Daihatsu Materia Testbericht

Daihatsu-materia
Abbildung beispielhaft
ab 38,43
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Summe aller Bewertungen
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Erfahrungsbericht von Hunley

Die kultige Kiste

3
  • Fahreigenschaften:  gut
  • Fahrkomfort:  gut
  • Platzangebot:  großzügig
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Pro:

trendiges, neues Design, großzügiger Innenraum für die Fahrzeugklasse

Kontra:

Innenausstattung könnte hochwertiger sein, manche Design-Ideen nicht vollständig umgesetzt

Empfehlung:

Nein

Ich verkaufe ja beruflich Daihatsu und Chevrolet, dabei ist es üblich, neue Modelle mal übers Wochenende mitzunehmen und auszuprobieren. Daher hier ein Erfahrungsbericht, der sich mit den Vorteilen und den Nachteilen darüber auseinandersetzt.


HERSTELLERANGABEN:TECHNISCHE DATEN/AUSSTATTUNGEN/PREISE

Den Daihatsu Materia bekommt man mit 2 Benzinmotoren und auch mit Allradantrieb oder Automatikgetriebe.
Die Modelle und momentanen Preise (Stand 11/07):
1.3 Liter mit 91 PS 14.790 Euro
1.5 Liter mit 103 PS 15.790 Euro
1.5 Liter mit Allrad 16.890 Euro

Die Aufpreisliste gestaltet sich recht übersichtlich:
Nur für den 1.5 Liter mit Frontantrieb: Automatikgetriebe 1.200,00 Euro, Stabilitätskontrolle VSC+TRC, also ESP 650,00 Euro.
Für alle Modelle: Kopfairbags 450,00 Euro, Perleffektlackierung 390,00 Euro
Die Serienausstattung ist japanertypisch recht komplett. Die wichtigsten:
ABS
Alufelgen 15"
Fahrer-, Beifahrer, Seitenairbags
ISOFIX- Kindersitzbefestigung hinten
Elektrische Fensterheber rundum
Fahrersitz höhenverstellbar
Klimaanlage
RDS-CD Radio mit MP3
Zentralverriegelung mit Fernbedienung
Verschiebbare Rückbank
Nebelscheinwerfer
Getönte Scheiben hinten

Maße L/B/H: 3,80/1,69/1,63 m, Radstand 2,54 m
Verbrauch Außerorts/Innerorts/Kombiniert 6,1 / 8,9 / 7,2 Liter/100 km (für den 1.5 Liter)
Höchstgeschwindigkeit km/h: 164-170
Beschleunigung 0-100 km/h 10,8 - 11,9 s
CO2-Emission g/100 km: 156-172
Lieferbare Farben:
Perleffektlacke: Kristallweiß, Arktissilber, Stahlgrau, Pazifikblau, Mambagrün, Burgunderrot, Schwarz
Ansonsten gibt es noch normales Weiß ohne Aufpreis.


ÄUßERLICHKEITEN

Die Karosserie ist, kurz gesagt, geformt wie ein Brikett. Es gibt sehr viele steile Flächen, die Frontscheibe ist sehr steil. Man könnte ihn auch als Kühlschrank bezeichnen, wenn er in weiß ausgeliefert wird. Aber es ist eine ganz neue Optik, bisher gab es hier kaum etwas vergleichbares. Es gab mal den Daihatsu "Move", das war aber eine Kartoffelkiste, war aber nur eckig und sonst häßlich. Hier hat man auf den Style geachtet. Je länger man ihn ansieht, desto besser gefällt er einem. Es gibt aber auch hier nur 2 Meinungen: lieben oder hassen. Die landläufige Meinung, sollte man meinen, wäre hier: Die Frauen lieben den kleinen Stadtflitzer, die Männer schauen eher verächtlich mit dem "Was soll er denn mal werden wenn er groß ist?" - Blick. Aber es ist genau umgekehrt. Bei allen Kunden und Interessenten, die ihn bei mir angeschaut haben, ist ER Feuer und Flamme und SIE verzieht angewidert das Gesicht. Und da wir ja wissen, wer daheim meist die Hosen anhat wird dann leider was anderes gekauft. ;-)
Die geläufigsten Ausdrücke, die ich dabei gehört habe, waren: "ein Baby-Hummer", "rollender Sarg" und "Schuhkarton".
Durch das kantige Auftreten mit einem auffälligen Retro-Look wirkt der Materia viel bulliger, als er tatsächlich ist, ein bißchen wie eine Gangster-Limousine aus längst vergangener Zeit. Man sieht gar nicht wirklich, daß er nur 3,80 Meter lang ist, also 20 cm kürzer als ein Golf III. Die Fenster sind sehr flach geworden, aber nicht wegen einem niedrigen Dach sondern durch die hohe Fensterlinie, die seine wuchtige Optik unterstreicht. Die schwarz getönten Scheiben sind serienmäßig und passen sehr gut dazu, vor allem bei helleren Farben.

Elemente wie die Klarglasleuchten lassen den Materia sehr frisch und modern wirken.

Die Karosserie ist komplett in Wagenfarbe lackiert, also Spiegelkappen, Türgriffe etc. Die Blinkleuchten sind rundum weiß.

Durch die hohe Karosserie, immerhin 1,69 Meter, gestaltet sich der Einstieg natürlich sehr angenehm. Kleine Leute können fast in den Materia "reinlaufen". Für ältere Semester ist es sehr angenehm, die Vorzüge eines bequemen Einstieges zu haben, ohne die Problematik eines Geländewagens, in den man oft noch hinaufklettern muß.

Die Motorhaube ist klein und leicht, der Platz eher gering im Motorraum. Aber es ist ja auch nicht viel Motor darunter.

Die Heckklappe schwingt weit nach oben und gibt einen variablen Gepäckraum frei. In den passen zwischen 181 und 294 Liter bis zur Fensterunterkante, je nach Stellung der Rückbank. Bei umgeklappten Sitzen sind es 619 Liter, bis zur Dachoberkante sogar 1000.

Für knapp 280 Euro bekommt man noch einen schicken Dachspoiler in Wagenfarbe, der außen auf die Heckklappe montiert wird.

Die Außenspiegel sind elektrisch verstellbar und für einen Kleinwagen sehr groß ausgefallen, was der Sicht zugute kommt. Sie haben fast schon Kleintransporter-Format.

Der Motor bringt den Materia ausreichend flott voran. Ich kann jetzt nur für den 1.5 Liter sprechen, die 103 PS machen ihn zwar nicht zur Pistensau, aber er ist doch gut unterwegs. Die Höchstgeschwindigkeit wird durch die Aerodynamik einer Schrankwand begrenzt. Der 1.3 Liter ist auf dem Papier kaum langsamer und verbraucht im Mittel über einen halben Liter weniger. Es sind ja auch nur 12 PS und 10 Nm weniger. Ich habe den Vergleich leider noch nicht erfahren können, denke aber daß im Alltag der Unterschied nicht großartig auffällt. Was allerdings auffällt im Vergleich zu Sirion und Co., ist die deutlich geringere Lärmkulisse. Er ist zwar kein Flüsterkönig wie der Maybach, hat aber im Vergleich zu Schwestermodellen merklich an Ruhe gewonnen.

Der Verbrauch hält sich ungefähr im angegebenen Bereich. Der Wagen war noch nicht eingefahren, erst ab ca. 5-10.000 km geht der Verbrauch auf das Normalmaß runter.

Natürlich wird die Schadstoffnorm Euro 4 erreicht.

Die Reifen werden ab Werk in der Größe 185/55 R15 ausgeliefert, Alufelgen serienmäßig. Leider sehen die Räder in den Radkästen ein bißchen verloren aus. Hier sollte man überlegen, ob man nicht in einen Radsatz mit 205/40 R17 (ca. 1500 Euro) und eine Tieferlegung (Original ca. 160 Euro + Einbau) investieren sollte. Die Serienalus kann man ja noch für die Winterreifen verwenden.
Als Reserverad findet man nur ein Notrad unter der Abdeckung.

Die Fahreigenschaften sind unspektakulär im Serienfahrwerk. Nicht auffällig unsicher, aber auch nicht richtig sportlich.

Das Auspuffendrohr ist auch ein bißchen mickrig ausgefallen. Aber auch hier gibt es Abhilfe. Daihatsu bietet eine 2-Rohr-Anlage an, entweder die Endrohre außen oder beide in der Mitte. Da es das nur mit einer Blende gibt darf man knapp 1000 Euro einplanen dafür. Sieht aber auch gut aus.


INNENWERTE

Die Nadelfilz-Verkleidungen im Gepäckraum könnten hochwertiger sein, wegen der verschiebbaren Rückbank ist die Hutablage aus dickem Filz und nicht starr. Der Kofferraumboden ist 2teilig und überlappt sich, 1 Teil ist hinten befestigt und der andere fährt mit der Rückbank vor und zurück. So entstehen keine Lücken in die kleine Teile reinfallen können.

Die Rücksitzlehnen lassen sich geteilt umlegen und bilden eine nahezu ebene Ladefläche ohne Stufen.

Das Platzangebot und das Raumgefühl im Innenraum ist gigantisch. Man hat sehr viel Platz bis zur Decke. Ungewöhnlich ist auch die Dachposition auf den Vordersitzen. Die steile Frontscheibe hat man nicht dadurch erreicht, das Cockpit näher an den Fahrer zu ziehen, sondern durch das Verlängern des Dachs nach vorn. Die Sonnenblenden sitzen also sehr weit vorne, es ist anfangs etwas ungewohnt, aber nicht unpraktisch.
Hinten sitzt es sich auch sehr bequem. Die Rückbank ist einfach zu verschieben, und zwar um 16 Zentimeter. Ganz hinten hat man dann einen Knieraum, den man selbst in mancher Oberklassen-Limousine nicht hat, außer in der Langversion vielleicht.

Die Sitze an sich sind sehr bequem, es gibt sie nur in schwarzem Stoff, wobei es immer zweierlei Strukturen gibt. Ein bißchen mehr Seitenhalt würde nicht schaden. Man kann alle Sitze umlegen und soll eine "ebene Fläche wie ein Doppelbett" erreichen können. Naja schlafen möchte ich nicht da drauf, es ist doch recht uneben.

Das Armaturenbrett sieht sehr futuristisch aus und ist symmetrisch. Es sieht aus, als gingen die Lüftungskanäle von links nach rechts. Ungewohnt, aber nicht unschön.

Ganz oben in der Mitte findet man die Instrumente. Sie sind analog, also Zeiger wandern auf Skalen auf und ab. Ein Drehzahlmesser ist serienmäßig, der Tankinhalt und die Uhrzeit werden wie der Kilometerstand digital angezeigt. Die Beleuchtung ist in blau gehalten und wird schon mit der Zündung eingeschaltet, nicht erst mit dem Licht. Das ist zwar vorteilhaft, weil man so immer eindeutig alles ablesen kann, aber auch gefährlich, weil man vielleicht auch mal vergißt, bei schlechter Sicht das Licht einzuschalten um gesehen zu werden.
Darunter ist eine kleine Hutze mit 2 Lüftungsdüsen und noch etwas weiter unten wiederum der RADIO. Der ist serienmäßig dabei und fahrzeugspezifisch, also kein DIN-Gerät. Das hat den Vorteil, daß die Tasten natürlich größer ausfallen können. Die großen Schaltflächen lassen keine Rätsel offen, es gibt ein breites Display und 6 Stationstasten für Radiosender. MP3 und WMA lassen sich darauf auch abspielen. Das Gerät ist in glänzendem Schwarz lackiert, also "Klavierlack". Leider ist die Optik wertiger als die Haptik. Es ist halt nur Plastik, und das spürt man. Den schwarzen Glanz findet man auch an den äußeren Lüftungsdüsen und den Hochtonlautsprechern am Armaturenbrett wieder und soll hochwertig wirken.

Im Zubehörkatalog findet sich für knapp 1500 Euro das bildschirmgesteuerte Radio Kenwood DDX6029, der mittels einer Blende im Fahrzeug verbaut werden kann. Das kann man dann noch weiter aufrüsten mit Freisprechanlage, Navigation und IPOD-Steuerung.
Insgesamt ist ein 6-Lautsprecher-System verbaut. Kleines Gimmick bei den 1.5er Modellen: Die Lautsprecher in den vorderen Türen sind blau beleuchtet, ebenso wie die Türinnengriffe.

Darunter in der Mittelkonsole findet sich die Heizungsbedienung, die Schalter für die Klimaanlage, Heckscheibenheizung und den Warnblinker. Die Heizung läßt sich durch 3 Drehschalter betätigen. Bedienungsfreundlich, aber nix neues halt. Mit einem Schiebeschalter läßt sich die Umluftfunktion einschalten. Die manuelle Klimaanlage ist serienmäßig, eine automatische gibt es nicht.

Zwar praktisch, aber optisch mißlungen ist die Möglichkeit, den Beifahrerairbag abzuschalten. Es gibt ein Leuchtsymbol unterhalb der Heizungsregelung und daneben eine Plastikklappe, vielleicht 4 cm breit und 2 hoch. Dahinter befindet sich ein Schloßschalter, mit dem Fahrzeugschlüssel kann man den Beifahrerairbag deaktivieren. Die Klappe ist sehr auffällig und das Leuchtsymbol fügt sich nicht in das Gesamtbild ein. Den Schalter hätte man besser im Handschuhfach untergebracht.

Apropos Handschuhfach. Dieses ist, auch das ist japantypisch, etwas klein geraten.

Getränkehalter gibt es reichlich, in den Türen und bei den Fronttrieblern auch in der Mittelkonsole.

Der Innenraum ist zwar sehr modern und stylisch, ist aber in einigen Bereichen nicht so richtig zu Ende gedacht. So ist etwa der verwendete Kunststoff nicht immer sehr wertig. Allem voran merkt man das leider dort, wo man sowieso seine Hände dauernd hat beim Fahren: Am Lenkrad und dem Schaltknauf.
Das Lenkrad ist ein einfallsloses, 3speichiges Kunststofflenkrad, der Lenkradkranz ist zu dünn und fühlt sich recht billig an. Das gleiche mit dem Schaltknauf. Der ist auch zu klein und fühlt sich nicht sehr wertig an. Da hilft auch das verchromte Schaltschema nicht drüber hinweg. Hier sollte man zum Originalzubehör greifen, einen Alu/Leder-Schaltknauf kostet 35 Euro, die sollten es einem Wert sein.
Der Trevis hat ein so schönes MOMO-Sportlenkrad verbaut, höchste Zeit daß das auch im Materia verbaut wird. Der Fahrspaß leidet natürlich darunter schon.

Ein weiteres Manko ist die Beleuchtung. Die Mischung aus blau (Instrumente, Designlichter) und grün (Schalter) schaut aus, als wäre ihnen im letzten Moment der Mut ausgegangen, wie gewollt und nicht gekonnt. Wenn es ein Sondermodell von einem aktuellen Fahrzeug gewesen wäre dann hätte ich es ja vielleicht noch verstanden, aber eine Neukonstruktion? Ob man nun das grüne Licht hineinbaut oder das blaue wäre doch kostenmäßig kein Unterschied gewesen. Und das wo man sich doch soviel Mühe mit den Lautsprecherleuchtringen gemacht hat.
Was mich auch noch ein bißchen stört sind die ganzen Warnaufschriften auf der Sonnenblende. Die sind aufgedruckt und kann man nicht entfernen.

FAZIT

Ich glaube daß der Innenraum einer der Hauptschwachpunkte vom Materia ist. Das Material könnte besser sein, schließlich kostet der Materia mindestens 15.000 Euro, das ist schließlich kein Pappenstiel. Da Daihatsu selbst nur kleine Motoren anbietet ist der 1.5 Liter schon das Maximum im momentanen Portfolio. Mal ein spritziger 1,8 Liter mit 140 PS würden dem Materia schon ein bißchen mehr Leben einhauchen.

Weiteres Manko ist das Fehlen eines Dieselmotors. Daihatsu hat leider gar keinen Dieselmotor im Programm. Die einzige Möglichkeit zu sparen ist, eine Autogasanlage einbauen zu lassen. Das kann man mit knappen 2500 Euro einkalkulieren.

An sich ist der Materia ein schicker, trendiger Minivan, der gerne auffällt, aber nicht jedem gefällt. Es ist etwas neues auf unseren Straßen.
Als Konkurrenten darf man den Nissan Note, Renault Modus und Opel Meriva sehen. Die machen aber optisch lange nicht soviel her.

Durch den hohen Einstiegspreis würde ich vielleicht noch 1-2 Jahre warten, bis es ein paar Leasingrückläufer gibt, dann ist er sein Geld auch wert. Aber wenn ich einen Bedarf an einem Kleinwagen hätte würde ich ihn kaufen. Ich finde, er ist cool wie ein Mini, nur viel praktischer.
Daihatsu hat allgemein einen guten Ruf in der Fangemeinde, sehr zuverlässig und langlebig.
Serienmäßig gibt Daihatsu 3 Jahre Fahrzeuggarantie bis 100.000 km und 8 Jahre Garantie gegen Durchrostung.

Den letzten Stern ziehe ich ab wegen des Innenraums, dem hohen Preis und dem Fehlen eines Diesels bzw. stärkeren Motors. ESP gibt es nur für den 1.5 Liter, der 1.5 Allrad ist nur ausgestattet wie der 1.3 Liter.

Erstellt für Ciao.de, Dooyoo.de, Yopi.de, Preisvergleich.de

8 Bewertungen, 2 Kommentare

  • UnserRenatchen

    08.01.2008, 15:54 Uhr von UnserRenatchen
    Bewertung: sehr hilfreich

    liebe Grüße

  • waltraud.d

    08.01.2008, 11:54 Uhr von waltraud.d
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich