Full Metal Jacket (DVD) Testbericht

ab 4,00
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 11/2010

5 Sterne
(7)
4 Sterne
(6)
3 Sterne
(0)
2 Sterne
(1)
1 Stern
(0)
0 Sterne
(0)

Erfahrungsbericht von atrachte

Goodbye my darling, hello Vietnam

Pro:

aufrüttelnd, authentisch, schonungslos,

Kontra:

nichts,

Empfehlung:

Ja

Stanley Kubrick gehörte bekanntermaßen nie zu jenen Filmemachern, die durch ein allzu regelmäßiges Schaffen auffielen. Dies fällt insbesondere dann auf, wenn man sich das immerhin über zwanzig Jahre umfassende „Ende“ seiner Arbeit ansieht. So drehte er ab 1975 bis zu seinem Tod 1999 gerade einmal vier Filme - „Barry Lyndon“ 1975, „Shining“ 1980, „Eyes Wide Shut“ 1999. Und eben auch - wie könnte man ihn nur vergessen? - „Full Metal Jacket“ (1987), jener Anti-Kriegsfilm, der wie kaum ein anderer die Popkultur geprägt hat. Oder gibt es tatsächlich jemanden in unserer westlichen Himmelsphäre, der noch nie die brutalen Parolen eines Gunnery Sergeant Hartman, in welcher Form auch immer, gehört hat?

In einem achtwöchigen Crash Kurs werden auf Parris Island, einem Ausbildungslager des US amerikanischen Marine Corps, junge Rekruten für ihren Einsatz auf Vietnam vorbereitet. Einer der Ausbilder in diesem Lager für „falsche Helden und mutige Irre“, Gunnery Sergeant Hartman (R. Lee Ermey), hat hier sein ganz eigenes Reigme, bestehend aus purer Härte, eiserner Disziplin, Verachtung des Individuums und noch mehr Härte, aufgebaut. Dies muss vor allem der sich sowohl körperlich, als auch seelisch in einem schlechten Zustand befindende Lawrence (Vincent D’Onofrio) spüren, der von Hartman, wie alle anderen Rekruten auch, einen verachtenden Spitznamen bekommt. Nunmehr als Private Paula verschrieben, jagt Hartman den labilen Rekruten an wie keinen anderen. Als Hartman immer noch nicht zufrieden ist, entschließt er das wenn immer Private Paula etwas falsch macht, dessen Kameraden dafür büßen müssen. Diese, Anfangs ihren Mitleidenden noch unterstützend, rächen sich schon sehr bald dafür. Dabei merkt niemand, wie Lawrence immer mehr in seine eigene Welt abtaucht und im Wahn versinkt. Eines Abends, als das Ende der Ausbildung kurz bevor steht, findet Private Joker (Matthew Modine) Lwarence vollkommen psychotisch und mit einem geladenen Gewehr auf der Toilette vor. Als Hartman dazu kommt, und Lawrence wie immer fertig macht, erschießt dieser erst seinen Ausbilder und dann sich selbst.

Gezeichnet von den Erlebnissen während seiner Ausbildung, arbeitet Private Joker mittlerweile als Kriegsberichterstatter für das Militär in Vietnam. Er wart sich den Glauben, nicht wie die anderen, einer Gehirnwäsche verfallen zu sein, sondern noch immer eigenständig in seinem handeln zu sein. Als die nordvietnamesische Armee schließlich die Tet-Offensive einläutet, muss aber auch der zynische Joker erstmals aktiv an den Kämpfen teilnehmen und erfährt die Schrecken des Krieges erstmals am eigenen Leib...

„If you ladies leave my island, if you survive recruit training, you will be a weapon. You will be a minister of death praying for war. But until that day you are pukes. You are the lowest form of life on Earth. You are not even human, fucking beings. You are nothing but unorganized grabastic pieces of amphibian shit. Because I am hard you will not like me. But the more you hate me the more you will learn. I am hard but I am fair. There is no racial bigotry here. I do not look down on niggers, kikes, wops or greasers. Here you are all equally worthless. And my orders are to weed out all non-hackers who do not pack the gear to serve in my beloved Corps. Do you maggots understand that?“
- Gunnery Sergeant Hartman -

„Full Metal Jacket“ ist ein weiteres, exzellentes Beispiel für die Kunst Kubrick´s, sein Publikum in die Lage der Filmprotagonisten versetzen zu können, ihn mit diesen mitfühlen und mitleiden zu lassen. Deutlich wird die vor allem in dem ersten Akt des Filmes, welche uns in ein Ausbildungslager und der dort herrschenden Ordnung aussetzt. Wie auch Private Paula im Film, kann man sich zunächst noch über die unfreiwillig komisch wirkenden Parolen und Beschimpfungen von Gunnery Sergeant Hartman amüsieren, scheinen diese doch bis in die kleinste Pore überzeichnet und überladen. Doch wie eben auf Private Paula, vergeht dem Zuschauer sehr schnell das lachen, denn Kubrick hört nicht einfach nach fünf Minuten auf, sondern bombardiert sein Publikum regelrecht kompromisslos und systematisch mit den immer wieder kehrenden Parolen, das man nichts weiter als „umgeformter Scheiß“ in einer „Welt voller Scheiße“ wäre, und setzt ihn somit einer hilflosen Lage aus.

Kubrick zeigt überdeutlich das ein Individuum in einer Nation, die Krieg führt, nichts wert ist, da sie die Gefahr birgt, nicht das zu machen was man will. Denn Individuen denken eigenständig und stellen Fragen. Doch in Kriegszeiten braucht man niemanden der denkt und fragt, sondern jemanden der den Auslöser drückt. Bereits die erste Filmszene, in der allen Neuankömmlingen die Haare abgeschoren werden, zeigt diesen Umstand überdeutlich. Jeder soll, zumindest halbwegs, gleich aussehen und gleich handeln, wie man es ihm zuvor eingetrichtert hat. Das Militär degradiert das menschliche Wesen auf eine Art mechanisches Konstrukt, an welchem man nach belieben rumschraubt um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Denn anders, sprich ohne Gehirnwäsche, kann Krieg nun mal nicht funktionieren, egal ob eine augenscheinlich edle und unabwendbare Tat dahinter steht oder nicht. Eine Wahrheit, die uns der Regisseur unheimlich Frontal auftischt, ohne aber jemals das Geschehen selbst kritisch zu kommentieren. Denn anders, als das im Film porträtierte Militär, will Kubrick keine Meinung vorgeben.

„Today, you people are no longer maggots. Today, you are Marines. You're part of a brotherhood. From now on until the day you die, wherever you are, every Marine is your brother. Most of you will go to Vietnam. Some of you will not come back. But always remember this: Marines die. That's what we're here for. But the Marine Corp lives forever. And that means YOU live forever.“
- Gunnery Sergeant Hartman -

Dies ändert sich auch dann nicht, wenn der Film nach einer dreiviertel Stunde den Handlungsort wechselt und sich in Vietnam wiederfindet. Die geformten Soldaten sind nun da, wo sie sein sollen. Bis zuletzt glaubt Private Joker, sich sein eigenständiges Denken erhalten zu haben, und nicht Teil einer kontrollierten Gruppierung zu sein. So trägt er ein Peace Zeichen an seiner Jacke, versucht der Propaganda Maschinerie im Militär Blatt Stars and Stripes, für welches er von den Kampfhandlungen berichtet, entgegen zu treten in dem er unangenehme Fragen stellt und versucht, alles kritisch zu betrachten. In der letzten Szene geht er jedoch, ohne zu viel vom Ausgang verraten zu wollen, wie seine Kameraden neben ihm im im perfekt durch choreografiert wirkenden Gleichschritt und singt vollkommen synchron mit ihnen. So endet der Film mit dem Ergebnis, aus der Eingangs begonnen Formung – mit erzogenen Tötungsmaschinen.

Nicht zuletzt wegen seiner vollkommen von jeglicher Subjektivität gelösten Machart, wirkt „Full Metal Jacket“ dabei weniger wie ein Spielfilm, als vielmehr wie eine Dokumentation. Doch trotz der manchmal etwas losgelösten Nähe zu seinen Figuren, schafft es Kubrick gleichzeitig eine ungemeine Bindung zwischen diesen und dem Zuschauer aufzubauen. Merklich wird dies vor allem dann, wenn im Film ein Soldat angeschossen wird und man vor dem Bildschirm geradezu Qualen aussteht. Denn Kubrick nutzt Gewalt nicht einfach als billigen Schauwert, wie es Filme vom Schlage eines „SAW“ tun. Hier tut jeder Anblick eines am Boden liegenden und mit dem Tod kämpfenden Soldaten unglaublich weh und ergreift emotional.

Schauspielerisch nicht ganz so prominent besetzt wie andere Werke von Kubrick, macht der Cast seine Sache insgesamt doch sehr gut. Es ist vor allem R. Lee Ermey („Sieben“, „Michael Bay’s Texas Chainsaw Massacre“) der wie kaum ein anderer Darsteller, einen bleibenden Eidnruck hinterlässt. Ursprünglich nur als militärischer Berater eingesetzt, Ermey war tatsächlich einmal Ausbilder, war Kubrick offenbar so beeindruckt von dessen Präsenz, das er ihn kurzerhand als Gunnery Sergeant Hartman besetzt hat. Eine weise Entscheidung, denn Ermey geht in seiner Rolle des cholerischen und menschenfreundlichen Ausbilders vollkommen auf und spielt so unglaublich überzeugend, das es einem geradezu Gänsehaut einjagt, sobald er auch nur auf dem Bildschirm erscheint. Der eigentliche Hauptdarsteller Matthew Modine („Notting Hill“, „Transporter – The Mission“) ist da das genaue Gegenteil, spielt er doch den überlegten, immer wieder zynischen Private Joker. Modine tut es sich zwar immer mal wieder schwer, wirklich als Zugpferd des Filmes zu fungieren, macht unterm Strich aber nicht allzu viel falsch. Erwähenswet, wenn auch mit wenig Text, ist darüber hinaus vor allem Vincent D’Onofrio („Trennung mit Hidnernissen“, „The Cell“) als Private Paula. D’Onofrio gibt eine erstaunlich sehr nahe gehende Vorstellung und führt exzellent vor Augen, wie ein Mensch systematisch kaputt gemacht werden kann.

Original Filmtitel:
Full Metal Jacket (1987)

Länge des Filmes:
Ca. 112 Minuten

Darsteller:
Matthew Modine...Pvt. Joker
Adam Baldwin...Animal Mother
Vincent D'Onofrio...Pvt. Pyle
R. Lee Ermey...Gny. Sgt. Hartman
Dorian Harewood...Eightball
Kevyn Major Howard...Rafterman
Arliss Howard...Pvt. Cowboy
Ed O'Ross...Lt. Touchdown
John Terry...Lt. Lockhart
Kieron Jecchinis...Crazy Earl
...

Regisseur:
Stanley Kubrick

FSK:
Ab 16 Jahren

\\\\ Fazit ////
Einmal mehr verstand es Kubrick exzellent die Maschinerie des Krieges schonungslos offen zu legen, ohne das Geschehen jedoch jemals aus seiner neutralen Haltung heraus zu nehmen. Nein, „Full Metal Jacket“ will nicht eine Meinung vorleben, sondern fordert sein Publikum auf sich mit der Thematik eigenständig auseinander zu setzen und sich selbst eine Meinung zu bilden. Darüber hinaus spielt der Perfektionist einmal mehr sämtliche Karten seines Könnens aus: er erzählt zwar anstrengend, aber trotzdem kurzweilig, treibt seine Darsteller zu Höchstleistungen an und schafft Szenen, die einem nicht mehr aus dem Gedächtnis entweichen. Muste see.

9/10 Punkte für „Full Metal Jacket“ und somit fünf Sterne als Wertung.

47 Bewertungen, 16 Kommentare

  • Steinbock78

    05.03.2010, 09:12 Uhr von Steinbock78
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ganz liebe Grüsse Steinbock78

  • topfmops

    05.02.2010, 16:06 Uhr von topfmops
    Bewertung: sehr hilfreich

    Einer der schwächeren von Kubrick, wenn er überhaupt jemals 'schwächere' gedreht hat. Dieser Film zerfällt ganz eindeutig in zwei Filme, auch wenn die Szenen mit der vietnamesischen Scharfschützin sehr eindrucksvoll sind.

  • meerifan1

    05.02.2010, 09:26 Uhr von meerifan1
    Bewertung: sehr hilfreich

    Einen lieben Gruß direkt aus der Rattenfängerstadt:-)

  • Iris1979

    05.02.2010, 07:52 Uhr von Iris1979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Super Bericht. LG Iris

  • bettie47

    05.02.2010, 01:25 Uhr von bettie47
    Bewertung: besonders wertvoll

    Super! Grüße von Bettie47

  • morla

    05.02.2010, 00:56 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg. ^^^^^^^^^^^ petra

  • hjid55

    05.02.2010, 00:09 Uhr von hjid55
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr hilfreich und liebe Grüße Sarah

  • timecode001

    04.02.2010, 21:27 Uhr von timecode001
    Bewertung: besonders wertvoll

    Klasse! Grüße v. timecode01

  • Steve2512

    04.02.2010, 21:07 Uhr von Steve2512
    Bewertung: sehr hilfreich

    Super Bericht, sehr hilfreich ! Freue mich über Gegenlesungen :-) LG Steve2512

  • rainbow90

    04.02.2010, 21:06 Uhr von rainbow90
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöner Bericht. Liebe Grüße

  • cleo1

    04.02.2010, 20:36 Uhr von cleo1
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sh Bericht.Freue mich immer über Gegenlesungen. LG cleo1

  • Lale

    04.02.2010, 20:24 Uhr von Lale
    Bewertung: besonders wertvoll

    Allerbesten Gruß

  • Polarlicht1960

    04.02.2010, 19:50 Uhr von Polarlicht1960
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüsse von Larissa und ich freue mich über jede Bewertung.

  • sigrid9979

    04.02.2010, 19:28 Uhr von sigrid9979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße von Sigi...

  • anonym

    04.02.2010, 19:11 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh und einen schönen Abend noch, Lg Erik

  • vwfan

    04.02.2010, 18:44 Uhr von vwfan
    Bewertung: besonders wertvoll

    Sehr ausführlich! LG Matthias