Erfahrungsbericht von Ardie
Troja - Der Film
Pro:
Gute Action, gute Effekte, hoher Unterhaltungswert
Kontra:
Schlechte und irrefuehrende Vermittlung des historischen Gehalts, teilweise Fehlbesetzung der Rollen
Empfehlung:
Ja
Troja - Der Film
von Ardie
Liebe Yopi-Gemeinde!
Der Handlungsverlauf braucht ja an dieser Stelle nicht mehr dargestellt zu werden, da haben schon viele Yopi-Mitglieder vorgearbeitet. Ich will mich daher auf die Substanz des Films konzentrieren.
Das Fazit gleich im Voraus:
als Actionfilm typisch amerikanischer Praegung hat Wolfgang Petersen einen tollen Film geschaffen, der sicherlich in die Analen der Filmgeschichte eingehen wird, und das nicht nur wegen der Kosten.
Aber:
man sollte, bevor man sich den Film ansieht, am besten weder ueber die neueste Troja-Forschung informiert sein, noch gar etwa die Ilias gelesen haben, denn sonst wird die Enttauschung gross sein.
Die auch von anderen Yopi-Testern bereits angesprochenen Hauptfehler sind:
(1)der Eindruck, dass der Krieg um Troja sozusagen eine Angelegenheit von drei Tagen war. Man kann freilich argumentieren, dass auch die Darstellung der Ilias sich auf einen Zeitraum von nur 51 Tagen beschraenkt. Immerhin wird jedoch deutlich, dass der Konflikt zu jener Zeit schon zehn Jahre angedauert hat. Ein entsprechender Hinweis im Film waere sicherlich sachdienlich gewesen!
(2)die Auslassung des sozusagen goettlichen Ueberbaus, der nach der Ilias der eigentliche Grund fuer den Krieg um Troja war:
der Hass der beiden Goettinnen Hera und Athene auf Paris, den Sohn des Troja-Koenigs Priamos, der bei einer Schoenheitskonkurrenz der Aphrodite den Zuschlag gegeben hat, nicht ihnen. Darauf beschliessen die beiden, sich an ganz Troja zu raechen.
Hinzu kommen Animositaeten zwischen den diversen griechischen Goettern, die sich ganz massiv und kampfentscheidend in die Auseinandersetzung einmischen.
(3) Petersen veraendert ohne jede Not den Handlungsablauf, indem er einige Protagonisten sterben laesst (Ajas, Agamemnon etc.). Damit irritiert er nicht nur den informierten Zuschauer, sondern macht nachtraeglich weitere griechische Dichtungen (Orestie etc.) obsolet und gibt dem, der das notwendige Hintergrundwissen noch nicht hat, es sich aber aneignen moechte, unnoetigerweise einen ganz falschen Eindruck.
(4) Der Showdown, auf den die gesamte Ilias hinarbeitet, ist letztlich nicht die Vernichtung Trojas, die in der Ilias selbst ja gar nicht beschrieben wird, sondern der Zweikampf zwischen Achilleus auf der griechischen und Hektor auf der trojanischen Seite. Auch der Film arbeitet darauf hin, die Darstellung des Entscheidungskampfes ist aber dann doch recht kurz und enttaeuschend, ja sie macht sogar den Eindruck einer recht lieblosen Choreographie.
Ganz davon abgesehen wird der Zweikampf in der Ilias voellig anders dargestllt, indem Achilleus den Hektor siebenmal um Troja herumjagt, auch dies haette man richtiger und einfallsreicher darstellen koennen.
Zuletzt zu den Schauspielern:
sehr ueberzeugend dargestellt wurde Koenig Priamos von Peter O'Toole (wen wundert das eigentlich?), und Diane Krueger ist eine perfekte Verkoerperung der schoenen Helena (die auch in der Ilias blond war, nicht etwa schwarzhaarig, wie man sich Griechinnen gemeinhin so vorstellt).
Gut gefallen haben auch die beiden Darsteller der Brueder Menelaos und Agamemnon, die den etwas vierschroetigen Charakter der beiden Koenige gut und glaubwuerdig heruebergebracht haben. Eine eindeutige Fehlbesetzung ist aber Brad Pitt in der Rolle des Achilleus: es genuegt halt nicht, einen Hollywood-Schnulli ein paar Wochen ins Fitness-Studio zu schicken, um einen Achill aus ihm zu machen!
Aehnliches gilt uebrigens fast noch mehr auch fuer den Hektor-Darsteller, den man sich doch etwas kompakter vorgestellt hat.
Positiv:
Einen Pluspunkt habe ich aber doch noch zu vergeben fuer die Darstellungsweise der filmischen Handlung: recht deutlich kommt der eigentliche Grund fuer den Krieg gegen Troja zum Ausdruck, naemlich die Gier des Agamemnon auf die Reichtuemer und die Machtstellung Trojas.
Wie die neuesten Grabungsergebnisse Korfmanns beweisen, war Troja naemlich zur Zeit der Handlung (ca. 12. Jahrhundert v. Chr.) eine Stadt, die wegen ihrer strategischen Lage an den Dardanellen (Bosporus) erheblichen Reichtum und grosse Bedeutung gehabt hat. Dies galt besonders fuer den Handel zwischen dem Mittelmeer und dem Schwarzen Meer sowie zwischen den Griechen (eigentlich: Mykener und Achaier, wir befinden uns ja in der Zeit vor den dunklen Jahrhunderten)und dem Grossreich der Hethiter.
Uebrigens: nachdem siebengescheite Wissenschaftler ueber mehr als 100 Jahre an der Wirklichkeit des beschriebenen Krieges gezweifelt haben, erbringen die Forschungsergebnisse Korfmanns (s.o.) immer mehr Beweise fuer die Authentizitaet des historischen Konflikts zwischen Troja und Griechenland! Insgesamt beurteile ich den Film wie folgt: Action: sehr gut Effekte: sehr gut Unterhaltungswert: sehr gut Historischer Gehalt: mangelhaft Vermittlung von Hintergruenden: ungenuegend Darsteller: befriedigend
Viele Gruesse
Ardie
von Ardie
Liebe Yopi-Gemeinde!
Der Handlungsverlauf braucht ja an dieser Stelle nicht mehr dargestellt zu werden, da haben schon viele Yopi-Mitglieder vorgearbeitet. Ich will mich daher auf die Substanz des Films konzentrieren.
Das Fazit gleich im Voraus:
als Actionfilm typisch amerikanischer Praegung hat Wolfgang Petersen einen tollen Film geschaffen, der sicherlich in die Analen der Filmgeschichte eingehen wird, und das nicht nur wegen der Kosten.
Aber:
man sollte, bevor man sich den Film ansieht, am besten weder ueber die neueste Troja-Forschung informiert sein, noch gar etwa die Ilias gelesen haben, denn sonst wird die Enttauschung gross sein.
Die auch von anderen Yopi-Testern bereits angesprochenen Hauptfehler sind:
(1)der Eindruck, dass der Krieg um Troja sozusagen eine Angelegenheit von drei Tagen war. Man kann freilich argumentieren, dass auch die Darstellung der Ilias sich auf einen Zeitraum von nur 51 Tagen beschraenkt. Immerhin wird jedoch deutlich, dass der Konflikt zu jener Zeit schon zehn Jahre angedauert hat. Ein entsprechender Hinweis im Film waere sicherlich sachdienlich gewesen!
(2)die Auslassung des sozusagen goettlichen Ueberbaus, der nach der Ilias der eigentliche Grund fuer den Krieg um Troja war:
der Hass der beiden Goettinnen Hera und Athene auf Paris, den Sohn des Troja-Koenigs Priamos, der bei einer Schoenheitskonkurrenz der Aphrodite den Zuschlag gegeben hat, nicht ihnen. Darauf beschliessen die beiden, sich an ganz Troja zu raechen.
Hinzu kommen Animositaeten zwischen den diversen griechischen Goettern, die sich ganz massiv und kampfentscheidend in die Auseinandersetzung einmischen.
(3) Petersen veraendert ohne jede Not den Handlungsablauf, indem er einige Protagonisten sterben laesst (Ajas, Agamemnon etc.). Damit irritiert er nicht nur den informierten Zuschauer, sondern macht nachtraeglich weitere griechische Dichtungen (Orestie etc.) obsolet und gibt dem, der das notwendige Hintergrundwissen noch nicht hat, es sich aber aneignen moechte, unnoetigerweise einen ganz falschen Eindruck.
(4) Der Showdown, auf den die gesamte Ilias hinarbeitet, ist letztlich nicht die Vernichtung Trojas, die in der Ilias selbst ja gar nicht beschrieben wird, sondern der Zweikampf zwischen Achilleus auf der griechischen und Hektor auf der trojanischen Seite. Auch der Film arbeitet darauf hin, die Darstellung des Entscheidungskampfes ist aber dann doch recht kurz und enttaeuschend, ja sie macht sogar den Eindruck einer recht lieblosen Choreographie.
Ganz davon abgesehen wird der Zweikampf in der Ilias voellig anders dargestllt, indem Achilleus den Hektor siebenmal um Troja herumjagt, auch dies haette man richtiger und einfallsreicher darstellen koennen.
Zuletzt zu den Schauspielern:
sehr ueberzeugend dargestellt wurde Koenig Priamos von Peter O'Toole (wen wundert das eigentlich?), und Diane Krueger ist eine perfekte Verkoerperung der schoenen Helena (die auch in der Ilias blond war, nicht etwa schwarzhaarig, wie man sich Griechinnen gemeinhin so vorstellt).
Gut gefallen haben auch die beiden Darsteller der Brueder Menelaos und Agamemnon, die den etwas vierschroetigen Charakter der beiden Koenige gut und glaubwuerdig heruebergebracht haben. Eine eindeutige Fehlbesetzung ist aber Brad Pitt in der Rolle des Achilleus: es genuegt halt nicht, einen Hollywood-Schnulli ein paar Wochen ins Fitness-Studio zu schicken, um einen Achill aus ihm zu machen!
Aehnliches gilt uebrigens fast noch mehr auch fuer den Hektor-Darsteller, den man sich doch etwas kompakter vorgestellt hat.
Positiv:
Einen Pluspunkt habe ich aber doch noch zu vergeben fuer die Darstellungsweise der filmischen Handlung: recht deutlich kommt der eigentliche Grund fuer den Krieg gegen Troja zum Ausdruck, naemlich die Gier des Agamemnon auf die Reichtuemer und die Machtstellung Trojas.
Wie die neuesten Grabungsergebnisse Korfmanns beweisen, war Troja naemlich zur Zeit der Handlung (ca. 12. Jahrhundert v. Chr.) eine Stadt, die wegen ihrer strategischen Lage an den Dardanellen (Bosporus) erheblichen Reichtum und grosse Bedeutung gehabt hat. Dies galt besonders fuer den Handel zwischen dem Mittelmeer und dem Schwarzen Meer sowie zwischen den Griechen (eigentlich: Mykener und Achaier, wir befinden uns ja in der Zeit vor den dunklen Jahrhunderten)und dem Grossreich der Hethiter.
Uebrigens: nachdem siebengescheite Wissenschaftler ueber mehr als 100 Jahre an der Wirklichkeit des beschriebenen Krieges gezweifelt haben, erbringen die Forschungsergebnisse Korfmanns (s.o.) immer mehr Beweise fuer die Authentizitaet des historischen Konflikts zwischen Troja und Griechenland! Insgesamt beurteile ich den Film wie folgt: Action: sehr gut Effekte: sehr gut Unterhaltungswert: sehr gut Historischer Gehalt: mangelhaft Vermittlung von Hintergruenden: ungenuegend Darsteller: befriedigend
Viele Gruesse
Ardie
11 Bewertungen, 1 Kommentar
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17.06.2004, 20:52 Uhr von drame
Bewertung: sehr hilfreichhallo erstmal! du hast den ganzen inhalt des films eigentlich gut geschieldert und was gut und was schlecht ist! aber es fehlt eine gleiderung oder übersicht! kleiner tipp: mach absätze und füge überschriften ein es gibt auf der tasta
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