Death Proof - Todsicher (DVD) Testbericht

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Erfahrungsbericht von Gemeinwesen

„Verfickt“ ist ein Wort, das man nicht benutzen sollte

Pro:

Auch ein schlechter Tarantino ist in meinen Augen besser als das Gros dessen, was z.B. ein Regisseur wie John Carpenter in den letzten 25 Jahren gemacht hat. Aber das ist natürlich ein denkbar schwacher Trost.

Kontra:

siehe Text

Empfehlung:

Nein

Ich sage das gar nicht mit erhobenem Zeigefinger. Und falls er doch erhoben ist, mögen sich an dieser Stelle bitte nur Übersetzerinnen und Übersetzer angesprochen fühlen: „verfickt“ ist ein dämliches Wort, das niemand benutzt. Außer schlechten Übersetzern und Leuten, die schlechte Übersetzungen nicht als solche erkennen und sie deshalb velleicht sogar noch cool finden.



verfickt ist ein Wort, das in der deutschen Synchronfassung von Death Proof ziemlich häufig fällt. Je nun. Offensichtlich hat es ja nicht einmal für einen ordentlichen deutschen Titel gereicht: Todsicher ist ja eher eine Art verlegener deutscher Untertitel. Angesichts dessen ich mich einmal mehr frage: Warum eigentlich überhaupt noch eine deutsche Synchronfassung? Auf Wunsch eines einzelnen Herrn musste ich mir Death Proof zwar in der deutschen Tonfassung anhören, aber ich glaube, dem Verständnis der wenigen Inhalte, die es an diesem Film zu verstehen gibt, wäre die Wahl der englischsprachigen Original-Tonspur auch nicht abträglich gewesen.

Ich gehe davon aus, dass im Original des öfteren mal das böse F-Wort gefallen sein dürfte. Warum dann in der deutschen Version mit Staunen machender Beharrlichkeit stets von verfickt die Rede ist, weiß der Deibel. Wer für die Übersetzung der Texte verantwortlich ist, dem ist offensichtlich noch nie aufgefallen, dass das Fluchen eine sehr länderspezifische Angelegenheit ist: Während im Deutschen sehr anal geflucht wird, liegt die Betonung im Englischen eher auf dem Sexuellen. Was in der englischen Welt ein fucker oder ein stupid fuck ist, ist im Deutschen schlicht ein Arschloch. Grundsätzlich kann man festhalten: fuck, ob als Adverb benutzt wie in fucking stupid, als Nomen wie im genervt-überraschten Ausruf What the fuck!? oder in einem der 1000 anderen Zusammenhänge, die möglich sind, ist mit „Fick“, „ficken“ oder ähnlichen Begriffen wirklich nur in den seltensten aller Fälle einigermaßen treffend übersetzt.

Ich muss das einfach anmerken, weil mir dieses ständige verfickt in seiner unglaublichen Frequenz einfach sehr sauer aufgestoßen ist – eine vermeintlich „verfickte“ Situation ist nun einmal einfach eine beschissene Situation; so einfach ist das, liebe Übersetzer.

Und was gibt es sonst über „Death Proof“ zu sagen?

Nicht viel. Oder eben doch eine ganze Menge. Das sich dann freilich weniger auf den Inhalt des Films bezieht als auf dessen Stellenwert im Gesamtwerk von Tarantino. Denn immerhin ist Tarantino der Kerl, der dem Kino eine Handvoll wirklich bemerkenswerter Filme beschert hat; allen voran den in seiner Erzählstruktur legendär verschachtelten „Pulp Fiction“. Der Lorbeer, den Tarantino damit verdienterweise geerntet hat, verpflichtet natürlich insofern, als die Ankündigung eines jeden neuen Films von Tarantino auch besondere Erwartungen schürt: Man hofft darauf, das neue Werk möge eine zweite „Pulp Fiction“ sein – oder doch wenigstens eine zweite „Jackie Browne“. Wenn ich ehrlich sein soll: Selbst die hoch gelobten „Kill Bill“-Filme haben mir schon nicht mehr so gut gefallen, wie ich das vor dem Hintergrund der überschwänglichen Elogen im Freundes- und Bekanntenkreis eigentlich erwartet hatte.

Im Vergleich mit „Death Proof“ schneiden sie allerdings alle noch sehr gut ab. So, jetzt ist es also raus: Ich bin von „Death Proof“ ziemlich enttäuscht.

„Death Proof“ ist in meinen Augen nicht mehr als ein reichlich trauriger Abgesang auf das, was die Filme von Tarantino einmal waren: originell erzählt und voller überraschender Wendungen. „Death Proof“ bemüht sich sichtlich darum, das alte Erfolgsrezept noch einmal aufzuwärmen – und so wirkt der Film denn auch über weite, allzu weite Strecken: bemüht. Schaut her, scheint der Regisseur seinem Publikum zuzurufen, mir sind die Ideen ausgegangen – und ich habe genug Zeit und Geld zur Verfügung gehabt, selbst den großen Burn-Out noch abendfüllend in Szene zu setzen. „Death Proof“ wirkt so, als habe sich jemand an ein er Hommage an Tarantinos Stil versucht. Dumm nur, dass der Verdächtige eben Tarantino selbst ist. So reiht Tarantino munter Versatzstücke und Selbstzitate aneinander und scheint der Ansicht zu sein, dass es reicht, Tarantino zu heißen, um einen originellen, unterhaltsamen Tarantino-Film herzustellen.

Wenn dem so wäre, wäre „Death Proof“ sicher nicht so langweilig und richtungslos, wie er es den größten Teil seiner Laufzeit über leider ist.

Dabei fängt alles so viel versprechend an – mit einem Retro-Titelvorspann in 70s-Trash-Optik, mit Bildstörungen, die so wirken, als flackere hier eine abgenudelte Super-8-Kopie über die Leinwand und nicht etwa der Inhalt einer DVD. Inhalt und Form bleiben einander treu, bis eine der Hauptfiguren ein Handytelefon zückt, das es – die Älteren von Ihnen werden sich noch erinnern – in den 70er und auch in den 80er Jahren grundsätzlich nicht und in der vorgestellten Form auch in den 90ern noch nicht gab. Oha, eine Art Bildwitz also. Eine Art wortloser ironischer Kommentar. So etwas ähnliches also wie in der Szene in „Pulp Fiction“, in der Uma Thurman und John Travolta im Auto fahren und in der plötzlich eine Comic-Denkblase auftaucht. Solche Gags hat schon Jacques Tati in seine Filme eingebaut, etwa wenn er im Schwarzweißfilm „Schützenfest“ plötzlich bunte Luftballons und Trikoloren auftauchen lässt. Das hat Tati schon 1963 gemacht, und ein Filmfan wie Tarantino weiß das bestimmt auch. Ob Tarantinos Publikum das auch weiß, weiß man nicht.

Leider reicht es Tarantinos Gags, ein Leben als reine Hingucker zu führen: Wer erwartet, mit der Super-8-Optik, die Tarantino der ersten Hälfte des Films verpasst hat, habe es mehr auf sich, wird enttäuscht – sorry, folks, what you see is all you get. There’s no more than meets the eye.

Auf der inhaltlichen Seite wird leider auch nicht viel geboten, das wirklich interessant wäre. Kurt Russell darf einen abgehalfterten Stuntman namens Mike spielen, der sich alsbald als fieser, Frauen mordender Psychopath entpuppt. Als Mordinstrument dient ihm ein Wagen, den der Irre so crashtauglich gemacht hat, das sich in ihm auch ein auf nächtlich dunkler Straße willentlich herbeigeführter Frontalzusammenstoß bei Höchstgeschwindigkeit überleben lässt. In der betreffenden Szene kommen gleich vier junge Damen auf äußerst unappetitliche Art und Weise ums Leben, kurz zuvor hat der Unsympath bereits seine Beifahrerin durch ein abruptes Bremsmanöver vom Leben zum Tode befördert. Wie gesagt: ein richtig, richtig fieser Kerl ist das.

In die unmittelbar anschließende Szene darf dann, geradewegs aus Robert Rodriguez’ „From Dusk till Dawn“ (der beste Tarantino-Film, der nicht von Tarantino stammt) Texas Ranger Earl McGraw (Michael Parks) hineinspazieren. Die Redneck-Karikatur, die Darsteller Parks abliefert, ist zwar nicht minder vergnüglich, als sie es schon in „From Dusk till Dawn“ war, lässt das Publikum aber mit der Frage nach einem tieferen Sinn des Gastauftritts allein, zumal die Figur im weiteren Verlauf des Films nicht mehr auftaucht. Kurz darauf gibt’s dann eine Zäsur, und alles, was nach der kommt, findet „20 Jahre später“ statt als die Geschehnisse zu Beginn des Films.

Wie bereits zu Beginn des Films stellt uns Tarantino ein Quartett tougher junger Damen vor. Die reisen gemeinsam im Auto – und reden, reden, reden. Über was? Tut mir leid, ich kann es beim besten Willen nicht mehr sagen; ich habe schon nach kurzer Zeit weggehört. Irgendwann stoßen unsere Ladys dann auf Stuntman Mike. Ab da gibt’s dann gehörige Stunts, röhrende V8-Motoren und überhaupt ordentlich Kasalla. So richtig entschädigt das aber leider nicht für das, was dem Film an einigermaßen sinnvoller Handlung fehlt. Dann, nach 110 Minuten, endet der Film reichlich abrupt. Dass die Single Disc-Edition außer dem Kinotrailer kein Bonusmaterial bietet, das einen dazu verleiten könnte, Tarantinos jüngstem Streich noch mehr Zeit zu opfern, empfindet man nach dem knapp zwei Stunden langen Hauptfilm als geradezu befreiend.


R e s ü m e e

What’s the story, old glory? Tarantinos jüngster Streich bietet ein paar wirklich sehenswerte Stunt-Einlagen – mehr aber leider nicht. Das erfüllt leider nicht die Erwartungen, die ich an jemanden stelle, der dem Kino vor einem guten Jahrzehnt einen wirklich coolen Film wie „Pulp Fiction“ beschert hat.

22 Bewertungen, 8 Kommentare

  • Wegeno

    15.02.2008, 09:45 Uhr von Wegeno
    Bewertung: sehr hilfreich

    Gruß Werner

  • gerrhosaurus1978

    12.02.2008, 20:34 Uhr von gerrhosaurus1978
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG, Daniela

  • bea1502

    08.02.2008, 19:54 Uhr von bea1502
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg bea

  • alge52

    07.02.2008, 18:04 Uhr von alge52
    Bewertung: sehr hilfreich

    bin sprachlos, weil nie so recht darüber nachgedacht!

  • UnserRenatchen

    07.02.2008, 13:56 Uhr von UnserRenatchen
    Bewertung: sehr hilfreich

    viele liebe Grüße sendet das Renatchen

  • bibihey

    07.02.2008, 10:34 Uhr von bibihey
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG Bianca

  • calista78

    07.02.2008, 09:29 Uhr von calista78
    Bewertung: sehr hilfreich

    Nie gesehen, wohl gut so ;-)

  • PaterBrown

    07.02.2008, 01:06 Uhr von PaterBrown
    Bewertung: sehr hilfreich

    ...LOL... ja, stimmt... das englische FUCK YOU etc. geht über die Standard-Übersetzung aber im Sinnzusammenhang ja oft weit über die mäßigen deutschen Standard-Beleidigungen hinaus... :D