Erfahrungsbericht von Tiger
See the crows? They've never tasted Prince before
Pro:
Gute Schauspieler Teilweise originelle Abänderung der Illiasgeschichte Hübsche Männer ;-)
Kontra:
Grottenschlechtes Drehbuch, Schlechter Einsatz der durchschnittlich guten Hintergrundmusik, Teilweise schlechte Abänderung der Illiasgeschichte
Empfehlung:
Ja
Ich bin ohne große Erwartungen in diesen Film gegangen. Vielleicht hat er mir letztendlich deswegen auch gefallen. Ich fange wie üblich an mit der
Geschichte
Die Prinzen Hektor und Paris von Troja sind zu Besuch bei Menelaus von Sparta um den Frieden zu besiegeln. Während sich der ältere Bruder, Hektor, höflich den gegebenen Feierlichkeiten aussetzt, stiehlt sich der Jüngere davon. Er findet weitaus bessere Unterhaltung bei Menelaus Gemahlin Helena.
Als Hektor und Paris auf dem Schiff zurück in die Heimat segeln, offenbart der kleine Bruder sein Geheimnis: er hat Helena heimlich mit sich auf das Schiff genommen.
Hektor sieht die politischen Konsequenzen die Paris Handlen nach sich ziehen wird: der Raub ist eine Beleidigung für Menelaus, wie sie schlimmer kaum sein könnte. Helena wird den Krieg nach Troja bringen. Zur Umkehr ist es zu spät, das Schiff segelt weiter gen Osten.
Menelaus, wutentbrannt als er das Verschwinden seiner Gemahlin feststellt, begibt sich zu seinem Bruder Agamemnon, dem mächtigen Herrscher von Mykene und bittet ihn um Hilfe. Die erteilt der Bruder nur zu gerne, denn auf das reiche Troja hat er auch schon ein Auge geworfen. Ein guter Grund ist also gefunden.
Der größte Krieg aller Zeiten - jetzt braucht man nur noch den größten Krieger: Achilles.
Zur Illias
Die Geschichte weicht teilweise recht stark von der Vorlage ab, weswegen man auch vorsorglich „inspired by the Illiad“ (von der Illias inspiriert) in den Abspann geschrieben hat.
Mir persönlich haben die Veränderungen nicht übel aufgestoßen. Ich hatte vor dem Kinogang die Version von Gustav Schwab gelesen und war deswegen von vornherein informiert.
Die auffälligste Veränderung, die aber offenbar nur wenige Zuschauer wirklich verstanden haben, ist der komplette Verzicht auf die Götter. Meiner Meinung nach eine originelle Idee und die Umsetzung finde ich auch gelungen. Es wird ein wenig mit der Legendenbildung um Achilles und seine Sehne gespielt (wie kann ich leider nicht sagen, ohne den Schluß zu verraten) und auch von Hektor ganz klar gesagt: „Die Götter werden diesen Krieg nicht für uns kämpfen!“ Achilles kann eine Statue des Apollon zerstören, ohne von dem Gott bestraft zu werden. Achilles Mutter ist keine Nymphe, sonst wäre sie nicht gealtert. Ebensowenig ist Achilles also unverwundbar („Wouldn’t mind the armour then, would I?“ – „Würde ich mich sonst um Rüstung scheren?“) oder Paris während seines Zweikampfes von Aphrodite gerettet. Den Zweikampf finde ich ohnehin wunderbar gelöst und auch ohne Aphrodites Eingreifen geht er meiner Meinung nach realistisch aus.
Auch der Tod einiger Figuren und das Überleben anderer unterscheidet sich von der Vorlage, wurde von mir aber im Sinne der Dramaturgie des Filmes als richtig empfunden. Gut, über den einen oder anderen könnte man sich streiten ;-)
Welche Veränderung mir nicht so gut gefallen hat, war die Verkürzung des 10 - 11jährigen Krieges um Troja auf schätzungsweise eine Woche, vielleicht zwei.
Und daß Patroklos, Achilles bester Freund (und vielleicht mehr? Man weiß es nicht genau), sozusagen der Zensur zum Opfer gefallen ist und nunmehr als Cousin fungieren darf, um keine Spekulationen zuzulassen. Schade.
Es gibt natürlich noch weitere Abweichungen, aber ich will hier nicht auf alle eingehen, denn das wäre sicher den meisten Lesern bald langweilig.
Kommen wir also zur
Musik
Die Musikuntermalung war, leider, grauenhaft. Nicht, daß die Musik als solche schlecht gewesen wäre. Es war einfach das, woran man sich bei Fantasy- und Geschichtsepen gewöhnt hat und was im Internet einmal sehr treffend als „vaguely ethnic wail“ (vage ethnisches Gejammer) bezeichnet wurde. Wir erinnern uns an „Gladiator“? In die gleiche Bresche wurde musiktechnisch geschlagen. Der Komponist war nicht Hans Zimmer (The Lion King, Gladiator), aber eigentlich ist man auch von James Horner (Titanic, Braveheart) sehr viel besseres gewöhnt.
Was allerdings gestört hat, war nicht unbedingt die Musik selber, sonder der Zeitpunkt ihrer Einsetzung. Das dem Tod einer Figur sofort folgende „ethnische Geheule“ ist mir sogar beim ersten Mal schon auf die Nerven gegangen. Schade, auch die inzwischen etwas abgelutschte „vaguely ethnic“ Musik hätte man sehr viel besser in Szene setzten können.
Die Schauspieler
Das ziemlich schlechte Drehbuch von David Benioff wird von exzellenten Schauspielern kompensiert: Eric Bana als Hektor ist so wundervoll besetzt, da verzeiht man auch die blöde Ansprache vor dem Angriff. Besonders die beiden trojanischen Prinzen (Orlando Bloom als Paris) sind liebenswerte Charaktere, deren brüderliche Zuneigung sehr viel näher geht als die zwischen Achilles und seinem Cousin Patroklos.
Die wohl bewegenste Szene gehört aber deren Vater, König Priamos von Troja, gespielt von Peter O'Toole – an dieser Stelle in Achilles Zelt versagt zum Glück auch der Drehbuchautor nicht.
Weitere Beachtung verdienen Brian Cox als Agamemnon, Brendan Gleeson als Menelaus und „Boromir“ Sean Bean als Odysseus.
Erwähnt sei außerdem Diane Heidkrüger (im Abspann als Diane Kruger) als Helena, die aus der Nähe von Hildesheim, Niedersachsen stammt und die ich nicht als Deutsche erkannt hätte (an der Sprache natürlich, ich habe den Film im Original gesehen).
Was Brad Pitt als Achilles angeht, tja, da scheiden sich die Geister. Ich fand ihn nicht schlecht, aber das ist wirklich Geschmackssache. Mir haben Eric Bana und Orlando Bloom besser gefallen.
Fazit
„Troja“ ist weißgott kein Meisterwerk, aber es ist trotzdem ein unterhaltsamer Film. Die vielen Abweichungen von der Originalgeschichte sind nicht alle negativ zu bewerten, nur weil sie Abweichungen sind. Das wäre einfach nur engstirnig. Es gibt, wie ich oben vermerkt habe, positive und negative Abweichungen und ich fand keine davon so schlimm, daß sie die Geschichte total verderben würde.
Die Schlachtenszenen sind nach „Der Herr der Ringe“ leider nichts besonderes mehr, auch das Duell, das den Höhepunkt des Filmes ausmachen sollte, ist nicht wirklich so beeindruckend. Da ist das Publikum nun leider verwöhnt. Trotzdem sind die Kämpfe recht schön choreographiert, wie ich finde. Die Männer sind dabei sehr hübsch anzusehen, Frauen gibt es in diesem Film weniger (deswegen ja die Schlachten für die Jungs ;-)
Die Schauspieler sind überzeugend und retten den Film vor dem armseligen Drehbuch. Die Bilder sind schön und in den Actionszenen nicht zu schnell geschnitten.
Alles in allem ein unterhaltsamer Film, der durchaus hätte besser sein können, es aber leider nicht war und damit in Durchschnittlichkeit verbleiben muß.
Geschichte
Die Prinzen Hektor und Paris von Troja sind zu Besuch bei Menelaus von Sparta um den Frieden zu besiegeln. Während sich der ältere Bruder, Hektor, höflich den gegebenen Feierlichkeiten aussetzt, stiehlt sich der Jüngere davon. Er findet weitaus bessere Unterhaltung bei Menelaus Gemahlin Helena.
Als Hektor und Paris auf dem Schiff zurück in die Heimat segeln, offenbart der kleine Bruder sein Geheimnis: er hat Helena heimlich mit sich auf das Schiff genommen.
Hektor sieht die politischen Konsequenzen die Paris Handlen nach sich ziehen wird: der Raub ist eine Beleidigung für Menelaus, wie sie schlimmer kaum sein könnte. Helena wird den Krieg nach Troja bringen. Zur Umkehr ist es zu spät, das Schiff segelt weiter gen Osten.
Menelaus, wutentbrannt als er das Verschwinden seiner Gemahlin feststellt, begibt sich zu seinem Bruder Agamemnon, dem mächtigen Herrscher von Mykene und bittet ihn um Hilfe. Die erteilt der Bruder nur zu gerne, denn auf das reiche Troja hat er auch schon ein Auge geworfen. Ein guter Grund ist also gefunden.
Der größte Krieg aller Zeiten - jetzt braucht man nur noch den größten Krieger: Achilles.
Zur Illias
Die Geschichte weicht teilweise recht stark von der Vorlage ab, weswegen man auch vorsorglich „inspired by the Illiad“ (von der Illias inspiriert) in den Abspann geschrieben hat.
Mir persönlich haben die Veränderungen nicht übel aufgestoßen. Ich hatte vor dem Kinogang die Version von Gustav Schwab gelesen und war deswegen von vornherein informiert.
Die auffälligste Veränderung, die aber offenbar nur wenige Zuschauer wirklich verstanden haben, ist der komplette Verzicht auf die Götter. Meiner Meinung nach eine originelle Idee und die Umsetzung finde ich auch gelungen. Es wird ein wenig mit der Legendenbildung um Achilles und seine Sehne gespielt (wie kann ich leider nicht sagen, ohne den Schluß zu verraten) und auch von Hektor ganz klar gesagt: „Die Götter werden diesen Krieg nicht für uns kämpfen!“ Achilles kann eine Statue des Apollon zerstören, ohne von dem Gott bestraft zu werden. Achilles Mutter ist keine Nymphe, sonst wäre sie nicht gealtert. Ebensowenig ist Achilles also unverwundbar („Wouldn’t mind the armour then, would I?“ – „Würde ich mich sonst um Rüstung scheren?“) oder Paris während seines Zweikampfes von Aphrodite gerettet. Den Zweikampf finde ich ohnehin wunderbar gelöst und auch ohne Aphrodites Eingreifen geht er meiner Meinung nach realistisch aus.
Auch der Tod einiger Figuren und das Überleben anderer unterscheidet sich von der Vorlage, wurde von mir aber im Sinne der Dramaturgie des Filmes als richtig empfunden. Gut, über den einen oder anderen könnte man sich streiten ;-)
Welche Veränderung mir nicht so gut gefallen hat, war die Verkürzung des 10 - 11jährigen Krieges um Troja auf schätzungsweise eine Woche, vielleicht zwei.
Und daß Patroklos, Achilles bester Freund (und vielleicht mehr? Man weiß es nicht genau), sozusagen der Zensur zum Opfer gefallen ist und nunmehr als Cousin fungieren darf, um keine Spekulationen zuzulassen. Schade.
Es gibt natürlich noch weitere Abweichungen, aber ich will hier nicht auf alle eingehen, denn das wäre sicher den meisten Lesern bald langweilig.
Kommen wir also zur
Musik
Die Musikuntermalung war, leider, grauenhaft. Nicht, daß die Musik als solche schlecht gewesen wäre. Es war einfach das, woran man sich bei Fantasy- und Geschichtsepen gewöhnt hat und was im Internet einmal sehr treffend als „vaguely ethnic wail“ (vage ethnisches Gejammer) bezeichnet wurde. Wir erinnern uns an „Gladiator“? In die gleiche Bresche wurde musiktechnisch geschlagen. Der Komponist war nicht Hans Zimmer (The Lion King, Gladiator), aber eigentlich ist man auch von James Horner (Titanic, Braveheart) sehr viel besseres gewöhnt.
Was allerdings gestört hat, war nicht unbedingt die Musik selber, sonder der Zeitpunkt ihrer Einsetzung. Das dem Tod einer Figur sofort folgende „ethnische Geheule“ ist mir sogar beim ersten Mal schon auf die Nerven gegangen. Schade, auch die inzwischen etwas abgelutschte „vaguely ethnic“ Musik hätte man sehr viel besser in Szene setzten können.
Die Schauspieler
Das ziemlich schlechte Drehbuch von David Benioff wird von exzellenten Schauspielern kompensiert: Eric Bana als Hektor ist so wundervoll besetzt, da verzeiht man auch die blöde Ansprache vor dem Angriff. Besonders die beiden trojanischen Prinzen (Orlando Bloom als Paris) sind liebenswerte Charaktere, deren brüderliche Zuneigung sehr viel näher geht als die zwischen Achilles und seinem Cousin Patroklos.
Die wohl bewegenste Szene gehört aber deren Vater, König Priamos von Troja, gespielt von Peter O'Toole – an dieser Stelle in Achilles Zelt versagt zum Glück auch der Drehbuchautor nicht.
Weitere Beachtung verdienen Brian Cox als Agamemnon, Brendan Gleeson als Menelaus und „Boromir“ Sean Bean als Odysseus.
Erwähnt sei außerdem Diane Heidkrüger (im Abspann als Diane Kruger) als Helena, die aus der Nähe von Hildesheim, Niedersachsen stammt und die ich nicht als Deutsche erkannt hätte (an der Sprache natürlich, ich habe den Film im Original gesehen).
Was Brad Pitt als Achilles angeht, tja, da scheiden sich die Geister. Ich fand ihn nicht schlecht, aber das ist wirklich Geschmackssache. Mir haben Eric Bana und Orlando Bloom besser gefallen.
Fazit
„Troja“ ist weißgott kein Meisterwerk, aber es ist trotzdem ein unterhaltsamer Film. Die vielen Abweichungen von der Originalgeschichte sind nicht alle negativ zu bewerten, nur weil sie Abweichungen sind. Das wäre einfach nur engstirnig. Es gibt, wie ich oben vermerkt habe, positive und negative Abweichungen und ich fand keine davon so schlimm, daß sie die Geschichte total verderben würde.
Die Schlachtenszenen sind nach „Der Herr der Ringe“ leider nichts besonderes mehr, auch das Duell, das den Höhepunkt des Filmes ausmachen sollte, ist nicht wirklich so beeindruckend. Da ist das Publikum nun leider verwöhnt. Trotzdem sind die Kämpfe recht schön choreographiert, wie ich finde. Die Männer sind dabei sehr hübsch anzusehen, Frauen gibt es in diesem Film weniger (deswegen ja die Schlachten für die Jungs ;-)
Die Schauspieler sind überzeugend und retten den Film vor dem armseligen Drehbuch. Die Bilder sind schön und in den Actionszenen nicht zu schnell geschnitten.
Alles in allem ein unterhaltsamer Film, der durchaus hätte besser sein können, es aber leider nicht war und damit in Durchschnittlichkeit verbleiben muß.
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