Die Welle (DVD) Testbericht
Auf yopi.de gelistet seit 11/2010
- Action:
- Anspruch:
- Romantik:
- Humor:
- Spannung:
Erfahrungsbericht von atrachte
The Third Wave
Pro:
intelligent gestrickt, verzichtet auf den erhobenen Zeigefinger, Jürgen Vogel,
Kontra:
zum Ende hin wird zuviel Dramaturgie verwendet, andere kleinere Schwächen,
Empfehlung:
Ja
\\\\ Story ////
"Och, nee. Nicht schon wieder Nationalsozialismus", stöhnt es in der Klasse von Gymnasiallehrer Rainer Wenger (Jürgen Vogel), als dieser seine Projektwoche zum Thema "Autokratie" startet. Schnell entbrennt unter Schülern und Lehrer eine Diskussion darüber, das ein ähnliches Regime wie das dritte Reich in Deutschland nie wieder Fuß fassen könne, da man mittlerweile zu sehr aufgeklärt sei. Aufgrund dieser kursierenden Meinung unter seinen Schülern, entschließt sich Wenger ein Experiment zu starten, um seinen Schützlingen zu zeigen das ähnliche Strukturen jederzeit wieder den Alltag bestimmen könnten. Nachdem dieses Vorhaben zu Beginn noch müdes Gelächter und Skepsis hervorruft, gelingt es Wenger schon sehr bald, seine Schüler mit Parolen wie "Macht durch Gemeinschaft" und militärischer Disziplin unter seine Kontrolle zu nehmen. Schnell entwickelt sich aus dem Versuch eine eigene Bewegung mit dem Namen "die Welle", welche immer mehr ausser Kontrolle gerät. Doch davon bekommt Wenger, der die Leitfigur der Bewegung ist, schon gar nichts mehr mit.
\\\\ Meine Kritik zu "Die Welle" ////
Es ist schon ein wenig länger her, als sich der deutsche Film den Stoff aus einem amerikanischen Sozialversuch vornahm und diesen auf Zelluloid bannte. Etwas länger her, ist in diesem Falle Anno 2001, als Oliver Hirschbiegel mit "Das Experiment" einen der vielschichtigsten, und intelligentesten Filme auf die Leinwand brachte, die Deutschland zu bieten hat. Auch für den aktuell angelaufenen Film "Die Welle", diesmal unter Regie von Dennis Gansel ("Napola"), vergriff man sich für den Plot an einem in Amerika stattgefundenen Sozialexperiment , welches Ende der 1960er Jahre von dem Highschool-Lehrer Ron Jones durchgeführt wurde. Dabei ist der Stoff von "Die Welle" hierzulande jedoch deutlich vorbelasteter als sieben Jahre zuvor die Geschichte von "Das Experiment", denn hierzulande gehört die erste Verfilmung und das Buch zu Jones´ Experiment zum Grundstoff für Gymnasialklassen des achten und neunten Jahrgangs. Beste Vorraussetzungen also, um möglichst viele Besucher ins Kino zu locken.
Und tatsächlich gelingt dies, wie uns die Besucherzahlen zeigen, dem Film auch sehr gut, was zum Teil vielleicht daran liegen mag, das "Die Welle", anders als erwartet, nur sehr selten das Thema "Nationalsozialismus" direkt aufgreift, sondern die Parallelen zwischen dem Experiment und dem dritten Reich geschickt unterschwellig auf arbeitet. Dies war keinesfalls zu erwarten, war das dritte Reich und seine Folgen doch der ausschlaggebende Grund warum Jones´s das Experiment 1967 überhaupt erst startete. So verhindert Dennis Gansel auf geschickte Art und Weise, das der Zuschauer sich zum xten mal durch einen mahnenden Streifen quälen muss, der mit seinem stets erhobenen Zeigefinger mehr abstumpft als seine gewollte Wirkung erreicht. Denn, wie der Film es zu Beginn auch in der Klasse von Rainer Wenger zeigt, ist vor allem die heutige Jugend aufgrund dessen von allen Seiten den Zeigefinger auferlegt zu bekommen, mittlerweile so abgestumpft dem Thema "Nationalsozialismus" gegenüber, das viele der Meinung sind "Nationalsozialismus, das ist Vergangenheit. So was kann nicht noch einmal passieren", was, wie ein gesunder Menschenverstand in der Lage sein sollte zu wissen, ein tödlicher Irrglauben ist.
Eine weitere Stärke des Filmes ist es, das er seine Rahmenhandlung in den typischen Alltag Deutschlands transferiert, was erneut vor allem bei dem jugendlichen Publikum die gewünschte Wirkung erzielen wird. So werden in "Die Welle" Themen wie Schulgewalt, Ausgrenzung durch Mitschüler und Probleme im Elternhaus geschickt in die eigentliche Handlung eingebettet, sodass es verständlicher für den Zuschauer ist, wie sich die große Anzahl der Schüler so schnell von der Welle Bewegung erfassen lässt und mit dieser schließlich selbst anders Denkende ausgrenzt, Gewalt anwendet und sich letztendlich selbst in ein faschistisches System verwandelt.
Doch auch wenn der Film durch seine authentische und nachvollziehbare Handlung überzeugen kann, so macht Dennis Gansel leider doch einige Fehler. Dies betrifft vor allem die Verwendung der Dramaturgie, welche vor allem zum Schluss dann doch zu sehr ausgereizt wird, und ein zu gekünstelt wirkendes, Ende hervorruft. Auch ist es nicht so ganz nachvollziehbar warum der Film nicht mehr auf die charakteristische Veränderung von Jürgen Vogel´s Charakter eingeht, denn auch dieser lässt sich von seiner Bewegung immer mehr mitreißen, und genießt es förmlich ihr "Führer" zu sein. Leider versäumte es Dennis Gansel jedoch, nicht tief genug auf den Initiator des Projektes ein.
Trotzdem ist es vor allem Jürgen Vogel in "Die Welle" als moderner Gymnasiallehrer mit unkonventionellen Lehrmethoden überzeugen darf, man muss gar sagen das er, trotz der Tatsache nicht den Fokus zugesprochen bekommen zu heben, den Film in den meisten seiner Szenen trägt. Denn ausser Vogel selbst, gibt es kaum einen anderen (Jung) Darsteller der wirklich hervor sticht, was daran liegen mag das viele Darsteller noch "frisch" sind. Frederick Lau etwa, der als Tim eine tragende Rolle hat, da er den Charakter spielt, der am gravierendsten von der Welle erfasst wird, wirkt in seinem Spiel zu aufgesetzt, Kritiker nennen es gerne "Overacting". Die anderen Darsteller bleiben hingegen etwas blass, obwohl vor allem das junge Publikum wohl sicher seine Identifikationsfigur finden wird, da so ziemlich alle Stereotypen im Film vertreten sind (Aussenseiter, Möchtegern-Gangsta, Sportler). Einzig Max Riemelt, der auch schon in Dennis Gansel´s "Napola" mitwirkte, darf noch mit einem guten Schauspiel in der zweiten Hälfte glänzen, zuvor wirkt er als Marco leider etwas blass.
\\\\ Daten zum Film ////
Original Filmtitel:
Die Welle (2008)
Länge des Filmes:
Ca. 110 Minuten
Schauspieler:
Jürgen Vogel (Rainer Wenger)
Frederick Lau (Tim)
Max Riemelt (Marco)
Jennifer Ulrich (Karo)
Christiane Paul (Anke Wenger)
Cristina do Rego (Lisa)
Jacob Matschenz (Dennis)
Regisseur:
Dennis Gansel
FSK:
Freigegeben ab 12 Jahren
Verleiher:
Constantin Film
\\\\ Fazit ////
"Die Welle" ist ein gutes Beispiel dafür, das auch der deutsche Film durchaus in der Lage ist ein brisantes Thema mit guter Unterhaltung zu paaren. Zum Glück verzichtet der Film dabei auf pseudo-intellektuelle Ausflüchte, schade nur das es sich Dennis Gansel nicht nehmen lassen konnte, und seinem Machtwerk zum Schluss zu viel unnötige Dramaturgie zugesetzt hat. Nichtsdestotrotz, ein gelungener Film, der vor allem für das (nicht ausschließlich) junge Publikum geeignet ist.
7,5/10 Punkte für "Die Welle" und so vier Sterne als Wertung
Homepage des Filmes :
www.welle.film.de
Homepage des Verleihers :
www.constantin-film.de
IMDB Link mit weiteren Informationen zum Film:
http://www.imdb.com/title/tt1063669
46 Bewertungen, 17 Kommentare
-
28.05.2008, 12:08 Uhr von MasterSirTobi
Bewertung: sehr hilfreichSchöner Bericht. LG von MasterSirTobi
-
24.05.2008, 14:10 Uhr von may786
Bewertung: sehr hilfreichGuter Bericht!! LG & ein sonniges WE
-
24.05.2008, 10:35 Uhr von Turbotisl1
Bewertung: sehr hilfreichGuter Bericht und liebe Grüsse !!! Freue mich über jede Gegenlesung.... : ) !!!!
-
23.05.2008, 21:59 Uhr von bigmama
Bewertung: sehr hilfreichLG Anett und ein schönes WE
-
23.05.2008, 19:18 Uhr von campino
Bewertung: sehr hilfreichViele Grüße, Andrea !
-
23.05.2008, 19:11 Uhr von bambie34
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich,lg Tanja
-
23.05.2008, 18:54 Uhr von syl_md
Bewertung: sehr hilfreichSehr hilfreicher Bericht, LG Sylvia, würde mich über eine Gegenlesung sehr freuen
-
23.05.2008, 16:03 Uhr von Qantas
Bewertung: sehr hilfreichSonnige Grüße aus Köln!
-
23.05.2008, 15:43 Uhr von hanen11
Bewertung: sehr hilfreichSehr guter Berich. LG
-
23.05.2008, 15:08 Uhr von frankensteins
Bewertung: besonders wertvollsh lg Werner
-
23.05.2008, 14:17 Uhr von miko1960
Bewertung: sehr hilfreichSchöner Bericht. VG, Michael
-
23.05.2008, 13:39 Uhr von schwimm_ente
Bewertung: sehr hilfreichSchöner Bericht, LG Schwimm_ente
-
23.05.2008, 13:35 Uhr von Bigfatalex
Bewertung: sehr hilfreichlG Marc ;-)
-
23.05.2008, 13:24 Uhr von Zzaldo
Bewertung: sehr hilfreichein klasse Bericht von dir. LG Stephan
-
23.05.2008, 13:19 Uhr von Jerry525
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüße an dich Jerry
-
23.05.2008, 13:15 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichprima Bericht! Hab den Film auch gesehen! Grüsse!
-
23.05.2008, 12:40 Uhr von Trolligun
Bewertung: sehr hilfreichIch fand den Film nicht so gut, sh und lg
Bewerten / Kommentar schreiben