James Bond 007 - Stirb an einem anderen Tag (DVD) Testbericht

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Erfahrungsbericht von T-Shirt

Auf der Suche nach Innovation

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Danke, George W. Bush! Mit seiner „Achse des Bösen“ hat der US-Präsident auch die Daseinsberechtigung des britischen Geheimagenten James Bond gerettet, dem nach Ende des Kalten Krieges ein wenig die klassischen Feindbilder ausgegangen waren. Doch für den neuesten Bond hat man sich wieder auf die bösen kommunistischen Regime besonnen: Nordkorea und Kuba stehen im Mittelpunkt von „Die another Day“.

Doch der unbezwingbare Superheld früherer Tage ist 007 trotzdem nicht mehr. Nachdem ein Auftrag in fernen Osten gründlich in die Hose gegangen ist, wird Bond (Pierce Brosnan) 14 Monate in einem nordkoreanischen Gefängnis gefoltert und kommt nur durch einen Tauschhandel wieder frei. Nach dieser langen Haft misstraut auch der britischen Geheimdienst seinem einstigen Superstar und entzieht ihm den 00-Status – die Lizenz zum Töten. Doch unverdrossen kämpft Bond auf eigene Faust gegen bösartige Koreaner und einen gewissen Gustav Graves (Toby Stevens), der in Island an einer Superwaffe arbeitet um – wie sollte es bei einem Bond-Bösewicht anders sein - die Welt zu beherrschen.

Als Bond-Girl kämpft diesmal Oscar-Preisträgerin Halle Berry („Monster´s Ball) an der Seite von 007 – kein hilfsbedürftiges Mädchen, wie man es aus früheren Jahrzehnten kennt, sondern - wie zuletzt beispielsweise auch Denise Richards - eine starke, wehrhafte, mit eigenem Kopf und großem Selbstbewusstsein. Aber letztlich muss James seinem Bond-Girl doch wieder das Leben retten, ohne ihn wäre sie verloren – so schnell ändert sich die 007-Welt eben doch nicht.

Ein weiterer Beweis für diesen cineastischen Konservatismus ist die Tatsache, dass im nordkoreanischen Knast zwar deutlich wird, dass Bond weder unfehlbar noch unverletzlich ist – doch kaum ist er wieder auf freiem Fuß, schüttelt er die 14-monatige Folter einfach ab und ist von jetzt auf gleich wieder der unschlagbare Superheld. So scheitert „Die another Day“ in dieser Hinsicht an seinem eigenen Anspruch: Es wird suggeriert, dass der 20. Film der Bond-Reihe mit Neuerungen aufwartet, alte Klischees vernachlässigt und sich ein wenig dem geänderte Gesellschaftsbild anpasst, aber letztlich fällt man doch immer wieder in die alten Schemata zurück, und dadurch wirkt der Streifen insgesamt ein wenig unrund.

Die etwas verkrampfte Suche nach Innovation für den angestaubten Bond-Mythos zeigt sich auch bei der Filmmusik: Madonna, die auch einen – durchaus verzichtbaren - Gastauftritt als Fechttrainerin hat, versucht mit ihrem Titelsong, bei 007 ein wenig musikalische Moderne einziehen zu lassen. Was bleibt, ist leider eines der schlechtesten Madonna-Lieder der letzten Jahre und einer der schwächsten Bond-Songs überhaupt.

Die typischen Action-Szenen sind natürlich von gewohnt hoher Qualität und liefert einige frische Impulse. Die exzellente Kamera-Arbeit wird durch einige raffinierte und rasante Schnitte sowie ungewohnte filmtechnische Spielereien aufgewertet. Hier ist Unterhaltung auf hohem technischen Niveau gewährleistet. Neben einer rasanten Fecht-Szene in einem chicen Londoner Club und einer Auto-Verfolgungsjagd auf blankem Polareis findet Bond auch mal wieder eine neue Fortbewegungsart: er surft auf einem Kofferraumdeckel durchs Eismeer.

Das könnte einer der Höhepunkte sein, würde das Eismeer im Bild-Hintergrund nicht so unfassbar künstlich aussehen. Derartige Animationen kennt man aus den technisch noch unterentwickelten sechziger Jahren. Vielleicht wollte Regisseur Lee Tamahori hier augenzwinkernd und ganz bewusst Trash produzieren, doch eventuelle Ironie wird leider nicht erkennbar – die Szene wirkt schlicht und ergreifend billig. Schade drum!

Ohnehin ist Ironie, wie man sie von Roger Moore kannte und wie sie zuletzt bei „Die Welt ist nicht genug“ zumindest gelegentlich aufblitzte, nicht die starke Seite von „Die another Day“. Der Film nimmt sich über weite Strecken leider etwas zu ernst, und dadurch wirken die Superhelden-Fähigkeiten von 007 gelegentlich fast unfreiwillig komisch.

Freiwillig komisch hingegen ist John Cleese, dessen Auftritte als very britisher Q-Nachfolger leider viel zu kurz sind. Immerhin hat es seine neueste Erfindung in sich: Statt neuer Superwaffen baut er Bond diesmal ein Auto, dass unsichtbar wird und selbst auf blanken Eis extrem steile Strecken bewältigen kann. Für die eine oder andere neue Idee ist die Bond-Reihe also auch nach 40 Jahren noch gut.

Was bleibt, ist letztlich aber nur ein routiniert gedrehter Bond-Film, der zwar ordentliche Unterhaltung bietet, aber auch nur wenig spektakuläre Überraschungen zu bieten hat. Pierce Brosnan ist in der Rolle des britischen Geheimagenten zwar absolut überzeugend, aber auf den großen cineastischen Wurf in der Brosnan-Ära muss leider weiterhin gewartet werden.

21 Bewertungen, 1 Kommentar

  • Flockymeister

    01.07.2008, 01:48 Uhr von Flockymeister
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ist wieder mal ein super Text!mfg Flo