Cliffhanger - Nur die Starken überleben (DVD) Testbericht
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Erfahrungsbericht von Gemeinwesen
Genre-Highlight auf einer Vorzeige-DVD
Pro:
- der Film ist spannend - die Ausstattung der deutschen DVD-version "ab 18" ist durchaus ganz manierlich
Kontra:
- die US-Version verdient m.E. wirklich das 5-Sterne-Prädikat "exzellent" - und leider nur die, denn im Vergleich mit ihr nimmt sich die Ausstattung der deutschen Pendants etwas kümmerlich aus.
Empfehlung:
Ja
Der Titel von Renny Harlins (Die Piratenbraut, Die Hard IV) Film macht aus einem im übertragenen Sinne verwendeten Begriff wieder einen, der ganz wörtlich genommen werden darf: Schon während des Vorspanns sehen wir Hauptdarsteller Sylvester Stallone unter einem vorhängenden Felsdach hängen, und das Drehbuch legt ihm den passenden locker-flockigen Satz dazu in den Mund: “I’m hanging around“ – ich häng’ hier ein bisschen ab. Damit ist auch der Grundtenor des Films schon klar: So cool und abgeklärt reden nur echte Helden, und Gabriel „Gabe“ Walker ist ein echter Held der Berge.
Als solcher darf er schon in den ersten Minuten zum Rettungseinsatz anrücken – mit Luftunterstützung von Freundin Jessie (Janine Turner), die als der Bergwacht schönstes Kind den Hubschrauber steuern darf. Den Notruf abgesetzt hat ausgerechnet Gabriels Bergsteiger-Kumpel Hal (Michael Rooker). Der hat eine neue Flamme im Schlepptau, und offenbar ist der jungen Frau die für den Abstieg nötige Puste ausgegangen. Jetzt sitzen die beiden auf der Spitze eines Felstürmchens fest und genießen einen Fernblick, der der Albtraum aller Höhenängstlichen ist. Aber schon ist Gabe zur Stelle und verankert ein Seil im Fels, an dem, so der Plan, Hal und Freundin sich dann zum auf der Felsspitze nebenan gelandeten Hubschrauber hangeln können. Und unter dem Seil? Gähnt grausig der Abgrund.
Ist es ein Wunder, dass die in solchen Dingen eher unerfahrene Bekanntschaft kräftig Muffensausen bekommt? Für Angst ist freilich keine Zeit, da ein Wetterumschlag droht – und es ist ja auch gar kein Grund dafür da, versichert Gabriel. Die junge Frau wird ins Geschirr der portablen Ein-Mann-bzw.-Ein-Frau-Seilbahn eingespannt und soll, so lautet der Rat, nur ja nicht in die bodenlose Leere unter sich schauen, sondern den Blick fest auf Bergkamerad Gabe gerichtet halten. Der strahlt soviel ruhige Gewissheit und Selbstvertrauen aus, dass auch unsereins sich unwillkürlich denkt: Sollten wir je in den Bergen festsitzen, bleibt nur die Hoffnung, dass uns dann auch einer von genau diesem Schlage zu Hilfe eilt – ein freundlicher, besonnener Hüne. Quasi die Menschwerdung der Redensart von der Ruhe, in der die Kraft liegt.
Allein, es kommt, was kommen muss, denn selbst Helden sind nicht gefeit vor der Tücke des Objektes. Die heißt in diesem Falle offenbar Materialermüdung (oder war der Haken, der da plötzlich nicht hält, vielleicht eine Fälschung aus China?) und führt dazu, dass die Lage von Hals Freundin schlagartig brenzlig wird. Auf halbem Wege zwischen den Felszinnen löst sich eine Schnalle der Ausrüstung, und mit einem Mal hängt die junge Frau ziemlich ungesichert im Seil. Jetzt ist schnelles handeln angesagt, und obwohl das Seil nur für die Belastung durch eine Person ausgelegt ist, hangelt Gabriel sich ratzfatz bis zur panisch um Hilfe Rufenden vor. Tatsächlich bekommt er die junge Frau auch zu fassen, aber trotz aller Bemühungen misslingt die Rettung: Hals Freundin stürzt in die Tiefe – und von Stund an ist zwischen Jessie, Hal und Gabriel nichts mehr so, wie es war. Allein Jessie gibt Gabriel nicht die Schuld am Tod von Hals Freundin. Gabe nimmt erst einmal Reißaus vor den Bergen und zieht für eine Weile nach Chicago.
Das alles ist natürlich nur eine kurze Vorgeschichte, die uns einstimmt: Auf weitere gewagte Kraxeleien in eisigen Höhen, auf innerlich zerrissene Bergsteiger, die Helden wider Willen sind, auf verzwickte Lagen, in denen ehemalige Freunde sich wieder zusammenraufen, weil sie in rauer Bergwelt nur gemeinsam gegen den Feind bestehen können.
Denn der eigentliche Gegner heißt Eric Qualen (wunderbar fies: John Lithgow) und ist Kopf einer durch und durch skrupellosen Räuberbande. Die hat es auf einen Geldtransport abgesehen, der per Flugzeug vorgenommen wird, und eigens für den Raubüberfall haben die Spitzbuben selbst einen Abfangjäger gechartert und einen ihrer Leute in den fliegenden Tresor eingeschleust. Über den unwirtlichen Rocky Mountains (für die in Wirklichkeit die italienischen Alpen als Kulisse herhalten mussten) schlägt die Stunde für den gewagten Coup, der jedem James Bond-Ganoven zur Ehre gereichen würde. Leider läuft nicht alles so wie geplant, und die begehrten Kisten mit Scheinchen im Wert von 100 Millionen Dollar landen nicht im Piraten-Jet, sondern verabschieden sich durch die geöffnete Luke talwärts. Auch der Flieger der Gangster bekommt was ab und legt eine gehörige Bruchlandung in der Wildnis hin. Glück im Unglück: Die Koffer mit „Bimbes“ (O-Ton H. Kohl) lassen sich, da mit einem Peilsender ausgestattet, orten, und auch die Cockpit-Technik funktioniert noch, so dass die Ganoven einen fingierten Hilferuf an die örtliche Bergwacht absetzen können.
Der nichts ahnende Hal schnürt auch umgehend sein Bündel und setzt sich in Bewegung, um eine Gruppe vermeintlich verirrter Wanderer wieder auf den rechten Weg und in Sicherheit zu bringen. Hal langt am Flugzeug an und wird von den Gangstern gezwungen, die in unwegsamem Gelände gelandeten Koffer zu bergen. Vorher allerdings funkt er noch eine kurze Nachricht an Jessie und flicht eine beiläufig klingende Bemerkung ein, die Jessie plangemäß stutzig macht. Die alarmiert deshalb Gabriel, und gemeinsam begibt man sich auf die Suche nach Hal.
Und jetzt gewinnen die Ereignisse zunehmend an Rasanz …
„Cliffhanger“ ist, und das sage ich nicht leichtfertig, Action-Kino vom Feinsten. Sylvester Stallone und John Lithgow sind die Idealbesetzung für ihre jeweilige Rolle, und die Nebendarsteller machen ihre Sache ebenfalls gut – allen voran die sympathische Janine Turner, die leider viel zu selten in bekannteren Produktionen fürs Kino zu sehen ist. Zudem legt das Drehbuch, an dem auch Hauptdarsteller Stallone wieder fleißig mitgeschrieben hat, den Figuren einige wirklich nette Sätze in den Mund; insbesondere John Lithgow als Bösewicht im „Larger than Life“-Format darf eine Menge wunderbar hässlicher Sachen sagen.
Die Landschaftsaufnahmen, die hier eine nicht ganz unwesentliche Rolle spielen, sind streckenweise schlicht atemberaubend – so imposant wie hier werden die italienischen Alpen sicher nicht alle Tage in Szene gesetzt. Hie und da wirkt ein Set vielleicht etwas arg nach Set, aber dem Vergnügen tut das wenig Abbruch. „Cliffhanger“ sorgt beim Zuschauer vom Start weg schnell für feuchte Handflächen, und das Gros der Kraxeleien im Fels ist wirklich sehr verblüffend getrickst – wo die Kulisse endet und die digitale Illusionsmalerei beginnt, lässt sich in einigen Szenen eher erahnen, als dass sich der Übergang wirklich mit bloßem Auge erkennen ließe.
Für den deutschsprachigen Markt ist die DVD gleich in zwei Versionen erschienen – die eine bietet den Film mit FSK-Freigabe „ab 18“, die andere einen gekürzten Schnitt, der bereits „ab 16“ freigegeben ist. Meine Ausgabe zeigt das Covermotiv der Ausgabe „ab 18“, ist aber mit „R“ gekennzeichnet: Das steht für „Restricted“ und bedeutet, dass es sich bei meiner Ausgabe um die Ausgabe für den nordamerikanischen Markt handelt.
Dass ich zu der gegriffen habe, hat eine Reihe von Gründen: Zum einen konnte ich den US-Import problemlos übers Web bestellen (Filme „ab 18“ in deutschen Online-Shops zu bestellen, ist ja nicht so ohne weiteres möglich – was ich im übrigen auch ganz richtig finde), zum anderen kann ich auf eine Tonspur mit dem deutschen Synchronton gut verzichten. Drittens habe ich die im Auftrag eines französischen Shops aus Neuseeland importierte US-DVD zu einem Preis in meinen deutschen Briefkasten geliefert bekommen, der inklusive Verpackung und Versand noch unter dem Niveau des günstigsten Angebotes für die deutsche DVD-Version lag – und als ob das alles noch nicht des Guten genug wäre, wartet auch diese US-Version mit einer sehr viel umfangreicheren Zusatzausstattung auf als das Pendant für Deutschland, Österreich und die Schweiz.
Auf Fans von filmbegleitenden Audiokommentaren wartet neben einem Kommentar von Regisseur Harlin und seinem Hauptdarsteller Stallone außerdem ein zweiter Kommentar von der “technical crew“ – beide habe ich noch nicht angehört, aber auf beide freue ich mich. Zudem ist die US-Version von „Cliffhanger“ meines Wissens die erste und wahrscheinlich einzige DVD, auf der der Regisseur sich nicht nur zur Entstehungsgeschichte seines Films äußert, sondern auch zu der des Trailers (!): Dank Harlins einschlägigen Einlassungen weiß ich jetzt, dass seine Entscheidung, den Trailer mit dem „Dies Irae“ aus Mozarts Requiem und Teilen von Orffs „O Fortuna“ aus den Carmina Burana zu unterlegen, etwas mit einem Italienurlaub zu tun hat. Den Rest des Bonusmaterials habe ich mir ebenfalls noch nicht zu Gemüte geführt, aber es ist, soviel weiß ich schon jetzt, umfangreich: Neben dem Trailer und zwei geschnittenen Szenen (wahlweise mit Kommentar) warten ein 20-minütiges „Making of“ und eine kurze Einführung in den Film vom Regisseur persönlich; erfreulicherweise ist der DVD auch noch ein sehr stimmiges Bewegt-Menü spendiert worden. Abgerundet wird das ohnehin schon erfreuliche Paket durch den vierseitigen DVD-Beileger, der vergleichsweise sehr informativ ausgefallen ist.
R e s ü m e e
Ich rate zur Anschaffung dieser Version des Films, die „ab 18“ Jahren freigegeben ist. Wer deutschen Synchronton entbehren kann, dem lege ich allerdings die US-DVD ans Herz: Die enthält, im Gegensatz zur Ausgabe für den deutschsprachigen Markt, eine geradezu verschwenderische Fülle an Zusatzmaterial – wäre jede DVD so ausgestattet wie diese, dann gäbe es wirklich nur vorbildlich ausgestattete DVDs. Ton und Bild meiner Ausgabe lassen dank digitalem Mastering ebenfalls keine Wünsche offen – ich vermute, dass die deutschsprachige Entsprechung zumindest in dieser Hinsicht ebenfalls keinen Anlass zur Beschwerde bietet.
28 Bewertungen, 11 Kommentare
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01.09.2007, 02:02 Uhr von Kjeldi
Bewertung: sehr hilfreichfind den Film klasse
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26.08.2007, 21:52 Uhr von Wegeno
Bewertung: sehr hilfreich...::: Gruß Werner :::...
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26.08.2007, 16:59 Uhr von Meyerhoffsche
Bewertung: sehr hilfreichSonnige Sonntags-Grüße von Meyerhoffsche :)
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24.08.2007, 21:46 Uhr von Dr_Ed
Bewertung: sehr hilfreichIch bin ja eingentlich kein Fan von Stallone, aber manchmal macht er wirklich sehr coole Sachen!
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24.08.2007, 20:18 Uhr von Mondlicht1957
Bewertung: sehr hilfreichLG Pet
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24.08.2007, 11:31 Uhr von firestorm1105
Bewertung: sehr hilfreichMal wieder eine klasse Filmkritik. LG, Romy
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24.08.2007, 06:14 Uhr von darras76
Bewertung: sehr hilfreichJa die beiden Gegenspieler haben dem Film die richtige Würze gegeben, Grüße liebes Wesen, Sie ham net zufällig an Taschenrechner eingsteckt? ;-)
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24.08.2007, 01:36 Uhr von Engelchen0109
Bewertung: sehr hilfreichsh... LG vom Engelchen
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24.08.2007, 00:44 Uhr von gerrhosaurus1978
Bewertung: sehr hilfreichLG, Daniela
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24.08.2007, 00:39 Uhr von Django006
Bewertung: sehr hilfreichsh & lg Alan
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24.08.2007, 00:16 Uhr von Haggia
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüße!
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