Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels (DVD) Testbericht

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ab 10,10
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Erfahrungsbericht von Gemeinwesen

Nachklapp für die Akte X-Generation

Pro:

Der Film ist leidlich nett.

Kontra:

An seine Vorgänger reicht er nicht heran, aber das muss er für meine Begriffe auch nicht.

Empfehlung:

Ja

Wäre es vor 20 Jahren denkbar gewesen, dass eine Endfünfzigerin und ein Mittsechziger Helden eines Abenteuerfilms sein können? Mit Twen Shia LaBoeuf präsentiert „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ zwar auch dem jugendlichen Publikum die dringend notwendige Identifikationsfigur, aber das Gros des Figureninventars ist deutlich älter: Der demographische Wandel macht eben auch vor dem Kino nicht Halt.


Fortsetzungen erfolgreicher Filme sind in diesen Tagen die wahrscheinlich sicherste Bank, auf die Hollywood überhaupt setzen kann. Comic-Helden wie Spiderman und Batman schwingen sich inzwischen mit ziemlicher Regelmäßigkeit über die Leinwand, Animationshelden wie „Shrek“ entwickeln sich zu Kino-Dauergästen, die James Bond-Reihe beschert ihren Fans in diesen Tagen bereits den 22. Beitrag. Sylvester Stallone musste in den letzten Jahren gleich zweimal ran, um den Figuren „Rocky“ und „Rambo“ noch einmal Leben einzuhauchen.

Regisseur George Lucas, einer der beiden Köpfe hinter der überaus erfolgreichen „Indiana Jones“-Reihe, hat den Trend schon früh erkannt und macht seit 1977 nichts anderes mehr, als seinen erfolgreichen filmischen Goldesel „Star Wars“ immer und immer wieder aufs Neue zu melken. Warum etwas Neues wagen, wird auch Kollege Steven Spielberg sich gedacht haben – und so bescheren und die beiden knapp 20 Jahre nach dem letzten Film der Indiana Jones-Trilogie einen Nachklapp, in dem der in Ehren ergraute Archäologieprofessor erneut die Peitsche knallen lassen darf.

Die Probleme, denen sich das Projekt „Kristallschädel“ stellen muss und die es nur leidlich gut lösen kann, sind die gleichen wie bei der „Star Wars“-Reihe: Alte wie neue (hier: junge) Fans gleichermaßen ins Kino zu locken und zu begeistern ist ein Drahtseilakt, der, zumindest in Teilen, von vornherein zum Scheitern verurteilt ist.

Seitdem Lucas und Spielberg ihren Helden im gleichnamigen Film auf den letzten Kreuzzug schickten, sind bald 20 Jahre ins Land gegangen. Zum Glück bemüht sich der Film gar nicht erst, diese Tatsache zu leugnen, sondern siedelt seine Ereignisse konsequenterweise in den Fifties an. Eine genaue Jahreszahl wird zwar nicht genannt, aber der Film ist gespickt mit Hinweisen, dass seine Geschichte noch vor 1956, dem Ende der so genannten McCarthy-Ära, spielt.

Der Auftakt der Handlung ist gewohnt furios – und weil wir inzwischen das Jahr 2008 schreiben, werden dem spezialeffektverwöhnten Publikum diesmal keine einstürzenden Tempel, Verfolgungsjagden durchs nächtliche Shanghai oder rasante Zugfahrten geboten, sondern gleich eine Atombombenexplosion. Die der Held nur überlebt, weil er sich in letzter Sekunde in einen bleiummantelten Kühlschrank retten kann – das ist, immerhin, so comichaft überzogen und unwahrscheinlich, wie man’s von den Filmen der Reihe gewohnt ist.

Auch im Rest seiner 117 Minuten spart der Film durchaus nicht an Schauwerten, die nach dem Motto „Klotzen statt Kleckern“ getrickst wurden – für meinen Geschmack geschieht hier durch die Bank sogar eher des Guten zuviel, denn mit seinem hohen Anteil computergenerierter Effekte hat mich der komplette Look des Films immer wieder an „Die Mumie“ und ihre diversen Fortsetzungen erinnert – zum Teil liegt das sicher daran, dass George Lucas’ Effektschmiede „Industrial Lights and Magic“ auch für die Effekte in den „Mumie“-Abenteuern verantwortlich war. Die Parallelen sind aber auch inhaltlicher Art: Waren es in den „Mumie“-Filmen böse, gefräßige Krabbelkäfer, vor denen es sisch in acht zu nehmen galt, sind es in im vierten Teil der „Indiana Jones“-Filme gigantische, verfressene Ameisen, die unseren Helden und ihren Gegenspielern (darunter Cate Blanchett als böse russische Agentin) das Leben schwer machen. Im Gegensatz zu den ersten drei Teilen haben die Artefakte, um deretwillen Gute und Böse einander quer durch die Weltgeschichte hetzen, übrigens keinerlei religiöse Bedeutung mehr, sondern sind außerirdische Ursprungs: Statt um Bundeslade, heilige Steine oder den Gral dreht sich hier alles, der Titel verrät es bereits, um Kristallschädel.

So vielversprechend der Aufhänger für mich zunächst klang, so enttäuscht war ich dann doch von der Umsetzung: Leider bleibt das Mysteriöse, das das Sujet gemeinhin umweht, doch sehr auf der Strecke – ich habe mich immer wieder bei der Frage danach ertappt, was das Autorenteam der Akte X-Folgen wohl aus dem Stoff gemacht hätte ...? Wie gesagt: „Allen recht getan – ist eine Kunst, die niemand kann.“

Zum Glück gibt es aber auch Positives zu vermerken: Auf der Haben-Seite kann der Film eine Reihe netter, kleiner Insider-Gags für sich verbuchen – der Spielberg-typische Witz blitzt zum Glück oft genug auf, um „Indiana Jones IV“ zum netten Pocorn-Kintopp für einen Samstagabend zu machen. Auch das Wiedersehen mit Harrison Ford und Karen Allen macht Spaß (und man hat den Eindruck: auch Ford und Allen) – beide haben sich prima gehalten und dürfen sich während des Films nett anfrotzeln. Bleibt die Frage, inwiefern die Enthüllung, in welchem Verhältnis der junge Draufgänger „Mutt“ Williams zu dem ollen Indy steht, von den Autoren wirklich als Überraschung geplant war: Wer wie das komplette englischsprachige Publikum weiß, dass der Ausdruck „Mutt“ soviel bedeutet wie „Köter“, wird sicherlich schon sehr früh ahnen, was offiziell erst gegen Ende des Films ans Licht kommen darf.

Ein Wiedersehen beschert der Film übrigens auch mit John Hurt, der mir in den letzten zehn Jahren nicht mehr auf der Leinwand aufgefallen ist – in „Indiana Jones IV“ darf er einen abständigen Wissenschaftler spielen, der irgendwann in Südamerika verschollen ist und der den ganzen Film über mit Tausend-Meter-Blick die immergleichen Sätze sagen darf – sicherlich keine Glanzrolle. Auch was Cate Blanchett in diesen Film verschlagen hat, ist mir einigermaßen schleierhaft – nichts gegen den Rest des Ensembles, aber Blanchett ist für meine begriffe, nun ja, irgendwie eine Nummer zu groß für die dritte „Indy“-Fortsetzung, die auf mich summa summarum nett, aber auch ein bisschen wie die B-Movies wirkt, die die Reihe ursprünglich parodierte.

Die Einzel-DVD bietet scharfes Bild und makellosen Ton (dass das Bild den ganzen Film über auffallend gelbstichig ist, war wohl eine künstlerische Entscheidung); das Bonusmaterial hingegen ist nicht weiter erwähnenswert: Diese Ausgabe ist eindeutig für ein Publikum, das nur den Film sehen möchte – die Doppel-DVD wartet dem Vernehmen mach mit einer wahren Fülle an Material auf und bietet unter anderem ein 80-minütiges making of, das meinetwegen gern den Weg auf diese Ausgabe hätte finden dürfen.

R e s ü m e e

Der vierte Teil der „Indiana Jones“-Reihe bietet rund 20 Jahre nach der Premiere des dritten Teils, ein summa summarum erfreuliches Wiedersehen mit den zwei Hauptfiguren des ersten Teils. Der Charme der ersten drei Teile bleibt leider etwas auf der Strecke, nettes Popcorn-Kino ist der Film allemal: wer seine Erwartungen entsprechend niedrig schraubt, wird nicht enttäuscht sein. Die Einzel-DVD ist technisch solide, bietet aber keine Ausstattungsmerkmale, die erwähnenswert wären.

42 Bewertungen, 11 Kommentare

  • Agrippa07

    17.01.2011, 18:24 Uhr von Agrippa07
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich fand den Film ebenfalls recht enttäuschend...kein würdiger Abschluss für die Indiana Jones Reihe, aber dein Review ist mit viel Witz geschrieben, dass finde ich gut!

  • Dr_Ed

    27.01.2009, 23:28 Uhr von Dr_Ed
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ach ja, der gute alte Indy. Auch hier scheint wieder das Motto zu gelten, was Sly Stallone als Rocky zum Besten gab: Es ist erst dann vorbei, wenn es wirklich vorbei ist!

  • Gemini_

    11.01.2009, 14:45 Uhr von Gemini_
    Bewertung: sehr hilfreich

    Hast du super geschrieben! LG

  • Iris1979

    29.12.2008, 13:02 Uhr von Iris1979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Super Bericht. LG Iris

  • MasterSirTobi

    27.11.2008, 18:40 Uhr von MasterSirTobi
    Bewertung: sehr hilfreich

    Wieder was gelertn;)

  • Lachesis

    02.11.2008, 13:45 Uhr von Lachesis
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich war auch nur mittelmäßig angetan von dem Film. Nett, solide, aber nicht umwerfend :-)

  • bea1502

    02.11.2008, 02:38 Uhr von bea1502
    Bewertung: sehr hilfreich

    ich habe den film noch nicht gesehen, leider, aber das steht ziemlich weit oben auf meiner liste... dein bericht bekräftigt meinen wunsch, den film zu schauen noch :0) lg bea

  • blackangel63

    26.10.2008, 22:30 Uhr von blackangel63
    Bewertung: sehr hilfreich

    LiEbE gRuEsSe....AnJa

  • BFRBademeister

    26.10.2008, 21:08 Uhr von BFRBademeister
    Bewertung: sehr hilfreich

    wie immer so oft schon sehr Hilfreich Lg und freue mich über gegnlesungen BFRBademeister schönen abend noch

  • anonym

    26.10.2008, 19:41 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Super Bericht! LG pumuckel64

  • bigmama

    26.10.2008, 19:40 Uhr von bigmama
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG Anett