Feuchtgebiete (Taschenbuch) / Charlotte Roche Testbericht

ab 15,54
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Summe aller Bewertungen
  • Niveau:  durchschnittlich
  • Unterhaltungswert:  durchschnittlich
  • Spannung:  hoch
  • Humor:  humorvoll
  • Stil:  ausschmückend

Erfahrungsbericht von QueenOfDeath

~ Von den Abgründen der menschlichen Hygiene ~

Pro:

hat man dank der einfachen Schreibweise rasch durchgelesen

Kontra:

geschmacklose Wortwahl, reichlich sinnlos in der Handlung

Empfehlung:

Nein

"Feuchtgebiete" von Charlotte Roche, Dumont Buchverlag, Preis ab ca. 14,00 €


Eines gleich vorweg: mich hat die blosse Neugier zum Kauf dieses Buches getrieben, so wie schätzungsweise 80 % der
Käufer des ersten Literaturversuch der ehemaligen Moderatorin.
Klar wusste ich schon vorher, dass Frau Roche kein Blatt vor den Mund nimmt und spricht, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Aber was auf meine Erwartungshaltung folgte,hätte ich nun rein gar nicht erwartet. Zumal sie auf der Rückseite des in hübschem Pink gehaltenen (ist das eine versteckte Strategie,dieses mädchenhaft freche Pink?Ich weiss es nicht) Taschenbuches meiner Meinung nach geradezu unschuldig in die Kamera blickt.
Aber jetzt erst mal ran an den Schmöker.....bumm,das sitzt. Schon die ersten Zeilen beschäftigen den überraschten Leser mit tiefen Einblicken in das Intimleben einer 18-jährigen....Hämorrhoiden, Analsex, "Arschrasur"....ich möchte ehrlich sagen, und ich habe schon andere umstrittene Literatur durch, nach den ersten 2 Seiten wollte ich das Buch weglegen oder noch besser, wegsperren damit bloss niemand sieht welche literarischen Ergüsse ich mir antue....ich fand es schlicht ordinär, auch wenn ich ansonsten nicht sonderlich verschämt bin (um genau zu sein, fluche ich unheimlich gerne aber das tut nichts zur Sache *g*).

Nun denn, wie es auch mit Unfällen und schrecklichen Fotos ist - man ist entsetzt und schaut trotzdem hin, die Sensationslust treibt den Menschen seit jeher dazu, alles was schockt auch zugleich in einer seltsamen Art zu faszinieren. Also arbeite ich mich weiter durch banale Schilderungen persönlicher Hygienevorstellungen, gespickt mit unzähligen "Muschis" und "Blumenkohl" - Helens (Hauptfigur) Bezeichnung für ihre Hämorrhoiden.
Für die Kurzbeschreibungsfetischisten möchte ich hier rasch die Handlung wiedergeben...unsere 18jährige Erzählerin Helen hat sich bei einer "Arschrasur" blöderweise eine Analfissur eingehandelt, die sie ins Krankenhaus "Maria Hilf" bringt, wo sie den Leser in den Tagen ihres Aufenthaltes mit ihrer persönlichen Auffassung von Hygiene, Sex und Selbstbefriedigung vertraut macht, gerne in etwas heftigerer Wortwahl. Man erfährt nicht nur von der Besonderheit ihrer Avocadokern - Sammlung oder familiären Problemen, nein - auch an der zart spriessenden Romanze mit einem etwa gleichaltrigen Krankenpfleger lässt sie uns teilhaben.
Und das war`s auch schon mit der Handlung des Buches "Feuchtgebiete". Und ja, ich habe es bereits komplett gelesen und, ich komme hier schon zu meiner Hauptkritik, der einfallslosen Story. Okay, es gibt sicher mehr Romane, die an einem Ort mit weniger als 3 Hauptfiguren spielen, aber mir als neugierigem und erwartungsfreudigen Leser fehlt es einfach an Sinn und Ziel des Romans.
Nun denn, man erfährt viel, streckenweise auch mehr als man wissen möchte, Intimes aus Helens Leben. Wie beispielsweise vom versuchten Suizid der Mutter, die zeitgleich Helen`s Bruder mit in den Tod nehmen wollte, was unsere "Heldin" jedoch in letzter Sekunde zu verhindern wusste. Es wird nicht gespart an ausgiebigen Schilderungen diverser Masturbationstechniken oder bevorzugter Sexpositionen. Wir lesen von Selfmade - Tampon - Bastelanleitungen und doch eher ungläubig von Helen`s Sterilisation im Alter von 18 Jahren, was ich persönlich als sehr weit hergeholt empfinde. Ich zweifle an, dass es kaum jemanden im näheren Umfeld einer gerade Volljährigen gibt, der sie in diesem Entschluss bestärkt - es sei denn, sie macht derartig grosse Schritte im Leben mit sich selbst aus. Welches ich widerum als unrealistisch auffasse.
Interessiert, wenn nicht sogar amüsiert liest man von ihrer Vorliebe für Bordellbesuche, da sie anscheinend nicht sexuell freigiebig, sondern auch bisexuell zu sein scheint. Mag sein, dass ich im Unrecht bin, aber wenn man sich am gleichgeschlechtlichen Oralverkehr erregt, ist bei mir zumindest eine Tendenz zum Bisexuellen vorhanden. Wie dem auch sei, stellenweise muss man schon schlucken und sich zum Weiterlesen zwingen, wenn man den extrem detailreichen Schilderungen von Geschlechtsverkehr aller Variationen nachgeht oder von genauen Beschreibungen ihrer Geschlechtsorgane liest, die für mein Empfinden schon unter der Grenze des Erträglichen liegen.
Auch normale Hygiene scheint für Helen ein Fremdwort zu sein, freigiebig wird berichtet wie sie von allen Körpersekreten kostet, makaberen Selbstversuchen oder der meines Erachtens nach wirklich abstossenden Verwendung von beispielsweise Sperma oder Periodenblut, Eiter und dergleichen.

~~~ Fazit ~~~
Ich möchte nicht die Freigiebigkeit, die Offenheit der Autorin anprangern, aber was man sich in diesem Buch durchliest, ist schon teilweise harte Kost. Ich möchte auch ehrlich gesagt, gar nicht wissen wie Helens Vagina denn so genau ausschaut oder dass sie Bezeichnungen wie "Fledermausflügel" oder "Gulasch", in diesem Fall der Name für das herausoperierte Anusgewebe, verwendet. Ich möchte nicht die Abgebrühte spielen, dieses Buch ist harter Tobak, auch für "schockerprobte" Leser. Was mich vielmehr wundert als die grosszügige Verwendung von Begriffen wie "Nutte" "Kacke" "Muschi" und "Arschloch" (ursprünglich wollte ich mit keiner Silbe auf die genauen Wortlaute eingehen, aber letzendlich liefert es doch eine Kostprobe der Wortwahl, die diesen Roman beherrscht) ist das vollständige Fehlen des "Roten Fadens", der sich für mein Erachten durch nahezu jeden Roman ziehen sollte. Es spielt im Krankenhaus, es geht fortlaufend um Geschlechtsorgane, um Analexperiemente oder die etwas zu weit ausgelegte Schilderung der sexuellen Erfahrung einer, ich möchte sagen, gerade mal 18 Jahre alten Frau - und ja, ich weiss wie "verdorben" unsere Jugend ist ;)
Mich stört am Geschriebenen vor allem, dass ich einfach nicht den Eindruck loswerde, hier ginge es weniger um die Schilderung einer offen ausgelebten Sexualität als vielmehr um die verschwenderische Verwendung harter Begriffe, die dann doch Richtung Niveaulosigkeit gehen, der Provokation - was vielleicht auch ein Anliegen von Charlotte Roche ist.

Neulich erst habe ich mit Interesse ein Interview zum Roman gelesen, in dem Frau Roche ganz freimütig gesteht, dass ihr Buch stellenweise ausschliesslich der sexuellen Erregung dient, auch wenn ich dies mal anzweifeln möchte. Sex sells ist immer noch ein beliebtes Werbemittel in unserer Gesellschaft und wenn sich erst mal ein Buch als "provokant und tabulos" herumspricht, muss man als Autor nur noch auf das Klingeln der Kassen warten.
An dieser Stelle meine persönliche Meinung: sexuelle Provokation als einzigem Sinn des Romans. Ich habe aktzeptiert, dass es scheinbar Werke gänzlich ohne Ziel oder wirklicher Handlung gibt, aber wenn an niveaulosen Ausdrücken und ganz und gar anti - feministischer Wortwahl nicht gespart wird, dann kann man nur vermuten dass es entweder um die Auslebung eigener Phantasien geht oder schlicht Tabus zum Geldmachen gebrochen werden.
Ich für meinen Teil stecke das Buch in die Schublade und hoffe dass man es nie finden mag und ich für geschmacklos gehalten werde. Punkt.




- habe ich auch auf anderen Meinungsplattformen veröffentlicht -

26 Bewertungen, 11 Kommentare

  • MasterSirTobi

    24.03.2008, 17:44 Uhr von MasterSirTobi
    Bewertung: sehr hilfreich

    Da hast du ganz klar ein SH verdient. LG MSt

  • melle1301

    20.03.2008, 15:28 Uhr von melle1301
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh, aber typisch für charlotte roche

  • Katja204

    20.03.2008, 12:58 Uhr von Katja204
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh, lg katja

  • morla

    20.03.2008, 05:03 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg. petra

  • sindimindi

    19.03.2008, 23:24 Uhr von sindimindi
    Bewertung: sehr hilfreich

    Eigentlich würde der Leser hier einen Autor und keine Autorin vermuten...*fg* - aber wahrscheinlich hat die gute Frau Roche da eher an den meist männlichen Käuferkreis gedacht....$$! LG, Roland

  • anonym

    19.03.2008, 22:53 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh, für diesen bericht, aber muß man erst in eine güllekuhle springen, um zu merken das es in dieser kuhle stinkt?

  • Voodoo-Benshee

    19.03.2008, 22:42 Uhr von Voodoo-Benshee
    Bewertung: sehr hilfreich

    au weiha die hat echt so n buch geschrieben? jetzt weiss ich auch wieso die so sachen in einem iview sagte wie -ich möchte das geschlechtsteil des mannes durch die hose riechen können"-. irgendwie hat die echt nicht alle latten am zaun

  • Gemeinwesen

    19.03.2008, 22:41 Uhr von Gemeinwesen
    Bewertung: sehr hilfreich

    Danke für diesen aufschlussreichen Beitrag. Das Bild, das ich mir vom Buch mache, wird immer facettenreicher. Beste Grüße vom Gemeinwesen.

  • campino

    19.03.2008, 22:22 Uhr von campino
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg andrea

  • schnecke1509

    19.03.2008, 22:16 Uhr von schnecke1509
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg silke

  • Baby1

    19.03.2008, 21:48 Uhr von Baby1
    Bewertung: sehr hilfreich

    .•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.