Full Metal Jacket (DVD) Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 11/2010
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Erfahrungsbericht von mima007
Bissiger Antikriegsfilm, schwache DVD
Pro:
spannend, engagiert, z.T. actionreich, schwarzer Humor, Musik
Kontra:
kein Bonusmaterial
Empfehlung:
Ja
Stanley Kubricks dritter Kriegsfilm nach \"Wege zum Ruhm\" und \"Dr. Seltsam\" ist eine schonungslose Abrechnung mit Amerikas militärischem Engagement in Südostasien. Die Perspektive ist aber nicht die der Generäle (\"Wir waren Helden\") oder eines Agenten (\"Apocalypse Now\"), sondern die des ganz gewöhnlichen Marineinfanteristen.
Übrigens: \"Full Metal Jacket\" bedeutet \"Stahlmantelgeschoss\" Kaliber 7,62 mm, das sind also die Patronen, die man an Jokers Helm auf dem Titelbild sehen kann. Die Munition dafür ist ein M14, die Waffe der Marines. Und wer will, kann über den symbolischen Sinngehalt der Wörter \"full - metal - jacket\" im Zusammenhang mit Marineinfanteristen nachdenken.
Filminfos
°°°°°°°°°°°°°°
O-Titel: Full Metal Jacket (GB 1987), DVD: 23.8.2003 (ASIN: B00005ML1M)
FSK: ab 16
Länge: 112 Min.
Regisseur: Stanley Kubrick
Drehbuch: Stanley Kubrick, Michael Herr, Gustav Hasford, basierend auf Hasfords Roman \"The Short-Timers\"
Darsteller:
Matthew Modine: Joker (Militärfotograf)
Adam Baldwin: Animal Mother
Vincent D\'Onofrio: Gomer
Lee Ermey: Drill-Sergeant
Dorian Harewood: Eightball
Arliss Howard: Cowboy
Kevyn Major Howard, Ed O\'Ross u.a.
Handlung
°°°°°°°°°°°°°°
Der Plot des Films ist äußerst einfach und übersichtlich gehalten. Es gibt drei Abschnitte: Ausbildung, Etappe, Front. Zeit der Handlung: während des Vietnamkrieges.
Kubrick zeigt nur, wie der Krieg für den Marine-Corps-Soldaten - vulgo \"Schütze Arsch\" - aussah. Es beginnt mit einer demütigenden Ausbildung, die aus einem Zivilisten ein willfähriges Werkzeug der Militärführung machen soll. Hauptausführender dieser Schleiferei ist der Drill Sergeant (Ermey), für den sie nichts weiter als \"Gewürm und Maden\" sind.
Es gibt nur einen Neuankömmling, der die Erwartungen nicht erfüllt: Gomer ist ein ganz klein wenig unterbelichtet, ein klein wenig zu langsam und leider zu verfressen, um dem Sergeant irgendetwas recht machen zu können. Joker (Modine) nimmt sich seiner an, doch auch er muss an einer nächtlichen Strafaktion gegen Gomer teilnehmen: Der Schlafende wird mit in Handtücher gewickelten Seifenstücken verprügelt. Kurz vor dem Abrücken an die Front dreht Gomer vollends durch: Er erschießt erst den Sergeant und dann sich.
Nach ein paar Wochen in der Etappe, wo sich Joker als Fotograf und Schreiberling bewährt, kriegt er den Auftrag, über die Tet-Offensive des Vietcong zu berichten. Die provinzhauptstadt Hué steht unter schwerem Beschuss. Wenn sie fällt, ist der dünne Landstreifen Vietnam zweigeteilt und die US-Truppen im Norden abgeschnitten.
Mit einer Kompanie, darunter seinen alten Kumpels aus dem Bootcamp, zieht Joker in die Schlacht. Schon bald sehen sie sich einem Heckenschützen ausgeliefert, der die Kompanie Mann um mann dezimiert. Als Joker die Chance hat, den Heckenschützen zu erschießen, kriegt er den Schock seines Lebens.
Die DVD
°°°°°°°°°°°°°°
Technische Infos
Bildformate: 1,33:1 = 4:3 Vollbild
Tonformate: D, Spanisch und GB in DD 5.1
Sprachen: D, Spanisch, GB
Untertitel: D, Spanisch, GB, NL, SWE, NOR, Dänisch, FIN, Portug., Hebr., POL, GR, Tschechisch, Türkisch, Ungar., Isländisch, Kroatisch, Frz., Ital., Dt. & GB. für Hörgesch.
Extras:
- Original-Trailer
Mein Eindruck
°°°°°°°°°°°°°°
Gustav Hasfords Roman, auf dem dieser Film beruht, heißt \"The Short-Timers\". So nannten die Veteranen jene zum Militärdienst Eingezogenen, die in Vietnam nur eine, höchstens zwei \"Touren\" von wenigen Monaten ableisteten, um dann lebendig, verletzt oder im Blechsarg zurückzukehren.
Was Kubrick hier vorführt, ist keineswegs Kritik am Vietnamkrieg, seiner Führung oder seiner Verbrechen. Er übt Kritik am unmenschlichen, menschenverachtenden System der Militärs. Es macht aus normalen Bürgern zuerst formbare und verwendbare Kampfmaschinen. Der Sergeant bezeichnet seine Rekruten lediglich als \"Maden\", also Ungeziefer. Sie sind nichts wert ohne das Marine Corps, und das Marine Corps liefert alle Werte, die sie kennen und ehren.
Das Fiese am Marine Corps ist natürlich, dass zum einen jeder bekämpft werden muss, der diese Werte nur unzureichend erfüllt. Das passiert mit Gomer (Vincent D\'Onofrio), dem Dicken, zu langsamen. Der Gruppenzwang zwingt sogar Gomers Freund Joker (Modine) dazu, ihn zu verletzen, um nicht selbst Repressalien ausgesetzt zu werden.
In der Etappe ist nicht die Wahrheit gefragt, sondern Propaganda, mit der das den Krieg finanzierende Volk beruhigt wird. Der Film erzählt die Tage um die Tet-Offensive im jahr 1968. Erst als 1970 die schlimmsten Bilder aus dem Vietnamkrieg über die TV-Bildschirme flimmerten, kam es zu ernsthaften Aufständen und Demos, die brutal niedergeschlagen wurden und zu Todesfällen führten (Kent State Uni, Ohio u.a.).
Was die im Bootcamp ausgebildeten Rekruten - auf Jokers Helm steht \"Born to kill\" - am meisten schockiert, ist nicht die Tatsache, dass ihre Ausbildung rein gar nichts taugt. Es ist genau ihr Corps-Geist nach dem Motto \"Leave no man behind\", der ihnen zum Verhängnis wird. Der nordvietnamesische Heckenschütze, der sie wie Hasen abknallt, weiß um diesen soldatischen Code und baut so seine Falle auf.
Absolut fassungslos ist Joker jedoch über die Identität des Heckenschützen, der sein Platoon so dezimiert hat. Im Camp hat er stets gelernt und in Südvietnam praktiziert, dass Frauen nur für eines gut sind: bezahlten Sex. Sogar noch kurz vor der Front bietet ihm und seinen Kameraden ein südvietnamesischer Zuhälter eine junge Nutte an und lässt sie über den Preis für eine Nummer verhandeln. Richtig bizarr wird diese Szene aber erst, als die Nutte den Afroamerikaner ablehnt. Das ist nun wirklich das Letzre, denken seine Corps-Kameraden. Der Balken in ihrem Auge macht sie blind für den Umstand, dass sie selbst die Frau genauso verächtlich behandeln.
Und nun steht er einem Furcht erregenden Heckenschützen gegenüber, der das absolut falsche Geschlecht hat. \"Krieg machen\" ist für Kerls wie Marines, und Frauen sind für \"Fickificki\", sonst nix. Kein Wunder, dass Joker wie gelähmt dasteht: Niemand hat ihn auf eine solche Situation vorbereitet. Das System, das ihn produziert hat, ist viel zu unflexibel und veraltet, um diesen Fall überhaupt in Betracht zu ziehen: Guerillakrieg, geführt von Frauen.
Die Action ist brutal, das ist für einen modernen Kriegsfilm inzwischen obligatorisch - siehe \"Black Hawk Down\". Aber auch die Story ist unerbittlich, und die Dialoge sind mit Galgenhumor gespickt. Joker weiß vielleicht als einer der Wenigen, warum er in Vietnam ist. Und deshalb steht vielleicht auf seinem Helm \"Born to kill\".
Der Film hat einen Musik-Score von Abigail Score, der aber ünerhaupt nicht auffällt. Dafür stehen die Songs im Vordergrund. Am Anfang säuseln aus dem Off vertraute Country-Klänge \"Hello Vietnam\" bei der Haarrasur. In Kapitel 16 \"Vietnam\" erklingt Nancy Sinatras Klassiker \"These boots are made for walkin\'\", zwei Kapitel später \"Chapel of love\" - ironischerweise befindet sich die Basis unter Beschuss. Am Schluss singen die Überlebenden den \"Mickey Mouse Marsch\", als wären sie kleine Pfadfinder, die sich an die Werte ihrer Kindheit erinnern müssen, um sich ihrer Menschlichkeit und (Gruppen-) Identität zu versichern. Über den Abspann ist jedoch \"Paint it black\" von den Stones gelegt: schwärzerer Humor ist kaum vorstellbar. Es ist ein grimmiger Film, der mit intellektueller Präzision die Kriegsmaschine seziert. Kein Zuschauer sollte erwarten, davon mitgerissen zu werden. Selbst das Lachen bleibt einem im Halse stecken.
Schade ist nur, dass der Film so spät fertig wurde: Im Jahr 1987 waren die wichtigsten Vietnamfilme schon gelaufen, Filme wie \"Die durch die Hölle gehen\" (The Deer Hunter) mit Robert de Niro und Christopher Walken. Daher blieb Kubricks Film die große Wirkung eines Tabubruchs versagt.
**Die DVD
Dies ist eine \"restaurierte und digital überarbeitete\" Fassung des Films. Daher sind sowohl Sound als auch Bild weitgehend frei von Fehlen oder Mängeln. Der Ton entspricht zwar dem Standard Dolby Digital 5.1, aber ich bezweifle das stark. Dessen sechs Kanäle werden nicht optimal angesteuert, so dass es sich im Endeffekt lediglich um Stereoton handelt.
Bonusmaterial? Fehlanzeige, denn den Originaltrailer würde ich eher als Werbung ansehen. Nur in der Special-Box gibt es dazu ein Booklet.
Unterm Strich
°°°°°°°°°°°°°°
Während der Film ein gültiges und wirkungsvolles Antikriegs-Statement darstellt, bietet die DVD einfach zu wenig, um einen höheren Preis als etwa 10 Euro zu rechtfertigen. Ich bekam sie auf dem Flohmarkt für 8 Mäuse, woraufhin ich feststellen musste, dass die Disc Produktionsfehler aufwies.
Fazit: Eine Standard-DVD, die sich nur für Kubrick-Sammler lohnt. Cineasten greifen zur Special-Box. Der Film selbst läuft des öfteren im Free-TV.
Michael Matzer (c) 2004ff
Übrigens: \"Full Metal Jacket\" bedeutet \"Stahlmantelgeschoss\" Kaliber 7,62 mm, das sind also die Patronen, die man an Jokers Helm auf dem Titelbild sehen kann. Die Munition dafür ist ein M14, die Waffe der Marines. Und wer will, kann über den symbolischen Sinngehalt der Wörter \"full - metal - jacket\" im Zusammenhang mit Marineinfanteristen nachdenken.
Filminfos
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O-Titel: Full Metal Jacket (GB 1987), DVD: 23.8.2003 (ASIN: B00005ML1M)
FSK: ab 16
Länge: 112 Min.
Regisseur: Stanley Kubrick
Drehbuch: Stanley Kubrick, Michael Herr, Gustav Hasford, basierend auf Hasfords Roman \"The Short-Timers\"
Darsteller:
Matthew Modine: Joker (Militärfotograf)
Adam Baldwin: Animal Mother
Vincent D\'Onofrio: Gomer
Lee Ermey: Drill-Sergeant
Dorian Harewood: Eightball
Arliss Howard: Cowboy
Kevyn Major Howard, Ed O\'Ross u.a.
Handlung
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Der Plot des Films ist äußerst einfach und übersichtlich gehalten. Es gibt drei Abschnitte: Ausbildung, Etappe, Front. Zeit der Handlung: während des Vietnamkrieges.
Kubrick zeigt nur, wie der Krieg für den Marine-Corps-Soldaten - vulgo \"Schütze Arsch\" - aussah. Es beginnt mit einer demütigenden Ausbildung, die aus einem Zivilisten ein willfähriges Werkzeug der Militärführung machen soll. Hauptausführender dieser Schleiferei ist der Drill Sergeant (Ermey), für den sie nichts weiter als \"Gewürm und Maden\" sind.
Es gibt nur einen Neuankömmling, der die Erwartungen nicht erfüllt: Gomer ist ein ganz klein wenig unterbelichtet, ein klein wenig zu langsam und leider zu verfressen, um dem Sergeant irgendetwas recht machen zu können. Joker (Modine) nimmt sich seiner an, doch auch er muss an einer nächtlichen Strafaktion gegen Gomer teilnehmen: Der Schlafende wird mit in Handtücher gewickelten Seifenstücken verprügelt. Kurz vor dem Abrücken an die Front dreht Gomer vollends durch: Er erschießt erst den Sergeant und dann sich.
Nach ein paar Wochen in der Etappe, wo sich Joker als Fotograf und Schreiberling bewährt, kriegt er den Auftrag, über die Tet-Offensive des Vietcong zu berichten. Die provinzhauptstadt Hué steht unter schwerem Beschuss. Wenn sie fällt, ist der dünne Landstreifen Vietnam zweigeteilt und die US-Truppen im Norden abgeschnitten.
Mit einer Kompanie, darunter seinen alten Kumpels aus dem Bootcamp, zieht Joker in die Schlacht. Schon bald sehen sie sich einem Heckenschützen ausgeliefert, der die Kompanie Mann um mann dezimiert. Als Joker die Chance hat, den Heckenschützen zu erschießen, kriegt er den Schock seines Lebens.
Die DVD
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Technische Infos
Bildformate: 1,33:1 = 4:3 Vollbild
Tonformate: D, Spanisch und GB in DD 5.1
Sprachen: D, Spanisch, GB
Untertitel: D, Spanisch, GB, NL, SWE, NOR, Dänisch, FIN, Portug., Hebr., POL, GR, Tschechisch, Türkisch, Ungar., Isländisch, Kroatisch, Frz., Ital., Dt. & GB. für Hörgesch.
Extras:
- Original-Trailer
Mein Eindruck
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Gustav Hasfords Roman, auf dem dieser Film beruht, heißt \"The Short-Timers\". So nannten die Veteranen jene zum Militärdienst Eingezogenen, die in Vietnam nur eine, höchstens zwei \"Touren\" von wenigen Monaten ableisteten, um dann lebendig, verletzt oder im Blechsarg zurückzukehren.
Was Kubrick hier vorführt, ist keineswegs Kritik am Vietnamkrieg, seiner Führung oder seiner Verbrechen. Er übt Kritik am unmenschlichen, menschenverachtenden System der Militärs. Es macht aus normalen Bürgern zuerst formbare und verwendbare Kampfmaschinen. Der Sergeant bezeichnet seine Rekruten lediglich als \"Maden\", also Ungeziefer. Sie sind nichts wert ohne das Marine Corps, und das Marine Corps liefert alle Werte, die sie kennen und ehren.
Das Fiese am Marine Corps ist natürlich, dass zum einen jeder bekämpft werden muss, der diese Werte nur unzureichend erfüllt. Das passiert mit Gomer (Vincent D\'Onofrio), dem Dicken, zu langsamen. Der Gruppenzwang zwingt sogar Gomers Freund Joker (Modine) dazu, ihn zu verletzen, um nicht selbst Repressalien ausgesetzt zu werden.
In der Etappe ist nicht die Wahrheit gefragt, sondern Propaganda, mit der das den Krieg finanzierende Volk beruhigt wird. Der Film erzählt die Tage um die Tet-Offensive im jahr 1968. Erst als 1970 die schlimmsten Bilder aus dem Vietnamkrieg über die TV-Bildschirme flimmerten, kam es zu ernsthaften Aufständen und Demos, die brutal niedergeschlagen wurden und zu Todesfällen führten (Kent State Uni, Ohio u.a.).
Was die im Bootcamp ausgebildeten Rekruten - auf Jokers Helm steht \"Born to kill\" - am meisten schockiert, ist nicht die Tatsache, dass ihre Ausbildung rein gar nichts taugt. Es ist genau ihr Corps-Geist nach dem Motto \"Leave no man behind\", der ihnen zum Verhängnis wird. Der nordvietnamesische Heckenschütze, der sie wie Hasen abknallt, weiß um diesen soldatischen Code und baut so seine Falle auf.
Absolut fassungslos ist Joker jedoch über die Identität des Heckenschützen, der sein Platoon so dezimiert hat. Im Camp hat er stets gelernt und in Südvietnam praktiziert, dass Frauen nur für eines gut sind: bezahlten Sex. Sogar noch kurz vor der Front bietet ihm und seinen Kameraden ein südvietnamesischer Zuhälter eine junge Nutte an und lässt sie über den Preis für eine Nummer verhandeln. Richtig bizarr wird diese Szene aber erst, als die Nutte den Afroamerikaner ablehnt. Das ist nun wirklich das Letzre, denken seine Corps-Kameraden. Der Balken in ihrem Auge macht sie blind für den Umstand, dass sie selbst die Frau genauso verächtlich behandeln.
Und nun steht er einem Furcht erregenden Heckenschützen gegenüber, der das absolut falsche Geschlecht hat. \"Krieg machen\" ist für Kerls wie Marines, und Frauen sind für \"Fickificki\", sonst nix. Kein Wunder, dass Joker wie gelähmt dasteht: Niemand hat ihn auf eine solche Situation vorbereitet. Das System, das ihn produziert hat, ist viel zu unflexibel und veraltet, um diesen Fall überhaupt in Betracht zu ziehen: Guerillakrieg, geführt von Frauen.
Die Action ist brutal, das ist für einen modernen Kriegsfilm inzwischen obligatorisch - siehe \"Black Hawk Down\". Aber auch die Story ist unerbittlich, und die Dialoge sind mit Galgenhumor gespickt. Joker weiß vielleicht als einer der Wenigen, warum er in Vietnam ist. Und deshalb steht vielleicht auf seinem Helm \"Born to kill\".
Der Film hat einen Musik-Score von Abigail Score, der aber ünerhaupt nicht auffällt. Dafür stehen die Songs im Vordergrund. Am Anfang säuseln aus dem Off vertraute Country-Klänge \"Hello Vietnam\" bei der Haarrasur. In Kapitel 16 \"Vietnam\" erklingt Nancy Sinatras Klassiker \"These boots are made for walkin\'\", zwei Kapitel später \"Chapel of love\" - ironischerweise befindet sich die Basis unter Beschuss. Am Schluss singen die Überlebenden den \"Mickey Mouse Marsch\", als wären sie kleine Pfadfinder, die sich an die Werte ihrer Kindheit erinnern müssen, um sich ihrer Menschlichkeit und (Gruppen-) Identität zu versichern. Über den Abspann ist jedoch \"Paint it black\" von den Stones gelegt: schwärzerer Humor ist kaum vorstellbar. Es ist ein grimmiger Film, der mit intellektueller Präzision die Kriegsmaschine seziert. Kein Zuschauer sollte erwarten, davon mitgerissen zu werden. Selbst das Lachen bleibt einem im Halse stecken.
Schade ist nur, dass der Film so spät fertig wurde: Im Jahr 1987 waren die wichtigsten Vietnamfilme schon gelaufen, Filme wie \"Die durch die Hölle gehen\" (The Deer Hunter) mit Robert de Niro und Christopher Walken. Daher blieb Kubricks Film die große Wirkung eines Tabubruchs versagt.
**Die DVD
Dies ist eine \"restaurierte und digital überarbeitete\" Fassung des Films. Daher sind sowohl Sound als auch Bild weitgehend frei von Fehlen oder Mängeln. Der Ton entspricht zwar dem Standard Dolby Digital 5.1, aber ich bezweifle das stark. Dessen sechs Kanäle werden nicht optimal angesteuert, so dass es sich im Endeffekt lediglich um Stereoton handelt.
Bonusmaterial? Fehlanzeige, denn den Originaltrailer würde ich eher als Werbung ansehen. Nur in der Special-Box gibt es dazu ein Booklet.
Unterm Strich
°°°°°°°°°°°°°°
Während der Film ein gültiges und wirkungsvolles Antikriegs-Statement darstellt, bietet die DVD einfach zu wenig, um einen höheren Preis als etwa 10 Euro zu rechtfertigen. Ich bekam sie auf dem Flohmarkt für 8 Mäuse, woraufhin ich feststellen musste, dass die Disc Produktionsfehler aufwies.
Fazit: Eine Standard-DVD, die sich nur für Kubrick-Sammler lohnt. Cineasten greifen zur Special-Box. Der Film selbst läuft des öfteren im Free-TV.
Michael Matzer (c) 2004ff
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