Prinzessin Mononoke (DVD) Testbericht
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Erfahrungsbericht von Daverigger
Was Hass aus Menschen machen kann ...
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Trotzdem wurde „Prinzessin Mononoke" nicht nur der erfolgreichste japanische Zeichentrickfilm aller Zeiten, vielmehr wurde er in Japan zum erfolgreichsten Film überhaupt, erfolgreicher noch als sämtliche Hollywood-Produktionen. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass sogar Barry Cook und Tony Bancroft (Disneys „Mulan") über den Regisseur Miyazki Hayao sagten: „Miyazki ist wie ein Gott für uns." Auch Rick Sternbach, der technische Berater und Illustrator für zahlreiche „Star Trek" Folgen, brachte seine Bewunderung für Miyazki zum Ausdruck, indem er eine Gattung von Aliens in „Star Trek: The Next Generation" nach einer Heldin aus einem von Miyazki s Filmen von 1984 benannte: Die Nausicaans.
Daher ist der Film bei weitem nicht mit dem zu vergleichen, was hierzulande an japanischen Anime verbreitet ist: Spacig angehauchte Serien wie „Sailor Moon" oder technisierte Endzeitvisionen wie „Akira" oder „Ghost in a shell" haben mit „Prinzessin Mononoke" wenig gemeinsam. Miyazki gelingt es vielmehr, die Faszination einer gut durchdachten Märchenwelt entstehen zu lassen.
In dieser aus 144.000 Einzelbildern bestehenden, wundervollen Fabel wird eines schnell klar: Etwas ist falsch gelaufen mit dem Gleichgewicht von Natur und Zivilisation. Gleich im Auftakt konfrontiert sie einen mit einem irrsinnigen Monster, welches in letzter Sekunde vom jungen Prinz Ashitaka zur Strecke gebracht wird und dann als übergroßes Wildschwein erkenntlich wird. Wenn auch diese Vorkommnisse vorerst unerklärt bleiben, so elektrisieren sie als Ausgangslage und liefern den Einstieg in ein komplexes mystisches Universum.
Die Geschichte spielt in der japanischen Muromachi - Ära, während der Zeit der beginnenden Industrialisierung in Japan: Prinz Ashitaka, noch sehr junger Krieger und Protektor eines kleinen Dorfes im Norden Japans, wird eines Tages gezwungen, einen Götterdämon in der Gestalt eines wilden Ebers zu töten, um sein Dorf vor der Zerstörung zu retten. Als das Ungetüm sterbend vor ihm liegt, offenbart es ihm, dass es sich um einen Tiergott aus dem fernen Wald des Hirschgottes handelt. Der Hass, der den Eber zu einem rasenden Monster machte, wurde durch eine Eisenkugel in seinen Eingeweiden verursacht, und frisst sich nun über eine sich ausbreitende, todbringende Narbe in Ashitakas Arm und seinen ganzen Körper.
Entschlossen macht der Todgeweihte sich nun auf in den fernen Wald im Westen Japans, um dort den Hirschgott, den König aller Tiergötter, um Hilfe zu bitten. Denn dieser besitzt die Macht, Leben zu nehmen und zu geben. Während seiner beschwerlichen Reise, auf der jede Menge Blut fließt und Menschen brutal Köpfe und Arme abgeschlagen werden (dies nur als Hinweis für jene, die annehmen, dass es sich bei einem Zeichentrickfilm automatisch um einen Kinderfilm handelt), lernt er Lady Eboshi kennen, die nahe des Tierwaldes eine Eisenhütte betreibt. Sie und ihr Tatara-Clan werden regelmäßig von der Wolfsgöttin Moro angegriffen, die den Wald zu verteidigen sucht. Mit den Wölfen zieht auch San, eine junge Frau (Sie ist ungefähr gleichalt wie Ashitaka. Der Zeichenstil lässt vermuten das beide noch Kinder oder Jugendlich sind, aber sie sind wirklich erwachsen!), die einst als kleines Kind von den Menschen verstoßen und von Wölfen aufgezogen wurde. Auch sie - Ihr name ist San (Mononoke Hime bedeutet, übersetzt ins englische, "Revengeful Ghost/Demon", also so etwas wie Rachegeist. )- bekämpft verbittert die Menschen, um den Wald zu schützen.
Ashitaka ist fasziniert von dem Mädchen, will sich aber dennoch weder auf die eine, noch auf die andere Seite schlagen. Unfreiwillig wird er immer tiefer in den erbitterten Kampf zwischen Mensch und Natur hineingezogen. Seine Versuche, zwischen den beiden Parteien zu vermitteln, handeln ihm das Misstrauen beider Gruppen ein. Die Lage spitzt sich dramatisch zu, als eine Gruppe von Samurai und Spähern dazustößt, die Lady Eboshi im Auftrag des Mikado (Jap. Kaiser) dazu benutzen wollen, den Kopf des Hirschgottes zu stehlen, um dadurch Unsterblichkeit zu erlangen.
Dazu kommt die Tatsache, dass sich Ashitaka und Mononoke ineinander verliebt haben.
Wer aber jetzt Disneytypisch Geturtel und Küsschen erwartet liegt falsch, denn in Japan ist Liebe nicht so oberflächlich wie hierzulande. Die Liebe der beiden spielt sich auf einer anderen Ebene ab und zeigt sich nur in wenigen besonderen Momenten und Szenen.
Wie der Film ausgeht verrate ich nicht, etwas Spannung soll ja schließlich erhalten bleiben! *g*
Im Gegensatz zu den Disney- oder Warner-Filmen hat Miyazaki nur gerade 10% seiner Filmbilder das Leben mittels Computer eingehaucht. Darauf angesprochen, spricht er Klartext: «Computer sind für mich nicht wichtiger als andere Hilfsmittel, wie etwa ein Bleistift. Ich weigere mich, Computer zu benutzten, bloß weil sie immer fantastischere Spielereien erlauben. Für mich zählt einzig, welches das geeignetste Mittel ist, um qualitativ hoch stehende Animationen zu machen, und ich finde, dass das im Moment mit handgefertigten Zeichnungen immer noch am besten gelingt.»
Dies tut aber der märchenhaften Atmosphäre des Filmes keinen Abbruch - im Gegenteil: Der ganze Film ist geprägt von einer ganz eigenen Stimmung, die dazu beiträgt, dass man sich auch als aufgeklärtes, schwer arbeitendes Mitglied einer Industrie-Nation ein wenig in alte Kindertage zurückversetzt fühlt. In eine Welt, in der es Wunder gab und in der fast alles möglich erschien.
Wie in Anime üblich herrscht auch in Mononoke Hime eine bunte Vielfalt verschiedenster Charaktere, die in ihrem Facettenreichtum und ihrer teilweisen Unergründbarkeit den Zuschauer unbewusst fesseln.
Auch sehr typisch und brillant umgesetzt sind die Tatara-Frauen, die für Dame Eboshi im Eisenwerk arbeiten. Sie lieben ihre Männer, sind oft Mütter und arbeiten sehr hart – Dies stellt einen Kontrast zur eigentlich Lebensweise in Japan dar, der gekonnt in die Geschichte eingewoben wird und dem ganzen einen komödiantischen, aber auch bodenständigen Touch verleiht, der durchaus zum Nachdenken anregt.
Die Tatsache, das Dame Eboshi junge Prostituierte aus Bordellen aus ihren Verträgen kauft und in ihrem Werk arbeiten lässt trägt zu ihrem mildtätigen Charakter bei - jedoch nur dne Menschen gegenüber.
Im Original heisst der Film Mononoke Hime. Die Übersetzung ins Englische und Deutsche verfälscht die komplette Aussage des Werks, da das Mädchen "San" und nicht "Prinzessin Mononoke" heisst (Wäre ja schon fast typisch Disney *igitt*). Wie zu Anfang schon gesagt, bedeutet Mononoke Hime Revengeful Ghost/Rachegeist. Diese Beschreibung passt auf jeden der Hauptcharaktere in diesem Film und wäre von daher ein viel besserer Titel gewesen.
Dies führt zu einer sehr wichtigen Erkenntnis für das Verständnis des Films: San ist keinesfalls die absolute Hauptfigur, sie ist eine von vielen.
Schelte an die Übersetzer. Musste das sein?
Ich habe mir den Film gleich zweimal im Kino angesehen und bin begeistert. Ich werde mir die DVD zulegen, sobald sie irgendwie erhältlich ist, und kann den Film jeden empfehlen, der immer noch glaubt, gezeichnete Filme seien nur für Kinder. Aber Vorsicht: Wer vor hat mit seinen Sprösslingen den Film anzusehen sollte auf die Altersfreigabe achten, der Film ist erst ab 12, und dies ist meiner Meinung nach auch gerechtfertigt!
Aber nichtsdestotrotz ist er sehr, sehr empfehlenswert!!!
Übrigens ... man schreibt Mononoke ohne accent égu wie hier bei Yopi im Titel ... nur so als kleine Zusatzinformation. ^_^y
37 Bewertungen, 6 Kommentare
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25.12.2003, 19:03 Uhr von theConsultant
Bewertung: sehr hilfreichIch habe gerade den Film bei in der Ausstrahlung von RTL II gesehen (gestern aufgenommen, heute angeguckt) und war begeistert. Fast ein ähnliches Vergnügen war es, deinen vorzüglichen Bericht darüber zu lesen.
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24.05.2002, 16:26 Uhr von Mr.Beka
Bewertung: sehr hilfreichHeyo sag der Mr.Beka ;-)
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24.05.2002, 15:42 Uhr von herzens_licht
Bewertung: sehr hilfreichTach auch und noch nie etwas davon gehört! Zugegeben es interessiert mich auch ned :o)
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24.05.2002, 15:19 Uhr von Flying-Dolphin
Bewertung: sehr hilfreichWink vom Queerdenker ;)
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24.05.2002, 02:48 Uhr von JEzzY
Bewertung: sehr hilfreichhey :))
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24.05.2002, 02:38 Uhr von Knutschbaer
Bewertung: sehr hilfreichSehr ausführlich eigentlich ein sehr nützlich mit Sternchen, bei Dooyoo eine Krone, bei ciao ein Diamant. Solch qualitative Berichte wünsche ich mir öfter hier. Greetz
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