Die Fliege (DVD) Testbericht

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ab 11,86
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Erfahrungsbericht von CiscoGianino

Die Mischung machts...

Pro:

Darsteller, Drehbuch, Effekte, Score

Kontra:

der Anfang

Empfehlung:

Ja

1958 entstand Kurt Neumanns Original von „Die Fliege“, ein putziger Film über ein weniger putziges Tier. Der Streifen basiert auf einer Kurzgeschichte von George Langelaan und erzählt die recht bizarre Story des Wissenschaftlers André Delombre: Dieser versucht mit seinem selbsterfundenen Teleporter Materie in ihre Atome zu zerlegen und an anderer Stelle wieder zusammenzusetzen. Bei einem Selbstversuch gerät eine Fliege mit in den Teleporter und heraus kommen zwei merkwürdige Wesen: Delombre trägt nun einen Fliegenkopf und sein Arm ist zum Insektenbein geworden und die Fliege hat seinen Kopf...
Obwohl der Film vor Unlogik nur so strotzt, muss man ihn dennoch zu den Klassikern des Horrorgenres zählen. Neumann erzählt den Film wunderbar in Rückblenden und gibt nur Stück für Stück Delombres Geheimnis preis.
Dem Film folgten zwei schlechte Fortsetzungen „Return of the Fly“ und „Curse of the Fly“, erst 1986 kramte der Kanadier David Cronenberg den Stoff für ein Remake wieder hervor. Dieser ließ allerdings kaum etwas von der Originalstory übrig und würfelte mit Co-Autor Charles Edward Pogue nach eigenem Gusto eine völlig neue Geschichte zusammen.

Cronenbergs Delombre ist der Genforscher Seth Brundle (Jeff Goldblum), der sich ebenfalls an der Teleportation versucht. Zusammen mit der Journalistin Veronica Quaife (Geena Davis), die nicht nur sein Schaffen dokumentiert, sondern auch seine Geliebte wird, gelingt es ihm Gegenstände zu teleportieren. Bei lebenden Objekten klappt die Sache nicht ganz so gut – so muss ein Pavian auf recht unschöne Weise sein Leben lassen.
Nachdem Brundle auch dieses Problem gelöst hat, startet er euphorisch einen Selbstversuch, doch dabei verirrt sich die titelgebende Fliege in seine Telebox. Doch anders als im Original kommt Brundle scheinbar unbeschadet wieder zurück. Scheinbar: Denn der Computer hat bei der Übertragung die Gen-Codes der beiden Objekte miteinander verschmolzen und langsam beginnt Brundle immer mehr zu einer menschlichen Fliege zu mutieren.
Erste Anzeichen sind die harten Borsten, die seine Freundin auf seinem Rücken entdeckt, später entwickelt er übermenschliche Fähigkeiten – so kann er z.B. wie eine Fliege die Wände hochgehen. Zum Schluss ist er dann nur noch ein ekliges Etwas und zu allem Überfluss erwartet Veronica auch noch ein Kind von ihm...

Anders als dem Original gelingt es der Cronenberg-Variante Glaubwürdigkeit zu vermitteln. Das liegt hauptsächlich an Hauptdarsteller Jeff Goldblum: Sein Seth Brundle ist kein kauziger Klischee-Wissenschaftler, sondern ein sehr sympathischer, aber eigenbrötlerischer und zurückhaltender Kerl. Dank Goldblums überlegtem Spiel bleibt sein Charakter der Sympathieträger des Films, selbst wenn er zur ekelerregenden Mutation wird. So bleibt auch Geena Davis’ Veronica glaubhaft, da sie selbst nach seiner Verwandlung immer noch zu Brundle hält.
Die Effekte von Chris Walas sind absolut hervorragend gelungen und Cronenberg rückt sie auch zurecht in den Mittelpunkt seines Films. Sehr faszinierend schildert er die Verwandlung Brundles, die sicher nichts für Zartbesaitete ist. Trotzdem verwendet Cronenberg die Splatter-Einlagen nie zum Selbstzweck.
Parallel zur immer weiterreichenden Degeneration des Wissenschaftlers steigt auch die Dramaturgie des Films. Cronenbergs Monster ist nur der äußerlichen Erscheinung nach ein solches – im Kern ist es immer noch zu tiefst menschlich. Die Szene, in der der fast schon komplett zum matschigen Mutanten gewordene Brundle Veronica bittet ihr Kind, das höchstwahrscheinlich auch die Fliegen-Gene besitz, auszutragen ist von unglaublicher emotionaler Wucht – nur das düster-tragische Ende überragt diese Szene noch.

David Cronenbergs „Die Fliege“ kann man wohl mit Fug und Recht als eines der gelungensten Remakes aller Zeiten bezeichnen. Das Szenario wurde sehr zeitgemäß und ganz Cronenberg-like aufgebrezelt und beeindruckt durch seine Dramaturgie, hervorragende Darsteller, ein glaubwürdiges intelligentes Drehbuch und nicht zu letzt durch einen tollen Soundtrack von Howard Shore, der die pessimistischen Bilder wunderbar zu untermalen weiß.
Ein Kritikpunkt wäre nur der Anfang, der teilweise etwas lahmt. Hier hätte ich mir gerade von Cronenberg etwas packendere Bilder gewünscht, da der Film anfangs noch nicht die Tragweite des Geschehens vermittelt.
Später entstand noch ein zweiter Teil, mit neuem Regisseur und anderen Darstellern, der die Geschichte von Brundles Sohn erzählt und ziemlich schwach ist.



Originaltitel: The Fly
Produktionsland & -jahr: USA 1986
Regie: David Cronenberg
Drehbuch: Charles Edward Pogue, David Cronenberg
Effekte: Chris Walas
Musik: Howard Shore
Darsteller: Jeff Goldblum, Geena Davis, John Getz

14 Bewertungen, 2 Kommentare

  • Stormwatch2k3

    22.06.2004, 00:05 Uhr von Stormwatch2k3
    Bewertung: sehr hilfreich

    Bis jetzt leider noch nie gesehen. ~~Gruß Norman~~

  • Robocop2.

    21.06.2004, 08:11 Uhr von Robocop2.
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein wirklich gelungener Horrorfilm, den ich relativ früh zu sehen bekam. Hat mich damals irgendwie richtig beeindruckt und daran hat sich bis heute auch nichts geändert. Ich mag David Cronenberg sowieso, denn seine Filme sind wirklich in der Rege