Requiem (2006) (DVD) Testbericht

Requiem-2006-dvd-drama
ab 10,16
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Auf yopi.de gelistet seit 07/2006
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Summe aller Bewertungen
  • Action:  wenig
  • Anspruch:  anspruchsvoll
  • Romantik:  niedrig
  • Humor:  kein Humor
  • Spannung:  durchschnittlich

Erfahrungsbericht von Wagnerianer1979

Exorzismus in Schwaben

2
  • Action:  sehr wenig
  • Anspruch:  anspruchsvoll
  • Romantik:  niedrig
  • Humor:  kein Humor
  • Spannung:  langweilig
  • Altersgruppe:  ab 12 Jahren
  • Meinung bezieht sich auf:  DVD-Version

Pro:

Besetzung; "Look" der 1970er Jahre

Kontra:

Ohne den Hintergrund der "wahren Begebenheit" lahme Geschichte; kein Film, den man sich gerne ansieht

Empfehlung:

Nein

Mit Requiem (2006) verfilmte der 1965 in Altötting geborene Hans-Christian Schmid – von ihm u.a. 23 und Crazy – ein von Bernd Lange frei nach wahren Begebenheiten gestaltetes Drehbuch. Grundlage der Geschichte war der Exorzismus-Fall der Anneliese Michel aus den unterfränkischen Klingenberg. Requiem wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Deutschen Filmpreis in Silber 2006; inbesondere die in Suhl geborene Sandra Hüller erhielt für dieses Kinodebüt renommierte Preise als beste Hauptdarstellerin (beim Deutschen Filmpreis, beim Bayerischer Filmpreis sowie auf der Berlinale 2006).


Handlung
Schwaben in den 1970ern: Michaela Klingler (Sandra Hüller) kommt aus einem streng katholischen Elternhaus im Landkreis Sigmaringen und ist Epileptikerin. Gegen ihre Anfälle muss die junge Frau Medikamente nehmen. Aus ihrem Glauben heraus orientiert sie sich an ihrem Vorbild, der Heiligen Katharina, und sieht die Krankheit als Prüfung. Mit 21 Jahren geht sie – gegen Bedenken der Mutter (Imogen Kogge), aber mit Unterstützung des Vaters (Burkhard Klaußner) – zum Studium nach Tübingen. Hier trifft sie ihre ehemalige Schulkollegin Hanna (Anna Blomeier), mit der sie sich anfreundet. Auch beginnt sie eine Beziehung mit dem Chemiestudenten Stefan (Nicholas Reinke). Wiederholt erleidet Michaela aber Anfälle und meint Stimmen zu hören, die sie beschimpfen, am Beten oder am Berühren von Rosenkranz und Kruzifix hindern. Die Arbeitsbelastung durch eine Hausarbeit wirft Michaela völlig aus der Bahn, und sie wird wieder zu ihren Eltern gebracht. Da sie für besessen gehalten wird und sich auch selbst dafür hält, beginnen die katholischen Geistlichen Borchert (Jens Harzer) und Landauer (Walter Schmidinger) mit Exorzismen.


Einschätzung
Requiem profitiert von einer herausragenden Besetzung. Besonders dem Elternpaar – ein souveräner Burkhard Klaußner als wohlwollender, aber letztlich hilfloser Vater und Imogen Kogge als ebenso kirchliche wie kalte Mutter – nimmt man ab, dass sie Kinder ihrer Zeit und ihrer Umstände sind. Auch die Hauptdarstellerin Sandra Hüller liefert eine überzeugende Leistung, wenngleich ihr durch die Rolle gewisse Beschränkungen auferlegt sind; für so etwas wie Charakterentwicklung fehlt einfach die Zeit.

Darüber hinaus ist Requiem ein sehr ruhig und technisch schön gestalteter Film. Große Mühe wurde offenbar darauf gelegt, Tübingen, die schwäbische Provinz sowie insgesamt das alt-bundesrepublikanische Leben in den 1970er Jahren atmosphärisch dicht nachzubilden. Angenehm fallen die Aufnahmen an quasi „Original“-Schauplätzen auf, z.B. der Uni Tübingen.

Allerdings sollten Atmosphäre, Details und Ausstattung kein Selbstzweck sein, sonst wäre der Film nur ein „period piece“ über die westdeutschen 1970er in der Provinz. Ohne den Hintergrund der „wahren Begebenheit“, die aber natürlich „frei“ gestaltet ist, wäre Requiem eine lahme Geschichte. Prinzipiell und künstlerisch ist es nachvollziehbar, wenn der Regisseur den Exorzismus gerade nicht voyeristisch nachzeichnen wollte; dabei sollte aber zugegeben werden, dass es erst die Außeralltäglichkeit im Alltäglichen ist, die die Geschichte interessant und erzählenswert macht.

Dabei ist die religiöse Dimension nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen. Etwas überraschend und für meine Begriffe gewissermaßen unaufrichtig ist daher das Statement des Regisseurs, Requiem sei weder ein politischer noch ein religiöser Film, sondern einfach „die Geschichte einer Frau“; diese Geschichte wäre ohne ihren religiösen Hintergrund, die Durchführung der Exorzismen und das tragische Ende wenig interessant. Zudem drängt sich durch die Darstellung des Katholizismus wie der Katholiken – im Film fast durchweg unheimliche und gestörte Figuren – eine Wertung geradezu auf.

Insgesamt ist Requiem kein Film, den man sich gerne (und ggf. auch gerne wieder) ansieht. Daher von mir keine allgemeine Empfehlung für den Kauf der DVD.  


Technische Angaben:
Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Hörfilmfassung
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Format: 16:9 – 2.35:1
FSK: ab 12
Spieldauer: ca. 89 Minuten
Specials: Making-of, Interviews mit Sandra Hüller und Hans Christian Schmid, Texttafeln zum Exorzismus, 20 geschnittene Szenen, Trailer, Fotogalerie, Biographien

25 Bewertungen, 9 Kommentare

  • BoxerRocko

    25.11.2013, 06:54 Uhr von BoxerRocko
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße

  • Little-Peach

    07.11.2013, 09:11 Uhr von Little-Peach
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh :))

  • CocoChino

    06.11.2013, 20:53 Uhr von CocoChino
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße :)

  • eno011

    06.11.2013, 19:47 Uhr von eno011
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße

  • anonym

    06.11.2013, 19:34 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG Damaris

  • mausi1972

    06.11.2013, 16:11 Uhr von mausi1972
    Bewertung: sehr hilfreich

    Viele Grüße Marion.

  • Lale

    06.11.2013, 16:05 Uhr von Lale
    Bewertung: sehr hilfreich

    Allerbesten Gruß *~*

  • monagirl

    06.11.2013, 15:40 Uhr von monagirl
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schön berichtet von dir. LG Mona.Würde mich freuen über deine Lesungen

  • Lisa_123

    06.11.2013, 15:16 Uhr von Lisa_123
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße von Lisa!