Die Passion Christi (DVD) Testbericht

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Erfahrungsbericht von Lillofee

Mal Gibsons \"Die Passion Christi\" - blutiger Metzelfilm oder sensible Wiedergabe der Wirklichkeit?

Pro:

Zwar nach der Meinung von vielen zu krass, aber immerhin kann man sich ein Bild machen - von der Zeit, den Menschen, den Leiden Christi.

Kontra:

Nichts für Sensibelchen und alllzu kritische Geister - der Film hat Makel, so wie sie jeder Film hat.

Empfehlung:

Ja

Eigentlich bin ich nicht sehr religis oder religiös interessiert, nachdem Mel Gibons \"Die Passion Christi\" jedoch in amerikanischen sowie deutschen Medien einen solchen Wirbel veransteltet hat, schnappte ich mir meinen Freund und zerrte ihn vor zwei Wochen ins Kino, um mir eine eigene Meinung über die Verfilmung der Passionsgeschichte zu bilden...

Story: Die Geschichte kennt eigentlich jeder, es kann also eigentlich niemand mit unerfüllten Erwartungen an die Story des Film den Kinosaal verlassen.
Gezeigt werden die letzten 12 Stunden im Leben Jesu von Nazareth, vom Verrat durch Judas bis hin zur Kreuzigung; am Ende gibt es noch eine kleine Aussicht auf die Auferstehung Christi.

Umsetzung: Der Film ist durchgehen in aramäisch und latein mit Untertiteln, an die man sich jedoch schnell gewöhnt, da man keine langen oder hochgradig tiefgründigen Dialoge zu erwarten hat.
Der Film beschreibt, wie der Titel schon sagt, die Passionsgeschichte Christi, seinen Leidensweg zum Tod. Dieser ist jedoch ziemlich blutig - Mel Gibsons Auslegung der Bibel mangelt nicht an Splattersequenzen, an denen sich jeder Horrofanatiker sattsehen würde. Nach den ersten 10 Minuten des Film verliert Jesus (Jim Caviezel) sein erstes Auge, weitere Peinigungen folgen: Peitschenhiebe, Geißelungen. Zwischendurch wird man immer wieder mit Jesu Erinnerungen aus seinem Leben konfrontiert: Das letzte Abendmahl, das Zusammenleben mit seiner Mutter Maria, die Rettung Maria Magdalenas vor der Steinigung.
\"Die Passion Christi\" ist durchzogen von einem großartigen, gefühlvoll-bewegenden Soundtrack, der, zusammen mit der visuellen Brutalität, kaum ein Auge trocken lässt. In der Mitte des Film, als ein gepeinigter, blutender Jesus mit kaum noch Haut am Körper und nurnoch einem Auge sein Kreuz durch eine jubelnde, aufgebrachte Menschenmenge zu seiner Kreuzigungsstätte trägt, schafft seine Mutter Maria es, an ihn heranzutreten und ein knapper, sehr sehr bewegender Dialog folgt, meiner Meinung nach einer der bewegensten des gesamten Films.

Über die Antisemitismusvorwürfe kann man streiten, meiner Meinung nach dürfte es jedoch schwer werden, einen Film über den Verrat und die Leidensgeschichte Jesu zu gestalten, in dem nicht auch nur ein Jude schlecht wegkommt. In \"Die Passion Christi\" werden größtenteils die Römer als ekelhafte und gewaltgeile Sadisten dargestellt (obwohl Pontius Pilatus erstaunlich gut wegkommt), den jüdischen Hohepriestern wird vielleicht in sofern Unrecht getan, dass sie doch sehr hartnäckig auf die Kreuzigung Jesu bestehen, obwohl er schon fast zu tode gegeißelt wurde. Welchen Evangeliums Mel Gibons sich auch bedient habe, oder ob es seiner bloßen Fantasie entsprungen sein - niemand von uns war dabei, stimmts?
Ansonsten: Der jüdische Hohenpriester sieht evangeliengetreu nach dem Tod Jesu beim Anblick seines zerstörten Tempels seine Fehler ein.

Fazit: Ich kann durchaus nachvollziehen, warum \"Die Passion Christi\" in den Medien für soviel Aufsehen gesorgt hat, gerade in Amerika. Jedoch denke ich, dass sich jeder diesen Film ansehem sollte, bevor man ihn verurteilt. Man sollte nicht von vornherein von einem \"Blutbad\" oder einem \"Scheißfilm\" sprechen.
Ich persönlich bin unvoreingenommen an den Film herangegangen (eigentlich habe ich ihn ja nur gesehen, weil mich die Umsetzung interessiert hat) und mit gemischten Gefühlen aus dem Kinosaal heraus. Jim Caviezel, der Jesus mit den wunderschönen, treuen Augen, hat für mich eine meisterhafte schauspielerische Leistung abgelegt. Auch wenn ich kein Mensch bin, der bei jeder Hollywood-Schnulze anfängt, Rotz und Wasser zu heulen, konnte ich mir eben dies an zwei Stellen des Films nicht verkneifen - teilweise, weil diese absolut direkte und unberechenbare Darstellung von Gewalt mich ziemlich fertig gemacht hat, auf der anderen Seite, weil der Film streckenweise so unglaublich sensibel eingestreute Lichtpunkte enthält (zum großen Teil durch die fantastische Arbeit der Schauspieler in Verbindung mit dem bewegenden Soundtrack ermöglicht), dass man am liebsten die Zeit zurückdrehen und dem ganzen ein Ende setzend würde.

Ich persönlich denke, dass eine Altersbegrenzung von 16 Jahren ziemlich großzügig gesetzt worden ist.

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