Memento Testbericht



Auf yopi.de gelistet seit 06/2008
- Niveau:
- Unterhaltungswert:
- Spannung:
- Humor:
- Stil:
Erfahrungsbericht von DarkBeauty
Eiskalt hinter Kohleaugen...
Pro:
alles
Kontra:
nichts
Empfehlung:
Ja
>> Memento - P.J. Tracy <<
Bezugsquelle & Preis
Gekauft habe ich diesen Roman bei eBay für 6,05 Euro inklusive Porto. Da es das Buch noch nur in gebunden gibt, kostet es neu 16,90 Euro. Im Mai erscheint allerdings das Taschenbuch, welches dann mit üblichen 8,90 Euro zu Buche schlägt.
Kaufgrund
Wie der ein oder andere aufmerksame Kli... ähem ... Leser vielleicht festgestellt hat, habe ich meine bisherige Meinung den Romanen von P.J. Tracy gegenüber ziemlich radikal geändert. Bewirkt hat diese Änderung der dritte Roman der Monkeewrench - Reihe, "Mortifer". Der hatte mir so gut gefallen, dass ich mir den Vorgänger und nun schlussendlich auch den aktuellen Roman besorgt habe. Das, was mich bisher an den Romanen so fasziniert bzw. gefesselt hat war einfach der erfrischende Schreibstil, die unkonventionellen Charaktere sowie die absolut undurchschaubaren Fälle, die es zu lösen galt. Mit entsprechenden Erwartungen ging ich also vor wenigen Tagen an "Memento".
Eckdaten zum Buch
Titel: Memento
Originaltitel: Snow Blind
Autoren: P.J. Tracy
Übersetzerin: Tanja Handels
Erscheinungsjahr: 2007
Verlag: Wunderlich
Genre: Thriller
Seitenanzahl: 315 Seiten
Die Autoren
P. J. Tracy ist das Pseudonym eines Autorenteams, bestehend aus der Mutter P.J. Lambrecht und ihrer Tochter Traci Lambrecht. P. J. Lambrecht begann ihre schriftstellerische Karriere mit dem Schreiben von Kurzgeschichten, die in der lokalen Zeitung veröffentlicht wurden. Ihre Tochter Traci studierte zunächst Slawistik, bevor sie ebenfalls mit dem Schreiben anfing, um ihre vielen Reisen zu finanzieren. Die beiden begannen ihre gemeinsame Karriere 1991 als Drehbuchautorinnen. Mit dem Krimi "Spiel unter Freunden" gelang ihnen im April 2003 der Durchbruch in den USA. Bemerkenswert ist, dass schon vier Monate später das Erstlingswerk in den deutschen Handel gelangte.
Quelle: www.wikipedia.de
Die Story
Es herrscht bitterster Winter in Minneapolis. Der Schnee türmt sich und die Temperaturen liegen weit unter Null. Was liegt also näher, als einen kleinen Schneemann Wettbewerb für die Kinder zu veranstalten? Dieser ist grade in vollem Gange, als die Mittagssonne beginnt, zwei der weißen Männer zu schmelzen. Was darunter zum Vorschein kommt, könnte grausiger kaum sein. Denn irgendjemand hat zwei Polizisten ermordet und dann um sie herum einen Schneemann errichtet. Ein Trauma für die Kinder, ein gefundenes Fressen für die Presse und ein neuer Fall für Gino Rolseth und Leo Magozzi.
Die beiden ermordeten Polizisten sind aber bei weitem nicht das einzige Problem. In einem kleinen Ort in der Nähe wird ein Bewährungshelfer tot aufgefunden - ebenfalls als Schneemann drapiert. Alles deutet auf Kurt Weinbeck, einen einschlägig wegen Misshandlung der Frau vorbestraften Mann, hin. Irgendwie will er aber so gar nicht in die Sache mit den Schneemännern passen.
Die Ermittlungen führen Magozzi und Rolseth in eine Art Utopia, wie sie es selbst nennen - ein kleines Dorf, hermetisch abgeriegelt, in dem sich nur Frauen befinden, die von ihren Männer Schlimmstes zu erwarten hätten.
Zu Hilfe kommt den Detectives des MPD die unerfahrene und frisch ins Amt des Sheriffs gewählte Iris Rikker, die vorher Englischlehrerin war. Die Sache spitzt sich zu, als Weinbeck in ihr Haus eindringt und man nach genaueren Untersuchungen eine jahrzehnte alte Leiche in Iris' Scheune entdeckt...
Eigene Eindrücke
Inzwischen bin ich die doch irgendwie ziemlich abwegig erscheinenden Geschichten von P.J. Tracy ja gewohnt. Ebenso die Tatsache, dass eine Inhaltsangabe auf dem Klappentext meist langweiliger klingt, als die Geschichte dann in Wirklichkeit ist. So auch hier. An sich klingt das alles ja zunächst einmal nach einem Serienkiller, der es auf Polizisten und vermutlich allgemein Staatsdiener abgesehen haben mag. Dass weit mehr hinter der ganzen Sache steckt, wird, wie ebenfalls inzwischen gewohnt, nach und nach deutlich. So lässt sich die Geschichte also keinesfalls nach konventionellem Muster lösen. Es steckt grundsätzlich mehr hinter jedem Detail und jedem Fakt, der im Laufe der ganzen Sache zur Vorschein kommt. Genau das ist es im Endeffekt auch, das mich P.J. Tracy nun doch so sehr mögen lässt. Inzwischen habe ich zwar das übliche Muster des Mutter - Tochter - Gespanns erkannt, dennoch wird es aber niemals langweilig.
Es gibt immer eine Hauptgeschichte, die dann durch viele zunächst unwichtig erscheinende Nebenstränge ergänzt bzw. leicht erweitert wird. Bis fast ganz zum Schluss kann man sich garantiert keinerlei Reim auf die Zusammenhänge machen. Irgendwann gibt's dann die übliche Aufklärung und man beginnt all die kleinen Dinge zu verstehen, die man vorher beim Lesen nur so hingenommen oder denen man vielleicht noch nicht einmal Bedeutung beigemessen hat. Sicherlich sind P.J. Tracy nicht die Erfinder dieses Stils. Spannungsgeladen ist er dennoch immer. So natürlich auch hier im Falle von "Memento". Sehr gut gefallen hat mir in diesem Zusammenhang auch, dass es vereinzelt immer mal wieder kurze Kapitel gibt, in denen wir als Leser eine gewisse Person [hier z.B. Kurt Weinbeck und/ oder besagten Bewährungshelfer] beobachten bzw. begleiten. Diese Tatsache trägt unheimlich zur Spannung und natürlich auch zur Dichte der Story bei. Auch das ist ganz sicher nicht neu. Allerdings funktioniert es immer wieder.
Wie im Bericht zu "Der Köder" bereits beschrieben, ist es aber nicht nur der Stil des Aufbaus und der Schreibstil an sich, der mich veranlasst die Bücher in die Hand zu nehmen. Es sind auch immer wieder die charismatischen Figuren. Hier natürlich abermals Gino Rolseth und Leo Magozzi. Beide sind Detectives des MPD und zudem auch noch die besten Freunde. Allerdings könnten ihre Lebensumstände kaum unterschiedlicher sein. Magozzi ist geschieden und versucht seit geraumer Zeit mit der kühlen Grace McBride anzubandeln und Rolseth ist glücklich verheiratet und hat zwei Kinder. Vielleicht machen es aber auch grade diese Gegensätze. Denn die beiden sind tatsächlich zwei Freunde, wie sie im Buche stehen. Der eine macht sich über den anderen lustig und der andere kontert nur gekonnt und vor allem sehr amüsant für den Leser. Beide nehmen ihre Jobs als Polizisten sehr ernst, haben dennoch aber grundsätzlich immer einen Witz auf den Lippen und sei es nur über den Kleidungsstil ihres Vorgesetzten. Es ist einfach herrlich die beiden als Leser zu beobachten und ihnen quasi ,zuzuhören'. P.J. Tracy haben mit den beiden Detectives tatsächlich Figuren geschaffen, die Ecken und Kanten, aber auch eine Menge Tiefgang besitzen. Dies ist grade im Thrillergenre keine Selbstverständlichkeit. Viele der Thrillerautoren setzen bei ihren Protagonisten ja gerne auf Personen, die bereits ein schweres Trauma hinter sich haben. Nicht so hier bei besagten Polizisten. Allerdings sei gesagt, dass auch die Leute von Monkeewrench alle ihre Traumata durchlebt haben. Beides steht aber nur selten im Vordergrund, sodass die Romane diesen klischeebehafteten Touch fast vollständig verlieren. [kl. Anmerkung: Die Jungs & Mädels von Monkeewrench spielen hier so gut wie keine Rolle, daher gehe ich auf ihre Personen auch nicht weiter ein.]
Alles in allem handelt es sich bei "Memento" wieder einmal um einen nahezu perfekten Thriller, der mit allen Stärken, aber nur mit wenigen Schwächen ausgestattet ist, die diesem Genre ja fast immer anhaften. Diesmal geht es übrigens, genauso wie in "Der Köder", um eine kontroverse Moralfrage, die auch hier nicht beantwortet wird. Die Autorinnen gehen mit der Gestaltung ihres Endes bezüglich genannter Tatsache auch sehr gefühlvoll bzw. absolut wertungsfrei um. Insofern ist das Ende von "Memento" eines in meiner ,Thrillerlaufbahn', das mich stark beeindruckt und in einer ungeahnten Weise befriedigt zurück gelassen hat.
Ebenso wie in den anderen Romanen, die sich auch zweifellos mit wichtigen und oftmals kontroversen Themen beschäftigen, gibt es hier abermals die gewohnte Portion Sarkasmus und Sprachwitz. Allerdings ist beides in nicht zu hohem Maße vertreten, sodass der eigentliche Gegenstand der Geschichte nie an Glaubwürdigkeit verliert oder gar lächerlich wirkt. P.J. Tracy haben ein sehr ausgewogenes Maß gefunden, das die Romane noch attraktiver macht.
Wie bisher gewohnt [mit Ausnahme von "Spiel unter Freunden"] ist der Schreibstil wieder wunderbar flüssig, sodass man diesen Roman schnell und sogar fast an einem Stück lesen könnte, sofern die notwendige Zeit denn vorhanden ist.
Nachdem ich nun ja alle vier Romane der Autorinnen gelesen habe, kann ich mir gar nicht mehr so richtig erklären, warum ich den ersten nur durchschnittlich gut fand. Vielleicht muss man sich aber tatsächlich auch erst einlesen. Denn der Stil von P.J. Tracy ist schon ziemlich eigen - sei es die Sprache oder aber auch der auf den ersten Blick konfus wirkende Aufbau. Nichts desto trotz möchte ich die Romane und im Besonderen "Memento" an dieser Stelle aber wärmstens empfehlen. Meiner Ansicht nach stimmt hier wirklich alles und der Roman bietet alles das, was ich mir von einem wirklich guten Thriller, der nicht in der Masse untergeht, wünsche. Diesmal möchte ich dann auch wieder fünf Sterne vergeben. Denn bei "Memento" will mir beim besten Willen nichts einfallen, das ich ernsthaft bemängeln könnte. Sollten sich die zig Bücher, die noch ungelesen bei mir im Schrank stehen irgendwann mal in ihrer Zahl reduzieren, werde ich es sicher auch noch einmal mit "Spiel unter Freunden" versuchen.
36 Bewertungen, 14 Kommentare
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03.01.2009, 16:36 Uhr von ronald65
Bewertung: sehr hilfreichlg
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29.06.2008, 16:27 Uhr von MasterSirTobi
Bewertung: sehr hilfreichDer Bericht gefällt mir wirklich gut. SH LG MasterSirTobi
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19.06.2008, 16:33 Uhr von Guenterchen
Bewertung: sehr hilfreichviele liebe Grüße sendet Euch Euer Guenterchen
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18.06.2008, 02:50 Uhr von Wuschel11
Bewertung: sehr hilfreichschöner Bericht lg Wuschel
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18.06.2008, 01:22 Uhr von Oliver-
Bewertung: sehr hilfreichKlasse Bericht! LG Oliver-
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17.06.2008, 23:31 Uhr von UnserRenatchen
Bewertung: sehr hilfreichviele liebe Grüße vom Renatchen
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17.06.2008, 22:46 Uhr von bambie34
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich,lg Tanja
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17.06.2008, 22:40 Uhr von Zzaldo
Bewertung: sehr hilfreichklasse geschrieben. LG Stephan
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17.06.2008, 22:13 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichSehr hilfreich.. lieben gruß.. schneider80
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17.06.2008, 21:59 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichich wünsche dir einen schönen tag.
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17.06.2008, 20:36 Uhr von krullinchen
Bewertung: sehr hilfreich.......viele Grüße!
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17.06.2008, 20:19 Uhr von frankensteins
Bewertung: sehr hilfreichsuper beschrieben, leider kein bw. mehr lg werner
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17.06.2008, 20:05 Uhr von Mondlicht1957
Bewertung: sehr hilfreichSehr hilfreich und liebe Grüsse von Pet
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17.06.2008, 18:55 Uhr von chevyfan
Bewertung: sehr hilfreich-sh-
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