The Texas Chainsaw Massacre (1974) (DVD) Testbericht

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ab 11,81
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Erfahrungsbericht von ZordanBodiak

...hol die Kettensäge raus - das Original...

Pro:

Atmosphärisch dicht; mörderisch spannend; Klassiker im Horrorgenre...

Kontra:

Irgendwie ziemlich durchgeknallt... Definitiv nichts für jeden!!!!!!!!

Empfehlung:

Ja

Scheinbar gehen den Produzenten in Hollywood erneut die Ideen aus. Nicht nur, dass die Kinos im Sommer von Fortsetzungen überschwemmt worden sind, auch das simple Neuauflegen alter Filme kommt wieder in Mode. Bestes Beispiel dürfte der jahrelang Freund der deutschen Filmprüfungsstelle „The Texas chainsaw massacre“ sein. Schon von drei Fortsetzungen [die immerhin Renée Zellweger, Matthew McConaughey und Viggo Mortensen in den Besetzungslisten aufweisen können] geplagt, startet am 13. Oktober 2003 in den amerikanischen Kinos ein teurere Neuauflage des Originales.

Ob der Film letztlich dem „Blutgericht in Texas“ [so der deutsche Titel] das Wasser reichen kann, wird fraglich bleiben – soll aber hier auch keine größere Rolle spielen. Einzig und alleine das berüchtigte Original steht im Mittelpunkt – und natürlich die Frage, ob es wirklich ein derartig grausames Machwerk ist.


Ein hinterwäldlerisches Kaff – irgendwo in Texas: Über Nacht waren Vandalen auf dem örtlichen Friedhof unterwegs und haben zahllose Gräber geöffnet und Körperteile entwendet. Fünf befreundete Jugendliche – darunter Sally und ihr invalider Bruder Franklin – reisen letztlich zum Friedhof, um herauszufinden, ob auch die letzte Ruhestätte ihres Großvaters von den Grabschändern verwüstet worden ist.

Glücklicherweise blieb das Grab verschont, aber auf der Weiterreise müssen sie die unliebsame Bekanntschaft mit einem psychopathisch-veranlagten Anhalter machen, der zu allem Übel Franklin mit einem Messer angreift. Kurzerhand wird dieser hinausgeworfen – doch schon der nächste Halt erweist sich als erneuter Tiefpunkt: Die Tankstelle hat kein Benzin mehr, der Tankwagen wird erst am nächsten Morgen wieder eintreffen.

Um die Zeit zu vertreiben wieder der minimale Tankstand noch dazuverwendet um zum alten Haus des Großvaters zu fahren. Nach einem geselligen Beisammensein wollen Kirk und Pam – ein Liebespärchen in der Gruppe – für ein Stündchen schwimmen gehen, müssen jedoch enttäuscht feststellen, dass das Wasser gänzlich versickert ist. Doch ein anderer Lichtblick offenbart sich den Jugendlichen: Wenige Meter vom ausgetrockneten Teich befindet sich ein abgelegenes Haus mit einem Generator, der mit Benzin angetrieben wird.

Voller Hoffnung auf einen netten Zeitgenossen, der ihnen ein paar Liter Benzin verkauft, begeben sie sich in Richtung des Hauses – einen Weg, den sie lieber nicht beschritten hätten: Schon nach kurzer Zeit steht ein mit Schlachterschürze und einer aus menschlicher Haut gefertigten Maske gekleideter Psychopath vor ihnen...


Irgendwie scheint sich in Bezug auf Tobe Hoopers Debütwerk [danach u.a. „Poltergeist“] das alte Sprichwort „Genie und Wahnsinn liegen nahe beieinander“ zu bestätigen. Die Atmosphäre, die Hooper mit minimalsten Mitteln [der Streifen kostete im Jahre 1974 140.000 Dollar – spielte aber alleine in den USA über dreißig Millionen Dollar ein] erzeugt, ist nahezu einmalig im Horrorgenre. Sicher mag man dem äußerst dünnen Drehbuch mit einer gewissen Skepsis gegenüberstehen, aber nach wenigen Minuten wird die Brillanz des Filmes offenbart. Entgegen der üblichen Horror-Klischees agieren die Protagonisten im „Texas Chainsaw Massacre“ nicht derartig stumpfsinnig. Sicher auch hier kommt es mal vor, dass die Personen in einem Haus die Treppe hinauflaufen – aber hierbei handeln sie zumeist aus purster Unwissenheit. Sie rechnen nicht damit, dass „hinter der nächsten Ecke“ das absolut Böse auf sie wartet und ins Jenseits befördern wird.

So erweisen sich schon die ersten Minuten als kleine Tortur für den Betrachter. Die Dunkelheit des Bildschirmes wird immerzu nur für wenige Augenblicke durch einen Photoblitz erhellt – und enthüllt so flüchtige Blicke auf vereinzelte verwesende Leichenteile. Brillanterweise wird die Szene durch das Blitzgeräusch, das „Stöhnen“ eines Menschen und vereinzelte Instrumente „musikalisch“ untermalt. Psychischer Terror in Perfektion und auch der weitere Verlauf des Filmes mindert diesen Eindruck zu keinem Zeitpunkt. Dank einer herausragenden Kameraarbeit von Daniel Pearl – besonders beeindruckend die verwegenen Kamerawinkel bei dem Haus der Kannibalen – kann Hooper die Spannung in exorbitante Regionen treiben. Unterstützt wird die Bebilderung durch den ebenso perfekten Schnitt von Larry Carroll und Sallye Richardson, der besonders im psychisch belastenden Finale wirkungsvoll eingesetzt wird: Mit schnellen Schnitten werden die Blickwinkel verändert – man sieht das angsterfüllt Gesicht des Opfers, im nächsten Augenblick erscheint das „Angstobjekt“. Lustvoll wird das Schnitt-Bombardement bis zum Höhepunkt getrieben, der letztlich die Psyche des Zuschauers zu zermürben scheint.

Dennoch wird die wirkliche Spannung im Film nicht dauerhaft auf höchstem Niveau gehalten. Hooper und Kim Henkel versuchen in der ersten Hälfte ihren Charakteren eine gewisse Tiefe zu verleihen, die vor allem durch eine für einen Horrorfilm dialoglastige Inszenierung heraufbeschworen wird. Lediglich das verrückte Auftreten des Anhalters offenbart dem Betrachter in Ansätzen was für Grausamkeiten noch auf ihn Losgelassen werden. Um die Grauenhaftigkeit des Filmes jedoch schon zu Beginn des Filmes in einer gewissen Höhe zu halten, wird „Texas Chainsaw Massacre“ mit einer Schrifttafel eröffnet, die prophezeit, dass das Geschehen lediglich eine Nachstellung von Tatsachen ist. Letztlich ein äußerst wirkungsvoller „Gag“ der Filmemacher – lediglich die Figur des „Leatherface“ basiert auf dem im Jahre 1957 inhaftierten Massenmörder Ed Gein.


In Bezug auf den Gewaltfaktor, der für eine fast dauerhafte Indizierung des Filmes in Deutschland gesorgt hat, muss man zu seinem Erstaunen feststellen, dass die Darsteller zwar häufig blutüberströmt durch die Szenerie laufen, die eigentlichen Gräueltaten aber überwiegend in der Phantasie des Zuschauers geschehen. Lediglich drei kleinere Schnittverletzungen [eine davon mit Leatherfaces legendären Kettensäge] werden expliziter durch die gute Make-Up-Arbeit Dorothy J. Pearls dargestellt. Gerade das finale Abendessen im Kreise der Familie zeigt auf, dass Tobe Hooper in seinem Debütwerk auf eine Terrorisierung der menschlichen Psyche setzt. Derartig psychisch-gestört wird das Auftreten der Kannibalen-Familie dargestellt, dass man dieser Tortur nur schwerlich standhalten kann.

Ob „Texas Chainsaw Massacre“ letztlich derartig gewaltverherrlichend ist, wie er von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften dargestellt wird, ist eine schwierige Frage. In die Hände Jugendlicher gehört das „Blutgericht“ definitiv nicht, dafür ist die psychische Anspannung, der man dank der beängstigenden Atmosphäre ausgesetzt ist, definitiv zu hoch. Dennoch wird die Gewalt strenggenommen nicht glorifiziert. Durch eine stärkere Charakterisierung der Hauptfiguren werden dem Betrachter einige Identifikationspunkte geliefert, die dafür sorgen, dass man von der Gewalt und dem Auftreten der „Kannibalen-Familie“ abgeschreckt wird und dieser [wie in diversen anderen Horrorfilme] zu keinem Zeitpunkt entgegenfiebert.


Auf Seiten der Schauspieler bietet „Texas Chainsaw Massacre“ ein überraschend starkes Bild. Vor allem die beiden Geschwister Franklin [dargestellt von Paul A. Partain] und Sally [dargestellt von Marilyn Burns] wissen zu überzeugen. Partain gibt eine äußerst gelungene Vorstellung als leicht verunsicherter Rollstuhlfahrer, die leider unter der deutschen Synchronisation zu leiden scheint, ab. Gibt er sich zu Beginn noch als wahrer Mann und versucht so seine Behinderung zu überspielen, kann man immer mehr sein Leiden unter seiner Invalidität erkennen. Er fühlt sich ausgeschlossen und verleiht mit herrlichen Gefühlsausbrüchen seiner Figur ein glaubhaftes Gewand. Mit dem Voranschreiten des Tages wird auch die Leistung von Partain besser, so dass vor allem seine Ängstlichkeit in der Dunkelheit äußert glaubhaft erscheint.

Jedoch kann seine Leistung noch von Marilyn Burns in den Schatten gestellt werden. Vor allem im Finale kann sie ihre Auszeichnung als Scream-Queen für die Ewigkeit verfestigen. Mit hysterischen Schreien stolpert sie absolut überzeugend durch die letzten Szenen des Filmes. Will scheinbar nicht mehr aufhören in den höchsten Dezibeltönen ihre Angst herauszukreischen. Eine geniale Vorstellung – vor der selbst Jamie Lee Curtis [in „Halloween“] und Vera Miles [in „Psycho“] als oft genannte beste Scream-Queens kapitulieren müssen.

Die restlichen Teenager sind mit auswechselbaren Schauspieldebütanten besetzt worden. Auch sie hinterlassen einen durchaus zufriedenstellenden Eindruck, können sich drehbuchbedingt aber nicht in den Vordergrund spielen.

Auf der anderen Seite der Filmfiguren gibt es selbstverständlich noch die kannibalistische Sawyer-Familie [welch treffender Nachname]. Ihr bekanntestes Mitglied – der scheinbar geistig-zurückgebliebene Leatherface – wird von Gunnar Hansen mit minimalsten Aufwänden dargeboten, zumal sein Gesicht überwiegend von seiner Maske verdeckt wird. Aber diese minimalistischen Schauspielqualitäten reichen gänzlich aus, um dem Zuschauer das Blut in den Adern gefrieren zu lassen.

Auch die restlichen Familienmitglieder wissen überaus gut einen psychisch-gestörten Eindruck zu hinterlassen. Bemerkenswert hierbei, dass der Großvater von dem damals achtzehnjährigen John Dugan dargestellt wird. In einer Maskentortur [W. E. Barnes Arbeit ist herausragend] wurde sein Aussehen auf das eines „dahinsiechenden“ Seniors getrimmt.


*Fazit – Who will survive and what will be left of them?*

Dank einer undurchdringlichen Atmosphäre und einer simplen – aber „realitätsnahen“ und äußerst intensiven – Story sichert sich Tobe Hoopers Debütwerk einen Platz als unzweifelhafter Genre-Klassiker, der die Massen polarisieren wird. Zwar ist der Blutgehalt des Werkes nicht sonderlich hochangesiedelt und wirkliche Splattereffekte wird man auch fast vergebens suchen. Aber dennoch ist die Story derartig „krank“, so dass zartbesaitete Zeitgenossen einen großen Bogen um das „Texas Chainsaw Massacre“ machen sollten.

Wer aber bereit ist einen mörderisch-spannenden Abend, der den Betrachter teilweise an die Grenzen der psychischen Belastbarkeit treibt, zu verbringen, sollte sich auf die schwere Suche nach dem Horror-Meisterwerk begeben. Doch Achtung sei auch hier geboten: In Deutschland kursieren einige geschnittene Versionen des Filmes, die gemieden werden sollten...

Wertung: 8 zersägte Punkte auf meiner 10er-Skala
Internet: ----

24 Bewertungen, 2 Kommentare

  • sulpitz

    01.06.2005, 00:31 Uhr von sulpitz
    Bewertung: sehr hilfreich

    Hast dir echt viel Mühe gegeben !!! weiter so !

  • Tom_Araya

    24.01.2005, 09:48 Uhr von Tom_Araya
    Bewertung: sehr hilfreich

    meine Meinung dann innem Bericht, hatte auch schon angefangen einen über den Streifen zu schreiben und nach deinem Bericht entgültig Lust bekommen den fertig zu stellen ;)