Zeugin der Anklage (DVD) Testbericht

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ab 5,50
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Erfahrungsbericht von Prisca

Erstens kommt es anders ....

Pro:

spannend, witzig, tolle Darsteller, überraschende Story

Kontra:

.

Empfehlung:

Ja

Heute will ich euch mal von einer neuen DVD berichten, die ich mir letzte Woche bei Karstadt gekauft habe. Allerdings ist der Film schon etwas älter - um genau zu sein aus dem Jahre 1957. Nun aber nicht gleich einen Schreck bekommen, zeigt nicht allein die Tatsache, das man ihn jetzt endlich auf DVD herausgebracht hat, das es sich hier um einen sehr guten Filmklassiker handelt?!

** ZEUGIN DER ANKLAGE **

Ich kann gar nicht sagen, wann ich diesen Film ersten Mal gesehen habe, es muss aber schon Jahre her sein. Das erste Sehen ist sicher das überraschendste - aber selbst bei wiederholtem Sehen, wenn man das Ende schon kennt, hat der Film einen Reiz, der mich immer wieder fasziniert.

Aber bevor ich euch noch länger auf die Folter spanne, will ich euch lieber erst mal etwas über den

**INHALT **

des Films verraten. Wie schon der Titel verrät handelt es sich um eine Gerichtsstory.

Leonard Vole ist verheiratet und das, was man eine unscheinbare, gescheiterte Existenz nennen könnte. Er schlägt sich mehr recht als schlecht mit Gelegenheitsjobs und kleinen Erfindungen durchs Leben.

Eines Tages lernt er eine reiche Witwe und freundet sich mit ihr an. Über Wochen trifft er sich regelmäßig mit ihr zum Tee, um Platten zu hören .... und dann geschieht es eines Tages.

Die Frau wird ermordet aufgefunden. Der Verdacht fällt auf Leonard Vole, der es nicht glauben kann, was da mit ihm geschieht. Sein Anwalt nimmt die Sache schon etwas ernster und möchte am liebsten seinen Freund Sir Wilfried hinzuziehen, der ein bekannter Strafverteidiger ist.

Das Problem: Sir Wilfried wurde gerade erst nach einem schweren Herzanfall aus dem Krankenhaus entlassen, hat eine private Krankenschwester, die ihn auf Schritt und tritt überwacht und ihm jedes Vergnügen verbieten möchte. Auf keinen Fall soll er einen so aufregenden Fall wie einen Mord übernehmen!

Aber dann kommt es anders als erwartet. Es stellt sich heraus, das Leonard Vole der Haupterbe der Ermordeten ist - und so ein Vermögen stellt natürlich ein gutes Mordmotiv dar. Sir Wilfried spricht mit Leonard Vole und beschließt, das dieser unschuldig sein muss - und das er vor Gericht kaum eine Chance haben wird - ohne einen guten, den besten Anwalt.....

Nein, mehr möchte ich hierüber den Inhalt nicht verraten, aber ich schreibe noch einiges an

** GEDANKEN **

auf, die ich mir rund um diesen Film gemacht habe. Wer diese liest kann sicher auch noch das eine oder andere über den Inhalt erfahren.

Zunächst einmal: Dieser Film ist ein typischer Kriminalfilm der 60 Jahre. Er arbeitet nicht mit Actionszenen, nicht mit Blut und Gewalt und schon gar nicht mit atemberaubenden Tricks und Stunts. Was er zu bieten hat ist eine solide, aber sehr spannend aufgebaute Kriminalgeschichte, gewürzt mit jeder Menge Humor.

Als Zuschauer bin ich von Beginn an in die Geschichte eingebunden. Es fängt alles an mit einem kauzigen Anwalt, der immer ein wenig zu laut poltert, hinter dessen Fassade man aber Gefühle erkennt. Dann taucht der Angeklagte auf, er macht einen sympathischen Eindruck, vor allem, weil er so naiv und unbedarft wirkt. Er ist da in eine Geschichte hineingeraten, die er gar nicht zu erfassen vermag.

Mysteriös die Rolle seiner Frau, die er in kurz nach dem Krieg in Deutschland kennen gelernt und mit nach England genommen hat. Leonard Vole verlässt sich auf das Alibi, das seine Frau ihm geben kann. Doch Sir Wilfried ist skeptisch, denn die Frau, die er kennen lernt ist nicht die gebrochene, entsetzte Frau, die es nicht fassen kann, was ihrem Mann da wiederfährt. Sie wirkt so kalt und berechnend, das er beschließt sie lieber nicht in den Zeugenstand zu rufen. Als Zuschauer kann ich seine Entscheidung sehr gut nachvollziehen und man entwickelt Mitleid mit Leonard Vole,. der sich so auf seine Frau verlässt.

Und dann die große Überraschung während der Gerichtsverhandlung: Die Anklage ruft Christine Helm in den Zeugenstand - die niemand anders ist als sie Frau des Angeklagten. Nur, das sich herausstellt, das sie gar nicht seine Frau ist, das sie schon längst mit einem anderen verheiratet war und den Angeklagten nur ausgenutzt hat um nach England zu kommen. Und sie macht ihre Aussage - eine Aussage, die nicht etwa das Alibi von Leonard Vole bestätigt sondern ihn noch schuldiger erscheinen lässt.

Nicht nur der Angeklagte ist fassungslos - auch Sir Wilfried verliert für einen Moment die Ruhe - und als Zuschauer fragt man sich, was jetzt noch geschehen kann, um die Unschuld des Angeklagten zu beweisen. Diese Spannung bleibt dem Film bis zum Schluss erhalten - es ist einfach unmöglich, das Leonard Vole der Mörder ist und man fiebert mit Sir Wilfried mit, der kramphaft nach entlastenden Aussagen sucht. Immerhin, wenn er hie versagt, dann könnte ein Unschuldiger am Galgen enden! Und je schlechter es für ihn aussieht, desto gefesselter ist man als Zuschauer von dem Film.

Über das eigentliche Ende werde hier nicht weiter verraten - wie heißt es so schön im Abspann der DVD: Wenn ihnen der Film gefallen hat, dann empfehlen sie ihn weiter .... aber verraten sie bitte nichts von dem überaschenden Ende! Und das habe ich auch nicht vor - nur soviel: es folgen noch einige Überraschungen, die man sich so niemals vorgestellt hätte - und zum Schluss ist mal wieder alles etwas anders, als man vermutet.

Obwohl der Film sehr stark von dem Ende lebt finde ich ihn aber trotzdem nicht langweilig, wenn ich ihn zum zweiten oder dritten Mal sehe - wie oft ich ihn schon gesehen habe, kann ich gar nicht aufzählen. Er gefällt mir immer wieder aufs neue - die ganze Inszenierung ist einfach gelungen - diese Mischung aus Humor und Spannung. Vor allem aber lebt dieser Film durch die

** SCHAUSPIELER **

von denen ich einige auf jeden Fall namentlich erwähnen möchte.

Da ist zuerst Charles Laughton zu nennen, der die Rolle des Sir Wilfried übernommen hat. Er spielt den mürrischen Anwalt einfach perfekt. Man nimmt ihm jede einzelne Mimik ab - immer ein wenig poltrig, aber spitzfindig ohne Ende. Nicht umsonst trägt er im Film den Spitznamen \"Wilfried, der Fuchs!\"

Neben seinen Spitzfindigkeiten während der Gerichtsverhandlung, gefallen mir aber besonders seine Wortduelle mit der Krankenschwester Miss Plimsoll (gespielt von Elsa Lanchester), die man ihm zur Seite gestellt hat. Die beiden bilden einfach ein tolles Team, das sich gegenseitig die Bälle zuspielt, das sich scheinbar gegenseitig zum Wahnsinn treibt - und das sich irgendwo scheinbar doch mag. Gerade das Zusammenspiel der beiden sorgt für viele Schmunzler im Film.

Als Angeklagter Leonard Vole tut sich Tyrone Power hervor. Doch, ich finde, das er seine Sache auch recht gut macht, wenn er in dem Film auch nicht gerade die tragende Rolle übernimmt! Er bringt den etwas naiven Angeklagten so gut rüber, das man als Zuschauer nicht anders kann, als ihn für unschuldig zu halten. Es kann einfach nicht sein, das dieser Mann zu einem Mord fähig wäre - umso mehr kann man sein Entsetzen nachvollziehen, als seine geliebte Frau ihn vor Gericht so hineinreitet.

Und damit bin ich dann auch schon bei Marlene Dietrich, die die Christine Vole (oder Christine Helm) spielt. Neben Charles Laughton liefert sie in diesem Film sicher die beste Rolle ab. Diese kalte, berechnende Frau, die im Laufe der Verhandlung für mehr als nur eine Überraschung gut ist - hier merkt man wirklich eine große Schauspielerin. Als Zuschauer kann ich einfach nicht anders, als Verachtung zu empfinden für diese kalte Frau ...

Zu allen Schauspielern allgemein möchte ich noch sagen, das auch die kleineren Rollen sehr gut besetzt sind, egal ob es sich nun um den Co-Anwalt von Leonard Vole handelt, um den Richter, die Haushälterin der Ermordeten ... sie alle sind auf ihre Art Persönlichkeiten (was natürlich vom Drehbuch so angelegt ist) und sie alle hauchen diesen Persönlichkeiten auch echtes Leben ein. Hier wirkt nichts gestellt - hier hat man das Gefühl, als wenn sich die Darsteller noch richtig mit ihren Rollen identifiziert haben. Das ist überhaupt etwas, das mir an älteren Filmen immer wieder auffällt - das die Schauspieler damals wirklich noch etwas geleistet haben, das ihre Rollen nicht durch Tricks und Stunts lebendig geworden sind, sondern durch Persönlichkeit. Natürlich kann man nicht alle Schauspieler heute über einen Kamm scheren, sicher gibt es noch genug echte Schauspieler, die noch mit Leib und Seele dabei sind. Aber bei vielen habe ich doch oft das Gefühl, das es nur noch um Geld und Ruhm geht ... damals war das noch nicht so! Da war man Schauspieler aus Überzeugung und das merkt man diesen alten Filmen an.

Jetzt noch ein paar

**FAKTEN **

zum Film.

Der Film ist gedreht nach einer Kurzgeschichte von Agatha Christie (es gibt auch ein Bühnenstück gleichen namens, schade, das habe ich noch nie gesehen, würde mich aber mal interessieren! Ich könnte mir vorstellen, das man es recht gut auf der Bühne umsetzen kann).

Regie: Billy Wilder, der sich besonders mit seinen Komödien einen Namen machte. Ich denke da an Filme wie Manche mögens heiß mit Marilyn Monroe und Tony Curtis, Das Appartement (Jack Lemmon) oder auch Küss mich, Dummkopf (Dean Martin)

Die Laufzeit des Films beträgt 111 Minuten und die FSK 12 Jahre (na gut, da kann man sich drüber streiten, wenn ich sehe, was heute für Filme ab 12 Jahre freigegeben werden ist diese Freigabe fast etwas lächerlich - denn dieser Film ist nun wirklich harmlos bis zum letzten. Andererseits denke ich mal, jüngere Kinder werden mit diesem Film wirklich nichts anfangen können, also ist es wohl OK so)

Erwähnen sollte man vielleicht noch, das es sich hier um einen schwarz/weiß Film handelt - was ich aber nicht negativ werten würde. Im Gegenteil, gerade dadurch gewinnt der Film noch einen zusätzlichen Charme.

Ich weiß, ich schreibe hier nur in der Film-Kategorie (da Ciao zur Zeit DVD´s nicht einstellt, wenn diese Kategorie bereits vorhanden ist) - trotzdem möchte ich noch ein paar Worte zur DVD verlieren.

Das einzige, was diese DVD zu bieten hat sind fünf Sprachen (deutsch, französisch, englisch, italienisch und spanisch) und fünf Untertitel (französisch, niederländisch, schwedisch, finnisch und griechisch). Der Ton ist wurde nachgearbeitet, ist aber nach wie vor nur in Mono vorhanden - etwas, das ich bei älteren Filmen durchaus akzeptabel finde. Bei dem Bild handelt es sich um ein Vollbild.

Extras findet man auf der DVD KEINE! Das finde ich eigentlich etwas enttäuschend - ein wenig Mühe hätte man sich doch geben können und einige Informationen zu Film und Schauspielern liefern. So ist die DVD wirklich nur demjenigen zum empfehlen, der diesen Film liebt und der ihn jederzeit und ohne Werbeunterbrechung genießen will. Sonst ist es nichts anderes, als wenn man den Film im Fernsehen sieht!

Der Preis der DVD beträgt übrigens 12,95 Euro - bei der Ausstattung darf es wirklich nicht mehr sein!

** MEIN FAZIT **

Tcha, was soll ich sagen?! Ich habe mir die DVD gekauft weil ich diesen Film liebe! Es ist ein ruhiger, witziger, spannender Kriminalfilm der alten Schule - nicht zu vergleichen mit heutigen Actionfilmen, aber mit einen ganz besonderen Charme. Wenn ihr z.B. alte Filme von Hitchcock liebt, dann kann ich euch diesen Film auch nur empfehlen!

@ Prisca - Juli 2004 - ich schreibe für Ciao und Yopi, manchmal auch noch für Dooyoo (als Priscalein)

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