Erfahrungsbericht von peregrinus
Homer ist, wenn man trotzdem lacht
Pro:
Schöner, gut gemachter Actionfilm
Kontra:
Eben \"nur\" gute Unterhaltung ohne ein besonderes \"etwas\", nahm mich nicht wirklich gefangen
Empfehlung:
Ja
Knollennase, gelbe Haut, Überbiss, fetter Schmierbauch, Vorliebe für Donuts: Fällt der Name Homer, habe ich vor allem dieses Bild vor Augen – Matt Groening sei’s gedankt.
Das Bild ist so gut wie jedes andere: Von Homer wissen wir wenig mehr, als dass er etwa um 750 v. u. Z. gelebt haben muss. Und dass unter seinem Namen zwei Werke überliefert sind – die „Ilias“ und die „Odyssee“.
Während die letzte unter anderem die zehnjährige Irrfahrt Odysseus durch die Ägäis schildert, erzählt erstere eine Episode aus dem Trojanischen Krieg: Nachdem die Stadt 10 Jahre lang belagert worden ist, kriegt sich der Oberheld der Griechen – Achilleus – mit dem griechischen Oberkönig Agamemnon in die Haare und zieht sich aus dem Kampf zurück, was schließlich zum Untergang aller Beteiligten führt. Die eigentliche Handlung geht gerade über 50 Tage, der Rest der Geschichte wird in Vor- und Rückblenden eingebracht.
Ein paar Jahrtausende später hat sich Regisseur Wolfgang Petersen („Das Boot“) des Stoffs angenommen und einen Film namens „Troja“ draus gemacht.
DIE FILM-STORY (mit Spoilern en masse!)
Die Grundgeschichte ist schnell erzählt: Der trojanische Prinz Paris (mit Betonung auf dem „a“, bzw.: Orlando „Legoland“ Bloom) verliebt sich in die schöne Griechin Helena (Diane Kruger, eigentlich: Krüger – komisch, zweitteuerster Film aller Zeiten, aber bei den Pünktchen wurde gespart) – die leider schon verheiratet ist. Und zwar mit Menelaos, dem König der Spartaner. Der wiederum ist eng verwandt und verbündet mit Agamemnon, einem mächtigen (Ober-)König, der (Klein-)Königreiche sammelt wie andere Leute Briefmarken. Nun ja, Briefmarken gab es noch nicht, also eroberte er nach und nach seine Mitgriechen.
Paris „entführt“ die nur allzu willige Gattin Menelaos’ nach Troja. Der gehörnte Gatte bittet Agamemnon um Hilfe – was der nur allzu gerne gewährt, suchte der doch schon länger einen Grund, um seinen Verbündeten Troja zu einem Teil seines Reiches zu machen. Also sammelt Agamemnon alles, was in Hollywood … Griechenland gerade Zeit zum Trojabelagern hat, schifft mit eintausend zumeist computeranimierten Galeeren über die Ägäis nach Nordostanatolien und beginnt eine Belagerung mit gelegentlichen Gemetzeln. Neben ünfzigtausend griechischen Statisten und etwa ebenso vielen trojanischen Speerträgern sind vor allem die Helden zu nennen – Odysseus (Sean Bean) und Achill (Brad Pitt) auf der griechischen, Hektor (Eric Bana) auf der trojanischen Seite.
Kern der Film-Handlung: Achill verkracht sich mit Agamemnon wegen einer schönen Sklavin und tritt in den unbefristeten Waffenstillstand. Patroklos, sein junger Cousin, schleicht sich heimlich in dessen Klamotten nach vorne, inspiriert die Griechen zu einem großen Angriff und wird von Hektor getötet. Achill nimmt das persönlich und tötet Hektor im Duell. Inzwischen kommt Odysseus auf eine Idee, wie man die Stadtmauern überwinden kann, und veranlasst einen Scheinrückzug – und hinterlässt den Trojanern ein Geschenk in Form eines (ziemlich plumpen) Riesenpferds… mit Überraschung drin.
Unterbrochen wird die Handlung immer wieder von größeren Scharmützeln, gelegentlichen Beratungen und Nebenhandlungen, die vor allem für Kenner der Geschichte viele Andeutungen bieten.
ZUM FILM ALS SOLCHEN
Drei Stunden Action vor historischer Kulisse: Petersen hat geklotzt, wie er mit seinem Etat nur konnte, fährt Stars im Dutzendpack auf und geizt nicht mit Effekten: „Troja“ ist wie „Gladiator“, nur länger und gewaltiger.
Ähnlich wie der „Herr der Ringe“, mit dem der Film nicht nur ein paar Darsteller gemein hat, wird in epischer Breite eine Kriegsgeschichte nacherzählt. Die eigentliche Handlung konzentriert sich auf ein paar wenige Hauptfiguren und deren Schicksale und Motivationen: Der Rest ist Speer- und Schwertfutter. Oder hält Fackeln.
Eine klare Gut-Böse-Schematisierung lässt der Film bleiben: Die Hauptfigur, Achill, ist ein ziemliches Arschloch – und wird von Brad Pitt glaubwürdig verkörpert. Kleidung und Frisur sind anschmachtfreundlich knapp bzw. lang ausgefallen, so dass die entsprechend orientierte Zielgruppe was zu gucken hat. Auch die sonstigen Helden haben allesamt Modelqualitäten (nun gut, Odysseus vielleicht weniger, aber der ist ja auch mehr wegen seiner List bekannt geworden und ohnedies schon verheiratet). Hektor und Paris, die Oberhelden der Trojaner, sind da schon sympathischer, auch wenn sie mit unfairen Tricks arbeiten und als Gattinnennapper zumindest bei Homer die moralisch Zweitplazierten darstellen.
Diana Krüger schafft ihren Part als Helena ebenfalls überzeugend – er besteht im wesentlichen darin, gut auszusehen und männliche Helden bzw. Zuschauer zum Ableisten ihres jeweiligen Tributs zu animieren. Das Drehbuch gesteht ihr auch ein paar Sprechzeilen zu, besonders tief angelegt ist die Figur allerdings nicht. – Peter O’Toole hat mit der Rolle des Trojanerkönigs einige bewegende Szenen, die er wie gewohnt exzellent ausfüllt – man nimmt ihm Leidgeprüftheit und Friedenswillen ab. Von allen Figuren, die eine größere Rolle spielen, hat er noch die tragischsten Auftritte zu spielen: Wirklich vielschichtig oder tief ist eigentlich kaum eine Figur angelegt. Es wäre auch ein Bruch mit der Genretradition…
Das mag erklären, warum ich mit den einzelnen Figuren letztlich nicht sonderlich mitgefiebert habe: Es waren halt alles Schauspieler, die man kannte, die im wesentlichen ihre Arbeit machten, ihren Text passend und gut aufsagten und ihre Kostüme sportlichst vorführten - aber besondere Sympathie kam dabei nicht auf.
Beleuchtung und Effekte sind erstklassig - dass die tausend Schiffe starke Griechenflotte so nicht echt sein konnte, macht mehr eine Überschlagsrechnung als die sonst üblichen Minimalfehler bei Animationen deutlich. Ein paar „goofs“ kommen vor: Hektor und Achill scheinen in ihrer Kampfszene Klappschwerter zu benutzen, die in den vorigen Einstellungen leicht zu verstecken waren.
Gut gefallen hat mir die Musik von James Horner: Es dröht und wummert „archaisch“ durchs Kino, dass es eine Wonne hat. Für Fantasy-Rollenspieler dürfte es der interessanteste Soundtrack dieser Art seit „Conan“ sein. Sie unterstreicht das Überlebensgroß-Epische der Handlung und klingt „antik“ – auch wenn fast durchgehend moderne Instrumente und Spielweisen eingesetzt wurden.
Kostüme und Kulissen verströmen eine „antike“ Atmosphäre: Die Mauern Trojas und viele Details entsprechen tatsächlich dem, was Archäologen in etwa für die damalige Stadt annehmen. Auch der Mangel an Farbe passt gut zu den Funden. Die Pferde sind, wie üblich, zu groß, die Statistenkostüme sehr, hm, einheitlich – und an vielen Stellen scheinen mir Taktiken, Waffen und sonstiges Heldeneposzubehör aus der klassischen Antike und noch mehr aus den Hollywood-Stereotypen entlehnt zu sein. Immerhin, die Statuen sind definitiv nicht klassisch – die Mühe ist zu erkennen.
(Um mir kein „hilfreich, weil was fehlt“ einzuhandeln: Die Schauspieler werden nicht merklich dünner, also wird wohl auch das Catering gut gewesen sein.)
IDEENKLAU, GESCHICHTSFÄLSCHUNG UND PRODUCT PLACEMENT
… oder: Mythos, Buch, Geschichte und Film im Vergleich.
Wie man einschlägigen Kritiken entnehmen kann, bietet der Film Halbgebildeten unendlich viel Freude: Endlich kann man dem blöden Amiregisseur mal wieder die eigenen Bildungsbrocken vor die Füße werfen und hemmungslos Korinthen…
Schön: Buchvorlage und Film haben nicht so viel miteinander zu tun, wie mancher das vielleicht erwartet hätte. Die endlosen Mono- und Dialoge hat Petersen dankenswerterweise gekürzt. Das wesentliche Personal ist drastisch verkleinert und vereinfacht worden. Ein paar der Vorlage fremde Handlungsstränge wurden behutsam eingepasst, vieles andere gnadenlos gestrichen oder der modernen Filmdramatik zugunsten verkürzt. Die zehnjährige Belagerung fällt ganz weg – aber auch Homer behandelt sie nur in Rückblenden. (Und, nebenbei: Bei „Gladiator“ hat das zeitliche Zusammenziehen von 10 Jahren Handlung auf wenige Monate auch keinen gestört…) Patroklos, im Original Achills Lover, wurde zum „Cousin“. Etc.
Und das ist aus drei Gründen gut: Zum einen setzt Homer ein ganz anderes Publikum voraus, das den Stoff und die Figuren schon gut kennt. Figuren führt er nicht ein, konsequent werden sie mit seltsamen Umschreibungen genannt – „Peleussohn“, „die Weißellbogige“, „der Pferdebezwinger“, etc. – für heutige Menschen ist das ohne Fußnotenhangelei, Lexikon oder Graecum kaum zu lesen, geschweige denn: zu genießen. Die homerischen Epen im Original sind heute vor allem was für Spezialisten.
Zum zweiten – Homer nutzt ein anderes Medium. Eine Reihe von Heldengesängen, die, vollständig vorgetragen, wohl einen Monat voller Abendunterhaltung geboten haben dürften, kann man uns heutigen schwerlich auf drei Stunden komprimiert komplett darbieten.
Und schließlich: Homer passte die Geschichte seinem Publikum an. In die Geschichte des trojanischen Krieges baute er (und seine Nachfolger auch noch) Dutzende von Nebengeschichten ein. Er war damit nicht allein: Der trojanische Krieg war seinerzeit ein Bestseller, der von –zig herumziehenden Sängern bearbeitet wurde – immer wieder in anderer Form. Da die Konkurrenz groß war, waren geldfördernde Maßnahmen gefragt: Der eine oder andere „Held“ dürfte eingeflochten worden sein, um den jeweiligen Kunden – frühgriechischen Adelshöfen – einen Wiedererkennungswert zu bieten. War man bei Aenaeidens zu Gast, die sich eines heldenhaften Vorfahren namens Aenaeas rühmten, baute man halt fix eine heroische Szene ein und verkaufte die ganze Schmeichelei dann den hoffentlich großzügig gesinnten Abnehmern als alte Sage. „Product placement“ nennt man das heute wohl.
Petersen hat sich erstaunlich deutlich bemüht, die historischen und archäologischen Fakten einfließen zu lassen. Das ist umso erstaunlicher, als die Geschichte des Trojanischen Krieges kaum einen, wenn überhaupt einen wahren Kern hat. Zwar ist Troja zur fraglichen Zeit – um 1200 v. u. Z. – tatsächlich abgebrannt. Allerdings deuten alle Spuren auf ein Erdbeben hin. Verlassen wurde die Stadt auch nicht, wirklich untergegangen ist sie nur einmal um 1000 v. u. Z. Es fanden sich zwar Spuren, die auf einen Kampf hindeuten – aber ein erneutes Erdbeben wäre genauso denkbar, und Spuren einer zehnjährigen Belagerung fanden sich erst recht nicht. Petersen verortet Troja (korrekt) als Pufferstaat zwischen mykenisch-griechischem und hethitischen Kultur- und Machtraum – viel genauer wissen wir es nicht, und über die genaue Volkszugehörigkeit der Trojaner lässt auch Petersen sich nicht aus. Zumindest die Verständigung war aber kein Problem – auch kein Wunder, ist Einsprachigkeit geschichtlich doch ein sehr junges Phänomen.
Homer stellt in den Mittelpunkt der Handlung Könige und Helden – und das tut Petersen auch. Aber Homer stellt auch die Götter in den Mittelpunkt – die lässt Petersen weg. Viele Kritikaster haben das bemängelt.
Geht aber daneben: Auffallend ist, wie stark die Götterrolle und das Jenseits schon bei Homer zurückgedrängt sind. In der Ilias haben die Götter zwar noch die Fäden in der Hand, sind aber nicht besonders vorbildlich und nur allzu menschlich angelegt. Später, in der Odyssee (die wahrscheinlich von einem Schüler Homers stammt), wird deutlich, wie diesseitsbezogen und lebensbejahend – jenseitsverneinend die homerische Welt ist: Die Toten dämmern in einem ewigen Schattenreich dahin, das wohl kaum den Vergleich mit dem ägyptischen oder christlichen Himmel standhält. Odysseus lehnt sich gegen einen mächtigen Gott auf – und gewinnt zum Schluss. Mehr noch: Vor die Wahl gestellt, unsterblich – also: göttergleich - zu werden oder mit seiner Frau – nach 20 Jahren! – wieder zusammenzukommen und den kurzen Rest seines Lebens mit ihr zu beschließen, wählt er – letzteres. Das ist ziemlich un-christlich, un-fromm – und widerspricht auch dem, was wir über die religiöse Vorstellungswelt der Griechen vorhomerischer Jahrhunderte wissen.
Kurzum: War Homer noch vorsichtig, einem Publikum, das sich erst langsam von seiner Götterwelt emanzipiert hatte, aber mit ihr noch vertraut war, allzu große Schocks zuzumuten – so ist diese Götterwelt für uns heute nur noch als Karikatur brauchbar. Wie jede Religion nimmt sich auch die griechische, von außen angesehen, reichlich merkwürdig und nicht sonderlich überzeugend aus. Zeus, Hera, Athene, Apoll und Konsorten so umzusetzen, dass sie auch in den Augen heutiger Zuschauer die Würde hätten, die ihnen damals das Publikum Homers noch zuschrieb – das ist von einem Film kaum zu leisten. Schon gar nicht einem, der sich an ein breites Publikum wendet.
HELDEN WIE WIR
„Troja“ ist Actionkino, und viel mehr will es auch nicht sein. Trotzdem, gerade weil es als Popcornkintopp daherkommt, fällt doch eines auf: Die Modernität der Helden, ihrer Handlungen und ihrer Vorstellungswelt. Die Aussprüche Achills, aber auch seine Reaktionen, sind eine seltsame Mischung aus antikem Heros und sehr modernem Kriegsfilm-Antiheld.
Dass Wolfgang Petersen, von dem auch „Das Boot“ stammt, damit keine Absicht verfolgt – das scheint mir unwahrscheinlich. Und genau wie Homer die Bronzezeithelden gnadenlos ummünzte (wie auch die Nibelungen- und die Artussagen-Schreiber), passend zu den Gedanken seiner Zeit und den Sozialverhältnissen seiner Zeit umgestaltete und eben viel an „Botschaft“ zwischen den Zeilen für sein aktuelles Publikum brachte – kann man auch bei Petersen viel bekannt vorkommendes wieder finden.
Über dem Konflikt von Achill und Agamemnon schwebt die ganze Zeit die Frage, warum, wofür es sich zu kämpfen lohnt: Ruhm? Unsterblichkeit des eigenen Namens? Macht? Eine schöne Frau, Heim und Herd? Gesicherte politische Verhältnisse? Gar um des Adrenalinkicks willen?
Das, vor dem Hintergrund der neuen Kriege Amerikas, ist eine gute Frage. Homers Helden verloren zum Schluss alles, wofür sie gekämpft hatten – außer dem Ruhm. Und, bei Odysseus – der eigenen Familie.
Das allegorisch auszudeuten, sei dem geneigten Leser zur Übung hinterlassen.
ABSCHLIESSEND
Petersen hat mit „Troja“ einen guten Nachfolger von „Gladiator“ geschaffen. Im Vergleich zu den ganzen früheren Antikenfilmen fällt dieser durch seine professionelle Machart, sein Bemühen um ein sich „antik“ anfühlendes Ambiente und den Mangel an aufgetünchter christlicher Erbaulichkeit auf. Beide Seiten kommen gleichermaßen gut bzw. schlecht weg – der Krieg selbst steht im Mittelpunkt, nicht der klassische „Sieg der Guten über die Bösen“.
Wer sich gut und actionreich unterhalten fühlen möchte, wird es sicherlich. Wer dagegen ein Bildungserlebnis haben möchte… eher nicht.
ABER…
…dagegen hilft ja peregrinus’ berüchtigte Bücherempfehlungsmanie:
Zur Geschichte Trojas:
Brandau, B., Schickert, H., Jablonka, P.: Troia – wie es wirklich aussah; Piper (München) 2004, 176 S., ISBN 3-492-04610-X, €19,90
Hertel, Dieter: Troia – Archäologie, Geschichte, Mythos; Beck (München) 2001 (2. Aufl. 2002), 128 S., ISBN 3-406-44766-X, €7,90
Ersteres ist ein phantastisch gelungenes Stück Populärwissenschaft: Auf dem neuesten Stand der Ausgrabungen wird die Stadt samt ihrer Geschichte rekonstruiert, mit 70 Photos und 43 Rekonstruktionen – durchgehend in Farbe – dem Laien nachgebracht, und das von Archäologen, die selbst an den Ausgrabungen beteiligt waren bzw. sind. Erstklassig, so was gibt’s normalerweise nur bei den Angelsachsen.
Da Brandau und Schickert Hethitologen sind und die Identität Trojas mit der hethischen Siedlung Wilusa behaupten, lohnt es sich, auch Hertels Buch zu lesen, der die Gegenposition vertritt. Sein schmales Taschenbuch liest sich etwas dröger, und viel Raum nimmt die Argumentation gegen die Ansichten seiner Kollegen ein. Ihm zufolge war Troja keine hethitische Stadt. Hertel geht viel mehr auf den Troja-Mythos ein, auf Homers Texte und den Streit um den oder die Autoren. Das macht sein Buch zu einer guten Ergänzung.
Selberlesen kann man Homer problemlos, Vorlesen lassen am besten von Patmos - die Ilias-Fortsetzung \"Odyssee\" (IMHO das interessantere der beiden) schlägt mit 99,95 Euro zu Buche - für 21 CDs nicht übel, und gut gemacht ist das ganze auch.
Zur Musik: Der Soundtrack „Troja“ von James Horner ist bei Warner Sunset erschienen, kostet so um die € 17.
Billiger ist, wenn man es kriegt, „Musique de la Grèce antique“ von Harmonia Mundi (Frankreich) zu bekommen (HMA 1901015). Produziert 1979, fasst es auf einer CD alles an Musik zusammen, was wir von der riesigen Menge wirklich griechischer Produktion noch heute rekonstruieren können. Das Ergebnis ist sehr interessant und äußerst gewöhnungsbedürftig – es wäre vermutlich keine gute Idee, einen ganzen Mainstream-Film damit zu unterlegen.
PS: Die Meinung erschien zuvor auch schon bei ciao (unter gleichem nickname). Aufgrund des anderen Bewertungsschemas (6 statt 5 Bewertungsmöglichkeiten) unterscheiden sich die Sternchenzahlen. :-)
Das Bild ist so gut wie jedes andere: Von Homer wissen wir wenig mehr, als dass er etwa um 750 v. u. Z. gelebt haben muss. Und dass unter seinem Namen zwei Werke überliefert sind – die „Ilias“ und die „Odyssee“.
Während die letzte unter anderem die zehnjährige Irrfahrt Odysseus durch die Ägäis schildert, erzählt erstere eine Episode aus dem Trojanischen Krieg: Nachdem die Stadt 10 Jahre lang belagert worden ist, kriegt sich der Oberheld der Griechen – Achilleus – mit dem griechischen Oberkönig Agamemnon in die Haare und zieht sich aus dem Kampf zurück, was schließlich zum Untergang aller Beteiligten führt. Die eigentliche Handlung geht gerade über 50 Tage, der Rest der Geschichte wird in Vor- und Rückblenden eingebracht.
Ein paar Jahrtausende später hat sich Regisseur Wolfgang Petersen („Das Boot“) des Stoffs angenommen und einen Film namens „Troja“ draus gemacht.
DIE FILM-STORY (mit Spoilern en masse!)
Die Grundgeschichte ist schnell erzählt: Der trojanische Prinz Paris (mit Betonung auf dem „a“, bzw.: Orlando „Legoland“ Bloom) verliebt sich in die schöne Griechin Helena (Diane Kruger, eigentlich: Krüger – komisch, zweitteuerster Film aller Zeiten, aber bei den Pünktchen wurde gespart) – die leider schon verheiratet ist. Und zwar mit Menelaos, dem König der Spartaner. Der wiederum ist eng verwandt und verbündet mit Agamemnon, einem mächtigen (Ober-)König, der (Klein-)Königreiche sammelt wie andere Leute Briefmarken. Nun ja, Briefmarken gab es noch nicht, also eroberte er nach und nach seine Mitgriechen.
Paris „entführt“ die nur allzu willige Gattin Menelaos’ nach Troja. Der gehörnte Gatte bittet Agamemnon um Hilfe – was der nur allzu gerne gewährt, suchte der doch schon länger einen Grund, um seinen Verbündeten Troja zu einem Teil seines Reiches zu machen. Also sammelt Agamemnon alles, was in Hollywood … Griechenland gerade Zeit zum Trojabelagern hat, schifft mit eintausend zumeist computeranimierten Galeeren über die Ägäis nach Nordostanatolien und beginnt eine Belagerung mit gelegentlichen Gemetzeln. Neben ünfzigtausend griechischen Statisten und etwa ebenso vielen trojanischen Speerträgern sind vor allem die Helden zu nennen – Odysseus (Sean Bean) und Achill (Brad Pitt) auf der griechischen, Hektor (Eric Bana) auf der trojanischen Seite.
Kern der Film-Handlung: Achill verkracht sich mit Agamemnon wegen einer schönen Sklavin und tritt in den unbefristeten Waffenstillstand. Patroklos, sein junger Cousin, schleicht sich heimlich in dessen Klamotten nach vorne, inspiriert die Griechen zu einem großen Angriff und wird von Hektor getötet. Achill nimmt das persönlich und tötet Hektor im Duell. Inzwischen kommt Odysseus auf eine Idee, wie man die Stadtmauern überwinden kann, und veranlasst einen Scheinrückzug – und hinterlässt den Trojanern ein Geschenk in Form eines (ziemlich plumpen) Riesenpferds… mit Überraschung drin.
Unterbrochen wird die Handlung immer wieder von größeren Scharmützeln, gelegentlichen Beratungen und Nebenhandlungen, die vor allem für Kenner der Geschichte viele Andeutungen bieten.
ZUM FILM ALS SOLCHEN
Drei Stunden Action vor historischer Kulisse: Petersen hat geklotzt, wie er mit seinem Etat nur konnte, fährt Stars im Dutzendpack auf und geizt nicht mit Effekten: „Troja“ ist wie „Gladiator“, nur länger und gewaltiger.
Ähnlich wie der „Herr der Ringe“, mit dem der Film nicht nur ein paar Darsteller gemein hat, wird in epischer Breite eine Kriegsgeschichte nacherzählt. Die eigentliche Handlung konzentriert sich auf ein paar wenige Hauptfiguren und deren Schicksale und Motivationen: Der Rest ist Speer- und Schwertfutter. Oder hält Fackeln.
Eine klare Gut-Böse-Schematisierung lässt der Film bleiben: Die Hauptfigur, Achill, ist ein ziemliches Arschloch – und wird von Brad Pitt glaubwürdig verkörpert. Kleidung und Frisur sind anschmachtfreundlich knapp bzw. lang ausgefallen, so dass die entsprechend orientierte Zielgruppe was zu gucken hat. Auch die sonstigen Helden haben allesamt Modelqualitäten (nun gut, Odysseus vielleicht weniger, aber der ist ja auch mehr wegen seiner List bekannt geworden und ohnedies schon verheiratet). Hektor und Paris, die Oberhelden der Trojaner, sind da schon sympathischer, auch wenn sie mit unfairen Tricks arbeiten und als Gattinnennapper zumindest bei Homer die moralisch Zweitplazierten darstellen.
Diana Krüger schafft ihren Part als Helena ebenfalls überzeugend – er besteht im wesentlichen darin, gut auszusehen und männliche Helden bzw. Zuschauer zum Ableisten ihres jeweiligen Tributs zu animieren. Das Drehbuch gesteht ihr auch ein paar Sprechzeilen zu, besonders tief angelegt ist die Figur allerdings nicht. – Peter O’Toole hat mit der Rolle des Trojanerkönigs einige bewegende Szenen, die er wie gewohnt exzellent ausfüllt – man nimmt ihm Leidgeprüftheit und Friedenswillen ab. Von allen Figuren, die eine größere Rolle spielen, hat er noch die tragischsten Auftritte zu spielen: Wirklich vielschichtig oder tief ist eigentlich kaum eine Figur angelegt. Es wäre auch ein Bruch mit der Genretradition…
Das mag erklären, warum ich mit den einzelnen Figuren letztlich nicht sonderlich mitgefiebert habe: Es waren halt alles Schauspieler, die man kannte, die im wesentlichen ihre Arbeit machten, ihren Text passend und gut aufsagten und ihre Kostüme sportlichst vorführten - aber besondere Sympathie kam dabei nicht auf.
Beleuchtung und Effekte sind erstklassig - dass die tausend Schiffe starke Griechenflotte so nicht echt sein konnte, macht mehr eine Überschlagsrechnung als die sonst üblichen Minimalfehler bei Animationen deutlich. Ein paar „goofs“ kommen vor: Hektor und Achill scheinen in ihrer Kampfszene Klappschwerter zu benutzen, die in den vorigen Einstellungen leicht zu verstecken waren.
Gut gefallen hat mir die Musik von James Horner: Es dröht und wummert „archaisch“ durchs Kino, dass es eine Wonne hat. Für Fantasy-Rollenspieler dürfte es der interessanteste Soundtrack dieser Art seit „Conan“ sein. Sie unterstreicht das Überlebensgroß-Epische der Handlung und klingt „antik“ – auch wenn fast durchgehend moderne Instrumente und Spielweisen eingesetzt wurden.
Kostüme und Kulissen verströmen eine „antike“ Atmosphäre: Die Mauern Trojas und viele Details entsprechen tatsächlich dem, was Archäologen in etwa für die damalige Stadt annehmen. Auch der Mangel an Farbe passt gut zu den Funden. Die Pferde sind, wie üblich, zu groß, die Statistenkostüme sehr, hm, einheitlich – und an vielen Stellen scheinen mir Taktiken, Waffen und sonstiges Heldeneposzubehör aus der klassischen Antike und noch mehr aus den Hollywood-Stereotypen entlehnt zu sein. Immerhin, die Statuen sind definitiv nicht klassisch – die Mühe ist zu erkennen.
(Um mir kein „hilfreich, weil was fehlt“ einzuhandeln: Die Schauspieler werden nicht merklich dünner, also wird wohl auch das Catering gut gewesen sein.)
IDEENKLAU, GESCHICHTSFÄLSCHUNG UND PRODUCT PLACEMENT
… oder: Mythos, Buch, Geschichte und Film im Vergleich.
Wie man einschlägigen Kritiken entnehmen kann, bietet der Film Halbgebildeten unendlich viel Freude: Endlich kann man dem blöden Amiregisseur mal wieder die eigenen Bildungsbrocken vor die Füße werfen und hemmungslos Korinthen…
Schön: Buchvorlage und Film haben nicht so viel miteinander zu tun, wie mancher das vielleicht erwartet hätte. Die endlosen Mono- und Dialoge hat Petersen dankenswerterweise gekürzt. Das wesentliche Personal ist drastisch verkleinert und vereinfacht worden. Ein paar der Vorlage fremde Handlungsstränge wurden behutsam eingepasst, vieles andere gnadenlos gestrichen oder der modernen Filmdramatik zugunsten verkürzt. Die zehnjährige Belagerung fällt ganz weg – aber auch Homer behandelt sie nur in Rückblenden. (Und, nebenbei: Bei „Gladiator“ hat das zeitliche Zusammenziehen von 10 Jahren Handlung auf wenige Monate auch keinen gestört…) Patroklos, im Original Achills Lover, wurde zum „Cousin“. Etc.
Und das ist aus drei Gründen gut: Zum einen setzt Homer ein ganz anderes Publikum voraus, das den Stoff und die Figuren schon gut kennt. Figuren führt er nicht ein, konsequent werden sie mit seltsamen Umschreibungen genannt – „Peleussohn“, „die Weißellbogige“, „der Pferdebezwinger“, etc. – für heutige Menschen ist das ohne Fußnotenhangelei, Lexikon oder Graecum kaum zu lesen, geschweige denn: zu genießen. Die homerischen Epen im Original sind heute vor allem was für Spezialisten.
Zum zweiten – Homer nutzt ein anderes Medium. Eine Reihe von Heldengesängen, die, vollständig vorgetragen, wohl einen Monat voller Abendunterhaltung geboten haben dürften, kann man uns heutigen schwerlich auf drei Stunden komprimiert komplett darbieten.
Und schließlich: Homer passte die Geschichte seinem Publikum an. In die Geschichte des trojanischen Krieges baute er (und seine Nachfolger auch noch) Dutzende von Nebengeschichten ein. Er war damit nicht allein: Der trojanische Krieg war seinerzeit ein Bestseller, der von –zig herumziehenden Sängern bearbeitet wurde – immer wieder in anderer Form. Da die Konkurrenz groß war, waren geldfördernde Maßnahmen gefragt: Der eine oder andere „Held“ dürfte eingeflochten worden sein, um den jeweiligen Kunden – frühgriechischen Adelshöfen – einen Wiedererkennungswert zu bieten. War man bei Aenaeidens zu Gast, die sich eines heldenhaften Vorfahren namens Aenaeas rühmten, baute man halt fix eine heroische Szene ein und verkaufte die ganze Schmeichelei dann den hoffentlich großzügig gesinnten Abnehmern als alte Sage. „Product placement“ nennt man das heute wohl.
Petersen hat sich erstaunlich deutlich bemüht, die historischen und archäologischen Fakten einfließen zu lassen. Das ist umso erstaunlicher, als die Geschichte des Trojanischen Krieges kaum einen, wenn überhaupt einen wahren Kern hat. Zwar ist Troja zur fraglichen Zeit – um 1200 v. u. Z. – tatsächlich abgebrannt. Allerdings deuten alle Spuren auf ein Erdbeben hin. Verlassen wurde die Stadt auch nicht, wirklich untergegangen ist sie nur einmal um 1000 v. u. Z. Es fanden sich zwar Spuren, die auf einen Kampf hindeuten – aber ein erneutes Erdbeben wäre genauso denkbar, und Spuren einer zehnjährigen Belagerung fanden sich erst recht nicht. Petersen verortet Troja (korrekt) als Pufferstaat zwischen mykenisch-griechischem und hethitischen Kultur- und Machtraum – viel genauer wissen wir es nicht, und über die genaue Volkszugehörigkeit der Trojaner lässt auch Petersen sich nicht aus. Zumindest die Verständigung war aber kein Problem – auch kein Wunder, ist Einsprachigkeit geschichtlich doch ein sehr junges Phänomen.
Homer stellt in den Mittelpunkt der Handlung Könige und Helden – und das tut Petersen auch. Aber Homer stellt auch die Götter in den Mittelpunkt – die lässt Petersen weg. Viele Kritikaster haben das bemängelt.
Geht aber daneben: Auffallend ist, wie stark die Götterrolle und das Jenseits schon bei Homer zurückgedrängt sind. In der Ilias haben die Götter zwar noch die Fäden in der Hand, sind aber nicht besonders vorbildlich und nur allzu menschlich angelegt. Später, in der Odyssee (die wahrscheinlich von einem Schüler Homers stammt), wird deutlich, wie diesseitsbezogen und lebensbejahend – jenseitsverneinend die homerische Welt ist: Die Toten dämmern in einem ewigen Schattenreich dahin, das wohl kaum den Vergleich mit dem ägyptischen oder christlichen Himmel standhält. Odysseus lehnt sich gegen einen mächtigen Gott auf – und gewinnt zum Schluss. Mehr noch: Vor die Wahl gestellt, unsterblich – also: göttergleich - zu werden oder mit seiner Frau – nach 20 Jahren! – wieder zusammenzukommen und den kurzen Rest seines Lebens mit ihr zu beschließen, wählt er – letzteres. Das ist ziemlich un-christlich, un-fromm – und widerspricht auch dem, was wir über die religiöse Vorstellungswelt der Griechen vorhomerischer Jahrhunderte wissen.
Kurzum: War Homer noch vorsichtig, einem Publikum, das sich erst langsam von seiner Götterwelt emanzipiert hatte, aber mit ihr noch vertraut war, allzu große Schocks zuzumuten – so ist diese Götterwelt für uns heute nur noch als Karikatur brauchbar. Wie jede Religion nimmt sich auch die griechische, von außen angesehen, reichlich merkwürdig und nicht sonderlich überzeugend aus. Zeus, Hera, Athene, Apoll und Konsorten so umzusetzen, dass sie auch in den Augen heutiger Zuschauer die Würde hätten, die ihnen damals das Publikum Homers noch zuschrieb – das ist von einem Film kaum zu leisten. Schon gar nicht einem, der sich an ein breites Publikum wendet.
HELDEN WIE WIR
„Troja“ ist Actionkino, und viel mehr will es auch nicht sein. Trotzdem, gerade weil es als Popcornkintopp daherkommt, fällt doch eines auf: Die Modernität der Helden, ihrer Handlungen und ihrer Vorstellungswelt. Die Aussprüche Achills, aber auch seine Reaktionen, sind eine seltsame Mischung aus antikem Heros und sehr modernem Kriegsfilm-Antiheld.
Dass Wolfgang Petersen, von dem auch „Das Boot“ stammt, damit keine Absicht verfolgt – das scheint mir unwahrscheinlich. Und genau wie Homer die Bronzezeithelden gnadenlos ummünzte (wie auch die Nibelungen- und die Artussagen-Schreiber), passend zu den Gedanken seiner Zeit und den Sozialverhältnissen seiner Zeit umgestaltete und eben viel an „Botschaft“ zwischen den Zeilen für sein aktuelles Publikum brachte – kann man auch bei Petersen viel bekannt vorkommendes wieder finden.
Über dem Konflikt von Achill und Agamemnon schwebt die ganze Zeit die Frage, warum, wofür es sich zu kämpfen lohnt: Ruhm? Unsterblichkeit des eigenen Namens? Macht? Eine schöne Frau, Heim und Herd? Gesicherte politische Verhältnisse? Gar um des Adrenalinkicks willen?
Das, vor dem Hintergrund der neuen Kriege Amerikas, ist eine gute Frage. Homers Helden verloren zum Schluss alles, wofür sie gekämpft hatten – außer dem Ruhm. Und, bei Odysseus – der eigenen Familie.
Das allegorisch auszudeuten, sei dem geneigten Leser zur Übung hinterlassen.
ABSCHLIESSEND
Petersen hat mit „Troja“ einen guten Nachfolger von „Gladiator“ geschaffen. Im Vergleich zu den ganzen früheren Antikenfilmen fällt dieser durch seine professionelle Machart, sein Bemühen um ein sich „antik“ anfühlendes Ambiente und den Mangel an aufgetünchter christlicher Erbaulichkeit auf. Beide Seiten kommen gleichermaßen gut bzw. schlecht weg – der Krieg selbst steht im Mittelpunkt, nicht der klassische „Sieg der Guten über die Bösen“.
Wer sich gut und actionreich unterhalten fühlen möchte, wird es sicherlich. Wer dagegen ein Bildungserlebnis haben möchte… eher nicht.
ABER…
…dagegen hilft ja peregrinus’ berüchtigte Bücherempfehlungsmanie:
Zur Geschichte Trojas:
Brandau, B., Schickert, H., Jablonka, P.: Troia – wie es wirklich aussah; Piper (München) 2004, 176 S., ISBN 3-492-04610-X, €19,90
Hertel, Dieter: Troia – Archäologie, Geschichte, Mythos; Beck (München) 2001 (2. Aufl. 2002), 128 S., ISBN 3-406-44766-X, €7,90
Ersteres ist ein phantastisch gelungenes Stück Populärwissenschaft: Auf dem neuesten Stand der Ausgrabungen wird die Stadt samt ihrer Geschichte rekonstruiert, mit 70 Photos und 43 Rekonstruktionen – durchgehend in Farbe – dem Laien nachgebracht, und das von Archäologen, die selbst an den Ausgrabungen beteiligt waren bzw. sind. Erstklassig, so was gibt’s normalerweise nur bei den Angelsachsen.
Da Brandau und Schickert Hethitologen sind und die Identität Trojas mit der hethischen Siedlung Wilusa behaupten, lohnt es sich, auch Hertels Buch zu lesen, der die Gegenposition vertritt. Sein schmales Taschenbuch liest sich etwas dröger, und viel Raum nimmt die Argumentation gegen die Ansichten seiner Kollegen ein. Ihm zufolge war Troja keine hethitische Stadt. Hertel geht viel mehr auf den Troja-Mythos ein, auf Homers Texte und den Streit um den oder die Autoren. Das macht sein Buch zu einer guten Ergänzung.
Selberlesen kann man Homer problemlos, Vorlesen lassen am besten von Patmos - die Ilias-Fortsetzung \"Odyssee\" (IMHO das interessantere der beiden) schlägt mit 99,95 Euro zu Buche - für 21 CDs nicht übel, und gut gemacht ist das ganze auch.
Zur Musik: Der Soundtrack „Troja“ von James Horner ist bei Warner Sunset erschienen, kostet so um die € 17.
Billiger ist, wenn man es kriegt, „Musique de la Grèce antique“ von Harmonia Mundi (Frankreich) zu bekommen (HMA 1901015). Produziert 1979, fasst es auf einer CD alles an Musik zusammen, was wir von der riesigen Menge wirklich griechischer Produktion noch heute rekonstruieren können. Das Ergebnis ist sehr interessant und äußerst gewöhnungsbedürftig – es wäre vermutlich keine gute Idee, einen ganzen Mainstream-Film damit zu unterlegen.
PS: Die Meinung erschien zuvor auch schon bei ciao (unter gleichem nickname). Aufgrund des anderen Bewertungsschemas (6 statt 5 Bewertungsmöglichkeiten) unterscheiden sich die Sternchenzahlen. :-)
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