Troja (DVD) Testbericht

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Erfahrungsbericht von trampastheo

Brad als Grieche? Wer soll das abkaufen?

Pro:

Inszenierung der Schlachten - darstellerische Leistung von Orlando Bloom und Eric Bana

Kontra:

Grosse Abweichungen vom wahren Heldenepos Homers mit gewaltigen Fehlern seitens Petersens - religiöses Unwissen des Regisseurs - Fehlbesetzung des Achilles von Brad Pitt, aber auch eines großen Teils der Griechen

Empfehlung:

Nein

Wenn man die Ilias und die Odyssee, die beiden großen Werke von Homer, so oft gelesen und studiert hat wie es bei mir der Fall ist, dann sind die Erwartungen von einem Film, der die Geschichte dieser Epen wiedergibt, recht hoch. Das Heldenepos der Ilias umfasst den trojanischen Krieg, der ganze 10 Jahre lang gedauert hat. Troja würde, wenn die Stadt nicht zerstört worden wäre, im heutigen Kleinasien liegen, wenige Kilometer südlich von Helispontos entfernt. Regisseur Wolfgang Petersen, von dem man eigentlich recht gute Spielfilme gewöhnt ist („der Sturm“ und „das Boot“), hat versucht in seinem aktuellen Film „Troja“, das Heldenepos Homers darstellerisch umzusetzen, was ihm jedoch in meinen Augen vollkommen misslungen ist.

Handlung
Die schöne Helena, Königin von Sparta, verliebt sich in den trojanischen Prinzen Paris (gespielt von Orlando Bloom) und verlässt heimlich ihren Mann Menelaos mit ihrem neuen Liebhaber in Richtung Troja. Menelaos möchte sich für den Raub seiner Frau rächen und bittet seinen Bruder, König Agamemnon mit seinem Heer einen Angriff auf Troja zu starten. Der wollte Troja, den größten Feind Griechenlands, schon immer einnehmen und willigt ein. Mit mehr als tausend Schiffen erreichen die Griechen die Küste Kleinasiens. In einem der Schiffe befindet sich auch Achilles (gespielt von Brad Pitt), der tapferste Krieger der Griechen. Der Krieg beginnt, aber die Griechen machen es sich schwer Troja einzunehmen, welches von riesigen Mauern beschützt wird und dazu einen sehr fähigen Anführer des Militärs vorzuweisen hat: Hektor (gespielt von Eric Bana). Eigentlich will sich Achilles nicht weiter in den Krieg einmischen, aufgrund seiner persönlichen Fehde mit Agamemnon. Als jedoch sein Cousin Patroklos (Homer erwähnt ihn in seinem Epos als brüderlichen Freund) durch Hektor ums Leben kommt, trifft er die Entscheidung, sich zu rächen und den Krieg für seine Heimat zu gewinnen – koste es was es wolle!

Filmkritik
Beim Verlassen der Kinohalle und auf dem Rückweg nach Hause bestimmte eine Diskussion rund um den Film das Geschehen. Wir fragten uns ob Petersen und Co. nur stellenweise die Ilias gelesen hatten, bevor sie einen Film aus Homers Epos machten! Denn bei so vielen Fehlern, die Petersen im Film unterlaufen, kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass er nur eine Zusammenfassung der Ilias gelesen hat und nicht das ganze Buch von Homer! Ein so erfahrener Regisseur wie Herr Petersen sollte allein aus Respekt zu den Werken solch einzigartiger Schriftsteller wie Homer es ist, die Geschichte des Buchs im Film getreu der darin enthaltenen Begebenheiten halten oder es ganz sein lassen. Ich fragte mich, warum er am Ende nicht auch noch Odysseus in seinem Film sterben ließ. Das hätte uns dann wahrscheinlich auch vom Studieren der Odyssee bewahrt oder Herr Petersen? Man hätte hier ganz klar einige Lehrer der griechischen Geschichte an Herrn Petersen weiterleiten sollen, die ihm bei seinem Filmversuch mit Ratschlägen behilflich sein hätten können. Nun, ich möchte meine Kritik erläutern und auf alle Punkte genauestens eingehen.

- Wie man im Film feststellt, wird Menelaos, König von Sparta, nach seinem Duell mit Paris (Orlando Bloom) von Hektor getötet. Dies stimmt jedoch nicht, denn Menelaos kehrte nach dem Fall Trojas nach Griechenland zurück und lebte dort weiter (mit Helena, die er wieder zu sich nahm!). Er verletzte sich lediglich in einem der Gefechte mit den Trojanern. Homer schreibt nicht von wem er verletzt wurde. Dass er ums Leben kam ist die Erfindung von Herrn Petersen!

- Agamemnon kehrt ebenfalls nach dem trojanischen Krieg als König von Griechenland in seine Heimat zurück. Dass er im Film Petersens von einer Frau, vor all seinen Männern mit einem Dolch erstochen wird und so ums Leben kommt, ist wieder reine Geschichtsfälschung!

- Achilles (Brad Pitt) war als kleiner Junge fast unsterblich geworden (er fiel in den Fluss, der die reale Welt mit der Unterwelt von Ades trennte, wobei ihn seine Mutter nur an der Ferse festhielt). Nur an seiner Ferse konnte er tödlich verletzt werden – an keiner anderen Stelle seines Körpers! An keiner Stelle des Films geht Petersen auf dieses Detail ein. Nur das Ende des Films, als Paris mit den Pfeilen auf ihn losgeht, gibt einen Hinweis auf dieses doch so wichtige Detail, das Homer in seiner Ilias sehr oft betont.

- Der trojanische Krieg ging über 10 Jahre! Im Film bekommt man davon nichts mit. Der Film hinterlässt den Eindruck, dass der Krieg nach einem Monat bereits zu Ende war! Die Griechen hatten in all den Jahren ebenfalls eine Mauer gebaut, um sich von den Angriffen der Trojaner zu schützen, was ihm Film natürlich nicht wahrgenommen wurde.

- In der Ilias stirbt Achilles viel früher, als Petersen es dem Zuschauer serviert. Er stirbt durch die Hände von Paris, der ihn mit einem Pfeilschuss (und nicht fünf) an der Ferse erwischt. Achilles stirbt lange bevor das hölzerne Pferd der Griechen von den Trojanern als Geschenk angenommen wird. Hier wollte Petersen den Protagonisten des Films Brad Film so lange wie möglich im Film lassen und hat dabei wieder die Geschichte von Homer spontan verdreht!

- Seit wann sind wir Griechen blond, blauäugig und so gutaussehend wie Brad Pitt? Ein Mitglied schrieb mir vor wenigen Wochen in mein Gästebuch, dass doch die Figur des Achilles mit Brad Pitt aufgrund seines Aussehens doch fehlbesetzt sei. Die Griechen haben doch keine blauen Augen, blonde Haare und eine gerade Nase, hieß es im Eintrag. Ich musste ihm Recht geben, die meisten haben nämlich braune Augen, schwarze Haare und eine schiefe Nase! Na ja, Spaß beiseite, was die schiefe Nasen angeht, aber Brad Pitt ist als Achilles ganz klar fehlbesetzt. Aufgefallen ist mir dazu, dass viele Griechen im Film blauäugig sind, was natürlich auch nicht der Wahrheit entspricht. Fehlt nur noch, dass Herr Petersen uns mitteilt, dass wir Griechen von den Skandinaviern abstammen!

- Wie immer muss in einem amerikanischen Film einer als „Böser“ und einer als „Guter“ dargestellt werden. Obwohl Homer in der Ilias neutral über den Verlauf der Geschehnisse berichtet, hat sich Petersen entschieden die Griechen als „Böse“ darzustellen. Die Darstellerauswahl von Agamemnon und Menelaos spricht Bände, denn beide wirken beim Zuschauer unsympathisch.

- Was mich dazu ebenfalls besonders im Film gestört hat, ist das religiöse Unwissen des Regisseurs, der anscheinend nicht mal weiß, wann sich der trojanische Krieg abgespielt hat. Er fand zur Information einige Jahrhunderte vor der Geburt Jesus Christus statt. Doch was sieht man bei der ersten Szene aus der Stadt Trojas im königlichen Palast? Drei orthodoxe Priester stehen neben der Tür! Als Christ hat mich das sehr gestört. Kann man so unwissend sein, was den christlichen Glauben angeht?

Das waren meine Kritikpunkte zum Film von Petersen, die auch genug sind, um meine Bewertung hier zu begründen. Wenn so viele Fehler in einem Film passieren und ein Heldenepos eine eigene Form bekommt und vom Original so abweicht, dann kann man glaube ich auch meine Enttäuschung und Wut zu diesem Petersen-Film verstehen. Lediglich die Inszenierung der Schlachten war relativ interessant (einige davon etwas zu brutal, deshalb ist der Film auch erst ab 16 Jahren freigegeben), die Bilder von den vielen griechischen Schiffen, die Troja umzingeln und die darstellerische Leistung von Orlando Bloom (Herr der Ringe) und Eric Bana (Black Hawk Down), die durchaus überzeugend war! Zu Brad Pitt äußere ich mich nicht weiter, denn wie schon gesagt handelt es sich hier um eine Fehlbesetzung. Ich kann eigentlich nur den Maskenbildnern gratulieren, die es geschafft haben, dass ein 40jähriger Mann wie 28 im Film aussieht.

Fazit
Wer die Geschichte der Ilias nicht kennt, wird sicherlich von Troja begeistert sein, denn er wird die Inszenierung und die Handlung des Films interessant finden. Dazu tragen die Schlachten bei, bei denen es, dank des hohen Budgets des Films von über 200 Millionen Dollar, an nichts mangelt. Wer jedoch Homers Heldenepos studiert hat, der weiß, wie Regisseur Petersen grob und oberflächlich mit der Geschichte umgegangen ist und viele Fakten verdreht hat. Fehler sind ihm nicht nur in der Inszenierung und Story unterlaufen, sondern auch bei der Besetzung der Rollen, was vor allem mit Brad Pitt zu begründen ist. Religiöses Unwissen werfe ich Peterson ebenfalls vor! Für mich war Troja eine herbe Enttäuschung. Ich widme mich da lieber wieder einmal dem echten Heldenepos von Homer höchstpersönlich!

48 Bewertungen, 4 Kommentare

  • melle7484

    17.10.2004, 00:02 Uhr von melle7484
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich finde Brad Pitt ist falsch in dem Film, einfach fehlbesetzt! cu, melle

  • anonym

    07.06.2004, 16:46 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Hallo Theo, zunächst einmal bin ich etwas verwundert, denn neuerdings muß man sich hier zum Kommentieren neu einloggen ... Ich bin auch erstaunt über Deine wohlbegründete Bewertung, bin mir aber nicht sicher, ob Petersen bewußt d

  • mima007

    06.06.2004, 14:11 Uhr von mima007
    Bewertung: sehr hilfreich

    guter Bericht! Habe selten die kritik an "Troja" so fundiert gelesen! VG, mima

  • laure15

    06.06.2004, 01:33 Uhr von laure15
    Bewertung: sehr hilfreich

    Wahnsinns Bericht!! Echt klasse! Normalerweise wollte ich den Film gar nicht sehen, aber wir gehen demnächst mit der ganzen Jahrgangsstufe rein. Mal sehen, wie es wird ...