsächlich mausert sich „Napoleon Dynamite“ im Laufe von gut 90 Minuten vom tragikomischen Außenseiter-Portrait zum Feel-Good-Film. Frei nach der amerikanischen Redewendung Every dog has its day (was sinngemäß in etwa unserer Volksweisheit vom blinden Huhn entspricht, das irgendwann sein Korn findet) trumpft Napoleon gegen Ende der Geschichte noch mal so richtig auf – was übrigens nicht einmal aufgesetzt wirkt, weil der Abgang dann wieder höchst glaubwürdig-„nerdig“ in Szene gesetzt ist. Großes Lob gebührt der kompletten Darsteller-Riege: Jeder von ihnen schafft es, seiner Figur eine stille Würde zu verleihen, die sie deutlich abhebt von den Karikaturen, wie sie die mainstreamorientierte Teenager-Klamotte seit Jahr und Tag nimmermüde reproduziert.
Was mir persönlich außerdem besonders gut gefallen hat, war das “Look and Feel“ des Films. Dessen Geschichte spielt zwar im Hier (hier: USA) und Jetzt, trotzdem atmet der ganze Film den Geist der frühen 80er. Auch die Musikauswahl ist mir positiv aufgefallen: Ich kann mich nicht erinnern, das Stück Music for a Found Harmonium schon vorher jemals als musikalische Untermalung in einem Film gehört zu haben.
Hören lassen kann sich auch die Ausstattung der DVD, deren Highlight der filmbegleitende Audiokommentar ist. Außerdem gibt’s ein paar Szenen, die es nicht in den fertigen Filmschnitt geschafft haben sowie ein kleines Making of, das man sich aus bestimmten Gründen erst dann ansehen sollte, wenn man sich den eigentlichen Film bis ganz zu Ende angesehen hat. Was hier soviel heißt wie: Bis der DVD-Player die Vorstellung beendet – und nicht der Druck ungeduldiger Finger auf die „Stop“-Taste.
R e s ü m e e
Napoleon Dynamite setzt der Figur des schulischen Außenseiters ein ebenso liebenswürdiges wie lebensnahes Denkmal. Sämtliche Darsteller machen ihre Sache ausgezeichnet; die Ausstattung der DVD lässt ebenfalls nichts zu wünschen übrig.
42 Bewertungen, 14 Kommentare
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27.06.2008, 09:48 Uhr von Iris1979
Bewertung: sehr hilfreichSuper Bericht. LG Iris
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23.06.2008, 14:11 Uhr von ingoa09
Bewertung: sehr hilfreichSehr hilfreich! Gruß Ingo
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09.05.2008, 14:13 Uhr von MasterSirTobi
Bewertung: sehr hilfreichSchöner Bericht. LG von MasterSirTobi
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27.04.2008, 11:31 Uhr von creedy18
Bewertung: sehr hilfreichfeiner Bericht LG Andrea
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23.04.2008, 10:39 Uhr von Wegeno
Bewertung: sehr hilfreichSchöne Grüße -->> Werner
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20.04.2008, 19:36 Uhr von Mondlicht1957
Bewertung: sehr hilfreichSehr informativ Liebe Grüsse pet
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16.04.2008, 01:11 Uhr von bea1502
Bewertung: sehr hilfreichlg bea
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15.04.2008, 21:01 Uhr von alge52
Bewertung: sehr hilfreichkann nur sagen - sh -
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15.04.2008, 17:14 Uhr von Mauilein
Bewertung: sehr hilfreichklasse Bericht, SH von mir. LG Kathrin
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15.04.2008, 11:06 Uhr von waltraud.d
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich
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15.04.2008, 02:33 Uhr von NancyNoack
Bewertung: sehr hilfreichSH und einen schönen Dienstag
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15.04.2008, 00:27 Uhr von swissghostly
Bewertung: sehr hilfreichtoller Bericht
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14.04.2008, 23:44 Uhr von campino
Bewertung: sehr hilfreichlg andrea
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14.04.2008, 22:22 Uhr von zauberfuchsi
Bewertung: sehr hilfreichtoller Bericht....
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