An ihrer Seite (DVD) Testbericht

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ab 54,17
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Erfahrungsbericht von LilithIbi

"Ich werde gehen ~ aber ich werde nicht fort sein."

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Ohne den Soll eines a-typischen Liebesfilmes zu erfüllen, stellt das beinahe 2stündige Werk

===“An ihrer Seite“=== meines Erachtens nach eine herausragende Romanze dar, die über den zunehmenden Verfall eines einzelnen Menschens hinausgeht. Die Liebe, die Grant (Gordon Pinsent) seiner Ehefrau Fiona (Julie Christie) entgegenbringt, ist eine solche, die kaum jemand in der heutigen Zeit zu geben bereit sein mag.
Trotz des Umstandes, dass Fiona sich kurz nach ihrem Einzug in ein Pflegeheim für Alzheimer-Patienten nicht mehr an ihren Mann erinnern kann, brechen dessen Besuche nicht ab ~ selbst als ihm klar wird, seine Frau an deren vermeintlich neue Liebe Aubrey (Micheal Murphy) verloren zu haben, fährt er Tag für Tag zu ihr. Immer in der Hoffnung, dass Fiona ihn eines Tages wiedererkennen wird, schlägt Grant ungewöhnliche Wege ein, die an mehreren Stellen zu Tränen rühren.

_„Ich wollte immer an ihrer Seite bleiben ~ sie steckte so voller Leben“_

als Eingangs- wie auch zwischendurch-Satz bugsiert den Zuschauer direkt in die heimtückische Dramatik dieser Vergangenheits-Formulierung.
Nicht nur Fiona ist es, die Grant nicht so recht einzuordnen weiß, auch Grant fällt es schwer, seine Frau noch als die Person zu sehen, in der er sich einst verliebt hat.

Die bereits seit 50 Jahren bestehende Ehe mag sich anders anfühlen, wenn man seine Partnerin sieht, die sich durch die Alzheimer-Erkrankung völlig verändert. Was anfänglich mit kleinen Witzchen kompensiert werden soll, wird spätestens dann bitterer Ernst, als Fiona Kleidungsstücke trägt, die sie „früher“ abgelehnt hätte.

_Wie viel von der wahren Fiona ist somit noch vorhanden?_

Der Aspekt, dass binnen der ersten sechs Monate im Pflegeheim sämtlicher Besuch verboten ist, erschien mir persönlich als absoluter Fauxpas, nahezu eine Unmenschlichkeit. Solcherlei Prozedere ist mir durchaus im Zusammenhang psychosomatischer respektive psychiatrischer Kliniken bekannt; doch insbesondere im Bezug auf Alzheimer-Patienten liegt es auf der Hand, welche Nachwirkungen hier beinahe zwangsläufig zu erwarten sind.

Besonders hervorzuheben in diesem filmischen Zusammenhang die Leiterin des Pflegeheims, die stoisch an den Regeln festhält und ihr Mitgefühl hinter Professionalität verbirgt sowie die junge Pflegerin Kristy (Kirsten Thomson), die sich, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, über manch Denkwürdigkeiten auslässt.

_“An ihrer Seite“_ geht unglaublich nahe, regelrecht unter die Haut und offenbar die ein oder andere menschliche Facette, der man im ersten Moment mit Fassungslosigkeit oder gar Empörung begegnet; gleichzeitig jedoch darüber sinniert, ob man selbst eigentlich wahrhaftig anders agieren oder gar nur reagieren würde.

Einen besonderen Knackpunkt erhält die Story durch die Grants Kontaktaufnahme zu Aubrey's Ehefrau Marian (Olympia Dukakis); was jedoch nicht bedeuten soll, dass der Film sonstig langatmig oder gar -weilig wäre.
Ganz im Gegenteil: trotz oder gerade durch des Aspekts, dass hier von Anfang an die Krankheit beim Namen genannt und förmlich wie nebenbei die ein oder andere Information eingewoben wird, bleibt der Zuschauer von Szene eins direkt am Ball, startet mitten im Geschehen und weiß ad hoc, worauf er sich einzulassen hat.

Während man sich sonstig ansatzweise über manche Vergesslichkeiten womöglich noch amüsieren könnte, steht inmitten _„An ihrer Seite“_ die Ernsthaftigkeit der Lage im Vordergrund. Der Schmerz, der beide Ehepartner begleitet, wird durch die kleinen Späße nur arg oberflächlich kompensiert; ein Umstand, der beiden bewusst ist und sich somit in seiner bestehenden Angst auf den Zuschauer überträgt.

Mag sein, dass _„An ihrer Seite“_ vorrangig von Frauen geguckt und geschätzt werden wird ~ ob man hieran den Umstand, dass Männer eben gerne das ein oder andere von sich weisen, festmachen kann, sei in diesem Fall mal nicht zum Nebenthema gemacht.

Unabstreitbar jedoch, dass die befindliche Romantik hinterwärtiger Natur ist; sprich: großartigen Kitsch braucht niemand zu befürchten. _“An ihrer Seite“_ hält vieles zwischen den Zeilen parat; etliches wird eher angedeutet, durch Gestik und Mimik der Protagonisten dargeboten denn förmlich ausformuliert; wer dazu neigt, neben dem Filmgenuss zig anderen Dinge zu frönen, wird somit erst Recht einige Nuancen verpassen.

Statt den Zuschauer förmlich hinunterzuziehen besticht das eigentliche Melodram durch eine regelrechte Poesie, die naturgegeben für den ein oder anderen buchstäblichen harten Tobak darstellt, sich jedoch keinesfalls als „knatschig“ titulieren lassen dürfte. _„Hinter dem Horizont“_, _„Lawn dogs“_ , _„Haus aus Sand und Nebel“_, _„Zeiten des Aufruhrs“_, _„Penelope“_, _„American Beauty“_ oder gar _„Jakob der Lügner“_ ~ all jene Verfilmungen bestechen durch ihre thematische Düsternis, die zugleich voller Wärme agiert. Jene Werke schneiden tief ins Herz, erfüllen jedoch gleichermaßen die Seele.

~ Selbst die '''DVD-Extras''' sind hier nicht ohne ~ wer '''Interviews''' gucken mag, wird hier bedient, während der Kurzfilm '''“Menschen hautnah - Der Tag, der in der Handtasche verschwand“''' förmlich be- oder gar erdrückend fungiert. Ob jene Aufnahme „echt“ oder lediglich nachgestellt ist, spielt im Grunde keine Rolle ~ sie fühlt sich derartig authentisch an, dass es vielen schwer fallen wird, sich jenes überhaupt zu Ende anzusehen.
Darüber hinaus findet der Interessierte zusätzliche '''Informationen zur Deutschen Alzheimer Gesellschaft''' sowie typischerweise den '''Kinotrailer'''.

Das bedrohliche Gefühl, welches durch den Film selbst und nicht zuletzt der durch und durch überzeugenden Darsteller entsteht, konnte ich persönlich längere Zeit nicht von mir weisen; ein Umstand, den ich erst kürzlich in Bezug auf _„The Hours“_ erleben durfte.

Die FSK0 Freigabe stellt sich im weiteren Zusammenhang für mich als völlig unverständlich und hanebüchen dar; eben weil ich nicht der Ansicht bin, dass Jugendliche unter 14 Jahren mit der Thematik etwas anfangen können.

Der eigentliche Originaltitel _„Away from her“_ mag es im Grunde noch ein wenig besser treffen als die deutsche Benennung ~ doch so oder so; an der Regie bzw. Drehbucharbeit seitens Sarah Polley wurde hier kein Deut Meckermaterial geliefert.
Die trüb-romantische Stimmung, die sich bereits in den ersten Momenten auftut, verlässt den Zuschauer bis zuletzt nicht. Das mehr oder minder offene Ende fühlt sich bitter an; und doch weiß man, dass es im Grunde kein anderes geben kann.

Ruhig, verstörend, zauberhaft, romantisch und zugleich deromantisierend, hoffnungsgebend und doch beängstigend ~ „An ihrer Seite“ vereint all diese Gefühlsfragmente zu einem eindringlichen Meisterwerk, welches sich wie ein Strick um den alternden Hals legt und dennoch beweist, dass wahre Liebe möglich ist.

34 Bewertungen, 8 Kommentare

  • goat

    15.06.2011, 09:45 Uhr von goat
    Bewertung: besonders wertvoll

    Und hier kommt die versprochene Umbewertung.

  • yeppton

    05.06.2011, 08:56 Uhr von yeppton
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr schoen berichtet, Mfg Markus

  • feliciano2009

    05.06.2011, 01:31 Uhr von feliciano2009
    Bewertung: besonders wertvoll

    ein sehr trauriger Film....

  • Lale

    05.06.2011, 00:53 Uhr von Lale
    Bewertung: sehr hilfreich

    Allerbesten Gruß *~*

  • morla

    05.06.2011, 00:51 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    schönes wochenende wünsch ich dir. lg. petra

  • Lothlorien

    04.06.2011, 23:43 Uhr von Lothlorien
    Bewertung: sehr hilfreich

    Guter Bericht, ich lese gegen du auch?

  • DonDave4u

    04.06.2011, 23:01 Uhr von DonDave4u
    Bewertung: sehr hilfreich

    Freue mich über jede Gegenlesung. LG vom Dave

  • babygiftzwerg

    04.06.2011, 22:55 Uhr von babygiftzwerg
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG Ulrike