Requiem (2006) (DVD) Testbericht

Requiem-2006-dvd-drama
ab 10,16
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Auf yopi.de gelistet seit 07/2006
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Summe aller Bewertungen
  • Action:  wenig
  • Anspruch:  anspruchsvoll
  • Romantik:  niedrig
  • Humor:  kein Humor
  • Spannung:  durchschnittlich

Erfahrungsbericht von LilithIbi

„Die Welt macht mich in der Seele krank“

4
  • Action:  wenig
  • Anspruch:  anspruchsvoll
  • Romantik:  niedrig
  • Humor:  kein Humor
  • Spannung:  durchschnittlich
  • Altersgruppe:  ab 12 Jahren
  • Meinung bezieht sich auf:  DVD-Version

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Es liegt auf der Hand, dass die in einem Film befindliche Spannung ein schweres Los hat, sich überhaupt noch rigoros entfalten zu können, wenn jeder zweite die dahinter steckende authentische Geschichte bereits kennt. In diesem Zusammenhang erschien mir persönlich _„127 hours“_ als unglaublich langatmig, eben weil ich vor Sichtung der wahren Begebenheit zuvor lediglich wusste, wie_ der Protagonist sich aus seinem Dilemma befreien würde.
Bezüglich des knapp anderthalbstündigen Psycho-Dramas

===“Requiem“=== verläuft dieser Umstand ähnlich, wenngleich man durchaus hinzufügen kann, dass Werke, die in Zusammenarbeit mit arte entstehen, generell ihren eigenen Charme involvieren. Wem der Name Michaela Klinger nichts sagt, der kennt womöglich die amerikanisierte Fassung der gleichen Story unter dem Namen _„Der Exorzismus der Emily Rose“_ ~ und somit ebenfalls den Ausgang, wobei der Vergleichsfilm im Grunde genommen dort ansetzt, wo _„Requiem“_ endet.
Skeptisch wird der ein oder andere generell sein; was durch den eingangs eingeblendeten Texte

"Der Film beruht auf wahren Begebenheiten. Die handelnden Personen und Orte sind dennoch frei erfunden."
durchaus verstärken könnte. Nichtsdestominder findet man sich rasch in die für den Großteil der Bevölkerung recht eigentümliche Stimmung der Familie rund um die 21jährige Michaela Klinger (Sandra Hüller) in den frühen 70er Jahren hinein. Fakt ist, die Mutter Marianne (Imogen Kogge) scheint ihr Kind überfürsorglich zu behüten und somit sämtliche Freiheiten einzuschränken. Lediglich Michaelas Vater Karl (Burghard Klaußner) steht – zumindest noch an dieser Stelle – hinter Michaelas Wunsch, in Tübingen studieren zu gehen. Gewisse „Vorfälle, die hinderlich sein könnten“ werden angesprochen, ohne den Zuschauer diese preiszugeben.
Nachdem Michaela trotz den Einwänden ihre Mutter an der Uni angekommen ist, wird sie direkt am ersten Tage vom Professor vor versammelter Mannschaft gefragt:

„Glauben Sie an die Vorbildfunktion der Pädagogik?“, woraufhin sie mit einem
„Ich weiß es nicht“ antwortet. Nach der erneuten Rückfrage „An was glauben Sie dann?“ offenbart Michaela treuherzig „an Gott“ und wird dafür erstmal von ihren Kommilitonen ausgelacht.
Wie wenig diffus die starke Religiosität jedoch tatsächlich angesehen wird, wird an mehreren Filmstellen überaus deutlich: nicht nur Michaelas Familie geht regelmäßig zum Gottesdienst, auch Hanna Imhof (Anna Blomeier), zu der Michaela nach nicht näher beleuchteten Anfangsschwierigkeiten eine tiefe Freundschaft aufbaut, scheint sich über etliche christliche Deko an den Wänden nicht zu wundern. Dafür wundert sie sich umso mehr, warum Michaela ihre Krankheit so lange geheimzuhalten versuchte ~ und zu guter Letzt intensivst darüber, mit was die strenggläubige, die unbedingt auf den Spuren der heiligen Katharina zu wandeln wollen scheint, ihren zunehmenden körperlichen Verfall erklärt...

~ Wer _„Requiem“_ schaut, der muss sich weitestgehend bewusst machen, dass es seinerzeit noch keine zuverlässige Behandlung von Epilepsie gab, was jene Anfälle durchaus bedrohlicher machten. Ebenso sollte der Interessierte unabdingbar wissen, dass ihm in dieser Verfilmung alles andere als ein Gruselschocker erwartet ~ die FSK12 Freigabe kommt nicht von ungefähr, ebenso war es Regisseur Hans-Christian Schmidt offenbar ein Anliegen, den thematischen Schwerpunkt auf die innerfamiliären Diskrepanzen zu gewichten.

An vielen Stellen kommt die mütterliche Dominanz zu tragen, während es insbesondere Michaelas jüngere Schwester Helga (Friederike Adolph) ist, die unbestreitbar – und das durch bloße Anwesenheit! - am meisten Leben in die Familie bringt. Die Kälte, die von Frau Klingler ausgeht, ist überaus deutlich spürbar, ebenso wie die stille Enttäuschung, die Michaela aufgrund dieser immerr wieder wegzustecken genötigt ist.
Generell agiert _„Requiem“_ überaus leise sowie zwischen den Zeilen; Schockmomente gibt es keinen einzigen, während lediglich einzelne „verbale Ausfallerscheinungen“ den Gucker aufhorschen lassen sollten. Eine hohe Aufmerksamkeitsspanne setzt die Verfilmung somit voraus, obzwar die Veränderung Michaelas in den letzten 15Minuten durchaus deutlicher wird.

Manch einer mag oder gar wird enttäuschend finden, dass der Begriff „Exorzismus“ erst nach einer Stunde Laufzeit erstmalig fällt, worüber hinaus _„Requiem“_ regelrecht abrupt genau an der Stelle endet, der die meisten Interessenten vermutlich am ehesten entgegengefiebert haben. Eine Texteinblendung schließt das Dargebotene, hinterlässt eine leichtes Gänsehautfeeling und zig offene Fragen.
Zum einen natürlich jene, was nun schlussendlich hinter dem Ganzen gesteckt haben mag; zum anderen womöglich die, warum Michaela überhaupt der Universität verwiesen worden sein soll.
Rigoros überraschend für mich, die die Hintergrundinformationen rund um _„Requiem“_ bereits kannte, durchaus die Reaktion des aufgesuchten älteren Priesters, währenddessen sich ein zweiter kirchlicher Beistand völlig gegenteilig (und manipulierend?) verhält.

Weniger begeistert hingegen war ich von der Wahl der Hauptdarstellerin: obschon diese für ihre Leistung den Preis des „Silbernen Bären“ verliehen bekam, hätte ich persönlich mir doch eine andere gewünscht. Hier und dort konnte ich den umstehenden Reaktionen, die Michaela nahezu entsetzt fragten, was bloß los mit ihr sei, nicht folgen, eben weil diese auf mich einen ganz und gar nicht bedenklichen Eindruck machte. Sie tanzte halt in der Disko (wenngleich in einem überaus eigenwilligen Tanzstil), na und?

Es mag nicht zuletzt an den Vorgaben des Drehbuchs liegen, doch so wirklich konnte ich manche Gesten wie auch Mimiken der Protagonistin nicht abnehmen. Ihre stellenweise urplötzlich auftauchende gnadenlose Wut will einfach nicht so recht überzeugen oder gar nur aus sich heraus, während es sich mit dem stimmungswechselnden Umkehrfall nicht anders verhält.

Besonders hervorzuheben neben den durch die Bank überzeugenden Schauspielern der Eltern nicht zuletzt der junge Priester, der dem Film (bzw. den zugrunde liegenden damaligen Ereignissen) die Richtung geben sollte, die er schließlich einschlug.

Das umfangreiche Bonusmaterial ist im Grunde nicht so bestechend, wie man es anfänglich meinen könnte. Bei den '''„Biografien von Stab und Besetzung“''' sowie dem Bonus '''“Exorzismus“''' handelt es sich ausschließlich um Texttafeln, während man die '''“Fotogalerie“''' ebenfalls nicht unbedingt gesehen haben muss. Hinzu gesellen sich ein '''Making of'''', '''nicht verwendete Szenen''', zwei '''Interviews''' sowie der altberühmte '''Audiokommentar'''.

===Summa summarum=== bringe ich für meinen Teil die nötigen „Voraussetzungen“ mit, um solchen Filmen etwas abgewinnen zu können.
Für die breite Masse hingegen eignet sich _„Requiem“_ alle Wahrscheinlichkeit nach nicht; denn selbst jene, die in die Richtung Besessenheit den Glauben an das Mögliche innetragen, werden womöglich auf eine bombastischere Umsetzung gehofft haben.
Mir indes hat die Darbietung durchaus zugesagt, wenngleich ich mitnichten verschweigen möchte, dass ich die US-Verfilmung dennoch als einen Duppen intensiver empfand.

27 Bewertungen, 6 Kommentare

  • Miraculix1967

    16.05.2012, 22:28 Uhr von Miraculix1967
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe stürmisch-herbstliche Frühlingsgrüße aus dem gallischen Dorf Miraculix1967

  • campino

    16.05.2012, 22:00 Uhr von campino
    Bewertung: sehr hilfreich

    liebe Grüße, Andrea

  • XXLALF

    16.05.2012, 21:43 Uhr von XXLALF
    Bewertung: besonders wertvoll

    ...und einen schönen gruß

  • Lale

    16.05.2012, 20:38 Uhr von Lale
    Bewertung: sehr hilfreich

    Allerbesten Gruß *~

  • Bjanne

    16.05.2012, 18:21 Uhr von Bjanne
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schönen Tag und lieben Gruss;)

  • DIREKT4000

    16.05.2012, 14:43 Uhr von DIREKT4000
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ganz liebe Grüße