Hotel Ruanda (DVD) Testbericht
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Erfahrungsbericht von templerthomas
einer der besten Filme, ein Plädoyer gegen das Vergessen
Pro:
spannend, interessant, schauspielerische Leistungen
Kontra:
aufdringliche Musik
Empfehlung:
Ja
Für mich war der Völkermord in Ruanda 1994 ein sehr prägendes Erlebnis.
Während Hunderttausende Menschen ermordet wurden zeigte die restliche Welt
verbrecherische Ignoranz und Gleichgültigkeit.
Es ist mir persönlich noch gut in Erinnerung wie die Massaker aufgenommen wurden:
Kopfschütteln, schlimm und man ging zur Tagesordnung über, der Wetterbericht überlagerte die vorherigen Eindrücke.
Der Film Hotel Ruanda zeigt wie ein einfacher Mensch, Paul Rusesabagina, mit unglaublichem Mut inmitten des Völkermordes 1268 Menschen das Leben retten konnte.
Der beweist wie einfach es gewesen wäre Hunderttausende Menschen zu retten
und wie sehr die UN versagt hat.
Der Film Hotel Ruanda an sich ist schon erstklassig.
Die DVD umfasst zudem sehr gutes Zusatzmaterial und vor allem eine Dokumentation die einem die Grausamkeit des Völkermordes noch deutlicher vor Augen führt.
Zuerst aber zum
Hintergrund:
Der Völkermord 1994 in Ruanda
Die belgische Kolonialmacht teilte die Einwohner Ruandas in Hutus und Tutsis.
Über hunderte Jahre ergab dies dann eine eigene Identität.
Hutus und Tutsis sprechen aber die gleiche Sprache, die jeweilige Religion war auch kein Thema. Jedoch ging es um die Macht wer Ruanda regieren sollte.
1994 eskalierte der Konflikt zwischen der Tutsi-Minderheit (15%) und Hutu-Mehrheit (85%) in Ruanda zum größten Völkermord nach dem 2.Weltkrieg.
Auslöser für den Völkermord war der Abschuss des Präsidenten-Jets beim Anflug auf den Flughafen der Hauptstadt Kigali am 6.4.1994. Alle Passagiere wurden getötet, darunter auch der Präsident Ruandas, Juvénal Habyarimana, ein Hutu.
Die Verantwortlichen für dieses Attentat konnten bis heute nicht sicher ermittelt werden. Vieles spricht dafür, dass nicht Tutsies - wie oft behauptet - sondern die Hutu-Militärführung das Attentat auf den Präsidenten verübte, um sich selbst an die Macht zu putschen und dann freie Bahn zu haben für den seit langem geplanten Genozid an den Tutsis.
Die schon seit Jahren durch Extremisten aufgehetzten Hutus entfesselten dann ab dem 7.4.1994 einen Völkermord, der an Grausamkeit, Geschwindigkeit und Umfang beispiellos ist in der Geschichte. Innerhalb von nur 100 Tagen ermordeten Hutu-Milizen die sogenannten Interahamwe und Helfershelfer ca. 800.000 bis 1 Million Tutsi und oppositionelle Angehörige der eigenen Volksgruppe.
Die UN lehnten damals den Begriff \"Völkermord\" ab, weil sie sonst gemäß Völkermordskonvention von 1948 hätten militärisch intervenieren müssen.
Dieser Irrsinn wiederholte sich dann 2006 beim Völkermord in Darfur.
Deutschland, Belgien, die USA, allen voran Frankreich, das die Hutu-Milizen ausgebildet hatte, griffen nicht ein.
Auch im Jahre 2008 stellt sich wieder die drängende Frage, warum weder die UN noch Frankreich noch andere Staaten intervenierten, um das unvorstellbar grausame Gemetzel und Abschlachten von mindestens 800.000 Menschen zu stoppen. Roméo Dallaire
(ehemaliger Generalleutnant der kanadischen Armee, befehligte 1993/ 94 die UN-Blauhelme in Ruanda. Während des Genozids forderte er vergeblich eine starke UN-Eingreiftruppe) erklärte dazu:
"Ruander zählten für die Welt damals einfach nicht. Die internationale Gemeinschaft sortierte ihre Prioritäten nach nationalen Interessen. [...]
bei den Entscheidungsprozessen zu Ruanda ergab sich, dass Ruanda handlungsfähigen Ländern nicht wert war, Opfer zu riskieren " [...]
Die internationale Gemeinschaft hat den fundamentalen Fehler, dass sie nicht in der Lage ist, Eigeninteresse zu überwinden und jeden Menschen als Menschen zu sehen, als genau gleich"
Zitat nach "Jeder Mensch zählt. Kein Mensch auf der Welt ist mehr wert als ein anderer. In Ruanda wurde das vergessen", in: taz, 7.4.04]
Während die Welt tatenlos zusah und die UN die Devise ausgab den Tutsis keine Hilfe zukommen zu lassen, eroberte die Tutsi Rebellenarmee Ruanda.
Hunderttausende Tutsis waren in den 80er Jahren in die benachbarten Länder geflohen und hatten dort die RPF (Ruandische Patriotische Front) gegründet. Der RPF gelang es, im Juli 1994 den Völkermord zu beenden.
Der Anführer der RPF Paul Kagame wurde Vizepräsident und dann Präsident Ruandas.
Ein „happy end“ gab es jedoch nicht die Mörderbande der Interahamwe floh in den Kongo und ermordet dort noch heute die Einwohner kongolesischer Dörfer.
Film
Der Film beginnt mit dem alltäglichen, noch friedlichen, Leben von Paul Rusesabagina als Hotelmanager einer belgischen Hotelkette.
Rusesabagina selber Hutu verheiratet mit einer Tutsi ignoriert am Anfang des Filmes sämtliche Warnungen und sieht sogar bei der Verhaftung eines Nachbarn weg.
Eindeutige Message des Films am Anfang – ein ganz normaler Mensch, nicht sehr mutig.
Dies ist aber eine Hollywood Erfindung die mit der echten Person nichts zu tun hat.
Obwohl auch er meint kein Held gewesen zu sein, war er es ohne Zweifel.
Und hier ist auch schon eine Stärke des Filmes – die Person von Rusesabagina, den es wirklich gibt und der außergewöhnliches zustande brachte.
Sein Leben wird zunächst aber noch bedächtig erzählt.
Nach der Ermordung des Hutu Präsidenten gewinnt der Film rasant an Tempo.
Pauls Tutsi Nachbarn fliehen zu ihm, das Militär will alle ermorden – Rusesabagina verhindert dies durch Bestechung und bringt alle Tutsi in sein Hotel, das Nobelhotel Des Mille Collines.
Fortan bildet das Hotel den Mittelpunkt des Filmes. Rusesabagina ruft seine Flüchtlinge auf ihre Freunde im Ausland um Hilfe anzuflehen, besticht einen korrupten Hutu-General...
Mittendrin immer wieder Bilder des Schreckens, wenn westliche Journalisten ein Massaker filmen, Paul mit seinem Hotelbus über Hunderte von Leichen fährt oder ein Hilfskonvoi von den Hutu-Milizen überfallen wird.
Die Leichen werden aber diskret gezeigt, die Toten in Dunkelheit und Nebel gehüllt.
Und immer wieder erklingt der Hutu Radiosender der zum Morden auffordert.
Der Film schildert wie Rusesabagina es schafft dem Irrsinn über 1200 Menschenleben abzutrotzen und macht nebenbei auch beschämend klar wie einfach es für den Westen gewesen wäre diesem Morden ein Ende zu setzen.
Don Cheadle zeigt dabei bemerkenswertes Talent. Cheadle bewies zuvor schon wiederholt sein Talent und dass er eigentlich alles und jeden spielen kann.
Doch hier spielt er nicht nur er ist einfach Rusesabagina und trägt dazu bei das man nach diesem Film Rusesabagina und seinen heldenhaften Altruismus niemals mehr vergessen wird.
Regie
Die Regie unter Drehbuchautor Terry George versteht es Don Cheadle als Paul Rusesabagina in Szene zu setzen und gleichzeitig den Nebenrollen Raum für starke Aussagen einzugestehen.
So brilliert Joaquin Phoenix in einer kleinen Rolle als Journalist Jack Denglish. Als Paul Rusesabagina seine Aufnahmen von einem Massaker sieht meint er „diese Aufnahmen sind wichtig, nun wird die Welt endlich reagieren“. Denglish meint darauf „Wenn die Leute im Westen diese Bilder sehen dann werden sie sagen ,o mein Gott, wie furchtbar', und dann werden sie ihr Abendessen fortsetzen."
So war es ja leider auch.
Die Regie zeigt zwar nicht mit dem Zeigefinger auf irgendeinen verantwortlichen Politiker oder auf eine Nation, es wird aber klar das die Untätigkeit und Unfähigkeit der restlichen Welt dieses Massaker erst möglich machte.
Zudem wollte George keine Gräueltaten auf die Leinwand bringen, auch wegen der Altersfreigabe, und nicht viel über die Geschichte zu erzählen. Er wollte niemand mit
Geschichte langweilen. Dies hinterlässt bei den historisch nicht versierten Zuschauern aber auch ein Unverständnis warum der Völkermord eigentlich passierte.
Das Hintergrundwissen fehlt.
Das Weglassen der Gräueltaten hat ebenfalls eine Kehrseite.
Die Schwäche der Regie liegt daran eben genau dieses „jetzt Abendessen“ Gefühl zuzulassen.
Wenn am Schluss fröhliche Musik ertönt werden viele Menschen wieder vergessen
was für ein ungeheuerliches Verbrechen 1994 in Ruanda passierte.
Zudem stört auch eine zu aufdringliche Musik.
Dennoch bleibt Hotel Ruanda ein erstklassiger Film.
Darsteller:
Don Cheadle
Sophie Okonedo
Joaquin Phoenix
Format: Dolby, PAL, Surround Sound
Sprachen: Deutsch, Englisch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren (die Dokumentation sollte
meiner Meinung nach ab 16 sein)
Studio: Ufa/DVD
Spieldauer: 118 Minuten
Zusatzmaterial:
Audiokommentar Terry George (Regie), Paul Rusesabagina und Wyclef Jean (engl OV)
Featurette (engl OV)
Interviews mit Cast & Crew (engl OV)
Message for Peace: Making Hotel Ruanda (engl OV)
Dokumentation: Return to Hotel Ruanda (engl OV); Selected Scenes mit Audiokommentar (engl OV); Kinotrailer; Cast & Crew
Will man nun nach dem Film mehr erfahren über die Hintergründe des Konfliktes bietet sich sowohl das Buch von Rusesebagina an, als auch das Zusatzmaterial der DVD.
Die Kommentare von Rusesabagina klären über viel auf.
Etwa auch das die „Toten“ im Nebel von Überlebenden des Massakers gespielt wurden.
Das Making of ist hingegen nicht der Rede wert.
Besonders erschütternd ist aber die Dokumentation „Return to Hotel Ruanda“ in der Rusesabagina nach Ruanda zurückkommt und Geschichten des Völkermordes erzählt.
Trauriger Höhepunkt eine Völkermord Gedenkstätte. In einem Raum liegen die Skelette von dahingemetzelten Kindern. Dies ist schon furchtbar wird aber noch schlimmer durch die Erzählungen von Überlebenden die auch berichten das sie den Schutz französischer Soldaten suchten, die jedoch das Massaker nicht stoppten sondern sogar noch versuchten es zu vertuschen.
Fazit:
Die DVD bietet sowohl einen erstklassigen Film den jeder gesehen haben muss als auch eine sehr gute Dokumentation.
Beides ist ein Plädoyer gegen das Vergessen.
Dieser Völkermord darf einfach nicht vergessen werden und der Film sollte deswegen in jeder Schule, jeder Institution (am besten UN-Institution) jedem Privathaushalt Einzug finden. Vielleicht endet dann mit einer neuen Generation auch einmal die Verantwortungslosigkeit und Gleichgültigkeit gegenüber Massenmorden in Afrika.
58 Bewertungen, 26 Kommentare
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03.04.2009, 11:18 Uhr von Michaela2015
Bewertung: sehr hilfreichliebe grüssle, michi
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24.03.2008, 12:49 Uhr von sandraberg
Bewertung: sehr hilfreichschade, dass es hier kein Bh zu vergeben gibt. der bericht hätte eins verdient. glg sandra
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07.03.2008, 21:28 Uhr von paula2
Bewertung: sehr hilfreichliebe Grüße
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03.03.2008, 03:17 Uhr von frankensteins
Bewertung: sehr hilfreichsh lg Werner
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07.02.2008, 20:55 Uhr von gerrhosaurus1978
Bewertung: sehr hilfreichLG, Daniela
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30.01.2008, 21:46 Uhr von PaterBrown
Bewertung: sehr hilfreich...leider werden solche Filme oft nicht als Hintergrundinformation wahrgenommen... sondern doch als Unterhaltung... was aber hier sicher auch an ärgerlichen Fehlern bei der Dramaturgie liegt...
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29.01.2008, 19:44 Uhr von Turbotisl1
Bewertung: sehr hilfreichGuter Bericht ! Liebe Grüsse, turbotisl !
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28.01.2008, 10:44 Uhr von sigrid9979
Bewertung: sehr hilfreichWie immer ein spitzen Bericht .. Lg Sigrid
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23.01.2008, 19:53 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichlg. petra
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23.01.2008, 18:53 Uhr von mrwong
Bewertung: sehr hilfreichsh.........................ich freu mich auch über jede GEGENLESUNG von euch viele und liebe grüße Felix :-)
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23.01.2008, 17:58 Uhr von DOMMEL
Bewertung: sehr hilfreichwollen wa mal alle deine Berichte bewerten
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21.01.2008, 23:15 Uhr von Striker1981
Bewertung: sehr hilfreichSH ..mfg STRIKER
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20.01.2008, 12:32 Uhr von wir_2
Bewertung: sehr hilfreichtop! wir2
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19.01.2008, 12:25 Uhr von campino
Bewertung: sehr hilfreichsh - lg andrea
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09.01.2008, 22:11 Uhr von Mondlicht1957
Bewertung: sehr hilfreichSehr informativ beschrieben *** S H *** LG Pet
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07.01.2008, 04:31 Uhr von echodelta
Bewertung: sehr hilfreichDen werde ich mir bald ausleihen! LG KAI
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06.01.2008, 18:48 Uhr von kreinsch2
Bewertung: sehr hilfreichich hoffe, dass Du gut ins neue Jahr gekommen bist und wünsche Dir für 2008 vor allem Gesundheit und viele Lesungen.
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06.01.2008, 18:10 Uhr von MasterT86
Bewertung: sehr hilfreichAuch hier gibts für diesen bewegenden Film und den hervorragenden Bericht dazu ein sh. Liebe Grüße Tobias
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06.01.2008, 16:12 Uhr von Miraculix1967
Bewertung: sehr hilfreichEin super DVD-Bericht! Einen schönen Sonntag wünsche ich Dir! SH und LG Asterix:-)
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06.01.2008, 13:20 Uhr von strubbine
Bewertung: sehr hilfreichschönen Sonntag wünsch ich Dir
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06.01.2008, 11:11 Uhr von Django006
Bewertung: sehr hilfreichsh & *lg* Alan ;>))))
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06.01.2008, 09:49 Uhr von sachary
Bewertung: sehr hilfreichsehr guter Bericht würde mich über Gegenlesungen freuen
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06.01.2008, 09:28 Uhr von blackangel63
Bewertung: sehr hilfreichLG & einen schönen Sonntag !!
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06.01.2008, 09:03 Uhr von HiRD1
Bewertung: sehr hilfreichGruß, Ralf
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06.01.2008, 08:19 Uhr von GSiebert
Bewertung: sehr hilfreichLG und schönen Sonntag
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06.01.2008, 07:16 Uhr von waltraud.d
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich
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