Die Bücherdiebin (gebundene Ausgabe) / Markus Zusak Testbericht

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ab 8,22
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Erfahrungsbericht von BulmaZ

Der Tod und das Mädchen.

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Wer ab und an über meine Berichte klickt, der wird vermutlich wissen, dass meine bevorzugten Genres in Sachen Literatur eher in trivialere Richtungen gehen - Fantasy und Thriller.
Manchmal begegnen einem doch immer mal wieder Kritiken über Romane, die man nie auch nur näher angeschaut hätte. So geschehen vor einigen Monaten mit einem Buch, das mein Interesse wirklich nur aufgrund der lobenden Kritiken geweckt hat. Leicht unschlüssig, ob ich wirklich einen ganzen Gutschein für dieses Buch verbraten soll, las ich mir viele weitere Kritiken durch und kam letztlich zu dem Schluss, dass ich es wagen sollte.

Tendenziell finde ich die gesamte Zeit rund um das Dritte Reich spannend, interessant, verstörend. Gerne schaue ich mir Dokus im TV an, aber Bücher lesen? Nicht, wenn ich nicht muss. Doch mit dem Roman, den ich euch heute vorstellen möchte, verhielt es sich anders. Zwar dauerte es noch einmal gut einen Monat nach dem Kauf, ehe ich es dann wirklich und wahrhaftig gewagt habe, aber ich kann bereits vorweg nehmen: Ich bin zutiefst beeindruckt.
Nachfolgend soll es also um einen Roman gehen, der mich die gesamte Zeit des Lesens über nicht mehr losgelassen hat und wohl auch noch eine Weile nachhallen wird.

Die Bücherdiebin - Markus Zusak

++++ Bezugsquelle & Preis ++++

Gekauft habe ich den Roman bei www.buecher.de.
Dort kostet das Buch 19,95 €, wie überall woanders auch. Soweit ich es weiß, gibt es auch noch keine Taschenbuchausgabe. Einzig die englische Variante gibt's als günstiges Paperback.
++++ Eckdaten zum Roman ++++

Titel: Die Bücherdiebin
Autor: Markus Zusak
Übersetzung: Alexandra Ernst
Verlag: Blanvalet
Erscheinungsjahr: 2008
Seitenanzahl: 592 Seiten
++++ Der Autor ++++

Markus Zusak (* 23. Juni 1975 in Sydney) ist ein deutsch-australischer Schriftsteller. Bekannt wurde er vor allem durch seine Werke Der Joker (I am the Messenger) und Die Bücherdiebin (The Book Thief).
Zusak wurde als jüngstes von vier Kindern geboren. Seine Mutter ist Deutsche, sein Vater Österreicher. Die Erzählungen seiner Eltern über die Bombenangriffe auf München und die Judenverfolgung im Zweiten Weltkrieg dienten ihm als Vorlage für den Roman Die Bücherdiebin (The Book Thief).
Zusak lebt zusammen mit seiner Frau und seiner Tochter in Sydney. Neben der schriftstellerischen Tätigkeit arbeitet er gelegentlich als Englischlehrer an einer Highschool.
Quelle: www.wikipedia.de

++++ Die Geschichte ++++
Liesel Meminger ist neun Jahre alt als ihre Mutter sie ohne Angabe von Gründen nach Molching zu einer Pflegefamilie gibt. Auf der Zugfahrt dorthin stirbt außerdem ihr kleiner Bruder.

In Molching angekommen, ist Liesel zunächst traumatisiert, was nicht zuletzt am rauen Verhalten ihrer Pflegemutter Rosa Hubermann liegt. Nachts wird das kleine Mädchen von Alpträumen geplagt, die ihr immer wieder zeigen, wie ihr kleiner Bruder tot im Zug liegt. Doch ihr Pflegevater Hans Hubermann kümmert sich jede Nacht liebevoll um seine kleine Pflegetochter. Jede Nacht ist er bei ihr, tröstet sie und bringt ihr sogar das Lesen bei. Denn Liesel hat auf der Beerdigung ihres Bruders ihr erstes Buch gestohlen, das sie gerne lesen können möchte. Mit dem Aneignen dieser grundlegenden Fähigkeit, stiehlt Liesel mehr Bücher - so z.B. eines aus einer Bücherverbrennung anlässlich des Geburtstages des Führers Adolf Hitler.
Das Leben läuft eigentlich in geordneten Bahnen, soweit dies in Nazi - Deutschland Anfang der 40er Jahre möglich ist. Die Lage ändert sich, als Hans und Rosa Hubermann den Juden Max Vandenburg bei sich verstecken. Es entwickelt sich ein zartes Band der Freundschaft zwischen dem jungen Mann und Liesel. Doch der Krieg rückt näher an Molching heran…

++++ Eigene Eindrücke +++
Als ich vor wenigen Tagen mit dem Lesen begann, wollte ich das Buch nach ganz genau 26 Seiten wieder beiseite legen. Denn irgendwie hatte ich den Eindruck, dem nicht gewachsen zu sein oder besser gesagt, nicht der Typ für derartige Lektüre zu sein. Da ich aber niemals ein Buch anfange und nicht zu Ende lese, eröffnete sich mir doch noch die wahre Qualität von "Die Bücherdiebin".

Markus Zusaks Roman ist aus Sicht des Todes geschrieben, der in Zeiten des zweiten Weltkrieges sehr viel zutun hat. Die Tatsache dieses außergewöhnlichen Erzählers mag vielleicht zunächst ungewöhnlich oder sogar unpassend klingen. Ist es aber nicht. Denn der Tod selbst wirft immer wieder einmal tiefgreifende Fragen auf, die er unkommentiert und unbeantwortet an den Leser richtet. Aufgrund der Tatsache, dass der Tod den Leser immer wieder direkt anspricht, hat man selbst als eben jener Leser schnell den Eindruck, als würde man an die Hand genommen und das gesamte Geschehen aus einer Distanz selbst sehen.
Bei einem Roman, der vor dem Hintergrund des Dritten Reiches spielt, mag man im Vorfeld sicher annehmen, dass viele erhobene Zeigefinger zu finden sind. Markus Zusak verzichtet gänzlich auf schulmeisterliche Auswüchse. Er zeigt, wie die Menschen in den Jahren vor und nach Kriegsausbruch gelebt haben - dabei wird weder irgendetwas beschönigt, noch etwas überdramatisiert. Der Autor verliert sich nicht in Schilderungen über im Kampf gefallene oder verstümmelte Soldaten. All dies wird fast vollkommen ausgeblendet. Nur ab und zu und auch nur ganz am Rande blitzt dieser Aspekt auf. Denn Tod, Trauer, Verlust und Kummer sind allgegenwärtig. Es ist ganz beeindruckend, wie der Autor es schafft, dem Leser all jene Dinge im Gedächtnis zu halten, sie selbst aber kaum oder nur von hinten herum anzusprechen. Dabei wird auch deutlich, dass Markus Zusak zu keiner Zeit versucht, auf die berühmte Tränendrüse zu drücken. Die beklemmende Stimmung, das Gefühl drohenden Unheils - all dies ist dennoch allgegenwärtig. Man weiß ganz genau, dass es so idyllisch [so man dieses Attribut überhaupt benutzen kann] nicht weitergehen kann. Es gibt zwar immer wieder Sequenzen, in denen Liesel mit ihrem besten Freund Rudi Steiner ausgelassen Fußball spielt, aber die Tatsache, dass die Kinder darauf angewiesen sind, Obst und Kartoffeln zu stehlen, um den Hunger ein wenig einzudämmen, nehmen jegliches Gefühl von einer Kindheit im eigentlichen Sinne. Rührend ist auch die dargestellte Hilfsbereitschaft gegen Mitte und Ende des Romans. Dagegen steht das nicht grade gute Verhältnis der Rosa Hubermann zu einigen ihrer Nachbarn am Beginn der Geschichte. Der Autor romantisiert rein gar nichts - ich denke, er zeigt, wie es wirklich in kleinen Dörfern abgelaufen sein könnte. Beeindruckend fand ich auch, dass selbst, wenn vermeintlich nichts passiert, sich immer eine extreme Spannung im Hintergrund hält. Man rechnet jeden Moment damit, dass irgendetwas geschieht. Fast hat man ein wenig Furcht vor dem, was den liebgewonnenen Figuren auf den nächsten Seiten, die man umblättert, geschehen mag.

Gewagt, aber gelungen umgesetzt finde ich es auch, dass der Tod einige Ereignisse vorwegnimmt. Er schildert sie nicht haarklein; vielmehr streut er Andeutungen ein, die der Leser selbst verarbeiten kann. In den wenigen [zugegebenermaßen nicht sonderlich sachlichen] Kritiken, die sich negativ über den Roman geäußert haben, wurde genau dies bemängelt. Es hieß, dass das Vorwegnehmen die Spannung zerstöre und dass der Roman außerdem wirke, als wäre er nur aus losen Handlungsfäden zusammen geknüpft. All dies möchte ich an dieser Stelle wirklich vehement abstreiten. Der Roman wirkt, wenn man sich wirklich drauf einlässt, was nicht schwer ist, keineswegs wie ein loses Manuskript ohne roten Faden. Vielmehr wird hier eben das Leben in den 1940er Jahren beschrieben, mit besonderem Fokus auf ein kleines Mädchen und ihr Umfeld. Da wäre es doch vermessen, so etwas wie einen Spannungsbogen, Überraschungen oder ähnliches zu konstruieren, was man in einem Thriller findet. Zumindest ich hätte dies als sehr unglaubwürdig empfunden.
Neben der Geschichte selbst, konnte mich aber auch noch Zusaks wundervoller Schreibstil fesseln. Er malt mit Worten Bilder, die vor dem geistigen Auge lebendig werden. Man sieht die schlammige Himmelstraße in Molching vor sich, das eiskalte Kellerloch, in dem Hubermanns den Juden Max verstecken. Immer wieder beschreibt der Tod die Farbe des Himmels und immer wieder kann man sich sehr genau vorstellen, wie er aussieht. Ab und zu verwendet Zusak auch abgehackte Sätze. Diese dienen dazu, einen Sachverhalt zu unterstreichen, was jeder Situation eine besondere Atmosphäre verleiht. Auf den ersten paar Seiten braucht man sicher ein wenig Einlesezeit, aber danach liest sich der Roman schnell und zügig weg, denn er ist keineswegs kompliziert oder besonders komplex geschrieben. Dennoch sollte man sich meiner Ansicht nach die Zeit nehmen und einige Passagen besonders langsam lesen, um wirklich ihren Zauber zu erkennen und sich vielleicht eigene Gedanken zu machen.

Zu guter Letzt möchte ich mich wie immer noch den Figuren widmen.
In "Die Bücherdiebin" gibt es einige, aber nur auf wenige möchte ich näher eingehen.
Als erste wäre wohl Liesel Meminger, die Bücherdiebin, zu nennen. Sie ist zunächst ein verschüchtertes kleines Mädchen, das noch gar nicht weiß, was um sie herum geschieht. So kann sie auch mit dem Wort "Kommunist" nichts anfangen, das sie stets mit dem Verschwinden ihrer Eltern in Verbindung bringt. Liesel redet eigentlich nie viel. Aber sie taut auf und wird zu einem selbstbewussten jungen Mädchen, das nicht davor zurückschreckt, Äpfel und Bücher zu stehen. Liesel sieht jedes ihrer erbeuteten Bücher als großen Schatz an und liest jedes Werk mehrmals. Sie ist einfach nur sehr, sehr liebenswürdig und sympathisch. Vor allem aber kann man sich sie wirklich vom ersten Moment an vorstellen. Fast scheint es, als müsse man nur die Hand ausstrecken und man können ihre dreckige Kleidung und ihre dreckigen Haare berühren. Ganz genauso verhält es sich mit ihrem liebevollen Pflegevater Hans Hubermann. Er ist zunächst die einzige Person, zu der Liesel Vertrauen fasst. Wenn das Mädchen nachts von Alpträumen geplagt wird, ist er da. Auch schlägt er sich viele, viele Nächte um die Ohren, um ihr Lesen beizubringen. Hans Hubermann verliert nie ein böses Wort, wenn Liesel vor Angst ins Bett gemacht hat. Seine Augen werden wie warmes, fließendes Silber beschrieben, was viel aussagt, wenn man drüber nachdenkt. Hans Hubermann hat bereits im ersten Weltkrieg gedient und lebt nur deswegen noch, weil ein Jude ihm das Leben gerettet hat. Seitdem spielt er auf dem Akkordeon, das er von der Witwe des Juden geschenkt bekommen hat. Mit dem Spielen verdient der arbeitslose Anstreicher ein wenig Geld für seine Familie. An Weihnachten jedoch tauscht er seinen letzten Tabakvorrat gegen zwei Bücher für Liesel ein.
Ein auf den ersten Blick totales Gegenteil ist wohl Rosa Hubermann, die von kleiderschrankgroßer Statur ist. Sie hat zunächst kein gutes Wort für niemanden. Jeder wird von ihr als ,Saumensch' beschimpft und getriezt. Ihr wahres Wesen zeigt sich, als der Jude Max Vandenburg im eiskalten Keller der Hubermanns kauert und sich vor den Nazis versteckt. Aber auch später wird deutlich, dass Rosa ein gutes Herz hat.
Meine Begeisterung ist sicher nicht verborgen geblieben.
"Die Bücherdiebin" ist ein Roman, wie ich noch nie einen erlebt habe. Wenn ich nicht gelesen habe, hat mich die Geschichte dennoch immer im Geiste begleitet. Immer wieder habe ich an Liesel, Hans, Rosa und die anderen gedacht. Markus Zusaks Roman wird mir wohl auch weiterhin im Gedächtnis bleiben, da er mich wirklich unendlich beeindruckt hat. Daher möchte ich an dieser Stelle volle fünf Sterne und eine Empfehlung vergeben. Wen dieser Roman nicht verzaubert, fesselt oder zumindest zum Nachdenken anregt, hat kein Herz.

41 Bewertungen, 5 Kommentare

  • Lenni26

    26.07.2011, 23:55 Uhr von Lenni26
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße, Lenni26

  • mima007

    26.07.2011, 11:28 Uhr von mima007
    Bewertung: sehr hilfreich

    Viele Gruesse, mima007

  • goat

    26.07.2011, 01:38 Uhr von goat
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein sehr schöner Bericht zu einem sehr schönen Buch.

  • emmi29

    26.07.2011, 00:34 Uhr von emmi29
    Bewertung: sehr hilfreich

    liebe Grüße von emmi29

  • katjafranke

    25.07.2011, 14:38 Uhr von katjafranke
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße von der KATJA