Wirth Gabelfeder-Satz Testbericht

Wirth-gabelfeder-satz
Abbildung beispielhaft
ab 110,82
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Auf yopi.de gelistet seit 09/2006

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Erfahrungsbericht von Tut_Ench_Amun

Stramme Jungs

Pro:

Sinnvolles Tuning des vorderen Fahrwerks bei zu lascher Original - Abstimmung

Kontra:

Einbau nicht ganz so leicht, wie im Katalog angegeben / Muss eingetragen werden

Empfehlung:

Ja

Trotz schon gefestigter Pläne noch dieses Jahr ein neues Motorrad zu kaufen, kommt das alte pharaonische Bügeleisen noch lange nicht auf den Schrott. Im Gegenteil. Nach Rücksprache mit der Pharaonin wurde entschieden, die uns ans Herz gewachsene, mittlerweile 12 Jahre alte Kawa nicht nur zu behalten, sondern technisch sogar noch weiter aufzurüsten. Einige (eher dezente) Upgrades hat Madame ja schon hinter sich. Dieses Tuning hier hat dagegen schon eine etwas andere Dimension und ist schon ein recht schwerwiegender Eingriff ins Setup der Maschine.

Ausgangslage
Schon immer war mir die Vorderhand der GPZ zu schwammig und ging bei flotter Fahrweise recht schnell auf Block, d.h. sie taucht soweit ein, dass die Dämpferfedern komplett zusammengestaucht werden. Damaligen Fahrwerken für die Großserie spendierte man fast ausschließlich "lineare" Federn - meist aus Kostengründen - und gestand die besseren "progressiven" (und meist auch härteren) lediglich ausgemachten Sportmaschinen zu. Heute sind die Ansprüche, die an das Fahrwerk von Straßenmaschinen gestellt werden, wesentlich höher und die prinzipiell bessere Technik auch bezahlbar geworden.

Beim längst überfälligen Wechsel des uralten Gabelöls, der mittlerweile maroden Simmeringe und der unschön-gammeligen Staubkappen der Teleskopgabel, sollten nun auch gleich die Federn gegen modernere ausgetauscht werden - immerhin muss man die Gabel ja eh für diese Arbeiten sowieso ausbauen und hernach auch noch komplett zerlegen. Die Gelegenheit war also günstig und die entsprechenden, peripheren Ersatzteile schnell besorgt. Ein Preisüberblick und Nachforschungen über den jeweiligen "Charakter" von Federelementen verschiedener Hersteller, ließen mich schließlich zu WIRTH-Federn greifen.

Louis bietet das Pärchen für knapp 90 € an. Das ist preislich im oberen Normbereich. Alternativen wären etwa WILBERS (99 Euro/Paar) Hierbei handelt es sich um noble, renommierte Rennsporttechnik - aber etwas overdressed, weil zu hart für meinen Geschmack) oder die Hausmarke der Polo-Kette: HiQ (gesprochen Hei:Kju, lautmalerisches Akronym für: "High Quality") gewesen. Polo verlangt 69 Euro für den Satz Gabelfedern. Da ich aber nicht einschätzen kann, wie es um das HeiKju wirklich bestellt ist, krallte ich mir lieber die mir schon aus anderen Mopeds bekannten Wirth-Federn. Da kann ich auf eigene Erfahrungswerte zurückgreifen und weiß ziemlich genau was ich beim Endergebnis erwarten kann und darf.

Lieferumfang
Die Stahlfedern sind modellspezifisch ausgelegt und passen ausschließlich auf die in der jeweils beigelegten Einbauanleitung/ TÜV-Gutachten verzeichneten Motorräder. Länge und Durchmesser fallen von Modell zu Modell unterschiedlich aus, manchen Sets liegen auch passende Distanzhülsen bei. Hülsen sind bei der Zetti jedoch nicht notwendig und daher beschränkt sich der Lieferumfang auf die reinen Gabelfedern. Eine für Links eine für Rechts. Logo. Irren ist menschlich: Vor dem Auspacken aus der Klarsichttüte ist ein grober Vergleich zwischen alt und neu angebracht. Sehen sich Tüteninhalt und ausgebaute Federn gar nicht ähnlich, kann man sie so ganz problemlos - weil originalverpackt - umtauschen, wenn nötig.

Montage
Auch wenn der Katalogtext: "Einfache Selbstmontage" verspricht, so haben Sonntagsschrauber und Gelegenheitsfrickler bei diesem Job nichts zu verloren. Die Montage ist schon was für versierte Hasen aus dem (semi-)professionellen Lager. Weiten wir den Kreis vielleicht noch auf gut eingerichtete Amateure aus, der ganze Rest lässt aber lieber die Werkstatt oder den vorher beschriebenen Personenkreis ran. Das Vorderrad und die komplette Telegabel müssen ausgebaut und zerlegt werden. In der Theorie mag es mit einem simplen Austausch der Federn "mal eben" getan sein - aber eben leider nur in der Theorie, die Praxis sind anders aus. Zudem sollte man grundsätzlich zu zweit zu Werke gehen. Besser ist das.

Ohne Flaschenzug oder zum Motorrad passende Aufbockvorrichtung ist man aufgeschmissen, noch bevor man überhaupt erst angefangen hat. Man sollte sich auch darauf einrichten etwaiges Spezialwerkzeug selbst herstellen zu können - zum Beispiel einen Gegenhalter für das Standrohr etc. Spätestens hier sind Hobbybastler dann heillos überfordert. Eventuell benötigte Ersatzkleinteile sollte man sich bereits im Vorfeld besorgen: Dichtungen, Schrauben, Spangen/Sicherungsringe unter Umständen auch gleich neue Staubschutzkappen und neue Führungshülsen nicht zu vergessen. Sie könnten beschädigt sein, das sieht man aber erst, wenn die Hosen runter sind.

Die Simmeringe sollten ebenso wie das Gabelöl auf jeden Fall ausgetauscht werden. Diese und die Staubschutzkappen bekommt man am schnellsten (und günstiger als im Original) über den Zubehörhandel, z.B. bei Louis, Polo, Gericke & Co. Wenn man die Gabelfedern bestellt, am besten diese relativ günstigen Cent-Artikel gleich mit einpacken/bestellen, dann gibt's später keine langen Gesichter, wenn man ausgerechnet am Wochenende feststellt, dass die Teile auch plender sind und ausgetauscht werden müssen. Kann man die Altteile noch verwenden lagert man die Neuteile am besten ein: Der nächste Gabelölwechsel kommt bestimmt - in spätestens 2 Jahren nämlich.

Die (De-)Montage hier haarklein zu erläutern dürfte nicht viel bringen, da sie modellspezifisch ausfällt und sie sich nur auf meine Kawa beziehen würden. Zwar ist die Prozedur häufig gleich oder zumindest ähnlich, doch wer es genau wissen will schnappt sich die allseits beliebten Reparaturanleitungen (z.B aus dem Motorbuch-Verlag, das dürften die Bekanntesten sein). Nicht ganz billig in der Anschaffung (um 25 Euro), jedoch nie versiegende Quelle der Weisheit mit Zeichnungen, Step-by-Step Erklärungen, Tipps & Tricks, sämtliche Einstelldaten, Füllmengen und Drehmomenten rund um das komplette Modell. Kurzum alles, was man über sein Motorrad wissen sollte, wenn man es zünftig zerlegen (und danach auch wieder korrekt zusammensetzen) will.

Der Moment der Wahrheit
Der kommt schon gleich nach dem ersten Abbocken, wenn die nunmehr getunte Gabel das erste Mal belastet wird und eintaucht. Das Maschinchen liegt jetzt bereits wie ein Brett, federt nur kurz ein und stramm wieder aus. Die bei der GPZ um 3 cm längeren und spürbar straffer gewickelten Federn lassen den Bock wie festgenagelt in der Ausgangslage stehen. Kein Nachschaukeln, kein Wippen. Dennoch muss sich das neue Gabelöl durch mehrfaches Auf und Nieder erstmal ordentlich in Tauch- und Standrohr verteilen. Jetzt erst kann es vorsichtig auf die Piste gehen zur Probefahrt.

Wer bis dato meinte seine Karre zu kennen, muss sich nun umstellen und einige Dinge neu lernen. Zunächst fährt es sich ein wenig wie auf Eiern. Die Vorderhand ist ungewohnt hart, sämtliche Fahrbahnunebenheiten der Hausstrecke fühlen sich plötzlich anders an. Kurze Stöße rütteln Ross und Reiter stärker durch, als bisher. Bei kontinuierlicher Belastung - wie beim Bremsen - merkt man dann die progressive Wicklung: Taucht die Gabel am Anfang noch deutlich ein, so nimmt das mit zunehmender Federbeanspruchung immer mehr ab. Man wartet auf das charakteristische "Plock!" wenn die Gabel auf Block geht. Doch es bleibt aus.

Nach der Gewöhnungszeit traut man sich dann doch mal wieder näher ans Limit heran und ist bass erstaunt, denn die sorgsam einstudierten Brems- und Einlenkpunkte der Lieblingsstrecke müssen neu gesetzt werden. Dadurch, dass die Federung nun präziser arbeitet, hat sich das Einlenkverhalten dramatisch verbessert, was auch mal eine aggressivere Linienwahl ermöglicht. Auch die Spurtreue hat hinzugewonnen. Satt liegt das Eisen auf der Straße, selbst deftig geankert ist nun auch kein Gautschen und kein Stuckern mehr beim Schieben über das Vorderrad zu spüren. Generell hat sich das Feeling für die Straße erhöht, sprich: bessere Rückmeldung.

Fazit
Zugegeben, der Einbau ist nicht immer einfach und nicht für jeden selbst zu bewältigen, zusätzlich muss der Spaß vom TÜV abgenommen werden. Auch wenn der Komfort etwas darunter leidet, so gewinnt die olle GPZ auf ihre alten Tage mit diesem Fahrwerkstuning gewaltig an Handling und Präzision. Dabei sind die progressiven Wirth-Federn zwar ordentlich straff, aber nicht so knüppelhart, wie manche Mitbewerber. Das macht sie insbesondere für diejenigen interessant, die gelegentlich mal gern mit ihrem braven Alltags-Bike sportlich durch die Landschaft zirkeln aber ansonsten eher die bequemere Gangart bevorzugen. Gut wenn man Reserven hat, auch wenn man sie nicht ausschöpft. Alles in Allem ein sehr empfehlenswertes Upgrade für meist chronisch unterdämpfte Seriengabeln.

So Long

Der Federlesens-Pharao

23 Bewertungen, 5 Kommentare

  • krullinchen

    23.01.2007, 11:23 Uhr von krullinchen
    Bewertung: sehr hilfreich

    ┬sh & liebe Grüße^ Bine┴

  • bianca24

    23.09.2006, 14:40 Uhr von bianca24
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr hilfreich!

  • anonym

    23.09.2006, 12:42 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    super Bericht!

  • anonym

    23.09.2006, 11:09 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöner und guter Bericht,lg Bernd

  • stegi

    23.09.2006, 11:03 Uhr von stegi
    Bewertung: sehr hilfreich

    toller Bericht - LG Martin