Droemer Knaur Amokspiel - Sebastian Fitzek Testbericht
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Erfahrungsbericht von Paukenfrosch
Ich höre 101 Punkt 5 und jetzt ..
Pro:
Story; Schreibstil
Kontra:
absolut und reineweg gar nix
Empfehlung:
Ja
„Amokspiel“
von
Sebastian Fitzek
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Der Autor
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Sebastian Fitzek, 1971 geboren, studierte Jura und arbeitet als Programmdirektor und als Chefredakteur für mehrere Radiosender. Er lebt mit seiner Freundin in Berlin.
„Therapie“ ist Sebastian Fitzek´s Debütroman, dem dann „Amokspiel“ folgte.
Für weitere konkrete Informationen zu seiner Person empfehle ich einen Besuch auf seiner Internetseite www.sebastianfitzek.de, wo neben einer Selbstbeschreibung auch Leseproben zu seinen beiden Büchern zu finden sind.
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Allgemeine Infos zum Buch
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„Amokspiel“ ist ein 425-seitiger Thriller, der im April 2007 als Taschenbuch beim Knaur Verlag unter der ISBN978-3-426-63718-0 erschienen ist. Das Buch kostet 7,95 €.
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Klappentext
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Dieser Tag soll ihr letzter sein. Die renommierte Kriminalpsychologin Ira Samin hat ihren Selbstmord sorgfältig vorbereitet. Zu schwer lastet der Tod ihrer ältesten Tochter auf ihrem Gewissen. Doch dann wird sie zu einem brutalen Geiseldrama in einem Radiosender gerufen. Ein Psychopath spielt ein makabres Spiel: Bei laufender Sendung ruft er wahllos Menschen an. Melden die sich am Telefon mit einer bestimmten Parole, wird eine Geisel freigelassen. Wenn nicht, wird eine erschossen. Der Mann droht, so lange weiterzuspielen, bis seine Verlobte zu ihm ins Studio kommt. Doch die ist seit Monaten tot. Ira beginnt mit einer aussichtslosen Verhandlung, bei der ihr Millionen Menschen zuhören...
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Paukenfrosch´s Amokspiel
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Ira Samin, eine renommierte Polizeipsychologin, will eigentlich ihrem Leben ein Ende bereiten, da sie mit dem Suizid ihrer ältesten Tochter nicht fertig wird. Die unbeantwortete Frage nach dem Warum zermürbt sie zu sehr, so daß sie deswegen sogar zur Alkoholikerin geworden ist. Hinzu kommt der Verlust ihrer jüngsten Tochter, die sich seit dem Selbstmord ihrer Schwester von ihrer Mutter abgewandt hat. Völlig resigniert und ausgelaugt sitzt Ira nun mit dem Pistolenlauf im Mund in ihrer Küche.
Diese Geschichte allein böte schon Stoff genug, um daraus einen perfekten Thriller zu machen, denn schon hier stellt man sich als Leser viele Fragen: Warum hat sich Sara, Iras Tochter, umgebracht? Warum hat sie sich ihrer Mutter, die ihr als Psychologin wohl hätte helfen können, nicht anvertraut? Warum nur will jetzt auch noch Ira ihrem Leben ein Ende bereiten? Weshalb wendet sich ihre jüngere Tochter von hier ab? Ja, hier verstecken sich unheimlich viele Familienprobleme, die dringend eine Antwort bedürfen.
Jan Mayer ist die zweite Hauptperson in diesem Thriller. Er ist der Amokläufer, der sich mit fingierten Geiseln in einem Radiosender verschanzt, weil er seine geliebte Leonie, die angeblich vor 8 Monaten bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam, unbedingt wieder sehen will. Doch in dem Moment, als ein Polizist vor seiner Haustür stand, um ihm vom Unfall seiner Verlobten zu berichten, telefonierte er noch mit ihr. Wie paßt das zusammen? Bei all seinen folgenden Versuchen, Auskunft und Hilfe zu bekommen, stößt er auf Widerstand. Presse, Medien, Anwälte etc. – alle lassen ihn auflaufen. Schlimmer noch, man beraubt ihn seiner Existenz, indem man ihm auch noch die Lizenz entzieht, als Psychologe in seiner Praxis zu arbeiten. Diese Geiselnahme ist also sein letzter Versuch, Licht ins Dunkle zu bringen. Für seine Verhandlungen will er aber nur mit einer einzigen Person sprechen > mit Ira Samin.
Hier treffen also zwei Menschen aufeinander, die sich ähnlicher nicht hätten sein können, denn beide – sowohl Ira als auch Jan - leiden sehr intensiv unter dem Verlust eines geliebten Menschen und beide sind bestens ausgebildete Psychologen. Doch andererseits stehen sie ja auf zwei verschiedenen Seiten. Eine normale Verhandlungsstrategie fällt hier also von vornherein flach, denn Jan ist absolut der Falsche, der sich mit Psychotricks einlullen läßt.
Dem Leser werden also innerhalb der ersten Seiten zwei äußerst brisante Geschichten dargeboten, die so spannend und voller Rätsel sind, daß man glaubt, innerlich vor Aufregung zu zerplatzen. Man ist von der ersten Seite an von dem Thriller gefesselt. Man spürt sofort, daß man hier eine Geschichte ganz besonderer Art geboten bekommt. Denn neben den Fragen zu Ira´s Leben kommen nun noch die Fragen zu Jan: Lebt Leonie, seine Verlobte, wirklich noch? Warum, sollte sie noch leben, verschwand sie einfach aus seinem Leben, wo doch die Liebe hätte nicht größer sein können, zumal sie zum Zeitpunkt ihres Verschwindens von ihrer Schwangerschaft erfuhr? Warum hat man Jan in seiner Verzweiflung allein gelassen und ihm keinerlei Antworten auf seine Fragen gegeben?
Und die finale Frage ist ja nun eigentlich: Wie geht die Geiselnahme aus?
Die Spielregeln Jan´s sind umgehend klar. Er spielt mit den Zuhörern des Radiosenders um das Leben der Geisel. Wahllos ruft er irgendjemanden an, der sich mit der Parole „Ich höre 101 Punkt 5 und jetzt laß eine Geisel frei!“ melden muß, damit er diese auch frei läßt. Anderseits stirbt eine Geisel.
Wer sich mit Geiselnahmen auskennt, der weiß, daß es hierbei nie nur zwei Personen gibt, die das Geschehen bestimmen. So erweitert sich natürlich der Personenkreis, doch er bleibt dennoch übersichtlich. Verzwickt wird es allerdings, als man beim Lesen so ganz langsam bemerkt, daß es einen Maulwurf gibt, ihn aber nicht zuordnen kann, da es zu viele Charaktere gibt, die sich innerhalb des Thrillers wandeln bzw. hat es mehr als einmal den Anschein, daß mehrere Personen zweigleisig fahren. Auch gibt es Personen, die eigentlich Charakterzüge an sich haben, die sie einem unsympathisch machen, dennoch aber versteckt sich dort ein gutes Herz, oder aber eben auch umgekehrt. Hier beweist Sebastian Fitzek wieder einmal, daß er ein sehr begabter Autor ist. Gekonnt beschreibt er seine agierenden Personen und gekonnt verstrickt er unheimlich viele Aktivitäten, die nur beim ersten Anschein nichts miteinander zu tun haben, dann aber doch zum großen Finale führen. Durchgehend atemberaubend ist dieser Thriller, der nie an Spannung verliert. Ganz im Gegenteil setzt Sebastian Fitzek immer noch eins obendrauf, obwohl man als Leser denkt, mehr ginge nicht. Aber doch: Sebastian Fitzek kann es und zwar äußerst beeindruckend.
Hierzu möchte ich gern noch ein paar wenige Charaktere aus dem Buch stellen, die veranschaulichen sollen, wie der Leser in seinem Denken hin- und hergerissen wird:
Der SEK-Chef Steuer macht einen eher unsympathischen Eindruck, denn er ist in seiner Wortwahl gegenüber Ira, die man ja eigentlich von Anfang an trotz allem mag, nicht zimperlich. Er scheint ein Choleriker zu sein, der in seiner Denkensweise stur und uneinsichtig ist. Als Widersacher Ira´s stellt man ihn natürlich auf die negative Seite der Personenliste, doch es bleiben Zweifel, denn hin und wieder gibt es Verhaltensweisen an ihm, die einem nicht ganz einleuchten.
Staatsanwalt Faust ist ebenfalls recht zwiespältig. Einerseits steht er kurz vor der Gerichtsverhandlung, in dem es um die Verurteilung eines Mannes geht, der zur ukrainischen Mafia gehört, andererseits erfährt man von seiner Bestechlichkeit durch diesen Mann, der zugleich Leonies Vater ist.
Diesel, der Chefredakteur des Radiosenders, ist ein Hobbypyromane und scheint völlig durchgeknallt zu sein. Doch er hat unheimlich viele Kontakte und besitzt eine sehr gute Kombinationsgabe. Er ist Ira bei der Fahndung nach Leonie und bei der Aufklärung so mancher Zusammenhänge behilflich und darin sehr erfolgreich.
Wie man hier schon bemerkt, es geht um weit mehr, als um das Verschwinden Leonies. Ihre wahre Identität wirft unheimlich viele neue Fragen auf und ehe man sich versieht, steckt man hier in einer riesengroßen Verschwörung. Es geht um organisierte Verbrechen, um Maulwürfe im SEK, um bestechliche Beamte und manipulierte Mitarbeiter. Teilweise ist es zum Verrücktwerden, weil man völlig verunsichert ist, wer nun -plump ausgedrückt- zu den Guten und wer zu den Bösen gehört. Einzig und allein bei Ira ist man sich sicher, daß sie genau das sagt, was sie meint und daß sie auch nur das tut, wovon sie überzeugt ist, denn selbst bei Jan kommen einem plötzlich Zweifel an seiner Ehrlichkeit, denn auch er könnte an Leonies Tod interessiert sein, sollte er wirklich mit ihrem Vater, gegen den sie als Kronzeugin auftreten soll, unter einer Decke stecken.
Inhaltlich möchte ich nun nicht mehr verraten, denn wie brisant und verzwickt der Thriller aufgezogen ist, ist wohl deutlich geworden. Ein verwirrendes Katz-und-Maus-Spiel gibt es hier zu lesen, bei dem man bis zum Schluß nicht ganz genau weiß, wer Katze und wer Maus ist. Die Nerven sind also angespannt bis zur letzten Seite. Gefühle pendelt zwischen tiefer Liebe und grenzenloser Wut bis hin zu Fassungslosigkeit. Ruhige Minuten gibt es beim Lesen nicht und somit auch kaum die Möglichkeit, daß Buch aus der Hand zu legen.
Sebastian Fitzek schafft es auch in seinem 2. Thriller, mich absolut zu begeistern, sogar mehr noch, als mit seinem ersten, was mir kaum möglich schien. Es ist nicht nur beeindruckend, WAS er schreibt, sondern auch WIE. Einerseits sind seine Worte verständlich, sein Satzbau flüssig und sein Buch läßt sich somit flott lesen. Andererseits beschreibt er Gefühle, Gedanken, Situationen so spezifisch, daß es genauer nicht geht. Aber nie schweift er ab. Er findet die Balance, um dem Leser ausreichend zu erklären, was er meint, ohne sich in Belanglosigkeiten zu verlieren, die einen auch nur im Ansatz langweilen könnten. Und so spannungsgeladen dieser Tag in dem Radiosender mit all seinen Emotionen aller Beteiligten auch beschrieben wird, hin und wieder gibt es Passagen zum Schmunzeln, denn eine gewisse Situationskomik findet sich in diesem Thriller mehrmals, die einen beim Lesen spitz auflachen lassen.
Für mich natürlich auch wieder von besonderem Interesse war der Schauplatz, denn wieder einmal ist es Berlin, die Stadt, in der auch ich zu Hause bin. Der Radiosender ist am Potsdamer Platz zu finden, dessen Umgebung natürlich auch beschrieben wird. Es geht auch nach Spandau, nach Reinickendorf, nach Kreuzberg und nach Mitte – alles Orte, die ich sehr gut kenne. Das gibt dem Thriller in meinen Augen etwas ganz Besonderes.
Ich habe den Thriller gestern morgen angefangen zu lesen und habe ihn nachts ausgelesen gehabt. Er ließ mich einfach nicht in Ruhe. Klar, war ich danach erschöpft und fiel in einen tiefen Schlaf, aber andererseits war ich auch beruhigt, zu wissen, wie die Geschichte ausgeht, denn es steht ja fest, daß der Amoklauf Jan´s ein Ende haben muß. Aber welches? Aufklärung gibt es natürlich auch zur Person Leonie und zu all den Maulwürfen, Überläufern und Bestechlichen. Und auch Ira wird endlich Antworten auf ihre vielen Warum´s bekommen.
Wollt auch ihr Antworten, dann lest doch einfach das „Amokspiel“ von Sebastian Fitzek. Es erwartet Euch ein kurzweiliges, weil einzigartiges Lesevergnügen voller nervenzerreißender Spannung, wie es sonst kaum zu finden ist…
5 x 5 dicke fette Sterne für diesen Thriller, des äußerst sympathischen Autors, in der Hoffnung auf viele, viele weitere Bücher von ihm.
( Mein Bericht erschien bereits auf Ciao am 3. August 2007)
22 Bewertungen, 7 Kommentare
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12.12.2007, 14:02 Uhr von Prisca
Bewertung: sehr hilfreichHört sich spannend an. LG
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16.09.2007, 23:13 Uhr von Mondlicht1957
Bewertung: sehr hilfreichSH LG Pet
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01.09.2007, 02:55 Uhr von Kjeldi
Bewertung: sehr hilfreichklasse Bericht
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26.08.2007, 16:55 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichSehr Hilfreich :-)
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26.08.2007, 13:21 Uhr von marina71
Bewertung: sehr hilfreichSchöner Bericht. Ich wünsche dir noch einen schönen Sonntag!
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25.08.2007, 19:21 Uhr von Puppekaa
Bewertung: sehr hilfreichsehr schön - LG Karsta
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25.08.2007, 19:19 Uhr von gerrhosaurus1978
Bewertung: sehr hilfreichLG, Daniela
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