Zeugin der Anklage (DVD) Testbericht

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ab 5,50
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Erfahrungsbericht von LosGatos

I may never go home any more

Pro:

überraschendes und dramatisches Ende; Marlene Dietrich und Charles Laughton

Kontra:

trotz besserer Voraussetzungen wird ein solch hohes Niveau heute allzu selten erreicht

Empfehlung:

Ja

Man nehme eine erfolgreiche Kriminalautorin, lasse deren Werk von einem der weltbesten Drehbuchschreiber und Regisseure in einen Film umsetzen, für den 3 hochkarätige Schauspieler verpflichtet werden, und schon ist ein Meisterwerk geschaffen, das auch noch 50 Jahre nach seiner Entstehung und länger zu den Filmklassikern zählt, die man sich immer wieder gerne ansieht. Ein sicheres Erfolgsrezept? Nun, ich habe zumindest meine Zweifel, dass das auch heute noch im Zeitalter der Massenproduktion in Hollywood und anderen Filmfabriken noch so in jedem Fall funktioniert.

Aber bei dem Film „Zeugin der Anklage“ (Originaltitel „Witness for the Prosecution“), der auf einem Roman von Agatha Christie beruht und der 1957 unter der Regie von Billy Wilder, der auch am Drehbuch beteiligt war, entstand, trifft das auf jeden Fall zu.

Ich war von dem Film sofort fasziniert, als ich ihn vor dreißig, vierzig Jahren zum ersten Mal sah. Immer wieder habe ich ihn in größeren Abständen gesehen und dabei vor allem davon profitiert, dass ich mir bei Filmen selten den Schluss merken kann. Dass bei diesem Film vor allem das Ende es in sich hat, das war mir jedoch stets bewusst, so dass ich diesem jedes Mal von neuem entgegenfiebern kann. Nein, haben Sie keine Angst, ich werde Ihnen hier nicht verraten, wie der Film ausgeht. Nun, mittlerweile habe ich mir den Film auch auf DVD zugelegt. Sie brauchen jedoch auch nicht zu befürchten, dass ich mich über die Anzahl der Kapitel auf dieser Scheibe und die Tonformate auslassen werde.

Da ist der erfolgreiche betagte Rechtsanwalt Sir Wilfrid vom Typus Winston Churchill, der von Charles Laughton gespielt wird, welcher uns u.a. auch als „Glöckner von Notre Dame“ bekannt ist, womit bereits der erste Weltstar genannt ist. Sir Wilfrid ist herzkrank und hat gerade einen zweimonatigen Krankenhausaufenthalt hinter sich. Er kehrt zwar in seine Kanzlei zurück, wo er als bärbeißiger Chef über einen größeren Stab von Mitarbeitern verfügt. Er soll aber vorerst nur leichte Zivilprozesse übernehmen, bei denen er sich nicht aufregen muss. Damit stets auf das Beste für ihn gesorgt ist, hat man ihm die nervige Krankenschwester Miss Plimsoll (Elsa Lanchester) zur Seite gestellt, die rund um die Uhr auf seine gesunde Lebensweise achten soll, wohl wissend, dass es ihr Sir Wilfrid nicht leicht machen wird, zumal er sogar im Krankenhaus an den unmöglichsten Stellen Zigarren und Alkohol versteckt hielt. Dennoch versucht sie ihren Job mit mütterlicher Strenge so gut es geht zu erledigen („Sir Wilfrid, wir müssen jetzt ins Bettchen gehen! Wir trinken jetzt ein Tässchen Kakao.“).

Doch schon tut sich ein Kapitalverbrechen auf. Der junge Leonard Vole (Tyrone Power, der Vater von Romina) wird beschuldigt, die alleinstehende reiche Mrs. French (Norma Varden) aus Habgier umgebracht zu haben. Die alte Dame hatte womöglich mehr als Gefallen an dem jungen Mann gefunden (Wir erinnern uns an einen ähnlichen Fall, wo eine australische Gutsbesitzerin mit einem jungen Pfarrer am liebsten in den Dornen gevögelt hätte). Jedenfalls hat sie ihm sogar 80.000 Pfund testamentarisch vermacht. Kurz darauf wird sie ermordert aufgefunden. Alle Indizien sprechen gegen Leonard Vole.

Ein Alibi kann dem unter Mordverdacht stehenden Vole lediglich dessen deutsche Ehefrau Christine verschaffen. Quasi durch den Hintereingang sucht sie Sir Wilfried auf. Da steht sie mit fast regungslosem Pokergesicht wie eines der Ausstellungsstücke aus Madame Tussaud’s Wachsfigurenkabinett. Sie wirkt eiskalt und lässt Sir Wilfrid auch über ihre Gefühle zu Leonard im Unklaren. Wer könnte einen solchen Frauentyp besser darstellen als Marlene Dietrich? Die Story ist ihr regelrecht auf den Leib geschrieben. Den Monokeltest, bei dem Sir Wilfrid sein Gegenüber gerne mit einem reflektierten Sonnenstrahl aus der Fassung zu bringen versucht, bestehen Leonard und Christine auf unterschiedliche Weise. Sir Wilfrid ist von Cole’s Unschuld überzeugt und übernimmt den Fall. Denn langweilige Scheidungsangelegenheiten und Steuerdelikte sind nicht das Metier des Vollblutjuristen Sir Wilfried. Christine hält er hingegen für ein Satansweib, dem alles zuzutrauen ist.

Als es zum Mordprozess kommt, tritt Christine zur Überraschung aller als Zeugin der Anklage auf, die Leonard Vole belastet, indem sie ihm kein Alibi verschafft. Bei den Zuschauern, die im Gerichtssaal die Verhandlung verfolgen dürfen, gilt die deutsche Christine bald als Sinnbild des Bösen. Wird es Sir Wilfried gelingen, ihre Glaubwürdigkeit in Frage zu stellen und für Leonard Vole einen Freispruch zu erlangen.....?

Der Film lebt auch von Rückblicken. So gehört die Szene, wo Leonard und Christine sich in Hamburg kennen lernen, zu den Höhepunkten des Films. Hier singt Marlene Dietrich die englische Version von „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ unter dem Titel „I may never go home any more“. Auch hier erweckt sie wieder den Anschein vom käuflichen Vamp, der sogar für eine Portion Nescafé alles macht. Vole heiratet sie und nimmt sie mit nach England, wo sie dem Elend in Deutschland entkommt, aber fortan als Ausländerin gilt, die dem kriegsbedingten Frauenüberschuss auch noch verschärft.

In diesem Film ist für jeden Zuschauer etwas dabei. Der kauzige Sir Wilfried und die nervige Miss Plimsoll sorgen für so manches Schmunzeln. Der gutausehende Tyrone Power dürfte so manches Frauenherz erfreut haben und Marlene Dietrich sorgt halt für den nötigen Thrill. Sie ist es, die die Spannung bis zum Schluss aufrecht erhält.

Dieser Streifen ist in Schwarz-Weiß gedreht. Natürlich hat es auch in den 50er Jahren schon Farbfilme gegeben, gerade in Hollywood. Aber Schwarz-Weiß gibt gerade diesem Film das gewisse Etwas. Die Göttin Marlene Dietrich in Farbe? Nein, unmöglich. Ihr Madame Tussaud-Gesicht kommt einfach in Schwarz-Weiß am besten zur Geltung. Ebenso ein Tyrone Power, der im Zeugenstand um Gerechtigkeit fleht.

Der Film dauert 111 Minuten, was zu damaligen Zeiten schon leichte Überlänge bedeutete. Langeweile kommt hier jedoch in keinem Moment auf, auch nicht während der Gerichtsszenen, die ca. die Hälfte des Filmes ausmachen. In meiner persönlichen Favoritenliste gehört Wilder’s Werk zu den 10 besten Filmen aller Zeiten. Ich werde ihn mir immer wieder ansehen. Nur muss ich jetzt erst wieder lange genug warten, bis ich den Schluss vergessen habe.

Copyright LosGatos
Erstveröffentlichung 25.3.2005
Veröffentlicht außer bei Ciao derzeit nur noch bei Yopi

65 Bewertungen, 18 Kommentare

  • Mondlicht1957

    27.06.2008, 15:47 Uhr von Mondlicht1957
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein schönes Wochenende wünsche ich Dir, klasse Bericht LG Pet

  • Baby1

    26.12.2007, 10:31 Uhr von Baby1
    Bewertung: sehr hilfreich

    Huch, dein Name ist mir ja noch nie aufgefallen. Ich wünsch Dir nen schönen 2 Weihnachtsfeiertag .•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.

  • barbu

    17.02.2007, 13:47 Uhr von barbu
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr schöner bericht. DANKE FÜR DEINE BEWERTUNG, da bewerte ich doch gern gegen! LG

  • sarana80

    22.12.2006, 15:36 Uhr von sarana80
    Bewertung: sehr hilfreich

    Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch. Lg Sarah

  • anonym

    10.09.2006, 13:51 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sh.GlG von Diana (c;

  • HiRD1

    05.07.2006, 14:18 Uhr von HiRD1
    Bewertung: sehr hilfreich

    ~~ SH. Gruß, Ralf ~~

  • anonym

    25.05.2006, 11:47 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Lebst du noch? Der Film ist Kult!

  • gensinrw

    24.04.2006, 14:09 Uhr von gensinrw
    Bewertung: sehr hilfreich

    Lieben Gruß, Gensinrw

  • IQIQIQ

    05.04.2006, 16:11 Uhr von IQIQIQ
    Bewertung: sehr hilfreich

    wunderbarer Film!

  • luna1011

    02.04.2006, 21:44 Uhr von luna1011
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein sehr schöner Bericht! Der hat ein sh verdient!! Gruß luna1011

  • jarolimi79

    31.03.2006, 23:15 Uhr von jarolimi79
    Bewertung: sehr hilfreich

    Lieben Gruß Jaro

  • Suggababe2

    31.03.2006, 19:25 Uhr von Suggababe2
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sh ! Lg Micha :-)

  • waltraud.d

    31.03.2006, 17:52 Uhr von waltraud.d
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich

  • anonym

    31.03.2006, 17:39 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr hilfreich! LG, Dani :-)

  • morla

    31.03.2006, 17:18 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich <br/>

  • NancyNoack

    31.03.2006, 15:21 Uhr von NancyNoack
    Bewertung: sehr hilfreich

    schöner bericht :)

  • kakaue

    31.03.2006, 15:17 Uhr von kakaue
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh lg chris

  • princesse

    04.04.2005, 14:09 Uhr von princesse
    Bewertung: sehr hilfreich

    du hast recht, ein toller film!