Austin Powers in Goldständer (DVD) Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 02/2012
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Erfahrungsbericht von wildheart
„Gelungene“ Reproduktion der Traumfabrik
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Stephen Spielberg, John Travolta, Tom Cruise, Danny De Vito und Gwyneth Paltrow geben sich die Ehre (zu Anfang des Films, als die auf der Leinwand im Kino als Hauptfiguren zu sehen sind), sich und Mike Myers in dem dritten Teil der Powers-Parodie – oder dem, das Myers darunter versteht – auf James-Bond-Filme und damit der Maschinerie. Welcher Maschinerie? Der von Hollywood, welcher sonst. Was im dritten Teil – die ersten beiden kenne ich nicht – als mehr gequälter und allzu gewollter Versuch einer ironischen Aufarbeitung von Klischees in Agentenfilmen daherkommt, ist letztlich nämlich nichts anderes eine ordentlich gerührte Werbetrommel für die Tramfabrik. Ironie, Sarkasmus, Parodie? Wer das in Mike Myers Sequel sehen will, soll das tun. Ich erkenne von alldem nichts. Im Gegenteil.
Inhalt
Austin Powers (Mike Myers), britischer Top-Spion, kämpft gegen Dr. Evil (Mike Myers), glatzköpfiger Super-Bösewicht mit Mini-Son Mimi-Me (Verne Troyer) und vernachlässigtem Sohn Scott Evil (Seth Green). Diesmal will Evil mit Hilfe des niederländischen Ekels Goldständer (Mike Myers), der so was ähnliches wie ein Goldfetischist ist, die Welt zerstören. Goldständer hat seine Weichteile bei einem Unfall im Schmelztiegel verloren, ist äußerst beweglich und wild entschlossen, Evil mit Hilfe eines goldenen Asteroiden und eines Traktorstrahls bei den Vernichtungsplänen zu helfen – oder so ähnlich. Evil und Goldständer haben Austins Vater Nigel (Michael Caine) – den International Man of Mystery – entführt: in die 70er Jahre. Also muss Austin ihnen nach, um seinen Dad zu retten. Dort trifft er auf CIA-Foxxy Cleopatra (Beyoncé Knowles), die als „Bond“-Girl Austin zur Seite steht. Alles weitere sollte man sich selbst ansehen – wenn man überhaupt will.
Inszenierung
Ich habe gelesen, die ersten beiden Teile der Powers-Trilogie seien besser gewesen. Das kann ich nun glauben oder nicht. Und alle Powers-Fans mögen mir verzeihen – zumal ich doch so einen Schrott wie „Super süß und super sexy“ so gut fand –, aber mit der Art von Humor, wie er in diesem Film verkauft werden kann, kann ich nun fast gar nichts anfangen.
OK. Es gibt einige wenige Szenen, die abseits der hektischen Inszenierung ganz gut gelungen sind. Etwa wenn Myers, der aus Versehen den Stecker an einem strombetriebenen Brunnen herausgerissen hat, um nicht entdeckt zu werden, hinter der Brunnenfigur versteckt uriniert, um nicht aufzufallen bzw. um den ausgefallenen Strahl zu ersetzen. Damit hat er natürlich einige Mühe und holt „das letzte“ aus sich heraus. Oder als er – auf Mini-Me stehend und verborgen unter einem Kittel – eine Urinprobe abgeben soll. Beide stehen hinter einer Trennwand, von der anderen Seite sieht das aus wie ein Schattenspiel und dem Betrachter erscheint Mini-Mes Hand wie der Penis Austins. Solche Spielchen sind amüsant. Doch das war’s dann auch.
Die äußerlichen Bezüge zu Bond-Filmen sind mehr als deutlich, in Handlung wie Figuren, vielleicht etwas zu deutlich. Bei einer wirklich komischen Parodie hängt sehr viel davon ab, dass die angegriffenen Klischees und Figuren nicht allzu offensichtlich wiedergekäut werden, selbst wenn ihre Bösartigkeit oder ihr Heldentum, ihre sexuellen Begierden oder sonst etwas ins Gegenteil verkehrt werden. Das aber bleibt exakt nach Abzug von hektischem Lärm und ebenso hektischer Handlung von diesem Film übrig. Der Rest sind Fäkal- und Sexwitzchen der üblichen Machart. Gerade diese Art des Humors, über deren Wert oder Unwert ich hier gar nicht streiten will, ist selbst inzwischen zu einem Klischee verkommen.
Das drückt sich in „Austin Powers“ zudem in der Gestaltung der Figuren selbst ab, etwa in Goldständer, der seine abblätternde Haut mit Genuss isst. Die vordergründig dargestellte Holländer-Feindlichkeit will als parodiertes Feindbild auch nicht so richtig funktionieren. Oder in der ekligen Gestalt von Fat Bastard – Myers als Mischung aus Sumo-Ringer und fettem Kind, einer Figur, die einerseits unter ihrer Fettleibigkeit leidet, andererseits aber aus dem ekelerregenden Äußeren eine ebenso ekelerregende Einstellung zimmert. So erzählt Fat Bastard von seinen Fäkalien und ihrem Geruch, beschreibt dieses Aroma genau usw. Was soll das?
Diese Mischung aus Fäkalhumor, recht billigen Sex-Zoten und pubertätskonformen Witzchen vermischt Myers dann noch mit einem verschränkten Vater-Sohn-Drama zwischen Austin und Nigel bzw. Evil und seinen beiden Söhnen bzw. der einen und der anderen Gruppe – um dramaturgisch alles zum Besten zu wenden und Devil Evil zum Angel zu kreieren? – die – abseits jeder Glaubwürdigkeit, auf die solche Filme sowieso keinen Anspruch erheben und auch nicht erheben müssen – irgendwie nicht in die Geschichte hineinpasst. Ein Fremdkörper.
Zugute halten muss man dem Film die Verkleidungskünste Myers. Und: wenn man nicht weiß, dass Myers vier verschiedene Figuren mimt, würde man wahrscheinlich nicht auf ein und dieselbe Person schließen. Diese Verwandlungskünste hätten allerdings besser genutzt werden können.
Fazit
„Austin Powers“ tut niemandem weh. Das soll der Film höchstwahrscheinlich auch gar nicht. Der Streifen ist weder eine Parodie, schon gar nicht eine Satire in bezug auf Bond-Filme, nicht einmal ein Kommentar, geschweige denn kritischer Kommentar. Das wäre ja nicht weiter tragisch. Aber was ist der Film dann? Er benutzt äußere Merkmale einer Serie von Agentenfilmen, die sich zumeist selbst nicht sonderlich ernst nahmen, um die besagte Sorte von Humor zu transportieren. OK. Wer das mag ... Darüber wird vielleicht vergessen, dass der Streifen vor allem anderen besonders eines macht: Er reproduziert die Mechanismen, die die Traumfabrik beherrschen und feiert sie bis zum Geht-Nicht-Mehr. Auch das ist in Ordnung. Nur sollte man sich dessen vielleicht bewusst sein, wenn man von „Parodie“ spricht. Denn Myers käut nur auf einer anderen Ebene wieder, was schon vorgekaut wurde.
Austin Powers in Goldständer
(Austin Powers in Goldmember)
USA 2002, 94 Minuten
Regie: Jay Roach
Drehbuch: Mike Myers, Michael McCullers
Musik: George S. Clinton
Kamera: Peter Deming
Schnitt: Jon Poll, Greg Hayden
Spezialeffekte: –
Hauptdarsteller: Mike Myers (Austin Powers / Dr. Evil / Fat Bastard / Goldmember), Beyoncé Knowles (Foxxy Cleopatra), Michael Caine (Nigel Powers), Seth Green (Scott Evil), Verne Troyer (Mini-Me), Michael York (Basil Exposition), Robert Wagner (Nummer 2), Mindy Sterling (Frau Farbissima), Fred Savage (Nummer 3), Diane Mizota (Fook Mi), Carrie Ann Inaba (Fook Yu)
Offizielle Homepage: http://www.austinpowers-derfilm.de/
Internet Movie Database: http://us.imdb.com/Title?0295178
Weitere Filmkritik(en):
„Chicago Sun-Times” (Roger Ebert):
http://www.suntimes.com/ebert/ebert_reviews/2002/07/072601.html
„Movie Reviews” (James Berardinelli):
http://movie-reviews.colossus.net/movies/a/austin3.html
© Ulrich Behrens 2002 für
www.ciao.com
www.yopi.de
www.dooyoo.de
Inhalt
Austin Powers (Mike Myers), britischer Top-Spion, kämpft gegen Dr. Evil (Mike Myers), glatzköpfiger Super-Bösewicht mit Mini-Son Mimi-Me (Verne Troyer) und vernachlässigtem Sohn Scott Evil (Seth Green). Diesmal will Evil mit Hilfe des niederländischen Ekels Goldständer (Mike Myers), der so was ähnliches wie ein Goldfetischist ist, die Welt zerstören. Goldständer hat seine Weichteile bei einem Unfall im Schmelztiegel verloren, ist äußerst beweglich und wild entschlossen, Evil mit Hilfe eines goldenen Asteroiden und eines Traktorstrahls bei den Vernichtungsplänen zu helfen – oder so ähnlich. Evil und Goldständer haben Austins Vater Nigel (Michael Caine) – den International Man of Mystery – entführt: in die 70er Jahre. Also muss Austin ihnen nach, um seinen Dad zu retten. Dort trifft er auf CIA-Foxxy Cleopatra (Beyoncé Knowles), die als „Bond“-Girl Austin zur Seite steht. Alles weitere sollte man sich selbst ansehen – wenn man überhaupt will.
Inszenierung
Ich habe gelesen, die ersten beiden Teile der Powers-Trilogie seien besser gewesen. Das kann ich nun glauben oder nicht. Und alle Powers-Fans mögen mir verzeihen – zumal ich doch so einen Schrott wie „Super süß und super sexy“ so gut fand –, aber mit der Art von Humor, wie er in diesem Film verkauft werden kann, kann ich nun fast gar nichts anfangen.
OK. Es gibt einige wenige Szenen, die abseits der hektischen Inszenierung ganz gut gelungen sind. Etwa wenn Myers, der aus Versehen den Stecker an einem strombetriebenen Brunnen herausgerissen hat, um nicht entdeckt zu werden, hinter der Brunnenfigur versteckt uriniert, um nicht aufzufallen bzw. um den ausgefallenen Strahl zu ersetzen. Damit hat er natürlich einige Mühe und holt „das letzte“ aus sich heraus. Oder als er – auf Mini-Me stehend und verborgen unter einem Kittel – eine Urinprobe abgeben soll. Beide stehen hinter einer Trennwand, von der anderen Seite sieht das aus wie ein Schattenspiel und dem Betrachter erscheint Mini-Mes Hand wie der Penis Austins. Solche Spielchen sind amüsant. Doch das war’s dann auch.
Die äußerlichen Bezüge zu Bond-Filmen sind mehr als deutlich, in Handlung wie Figuren, vielleicht etwas zu deutlich. Bei einer wirklich komischen Parodie hängt sehr viel davon ab, dass die angegriffenen Klischees und Figuren nicht allzu offensichtlich wiedergekäut werden, selbst wenn ihre Bösartigkeit oder ihr Heldentum, ihre sexuellen Begierden oder sonst etwas ins Gegenteil verkehrt werden. Das aber bleibt exakt nach Abzug von hektischem Lärm und ebenso hektischer Handlung von diesem Film übrig. Der Rest sind Fäkal- und Sexwitzchen der üblichen Machart. Gerade diese Art des Humors, über deren Wert oder Unwert ich hier gar nicht streiten will, ist selbst inzwischen zu einem Klischee verkommen.
Das drückt sich in „Austin Powers“ zudem in der Gestaltung der Figuren selbst ab, etwa in Goldständer, der seine abblätternde Haut mit Genuss isst. Die vordergründig dargestellte Holländer-Feindlichkeit will als parodiertes Feindbild auch nicht so richtig funktionieren. Oder in der ekligen Gestalt von Fat Bastard – Myers als Mischung aus Sumo-Ringer und fettem Kind, einer Figur, die einerseits unter ihrer Fettleibigkeit leidet, andererseits aber aus dem ekelerregenden Äußeren eine ebenso ekelerregende Einstellung zimmert. So erzählt Fat Bastard von seinen Fäkalien und ihrem Geruch, beschreibt dieses Aroma genau usw. Was soll das?
Diese Mischung aus Fäkalhumor, recht billigen Sex-Zoten und pubertätskonformen Witzchen vermischt Myers dann noch mit einem verschränkten Vater-Sohn-Drama zwischen Austin und Nigel bzw. Evil und seinen beiden Söhnen bzw. der einen und der anderen Gruppe – um dramaturgisch alles zum Besten zu wenden und Devil Evil zum Angel zu kreieren? – die – abseits jeder Glaubwürdigkeit, auf die solche Filme sowieso keinen Anspruch erheben und auch nicht erheben müssen – irgendwie nicht in die Geschichte hineinpasst. Ein Fremdkörper.
Zugute halten muss man dem Film die Verkleidungskünste Myers. Und: wenn man nicht weiß, dass Myers vier verschiedene Figuren mimt, würde man wahrscheinlich nicht auf ein und dieselbe Person schließen. Diese Verwandlungskünste hätten allerdings besser genutzt werden können.
Fazit
„Austin Powers“ tut niemandem weh. Das soll der Film höchstwahrscheinlich auch gar nicht. Der Streifen ist weder eine Parodie, schon gar nicht eine Satire in bezug auf Bond-Filme, nicht einmal ein Kommentar, geschweige denn kritischer Kommentar. Das wäre ja nicht weiter tragisch. Aber was ist der Film dann? Er benutzt äußere Merkmale einer Serie von Agentenfilmen, die sich zumeist selbst nicht sonderlich ernst nahmen, um die besagte Sorte von Humor zu transportieren. OK. Wer das mag ... Darüber wird vielleicht vergessen, dass der Streifen vor allem anderen besonders eines macht: Er reproduziert die Mechanismen, die die Traumfabrik beherrschen und feiert sie bis zum Geht-Nicht-Mehr. Auch das ist in Ordnung. Nur sollte man sich dessen vielleicht bewusst sein, wenn man von „Parodie“ spricht. Denn Myers käut nur auf einer anderen Ebene wieder, was schon vorgekaut wurde.
Austin Powers in Goldständer
(Austin Powers in Goldmember)
USA 2002, 94 Minuten
Regie: Jay Roach
Drehbuch: Mike Myers, Michael McCullers
Musik: George S. Clinton
Kamera: Peter Deming
Schnitt: Jon Poll, Greg Hayden
Spezialeffekte: –
Hauptdarsteller: Mike Myers (Austin Powers / Dr. Evil / Fat Bastard / Goldmember), Beyoncé Knowles (Foxxy Cleopatra), Michael Caine (Nigel Powers), Seth Green (Scott Evil), Verne Troyer (Mini-Me), Michael York (Basil Exposition), Robert Wagner (Nummer 2), Mindy Sterling (Frau Farbissima), Fred Savage (Nummer 3), Diane Mizota (Fook Mi), Carrie Ann Inaba (Fook Yu)
Offizielle Homepage: http://www.austinpowers-derfilm.de/
Internet Movie Database: http://us.imdb.com/Title?0295178
Weitere Filmkritik(en):
„Chicago Sun-Times” (Roger Ebert):
http://www.suntimes.com/ebert/ebert_reviews/2002/07/072601.html
„Movie Reviews” (James Berardinelli):
http://movie-reviews.colossus.net/movies/a/austin3.html
© Ulrich Behrens 2002 für
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