Die Passion Christi (DVD) Testbericht

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Erfahrungsbericht von colada1985

Eli, lema sabachtani?

Pro:

sehr realistische \"Effekte\" durch PC und auch Maske, Landschaft, beeindruckende Bilder, grandiose schauspielerische Leistungen, Thematik, Umsetzung, Metaphern..

Kontra:

teilweise (etwas) zu brutal und langatmig, fehlende Erklärung des plötzlichen Sinneswandels der Römer

Empfehlung:

Ja

Liebe Leserinnen und Leser,

am Samstag Abend war ich mal wieder im Kino und möchte es mir nun nicht nehmen lassen, über den gesehen Film zu berichten.

+++ Vorgeschichte +++

Es ist knapp unter zwei Jahren her, dass an die Öffentlichkeit drang, Schauspieler Mel Gibson habe vor, die Geschichte Jesu zu verfilmen. Dabei erging es einigen Mensche wie mir: es klang so unwirklich und irgendwie weit weg. Nun läuft \"Die Passion Christi\" seit letztem Donnerstag in den deutschen Kinos.
Schon im Voraus war viel über ihn zu lesen und hören. Die Geister scheinen sich regelrecht an diesem Thema zu scheiden! Von der einen Seite wird dieser Streifen als Skandal abgetan, die andere lobt ihn als Meisterwerk in den Himmel...das machte mich neugierig auf dieses Werk, sodass ich mir selbst ein Bild machen wollte.

+++ >>Passion of the christ<< +++

Der Film verleiht uns Zuschauern einen Einblick in die letzten zwölf Stunden vom Leben Jesu. Das Ganze beginnt im Garten Gethsemane, wo der bereits geschwächte Jesus sein herannahende Ende zu spüren scheint und seinen Vater, Gott, um Beistand bittet. Umgeben ist er von seinen völlig hilflosen Jüngern und zwischenzeitlich auch Satan, der den Zustand des Messias\' wohlwollend beobachtet...

Währenddessen sucht Judas, einer der Jünger, den Hohepriester von Kajaphas auf, um den Aufenthaltsort Jesu für ein paar Silberlinge zu verraten. Dieser ist darüber mehr als erfreut, da Jesus in seinen Augen ein Gotteslästerer und Dämon ist. Sogleich werden einige Soldaten zu dem besagten Wald am Ölberg geschickt.

Judas führt sie zu Jesus, welcher ohne ein Wort zu fragen weiß, wer ihn verraten hat. Er scheint nicht einmal wütend oder enttäuscht zu sein! - Im Gegensatz zu seinen anderen Jüngern widersetzt Jesus sich nicht gegen die Soldaten. Als einer der Feinde sein Ohr in dem Gefecht der kleineren Art verliert, kommt er gar auf diesen zu und heilt ihn! Danach spricht Jesus ganz ruhig zu seinen Anhängern, worauf diese die Waffen fallen lassen...

Und schon wird Jesus zu den Priestern gebracht, wo er umringt vom Volke verhört wird. Nur ist es hier so, dass die Priester Dinge behaupten und der \"Angeklagte\" sich nicht direkt dazu äußert, das heißt leugnet oder richtig stellt. Übrigens verfolgen Petrus, Maria und Maria Magdalena immer genau, was mit ihrem Freund passiert und reisen mit. Während dieser Verhörung wird Petrus vom Volk als Jünger erkannt. Doch anstatt zu Jesus zu stehen, verleugnet er genau drei Mal, diesen überhaupt zu kennen - so hatte der Messias ihm wenige Stunden vorher vorausgesagt...Die Priester fordern den Tod für Jesus, da dieser sich selbst als Messias bezeichnet habe und deswegen ein Gotteslästerer sei, der bestraft gehört! Sie können das aber nicht tun, weshalb der Sohn Gottes zu den Römern gebracht wird.

Beim Statthalter Pontius Pilatus angekommen, tragen die Priester vor, was Jesus verbrochen haben soll. Pilatus findet aber keinen Grund diesen zu bestrafen oder gar töten zu lassen. Doch die aufgebrachte Menschenmenge fordert genau das! Pilatus überlegt lange und unterhält sich auch mit Jesus. Anschließend macht er den Priestern sogar einen Vorschlag in Form von Bestrafung durch Geißeln, nachdem diese sogar beim Kaiser waren, aber auch dort nichts erreichen konnten. Dadurch erhofft er, die Freilassung Jesu bewirken zu können, doch weit gefehlt! Jetzt wird sogar die Kreuzigung des Messias gewünscht und durch diese Anordnung sind die Gemüter nur schwer zu besänftigen..

Dennoch geht es nun erstmal in einen Hinterhof, wo zwei Legionäre Jesus mit den verschiedensten Waffen immer wieder foltern. Letztendlich sind sie müde und haben sein Blut an den Beinen und im Gesicht. Der Sohn Gottes leidet verständlicherweise die gesamte Zeit über qualvoll und muss schreckliche Schmerzen ausstehen. Trotzdem scheint sein Wille ungebrochen..Im wahrsten Sinne des Wortes zur Krönung, erhält Jesus von den Soldaten einen Dornenkranz, einen Mantel sowie den Titel \"König der Juden\" verpasst.

Nun wird er wieder zu Pilatus gebracht, welcher erschüttert ist, da er \"nur\" eine Bestrafung und kein zu Tode foltern angeordnet hat. Da immer noch die Kreuzigung gefordert wird und Pilatus einen Aufstand verhindern will, wäscht er sich erst symbolisch seine Hände und meint dann, dass die Priester doch machen sollten, was sie wollen. Er habe damit nichts zu tun. So beginnt der Weg zur Kreuzigung auf einem nahegelegenen Berg mithilfe eines kleinen Trupps von Legionären..

Der halbtote und dementsprechend geschwächte Jesus muss sein eigenes Kreuz tragen, was verständlicherweise nicht so klappt wie es soll, im Gegensatz zu zwei Verbrechern, die noch einen relativ gesunden Eindruck machen und denen es leichter fällt. Doch Hilfe bekommt Jesus anfangs nicht, stattdessen wird er weiter geschlagen und bricht desöfteren zusammen. Irgendwann kombinieren dann auch die Legionäre, dass man so niemals am Berg ankommen wird. Deshalb wird der Dorfbewohner Simon ausgewählt, Jesus zu helfen. Anfangs weigert er sich, da er mit der Sache nichts zu tun habe, aber letztendlich hilft er dann doch noch. Innerhalb dieser kurzen Reise ist mit der Zeit deutlich zu spüren, dass Simon schon bald nicht mehr das Gefühl hat, dieser Fremde und seine Bestrafung ginge ihn nichts an...

Am Berg angekommen, wird Jesus unter Beobachtung einiger Anhänger, aber auch Feinde brutal ans Kreuz genagelt, Petrus, Maria Magdalena, Maria und deren zweiter Sohn wie immer bisher, dabei. Anschließend folgt zuerst eine Verhöhnung, denn die Legionäre und Prieseter meinen, wenn er tatsächlich der Messias sei, wäre es doch eine Leichtigkeit für ihn, vom Kreuz zu steigen!

\"Mein Gott, wieso hast du mich verlassen?\" sind die letzten Worte Jesu und kurz darauf beginnt ein heftiges Unwetter mit Erdbeben. Schnell vergewissern sich die Römer mithilfe eines Speerstiches, ob er tatsächlich tot ist und verschwinden schnell.
***
Als endgültige Schlussszene bekommen wir die Höhle zu sehen, in der der gesalbte, verdeckte Leichnam Jesu gelagert ist. Plötzlich sackt die Abdeckung ein erhebliches Stück ab und wir sehen den Sohn Gottes - unverkennbar durch die Verletzungen der Kreuzigung an den Händen - wie er langsam und mit ausdrucksloser Miene nach draußen schreitet..

+++ der Regisseur +++

\"Die Passion Christi\" ist das bisher dritte Werk, bei dem Mel Gibson Regie geführt hat. Vorgänger waren \"Braveheart\" und \"Der Mann ohne Gesicht\" - in beiden spielten er auch eine nicht gerade unbedeutende Rolle. Als Schauspieler hat Gibson das Talent, in sämtlichen unterschiedlichen Genres mitspielen zu können und immer überzeugend! (Von Komödien wie \"Was Frauen wollen\" über Schnulzen wie \"Forever Young\" bis hin zu \"Lethal Weapon\" ist wirklich alles vertreten.)
In den jetzigen Streifen hat der strenggläubige Katholik sehr viel Herzblut investiert. Er wusste genau, worauf er sich einlässt und dass er die Menschheit in zwei Lager spalten würde. Dennoch ließ er sich nicht davon abhalten, diesen Lebenstraum zu verwirklichen. // Für das Drehbuch hat sich Gibson übrigens noch einen Mann namens Benedict Fitzgerald (unter anderem verantwortlich für \"Kaltblütig\" und \"Zelda\") zu Hilfe geholt. Und als Grundlage für die Leidensgeschichte Jesu dienten die vier Evangelien des Johannes, Lukas, Markus und Matthäus.

+++ Drehorte +++

Bei der Wahl der Drehorte entschied sich Gibson für Italien. Unvorstellbarerweise ist dieses 127minütige Spektakel, für welches er 40 Millionen Dollar aus seiner eigenen Tasche locker gemacht haben soll, insgesamt an nur zwie verschiedenen Plätzen gedreht worden! Nämlich einmal in Rom, wo Jerusalem regelrecht nachgebaut wurde, mit dem Tempel, dem Hof Pilatus\' und auch dem Verließ, in das Jesus nach der Geißelung kam.
Die gesamten Kreuzigungsszenen wurden in Süditalien, genauer gesagt der Stadt Matera gefilmt, auf die bereits vor fast vierzig Jahren als Schaustätte für einen religiösen Film zurückgegriffen wurde.

+++ Reaktionen +++

Selten habe ich einen Film erlebt, wo die Meinungen so auseinander gehen! Und hier ist es nicht einfach nur der Fall, dass irgendwelche Personen von sich geben, dass sie ihn gut oder eben schlecht finden, sondern es sind teilweise Prominente oder eben größere Gruppen, die ihre Zuneigung oder Ablehnung begründen..

Beispielsweise haben der Präsident des Zentralrats der Juden und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz ihre Bedenken am Werk von Gibson geäußert. Er erwecke einen negativen Eindruck über die Juden und deren Handeln, sodass durchaus eine Verschlechterung des Verhältnisses zwischen Juden und Christen möglich wäre und vor allen Dingen Antisemitismus geschürt werden könne..

Andererseits kam an die Öffentlichkeit, dass Papst Johannes Paul der Zweite, \"Die Passion Christi\" bereits im Dezember 2003 zu sehen bekam und er danach gesagt haben soll, dass dieser Film es genau so zeigen würde, wie es nun mal war! Anfang letzter Woche hat der Papst dann auch noch Schauspieler Caviezel zu sich bestellt und den streng gläubigen, amerikanischen Schauspieler gesegnet. Mehr ist dazu leider nicht bekannt.

Bevor ich gleich noch zu einer kleinen Einschätzung von mir komme, finde ich es noch erwähnenswert, dass die Vereinigten Arabischen Emirate als erstes islamisches Land erlaubt haben, dass die Jesusgeschichte in den Kinos gezeigt werden darf! In den anderen Ländern gibt es entweder solche Einrichtungen nicht oder aber es wird ein Übergriff von Islamisten auf gläubige Christen gefürchtet..
Jassir Arafat sagte ebenso wie der Papst nicht sonderlich viel zu dem Film. Sein einziges Wort nach einer Privatvorführung war \"bewegend\".
***
Ich behalte es mir natürlich vor, das zu bewerten, was ich gehört und gelesen habe, denn überall wird etwas anderes verbreitet. Aber ich habe es mir einfach zur Aufgabe gemacht zu zu hören und genau zu lesen und das, was ich behalten konnte und als wichtig empfunden habe aufzuschreiben!
Vielleicht mache ich es mir zu einfach, aber ich konnte an diesem Streifen nichts Antisemitisches finden! Zwar waren es auf den ersten Blick die Juden, die den Tod Jesu gefordert und \"vollzogen\" haben, aber unter anderem auch Maria, Jesus selbst und einige andere waren ebenfalls Juden! In meinen Augen entschärft diese Tatsache das Ganze erheblich. Außerdem war Simon, der Mann, der dem Sohn Gottes gegen Ende half das Kreuz zu tragen, ebenfalls Jude...
Sicherlich wird es Menschen geben, bei denen die Botschaft anders ankommt oder diese im extremsten Falle einfach anders auslegen, aber so lapidar das auch klingen mag, es gibt unendlich viele Bereiche im Leben, wo genau das passiert! Ich kann nur das weitergeben, was mich erreicht hat und wenn ihr nun euren Blick nach unten wendet, könnt ihr dies nachlesen..

+++ eigene Eindrücke +++

Noch nie habe ich den gesamten Inhalt eines Films wiedergegeben, aber in diesem Fall fand ich es sogar angebracht! Aus dem Religionsunterricht dürfte die Geschichte Jesu eh bekannt sein und nur mit der fast vollständigen Wiedergabe (natürlich fehlen einige kleine Details) ist es mir möglich, genaustens auf alles einzugehen, das Positive eben so wie das Negative und alle meine gesammelten Eindrücke zu schreiben. Ich bin einfach der Ansicht, dass dieser Film eine Sonderbehandlung verdient hat..

Obwohl die STORY des Films allseits bekannt und keineswegs neu ist, finde ich sie mehr als reizvoll. Mich interessierte vor allen Dingen, wie Mel Gibson an die Sache rangeht, ob er bei der Geburt beginnt oder oder oder. Zwar hätte ich mit der gewählten Reihenfolge nicht gerechnet, aber ich finde sie durchaus gelungen! Mittlerweile ist mir auch klar, dass es unmöglich wäre alle Geschehnisse im Leben Jesu in einen Film zu packen. Entweder man hätte so manches vernachlässigen und nur oberflächlich streichen müssen oder der Film hätte weit über zwei Stunden gedauert und seinen Reiz verloren. So wie er letztendlich ist, kann man es geradezu perfekt nennen.

Dabei ist auch hervorzuheben, dass immer mal wieder Erinnerungen von Maria, den Jüngern oder Jesus selbst in das aktuelle Geschehen einbezogen wurden. Beispielsweise als Letzterer gefoltert wurde und geschwächt am Boden lag, sah er den Schuh eines Legionärs. Da erinnerte er sich daran, wie er mit seinen Anhängern zusammen war, einem von ihnen den Schuh auszog und den Fuß wusch. - Das \"UMSCHALTEN\" zwischen Gegenwart und Vergangenheit ist wirklich gelungen, sowohl von der Szenenwahl, da es immer genau passt, als auch für das Verständnis, da man durch die eingeschobenen Informationen noch so manches gezeigt bekommt.

\"Die Passion Christi\" ist nicht etwa auf deutsch zu bewundern, sondern auf hebräisch, aramäisch und latein mit deutschen Untertiteln. Als ich davon in Zusammenhang mit der Länge von knapp über 2 Stunden hörte, wurde mir ganz anders. Aber es war gar nicht so schlimm oder gar anstrengend wie ich erwartet hatte! Im Gegenteil: ich bin nun der Meinung, dass es unecht und gekünselt gewirkt hätte, wenn die Menschen in solch einem Film deutsch gesprochen hätten - so wie er nun letztendlich war, wirkte er um einiges echter und glaubwürdiger! Die Untertitel waren auch lang genug sichtbar, sodass man sich keinesfalls hetzen musste mit lesen. // Hier wurde zusätzlich auch viel auf die Macht von Bildern und Metaphern gesetzt. Bekanntlicherweise sagt so etwas ja mehr aus als tausend Worte! Sei es nun die Schlange, die Satan symbolisiert, der Raabe, der einen der Verbrecher angreift, nachdem dieser Jesus während der Kreuzigung verspottet hat oder das heftige Unwetter in Zusammenhang mit einem Erdbeben, welches direkt nach dem Tod Jesu eintritt - all diese Dinge und noch ein paar mehr, führen dazu, dass der Film trotz relativ weniger Worte noch aussagekräftiger und bewegender wird.

Das war aber noch nicht alles, was ich zu der DARSTELLUNG zu sagen habe. Natürlich war dieser Film an einigen Stellen wirklich unheimlich brutal, blutig und dadurch teilweise schon eklig. Auch wenn ich ehrlich zugebe, dass ich bei der Kreuzigung weggeschaut habe (die Geräusche haben mir da völlig gereicht), bin ich der Meinung, dass diese GEWALT-Szenen einfach hineingehören. Und das sage ich nicht, weil ich so etwas toll finde und mich daran ergötze, sondern weil die Jesusgeschichte nunmal nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen ist! Gibson hat sich dafür entschieden, solche Szenen wie die Folterung und Kreuzigung zu zeigen, er hätte sie auch andeuten oder weglassen können. Seine Entscheidung trägt wie manch anderes oben genanntes zu der Echtheit dieses Streifens bei...

Wenn ich schon bei dem Thema Gewalt bin, verbinde ich gleich mal meine Ansicht über die ALTERSFREIGABE damit. \"Die Passion Christi\" ist ab 16 Jahren freigegeben, was ich allerdings nicht gutheißen kann und das nicht nur aufgrund der Gewalt. Ich bin vielmehr auch der Ansicht, dass die meisten Jugendlichen in dem Alter gar nicht alles verstehen bzw mit solch einem Film klarkommen. Ich für meinen Teil - volljährig - habe erstmal am nächsten Tag mit einigen Menschen gesprochen, unter anderem auch meinem Eltern. Zwar hatte ich nicht schlecht geträumt, bin auch kein Weichei auf dem Gebiet, aber ich spürte einfach den Drang in mir Gespräche zu führen. Danach fühlte ich mich besser und einiges war mir klarer. Außerdem fand ich in den Unterhaltungen heraus, was mir wieso gefallen hatte und wie ich den Streifen insgesamt einschätze.

Nun nochmal kurz zurück zur DARSTELLUNG. Wie ich in der Inhaltsangabe erwähnt habe, spielt Satan in der Jesusgeschichte mit. In der Bibel ist das natürlich nicht so! Das war die Idee von Regisseur Mel Gibson. Bis heute ist mir der Sinn dieser \"Kurzauftritte\" zwar immer noch nicht klar, aber gestört haben sie mich nicht, da sie von den Szenen her echt gut und passend eingebaut worden sind. So bekam der Film nochmal zusätzlich einen geheimnisvollen und gruseligen Touch. Besonders interessant und erwähnenswert finde ich an dieser Stelle aber die Tatsache, dass Satan von einer Frau gespielt wird! Und zwar ohne Augenbrauen, mit männlicher Stimme versehen und einer Kleidung, die das wahre Geschlecht nicht erkennen lässt..Manchmal ist es doch gut, wenn man einige Zeit nachdenkt. Jetzt bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass Gibson durch Satan die harte Probe auf die Jesus mit seinem Glauben gestellt wurde zusätzlich unterstreichen wollte. Immerhin hat der \"Messias\" genau das getan, was ihm aufgetragen wurde und immer im Sinne Gottes gehandelt - dennoch wurde ihm sowohl körperlich als auch seelisch großes Leid zugefügt! Satan tauchte also immer in solchen Momenten auf, wenn Jesus zu schwächeln drohte, auf welche Art und Weise auch immer. Er hätte also theoretisch gesehen die Möglichkeit gehabt, \"die Seiten zu wechseln\", aber sowohl sein Wille als auch sein Glauben an seinen Vater, war bis zum Ende ungebrochen..

Da gibt es noch so einen Bereich, wo ich mir nicht so sicher bin, das GENRE. Handelt es sich bei der Passions-Geschichte nun um ein Drama? Immerhin erleben wir Zuschauer die letzten zwölf Stunden im Leben von Jesus und all seine damit verbundenen Leiden, sowohl körperlich als auch seelisch. Hm..oder handelt es sich um eine besondere Art Actionfilm? Denn die Gewalt aus der Folterung und Kreuzigung erinnern schon stark an so manchen Splatter-Film; Hautfetzen fliegen durch die Gegend usw. Unten habe ich bei der Gelegenheit ernster Film ausgewählt. Ich halte das für am passendsten, denn dieser Streifen ist kein bißchen lustig oder romantisch. Soll er nicht und muss er auch nicht! Unter anderem durch all seine Zusammenhänge, das Thema und die Präsentation schätze ich \"Die Passion Christi\" nach längerer Zeit mal wieder als einen SEHR ANSPRUCHSVOLLEN Film ein, den ich gesehen habe...mir macht das nichts aus, da ich so Etwas ab und zu ganz gerne mal anschaue. Ich finde nur, dass man das wissen sollte, da man ganz einfach aufzupassen hat, sonst kommt man irgendwann gar nicht mehr mit und verliert den \"Spaß\".

Bereits als ich auch nur in Erwägung gezogen habe, mir diese Verfilmung der Jesusgeschichte anzuschauen, fragte ich mich, ob ich mit meinen Kenntnissen überhaupt klarkommen und durchblicken würde. Ich bin evanglisch, getauft, aber nicht konfirmiert. Mittlerweile bin ich auch noch aus der Kirche ausgetreten, obwohl ich durchaus gläubig bin. Mir passte es lediglich nicht wie unser Pfarrer vorging. Trotzdem war Religion bis zum Schluss mein liebstes und bestes Fach..jetzt kann ich sagen, dass ich keine Probleme hatte, obwohl ich nur teilweise BIBELFEST bin. Meist war es so, dass ich mich an Namen oder Situationen erinnerte oder notfalls war es mir eben möglich, das Ganze aus dem Zusammenhang zu erschließen. Auf jeden Fall kann ich allen, die beabsichtigen, sich diesen Film anzusehen, schon etwas hier und da wissen sollten. Kennt man Namen oder Zusammenhänge nicht, ist es geradezu unmöglich die Problematik zu verstehen!

Fast gegen Ende möchte ich nun auf einen Punkt eingehen, der mir nicht ganz so gefallen hat. Zwar habe ich zu Anfang dieses Berichtes geschrieben, dass mir Darstellung des Films durchaus zugesagt hat, aber ich finde es trotzdem etwas unglücklich das uns Zuschauern mindestens eine Information vorenthalten wurde. Ich spreche auf den plötzlichen SINNESWANDEL der Priester an! Durch einige eingeschobene Vergangenheitsszenen und das, was Pontius Pilatus so von sich gab, war klar zu erkennen, dass anfangs alle von Jesus dem Messias mit den heilenden Kräften begeistert waren! Dann jedoch, von einem Tag auf den anderen, war er plötzlich der böse Gotteslästerer, der getötet gehört...Mir hätte es besser gefallen, wenn Gibson eingefügt hätte, welche Aktion oder was auch immer eben dazu geführt hat, auch wenn es in der Bibel nachzulesen ist.

Last but not least, noch etwas zu den SCHAUSPIELERN und ihren Leistungen. Es sind zu viele, um sie alle aufzuzählen und zu bewerten, aber ein paar sind einfach hervorzuheben. Da wäre beispielsweise Jesus alias James Caviezel. Dieser Schauspieler war mir bisher völlig unbekannt, doch er konnte mich in seiner Rolle als Jesus wirklich überzeugen, sodass ich ihn ab jetzt wohl genauer beobachten werde! Ich stelle mir die ganze Zeit die Frage, was für eine Größe man doch sein muss, um eine so schwere Rolle so souverän und realistisch \'rüberzubringen. Außerdem kam mir zu Ohren, dass Caviezel während den Dreharbeiten ziemlich gelitten haben soll, sowohl körperlich als auch seelisch. Als es darum ging, dass Kreuz Richtung Berg zu tragen, hat er sich die Schulter ausgekugelt! Immerhin wiegt so ein Teil schlappe 70 kg..hinzu kommt die Wirkung der Geschichte. Das Ganze wird von einer Art grauem Schleier ummantelt und zieht sowohl Schauspieler als auch Zuschauer verständlicherweise runter. Man muss schon einen verdammt starken Charakter haben, um solche Dreharbeiten auszuhalten, auch wenn sie ihn natürlich nicht wirklich ans Kreuz genagelt haben. Meinen Respekt hat Caviezel schonmal sicher!

Monica \"Maria\" Belucci wirkte auf mich ebenfalls wirklich gut, auch wenn ihre Rolle natürlich um einiges \"leichter\" war als die des Herrn Caviezel! Meiner Ansicht nach hatte sie keinesfalls immer nur eine Trauermiene drauf und sonst Nichts zu tun, sondern viel mehr die Aufgabe mit ihren wenigen Worten und Taten, Liebe und Wärme zu versprühen - sowohl an Jesus als auch uns Zuschauer. Eine heikle Mission, die sie allerdings bestanden hat!
Insgesamt bleibt mir zu den SCHAUSPIELERN noch zu sagen, dass ich es gut finde, dass Mel Gibson sich für unbekanntere Gesichter entschieden hat! Beispielsweise durch Tom Hanks oder den Regisseur selbst am Kreuz hätte das ganze Spektakel klar an Wirkung verloren..

Die FILMLÄNGE von ungefähr genau zwei Stunden halte ich für angebracht. Immerhin gab es doch einige Aktionen und Informationen zu vermitteln! Es gab eigentlich nur eine Stelle, wo mir der Film langatmig vorkam: auf dem Weg zur Kreuzigung, als der schwache Jesus nicht ein oder zwei Mal kraftlos zusammen brechen musste, sondern gleich sieben Mal! Das war dann spätestens beim letzten Mal etwas nervend und man hatte das Gefühl, die würden wohl nie ankommen..

MASKE und die COMPUTER-Fachleute haben in \"Die Passion Christi\" eine sensationelle Arbeit geleistet! Ich habe noch nie einen Film gesehen, in dem sämtliche Effekte so extrem realistisch gewirkt haben! Seien es nun die Wunden Jesu nach der Folterung, bei denen man dachte, der arme Caviezel wäre tatsächlich gegeißelt worden oder gegen Ende des Films, als das Unwetter ausbrach und unter anderem ein Erdbeben tobte! Waaaahnsinn, wirklich - ich musste sehr staunen. // Mittlerweile habe ich übrigens erfahren dürfen, dass James C. alias Jesus sieben Stunden (!!) in der Maske zu verbringen hatte, bis er schließlich so aussah wie es die Szenen gegen Ende des Filmes verlangten...

Gibson hat sich getraut, mit den BESCHÖNIGUNGEN aufzuhören, was man davon hält ist Jedem selbst überlassen. Er präsentiert uns Zuschauern, wie es sich in seinen Augen abgespielt hat. Dabei kommen beispielsweise die Legionäre nicht sonderlich gut weg, da sie entweder nur am trinken sind oder eben ihre Macht in Form von Gewalt demonstrieren, aber damit möchte der Schauspieler auch auf die traurige Realität anspielen und eingehen => nämlich wie Menschen mit Menschen umgehen..

Alles in allem wahrlich ein Meisterwerk, bei dem ich froh bin, dass ich es mir selbst angesehen habe und mir somit eine Meinung bilden konnte! Sicherlich wäre mein Bericht direkt am Samstagabend anders ausgefallen, aber ich habe mir bewusst noch etwas Zeit gelassen, um nachdenken und diesen Streifen auf mich wirken lassen zu können. Nun bin ich der Ansicht, dass es sowas wie eine Art Bildungslücke ist, wenn man \"Die Passion Christi\" nicht gesehen hat! Darum vergebe ich überzeugte fünf Sterne.

+++ mein Fazit +++

Ich spreche eine Empfehlung für all Diejenigen aus, die sich etwas mit der Bibel auskennen und auch mal bereit sind, einen anspruchsvollen Film zu sehen, der einen mitunter ganz schön mitnehmen kann! Anfangs dachte ich, dass mich die Verfilmung der Jesusgeschichte entweder total kalt lassen oder ich sie sogar als lächerlich empfinden würde, aber ich habe mich getäuscht, denn ich war sehr berührt und aufgewühlt nach diesem zweistündigen Filmerlebnis der Extraklasse..

In diesem Sinne, vielen Dank für die Aufmerksamkeit an meinem etwas anderen Seelenstrips!

colada1985
für ciao & yopi


PS: Bei der Titelwahl habe ich mich für Ausspruch Jesu \"Mein Gott, wieso hast du mich verlassen?\" entschieden - und zwar auf aramäisch

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