Kosmos Typisch Frau, typisch Mann Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Präsentation:  gut
  • Spaßfaktor:  hoch
  • Spielanleitung:  sehr gut
  • Wird langweilig:  nach wenigen Tagen

Erfahrungsbericht von LaberLili

Wie denkt ihr denn von mir?!

3
  • Präsentation:  gut
  • Schwierigkeitsgrad:  sehr schwierig
  • Spaßfaktor:  hoch
  • Spielanleitung:  sehr gut
  • Wird langweilig:  nach wenigen Stunden
  • Spieldauer:  durchschnittlich, bis zu 1 Stunde
  • Das Spiel für:  Hobby-Spieler
  • Spielerzahl:  ab 2

Pro:

leicht verständlich, sehr gute Qualität, man entdeckt teils andere Seiten an sich/den Mitspielern

Kontra:

nicht für regelmäßige Spiele geeignet, teils schwer unterscheidbare Farben (z.B. rot/orange)

Empfehlung:

Ja

Weihnachten 2010 war bei uns zufällig gro Weihnachten 2010 war bei uns zufällig große Spiele-Bescherung: so wusste ich beispielsweise, dass auf dem Wunschzettel meines Bruders, ein leidenschaftlicher Berufskraftfahrer, schon seit Langem das Spiel „Auf Achse“ stand. Lustigerweise hatten er und seine Liebste sich ebenfalls entschieden, auch meinem Göttergatten bundy109 und mir, die wir keine speziellen Wünsche hatten, ein paar Gesellschaftsspiele zu schenken.
So gelangte unter Anderem „typisch Frau, typisch Mann“ von KOSMOS in unseren Besitz. Dieses Spiel war uns bis dahin gänzlich unbekannt und wurde dann an Silvester erstmalig durchgespielt, da es für zwei bis acht Spieler (ab 16 Jahren) ausgelegt ist und wir uns, nachdem wir die Anleitung quasi unter dem Weihnachtsbaum schon gelesen hatten, einig waren, dass dieses Spiel in der größeren Gruppe doch auch am Besten spielbar ist. Den Jahreswechsel verbrachten wir dann mit einem üppigen Raclette und diversen Spielen gemeinsam mit meinem Bruder und meiner Schwägerin, meinem Cousin und dessen Verlobter sowie meinen Eltern; wir waren also zu acht.

Aber worum geht es bei diesem Spiel eigentlich? Kurz gesagt: wer von den Mitspielern welchen anderen Mitspieler am Besten kennt (in unserem Falle) oder wer wen am Besten einschätzen kann (falls man das Spiel mit Fremden spielen sollte).

Aus einer Handvoll Pappteile wird zu Beginn des Spiels ein hoher Kasten zusammengesteckt, der sogenannte „Turm der Wahrheit“, der auf meinen Fotos ein wenig wie Kraut und Rüben ausschaut, weil ich zwei Zwischenteile vergessen habe. Tatsächlich ist der „Turm der Wahrheit“ zusammengesteckt ein stabiles und kippsicheres Ding, welches nicht so schnell ins Wackeln gerät.

Dann erhält jeder Spieler vier Antwortkärtchen: das sind rechteckige Kärtchen aus ziemlich dicker Pappe. Auf der Vorderseite ist jeweils eine Frau abgebildet, auf der Rückseite ist ein Mann abgebildet, wobei die Männer zusätzlich mit den Zahlen von 1 bis 4 versehen sind. (Natürlich hat jeder Mann eine andere dieser Zahlen.) Der Hintergrund der Farben ist jeweils farblich eingefärbt, so dass jeder Spieler die Karten einer anderen Farbe erhält.
Zudem bekommt jeder noch 12 Übereinstimmungskärtchen in eben seiner Farbe: hierbei handelt es sich um kleine quadratische Plättchen, auf denen ebenfalls auf einer Seite ein Frauen- und auf der anderen ein Männerporträt abgebildet ist, die aber frei von Zahlen sind.

Hier möchte ich gleich an den dargebotenen Farben ein wenig herummäkeln: es gibt rot, gelb, braun, orange, himmelblau, dunkelblau sowie hellgrün als auch dunkelgrün. Und diese Farbgebungen machen ein genaues Beleuchten des Spielortes unbedingt erforderlich: die zwei blauen Nuancen sind auch im Halbdunkel noch gut zu unterscheiden, aber hell- und dunkelgrün sowie rot und orange lassen sich doch schnell mal verwechseln. Da hätte ich mir doch deutlichere Kontraste gewünscht bzw. dass die verschiedenen Farben zusätzlich evtl. noch mit unterschiedlichen Symbolen kombiniert worden wären, so vonwegen rot ist das mit dem Herz in der Ecke, orange hat ein Sternchen, grün eine Raute…

So, und nun gibt es noch Fragekärtchen, um nicht zu sagen: Quizkarten. Eine Seite ist babyblau, eine Seite babyrosa und auf beiden Seiten steht eine Frage nebst vier Antwortmöglichkeiten. (Okay, die „Fragen“ sind hier eher Satzanfänge, die einer Ergänzung bedürfen, aber wenn die Satzkarten schon offiziell als „Fragekärtchen“ bezeichnet werden, benenne ich sie im Bericht nun auch weiterhin ebenso als „Frage“ und „Antwort“.)
Aus diesen Fragekärtchen wird nun ein Stapel gebildet, dessen Höhe abhängig von der Anzahl der Mitspieler ist. Empfohlen werden je 12 Fragekarten für 3,4 und 6 Spieler, 10 Karten für 5 Spieler, 12 bei 6, 14 bei 7 und 16 bei 8 Spielern. Die Anleitung weist daraufhin, dass man für ein längeres Spiel aber auch mehr Fragekarten nutzen kann; wichtig ist aber, dass sich die Anzahl der Fragekarten durch die Anzahl der Spieler teilen lässt.

Ich empfehle aber, sich an die genannten Mengen zu halten: wir haben zwei Runden gespielt, die jeweils beendet waren, bevor wir überhaupt alle ausliegenden Fragekarten ausgespielt hatten: ja, das kommt vor, denn das Spiel ist nicht nur erst dann zu Ende, wenn keine Fragekarten mehr auf dem Tisch liegen.

Nachdem der Turm also aufgestellt wurde, Antwort- und Übereinstimmungskärtchen verteilt und Fragekärtchen zu einem angemessenen Stapel aufgehäuft sind, kann es also losgehen:

Der erste Spieler nimmt nun ein Fragekärtchen vom Stapel und liest den Text der seinem Geschlecht entsprechenden Seite vorbei, d.h. Frauen stellen die rosa Fragen mit den rosa Antworten und Männer eben die blauen Fragen mit den blauen Antworten.
Der Fragesteller überlegt sich nun, welche Antwort auf diese Frage in Bezug auf ihn zutrifft und legt das Antwortkärtchen mit der entsprechenden Zahl verdeckt auf den Tisch. Meint er also, Antwort 4 trifft hier auf ihn zu, legt er das Antwortkärtchen mit der 4 aus.
Die anderen Spieler überlegen ihrerseits, welche der vier Antworten denn tatsächlich vom Fragensteller stammen könnten, entscheiden sich für eine Antwort und werfen ihr Antwortkärtchen mit der entsprechenden Nummer in den „Turm der Wahrheit“; natürlich auch gaaaanz geheim. (Ich rate, die Nummer einfach mit dem Finger zu verdecken, wenn man die betreffende Karte in den Turm fallen lässt.)

Und nun leert der Fragesteller den „Turm der Wahrheit“ und legt die Antwortkarten offen auf den Tisch, so dass jeder die Zahlen sehen kann. Dann dreht er sein eigenes Antwortkärtchen um und auf jedes mit seiner Antwortnummer übereinstimmendes Kärtchen legt er ein Übereinstimmungskärtchen; dann werden sämtliche Antwortkärtchen, ob mit oder ohne Übereinstimmungskärtchen, zu ihren jeweiligen Besitzern zurückgeschoben.

Danach geht das Spiel mit dem nächsten Mitspieler genauso weiter: einer stellt also immer eine Frage inklusive vier vorgegebenen Antworten, entscheidet sich heimlich für seine Antwort und die anderen raten ebenso heimlich seine Antwort und freuen sich über ein Übereinstimmungskärtchen, wenn sie richtig lagen.

„typisch Frau, typisch Mann“ ist dann vorbei, wenn die ausliegenden Fragekarten allesamt durchgenommen worden sind oder wenn ein Mitspieler als Fragesteller keine Übereinstimmungskärtchen mehr hätte, die er noch verteilen könnte, was auch schnell passieren kann: man hat immerhin nur 12 von diesen Dingern und wenn man noch dazu zu acht spielt…
Letztlich zählt man die Übereinstimmungskärtchen, die man selbst ergattern konnte, und die eigenen, die man vergeben hat, zusammen: wer hier in der Summe die meisten Übereinstimmungskärtchen vorweisen kann, hat gewonnen.

Aber was sind denn das für Fragen? Ich muss ehrlich sagen, dass die Fragen sehr viele Stereotypen bedienen: Frauen mögen Kosmetik und Schmuck, Männer mögen Fussball und Technik. In den Fragen geht’s hauptsächlich tatsächlich um Dinge, die man eben als „typisch Frau“ oder „typisch Mann“ bezeichnen würde. Und einige Karten sind auch einfach seltsam.

So steht auf einer Karte (Fragenstellerin) beispielsweise: „Mit Pippi Langstrumpf habe ich gemeinsam, dass ich 1. sehr gut reiten kann, 2. sehr kräftig bin, 3. ein Geschwisterpaar als Freunde habe 4. mir gern Zöpfe mache.“ Eine andere Frauenkarte möchte weiterhin wissen: „Wenn ich noch mehr Freizeit hätte, als ich ohnehin schon habe, würde ich mehr 1. lesen 2. Sport treiben 3. Spielen 4. Fernsehen.“ Da sind also nur wenige Zeitvertreibe aufgeführt und sowieso „noch mehr Freizeit als ohnehin schon“? Wer da nun einen Vollzeitjob hat und noch dazu die Abendschule besucht, um seine Meisterprüfung zu absolvieren, kommt sich da vielleicht für blöd verkauft vor.
Allerdings erlaubt die Anleitung auch, eine Fragekarte beiseite zu legen und sich eine neue vom Stapel zu nehmen, wenn man mit der Aussage so rein gar nichts anfangen kann. Aber da besteht dann natürlich die Gefahr, dass eine genauso blöde Fragekarte hinterherkommt.

Männerfragen sind zum Beispiel: „Nach einem Streit ist meine Frau wütend zu ihrer Mutter geflüchtet; ich… 1. schicke einen Blumenstrauß und entschuldige mich 2. fahre hinterher und stelle sie zur Rede 3. Warte ab – sie kommt schon wieder 4. tausche die Schlösser aus und reiche die Scheidung ein.“ Oder „“Liebling, komm ganz schnell her!“ rufe ich, wenn 1. das Kind in die Hose gemacht hat 2. ich gewaschen habe und mir die Kleidung eingelaufen ist 3. das, was ich gekocht habe, nicht schmeckt, wie es soll 4. etwas Besonderes im Fernsehen läuft“
Der große Nachteil dieses Spiels ist sicherlich, dass es sich zu keinem Dauerbrenner entwickeln kann: irgendwann hat man es mit seinem kompletten Umfeld dann eben durchgespielt und kennt alle Fragen und eben auch die Antworten, die jemand geben würde. „Das spielen wir nächste Woche beim Spieleabend gleich wieder!“ ist hier darum einfach nicht drin.

Wird es mit relativ Fremden und weniger Vertrauten gespielt, ist es mehr ein „Raten, nach was der Andere denn aussieht.“ Allerdings: zu Zweit wird das Spiel prinzipiell gleich gespielt, nur wird hier auf den „Turm der Wahrheit“ verzichtet (der ist prinzipiell eh nur ein nettes Gadget und nicht zwingend notwendig). Bevor man jetzt beim ersten Date ins verlegene Schweigen gerät, könnte man dies Spiel doch mal aus dem Regal zaubern und über die Fragekärtchen ins Gespräch kommen und sich so eben miteinander übereinander austauschen. Allerdings finden wohl die wenigsten ersten Dates direkt daheim oder in einer Ludothek statt und wer trägt denn so einen sperrigen Spielekarton präventiv mit sich herum? Aber nun gut, so wäre das Spiel sicher auch beim 2. oder 3. oder 4. oder oder oder Date noch spielenswert, wenn man mehr voneinander erfahren möchte und das Gespräch ansonsten leicht ins Stocken geraten ist.

Mit Freunden, Verwandten und eben dem näheren Umfeld gespielt, ist es teils total interessant, wie man sich selbst sieht und wie die Anderen einen hingegen einschätzen. Meiner Meinung nach sind diese unterschiedlichen Ansichten, die da manchmal zum Vorschein kommen, es erst, die „typisch Frau, typisch Mann“ den richtigen Spielspaß verleihen. Darum lässt sich auch die Spieldauer nur schwer einschätzen: wenn das Ganze absolut kommentarlos vonstatten geht, ist das Spiel im Nu zu Ende. Aber meiner Erfahrung nach beginnt nach fast jeder Fragerunde das große Diskutieren: der Fragesteller ist erschüttert, das sich einige für die Antwort entschieden haben, die seiner Meinung nach am Wenigsten zu ihm passt und die Antwortenden teilen ebenso entrüstet mit: „Du bist aber so!“
Mein Vater wollte zum Beispiel auf die Frage, was er mit defekter Technik macht, antworten, dass er selbstverständlich den Elektriker anruft, weil, von was er keine Ahnung habe, da lasse er auch die Finger von. Zu seinem großen Entsetzen haben aber ALLE von uns gemeint, dass er solange da selber dran rumbastelt, bis es wieder funktioniert oder er nen Stromschlag erleidet und sich dann eben doch an den Fachmann wendet. Diese Fragerunde führte dann erstmal zu einer 20 Minuten langen Diskussionsrunde, in der wir ihm noch dazu diverse Situationen aufführten, in denen er keinen Experten gerufen hatte, aber er besteht sogar bis heute darauf: wenn er keine Ahnung hat, wendet er sich an den Fachmann. Ja klar.

Seit der Silvesternacht ist „typisch Frau, typisch Mann“ bei uns zwar recht unbeachtet geblieben; allerdings hat es grade damals in dieser größeren und vertrauten Runde doch sehr viel Spaß gemacht und auch zu einigen interessanten Erkenntnissen geführt. Mein Mann hat dabei auch einige interessante Geschichten von unserer Familie kennengelernt und ich denke, insgesamt sind wir uns so auch ein bisschen nähergekommen.
Meine „Schwiegerfamilie“ ist ziemlich weit verstreut und eh, wenn es dann noch in der Familie mal neue Mitglieder gibt (durch neue Partnerschaften), dann ist es doch auch ganz gut geeignet, um sich so auf Familientreffen ein bisschen besser kennenzulernen, etwas von den Anderen und auch über sie zu erfahren, so dass „typisch Frau, typisch Mann“ hier schon etwas leicht Integratives hat.

Die Zielgruppe ist also eher schmal gefasst; meiner Meinung nach eignet sich „typisch Frau, typisch Mann“ vor Allem dann, wenn man mehr übereinander erfahren und sich eben besser kennenlernen möchte oder halt wissen will, wie man von Anderen eigentlich eingeschätzt bzw. gesehen wird. In jedem Fall lohnt sich die Anschaffung aber wohl nur für Diejenigen, die viele Menschen in ihrem Umfeld haben (oder ständig andere Personen daten).

Die UVP liegt wohl bei knapp 21€, bei Amazon ist das Spiel aktuell für ca. 16€ zu haben und mehr würde ich persönlich hier auch keinesfalls investieren: es ist mal ein lustiges Spiel zum besseren Kennenlernen, die Qualität ist 1a (die Pappe ist rundherum äußerst stabil) und es ist im Nu verständlich. Aber „typisch Frau, typisch Mann“ ist eben nichts auf Dauer bzw. nicht für regelmäßiges Bespielen geeignet.

34 Bewertungen, 5 Kommentare

  • sigrid9979

    10.12.2011, 09:14 Uhr von sigrid9979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Wünsche ein schönes Wochenende

  • Lale

    10.12.2011, 00:51 Uhr von Lale
    Bewertung: sehr hilfreich

    Allerbesten Gruß *~*

  • morla

    10.12.2011, 00:36 Uhr von morla
    Bewertung: besonders wertvoll

    wünsche dir einen schönen 3.advent lg. petra

  • katjafranke

    09.12.2011, 23:49 Uhr von katjafranke
    Bewertung: sehr hilfreich

    Viele liebe Grüße. KATJA

  • Miraculix1967

    09.12.2011, 21:53 Uhr von Miraculix1967
    Bewertung: besonders wertvoll

    Auch auf dieser Plattform die Höchstnote von mir: BW! Schönes Wochenende und LG aus dem gallischen Dorf Miraculix1967