Troja (DVD) Testbericht

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Troja-dvd-historienfilm
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Erfahrungsbericht von Maddin

Sehenswert und mehr nicht?????

Pro:

Text

Kontra:

Text

Empfehlung:

Ja

Es ist ein großartiger, beeindruckender und unterhaltsamer Sand, Staub, Schwert und Sandalen Film. Das kann man schon an der großen Anzahl der Reviews erkennen. Verglichen mit anderen Filmen natürlich ein Ereignis. Der teuerste Film des Jahres um die schönste Frau, den stärksten Mann und die berühmteste Kriegslist aller Zeiten. Ein guter, aber gemessen an der historischen Vorlage und den 200 Millionen Dollar Produktionskosten kein sehr guter Film, der eben nur teilweise an die Original Legende von Troja in Homer\'s Ilias heran reicht. Das ist einer der Klassiker schlechthin, an dem man sich leicht die Finger verbrennen kann. Wolfgang Petersen hat einen sehenswerten Film produziert, aber konnte nicht vermeiden, sich dabei einige unangenehme Brandblasen zu holen. Er wird weder dem Mythos selbst, noch dem historischen Kern vollständig gerecht.

Der historische Kern des Kampfes um Troja ist eine langjährige Auseinandersetzung zwischen den Ur-Griechen und den Trojanern. Und wie immer geht es natürlich um Geld und Macht. Diesen Konflikt erfasst der Film nur eindimensional. Die geraubte Helena verkörpert natürlich den Reichtum und die Zukunft Griechenlands, die Troja durch seine strategische optimale Position an den Dardanellen massiv bedrohte (ähnlich wie sich später Rom durch Karthago bedroht sah). Im Film sind die Motive der Griechen Rache und Gier, die Griechen werden als böse und hinterlistig dargestellt, die Trojaner als gut und ehrlich. Das ist zu einfach. Geschichts-Lehrer und -Professoren werden den Film mit gemischten Gefühlen betrachten, spätestens dann, wenn Figuren, die den trojanischen Krieg im Original zunächst überlebt haben, anfangen zu sterben (wie Agamemnon und Menelaus), andere nicht sterben, obwohl sie schon tot sein müssten (wie Paris, der im Original viel früher stirbt, oder Achilles, der im trojanischen Pferd auftaucht, obwohl er längst tot sein müsste und dort überhaupt nicht als ehrlicher Krieger hineinpasst). Andere Charaktere wie die Prophetin Kassandra und Hekuba, die Mutter von Paris, fehlen ganz. Briseis, die trojanische Sklavin (im Film Priesterin), die zwischen Achilles und Agamemnon steht, bekommt eine viel zu große und zentrale Bedeutung zugeschrieben.

Es ist kein Zufall, das Achilles, der Mann der die Kampfkraft der Griechen verkörpert, von einem Pfeil erschossen wird. Pfeil und Bogen sind die Waffen, die den Trojanern zehn Jahre lang den entscheidenden Vorteil verschafften, insbesondere weil die Mehrzahl der angreifenden Kämpfer wahrscheinlich nicht wie später die Soldaten der römischen Armee gepanzert waren. Das hätte man noch stärker zur Geltung bringen können. Außerdem kommt jedes Mal, wenn im Original-Text die Griechen beinahe gewonnen haben, neuer Nachschub herbei um Troja zu helfen. Und so gibt es einen endlosen 10 Jahre dauernden Kampf. Ajax, der große Kämpfer neben Achilles, bringt sich schließlich im 10.ten Jahr selbst um. All das fehlt im Film, in dem der Kampf statt 10 Jahren nur 4 Tage dauert.

Anstelle eines überzeugenden Drehbuchs ist einfach pure Größe getreten. Alles ist ein bisschen überdimensional und übertrieben groß: Troja selbst, das fast den Palast von Knossos an Säulen übertrifft, die übertrieben große Stadtmauer von Troja, die riesige Flotte und die virtuellen Armeen, dargestellt mit Hilfe von Computern und Spezial-Effekten. Vielleicht wären weniger Effekte hier mehr gewesen. Die beeindruckernste Szene ist sicherlich die traurige Szene, in denen der König Priamos (gespielt von Peter O\'Toole), um den Körper seines toten Sohnes bittet. Und sie kommt ganz ohne Spezial-Effekte aus.

Obwohl er viele tragische und ernste Elemente hat, ist der Film für eine Tragödie aber nicht tragisch genug. In der Tragödie geht es um den unvermeidbaren Untergang eines großen Menschen, in der Komödie um der plötzlichen, unerwarteten Aufstieg eines Taugenichts. Während Hektor nun tragisch umkommt, stirbt der feige Bruder Paris aber nicht wie im Original, sondern überlebt zusammen mit Helena. Eine Tragödie mit aufgesetztem Hollywood Happyend. Hölzern und schlecht wirken neben manchen Darstellern vor allem die flachen Dialoge: z.B. \"Es ist noch zu früh, um einen Prinzen zu töten\" das sollte ein Drehbuchautor denken, aber nicht schreiben. Ständig kommen Sätze vor wie \"Niemals vergessen wird die Welt diesen Kampf/diesen Krieg/die Helden, die darin kämpfen/das Schwert von blah-blah-blah\". Man spürt den Wunsch der Autoren und des Regisseurs, den Film zu einem Klassiker zu machen, an dem man noch in 1000 Jahren denken wird.

Trotzdem, wer Gladiator und \"Herr der Ringe\" gut fand, wird den Film mögen. Es gibt wirklich beeindruckende Kampf-Szenen und viele Zweikämpfe, die man so in der Form noch nicht gesehen hat. Vieles erinnert an \"Herr der Ringe\". Nicht nur die Schauspieler Sean Bean (nach Boromir jetzt Odysseus) und Orlando Bloom (nach Legolas jetzt Paris) stammen größtenteils aus \"Herr der Ringe\", auch die Helme, die Rüstungen und die digitalen Schlachten sehen ähnlich aus. Selbst die Musik von James Horner klingt wie eine Mischung aus Hans Zimmer\'s genialem Gladiator Soundtrack und \"Herr der Ringe\" Klängen, ist aber leider wesentlich schlechter.

Das trojanische Pferd und Troja selbst sind beindruckend gut gelungen. Hier haben die Designer gute Arbeit geleistet. Auch die Speer-Schild Schlachten wirken authentisch. Nur warum haben sie in der Bronze-Zeit 1200 v.Chr. so viele glänzende Eisenwaffen ? Auch die griechischen Galeeren in dieser Form ebenso wie Münzen wurden erst rund 500 Jahre später gegen 800 v.Chr. erfunden. Und warum sehen die meisten Ur-Griechen aus wie Amerikaner, die sich ausschließlich von Burgern zu ernähren scheinen ? Die Idee, Achilles und seinen Cousin am Anfang in Ruinen kämpfen zu lassen ist nicht sehr überzeugend. Zu der Zeit gab es noch keine alten Ruinen aus Stein in Griechenland, man fing gerade erst an monumentalen Steinbauten zu errichten. Brad Pitt als Achilles ? Na ja. Er wirkt weder besonders griechisch noch wie ein geborener Kämpfer oder ein Held aus einer klassischen Sage. Ein Kampfmaschine, die die Kampfkraft verkörpern soll, turtelt nicht verliebt herum wie Achilles mit Briseis im Film.

Trotz all der Kritikpunkte für Leute, die nur Homer Simpson, aber nicht Homer\'s Illias kennen, ein absolut sehenswerter Film. Die anderen müssen sich mit Homer\'s Urtext begnügen, werden aber auch fasziniert sein. Das beste an dem Film ist vielleicht, das es Leute dazu bewegen könnte, diesen Urtext zu lesen. Empfehlenswerte Ergänzung ist auf jeden Fall das Troja Buch von Manfred Korfmann und Dietrich Mannsperger.

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