66 Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Präsentation:  durchschnittlich
  • Spaßfaktor:  hoch
  • Spielanleitung:  durchschnittlich
  • Wird langweilig:  nie

Erfahrungsbericht von MOFFt

EINFACHES SPIEL UND DOCH ZUM DENKEN

4
  • Präsentation:  durchschnittlich
  • Schwierigkeitsgrad:  leicht
  • Spaßfaktor:  hoch
  • Spielanleitung:  durchschnittlich
  • Wird langweilig:  nie
  • Spieldauer:  durchschnittlich, bis zu 1 Stunde
  • Das Spiel für:  Hobby-Spieler
  • Spielerzahl:  ab 2

Pro:

leicht zu lernen, dennoch zum Denken, weit verbreitetes Kartenspiel, nur ein paar Karten notwendig, zu zweit spielbar

Kontra:

nur zu zweit spielbar, verliert nach 2h an Spannung (längerfristig aber immer wieder spannend)

Empfehlung:

Ja

Kartenspiele gibt es in Hülle und Fülle. Je nach Belieben und Anzahl der Leute kann man sich mit ein paar Karten die Zeit gut vertreiben. Von einem Kartenspiel, dass ich gerne spiele möchte ich in diesem Bericht erzählen. Es handelt von 66 (sechsundsechzig), oder auch Schnapsen, wie es bei uns in Österreich gerne genannt wird.



=ALLGEMEINES===

Eins vorweg, ich habe schon des öfteren bemerkt, dass das Spiel immer wieder leicht abgewandelt gespielt wird. Sei es an kleinen Unterschieden in den Regeln oder mit anderen Karten (deutsche, französische, Skat, ...), aber Ziel und Ablauf sind eigentlich immer das selbe. So möchte ich hier einfach auch auf die Art etwas näher eingehen, wie sie wir in Österreich gelernt und überliefert bekommen haben (wenngleich auch hier sicherlich Unterschiede herrschen können).



=VORBEREITUNG===

Wir spielen den standard 2-er Schnapser (dementsprechend für genau 2 Spieler) mit den, sagen wir österreichischen Karten, die da wären, in absteigender Wertigkeit: (in Klammer immer die österreichischen Ausdrücke):
- As (Sau) ... 11 Punkte
- 10 (Zehna) ... 10 Punkte
- König (Kini) ... 4 Punkte
- Ober (Oba) ... 3 Punkte
- Unter (Unta) ... 2 Punkte

Das ganze Paket gibts dann jeweils in 4 Farben:
- Pik, Grün oder Blattl
- Eichel (Oachi)
- Schelle (Schön)
- Herz

Was wir sonst noch brauchen ist ein Blatt Papier (alternativ kann auch mit den restlichen der 32 Spielkarten, den 7-enern gezählt werden - dazu einfach die 7 Symbole zb. Herz abdecken mit einer weiteren Karte und nach Beenden freilegen). Und ein Stift.



=SPIELABLAUF===

Gespielt wird bei uns um sgn. Bummerl. Ein Bummerl erhält immer der Verlierer, wenn der Gegner 1 Spiel gewonnen hat. Gewonnen hat man 1 Spiel mit 7 Punkten. Je nach Ausgang einer Runde bekommt der Gewinner 1, 2 oder 3 Punkte gutgeschrieben.
Bummerl, oder Bumsti, ist also schlecht, sollte ein Spiel 7:0 ausgehen so erhält der Verlierer einen Schneider und somit gleich 2 Bummerl.

Um nun eine Runde zu gewinnen, muss man entweder 66 Punkte (oder mehr) erreichen, daher auch der Name, oder aber den letzten Stich machen.
Hat der Gegner das Wasser (33 Punkte oder mehr), zählt der Gewinner 1 Punkt.
Blieb der Gegner unterm Wasser (bis 32 Punkte), so zählt der Gewinner 2 Punkte.
Konnte der Gegner gar keinen Stich machen, so zählt der Gewinner sogar 3 Punkte.

Und los gehts!
Der Geber wird bestimmt oder gelost, je nach Belieben (nach dem ersten Bummerl darf im allgemeinen der Verlierer geben), ansonsten wird immer abwechselnd gegeben.
Mischen natürlich nicht vergessen und den gesamten Stapel auf den Tisch legen. Der Gegner darf einen Teil abheben und legt ihn unter den restlichen bzw. kann darauf einfach nur mit dem Finger klopfen.

Wurde abgehoben, so gibt der Geber zuerst dem Gegner 3 Karten verdeckt auf den Tisch, danach sich selbst 3 Karten verdeckt. Danach wird eine Karte aufgedeckt in die Mitte gelegt (ist der Trumpf für diese Runde), und gibt weitere 2 Karten dem Gegner und wieder sich selbst.
Sonderregel: erhält der Gegner mit den ersten 3 Karten gleich 3 Unter, darf er das Spiel stoppen und der Geber muss erneut mischen/geben.
Wurde auf den Stapel geklopft gibts gleich 5 Karten für den Gegner, dann 5 für sich selbst und zuletzt den Trumpf auf den Tisch.
Die restlichen Karten werden wieder verdeckt zur Hälfte über die Trumpfkarte gelegt und stellen den Talon dar.

Der Gegner darf zuerst ausspielen, bzw. darf auch als Ausspieler eine (höhere) Trumpfkarte gegen den Trumpf Unter austauschen. Die Karten stechen der Aufzählung nach wie oben, entsprechend höhergestellt sind natürlich die Trumpfkarten (Trumpf Unter sticht also zb. ein beliebiges As).
Solange noch Karten am Talon sind, bzw. dieser nicht zugedreht ist (siehe später), kann man beliebige Karten zugeben.
Andernfalls herrscht zuerst Zugabezwang und dann Stichzwang. (dh. gleiche Farben müssen zugegeben werden, hat man keine davon so muss man stechen, sofern man natürlich einen Trumpf hat)
Die höhere Karte sticht, man nimmt sich den Stich und hebt eine Karte vom Talon ab, danach der Gegner eine Karte. Der, der den letzten Stich gemacht hat, darf als nächstes ausspielen.

Gespielt wird nach Punkten der Karten und Sieger in einer Runde ist der, der als erstes 66 Punkte in seinen Stichen hat. Sofern er die 66 Punkte zusammen hat, kann und sollte er das Spiel beenden, sofern er am Zug ist - er hat genug!
Schafft keiner die 66 Punkte, so gewinnt der, der den letzten Stich bekommt.
Eine Sonderheit stellt noch eine Kartenkombination dar. Ist man am Zug und hat man König, sowie Ober von der selben Farbe, darf man 20 Punkte ansagen. Wenn man das Paar in Trumpf-Farbe hat, sogar 40 Punkte. Hat man mit diesen 20 bzw. 40 Punkten genug (66) so kann man das Spiel sofort beenden, ohne auszuspielen. Hat man noch keine 66 Punkte, so muss man einen dieser beiden Karten ausspielen.
Eine weitere Sonderheit ist das Zudrehen des Talons, wie schon oben erwähnt. Ist man selbst am Zug (am Ausspielen) und liegen noch mindestens 3 Karten am Trumpf, so darf man diesen Trumpf umdrehen und somit Zugabe- bzw. Stichzwang erzwingen. Doch dann muss man die 66 Punkte erreichen - scheitert man, erhält der Gegner soviel Punkte, wie man vor dem Zudrehen gehabt hat. Schafft man die 66 zählt ebenfalls die Punkteanzahl, die der Gegner vor dem Zudrehen gezählt hat (Stiche nach dem Zudrehen zählen also für die Wertung nicht mehr)

Die Punkte werden je nach Stich-Punkte dem Sieger gutgeschrieben wie oben erwähnt und Geber/Ausspieler wechseln ihre Aufgaben. Bis eben einer 7 Punkte geschafft hat und dem Gegner ein Bummerl anhängt.

Man kann sich vorher eine Bummerlanzahl ausmachen und gewonnen hat der, der dem Gegner zuerst so viele angehängt hat. Oder aber man spielt eine gewisse Zeit und Sieger ist der mit den wenigsten Bummerl.
Einige spielen dann auch um (geringes) Geld, je nach Bummerlunterschied muss man etwas Geld in einen Topf einzahlen oder dem Sieger zahlen (muss nicht sein, und macht so auch Spass)



=EINDRUCK===

Auch wenn sich obige Beschreibung jetzt ein wenige kompliziert anhört bzw. liest (ein Kartenspiel zu beschreiben ist gar nicht so einfach), das Spiel selbst ist schnell kapiert und auch leicht zu merken.
Die Feinheiten gehen jedoch an, wenn man versucht sich die Karten bzw. Punkteanzahl des Gegners zu merken. Ist man am Zug (am Ausgeben), so darf man den ersten Stich (die untersten 2 Karten) des Gegners verlangen, doch was er sonst noch gestochen hat, bzw. wie viel Punkte er schon gestochen hat wird man sonst erst erfahren wenn es mitunter schon zu spät ist!

Wenn man den 2-er Schnapser so nebenbei spielt, wird man gegen einen konzentrierten Gegner wohl keine Chance haben, wobei natürlich Kartenglück auch eine große Portion zum Sieg beisteuert.
So kann man sich beim Schnapser herrlich reingrübeln und das Hirn gleichzeitig trainieren. Je besser man sich die Karten des Gegners merkt, desto besser stehen natürlich die Gewinnchancen und desto zielsicherer kann man ausspielen.
Die Nase hat auch meistens der vorne, der zum richtigen Zeitpunkt etwas riskiert. Das Zudrehen des Talons kann einen guten Punkteschub bewirken, wenn der Gegner noch keinen Stich hat, andererseits ist es vor allem am Anfang auch nicht immer leicht nach dem Zudrehen die 66 nötigen Punkte zu erreichen. Eine Variante, die die Spannung meiner Meinung nach gut fördert.
Die lockeren Sprüche während des Spieles entstehen sicher von ganz alleine. Danke für die Mitarbeit, oder zwoa dirre sand a viere (zwei dürre/Ober sind auch vier Punkte) lockern das ganze Spiel etwas auf bzw. können den Gegner ohne Kartenglück zusätzlich etwas ärgern ;-)

So zockt man halt einige Bummerl hin und her, ein sinnvoller Endstand sollte irgendwo bei 5-10 Bummerl liegen, sonst wird das Spiel doch zu lange bzw. fade. Aber 1 - 2 Stunden kann man locker mit nem vernünftigen Schnapser verbringen!

Ich kann das Spiel schon wirklich lange, ich glaube ich habe es von meinem Vater oder Opa gelernt bekommen. Waren zwischendurch auch immer wieder längere Zeiten in denen ich nicht gespielt habe, so verlernt man den Schnapser nicht wirklich und ist nach kurzem Nachdenken gleich wieder voll dabei.
Kurzfristig wird das Spiel mitunter also schon mal langweilig, längerfristig aber wieder nicht - etwas schwierig zu bewerten!

Da wie gesagt immer wieder feine Unterschiede vorkommen, sollte man sich vor allem bei einem Gegenspieler mit dem man sonst nicht spielt, auf alle Fälle vorab die Regeln kurz durchsprechen, damit es dann im Spiel nicht zu Unstimmigkeiten bzw. Streitereien kommt.

Ansonsten steht einem tollen Kartenspiel, relativ einfach aber doch zum Nachdenken, nichts mehr im Wege. Natürlich ist es auch für ein Beisammensitzen bei einem gemütlichen Bier geeignet. Ob man den Schnapser sehr ernst nimmt oder die gemeinsame Hopfenfreude im Vordergrund steht, muss man je nach Lage selbst entscheiden.

Ich selbst werde den 2-er Schnappser oder 66 genannt sicherlich noch oft spielen und kann eigentlich nur eine Empfehlung aussprechen. Erwähnen möchte ich aber dennoch die abgeänderten Varianten 3-er und 4-er Schnapser (mit 3 bzw. 4 Personen zu spielen), wobei letzterer auch Bauernschnapser genannt wird. Vor allem den 3-er Schnapser finde ich sehr reizvoll.


Vielleicht konnte ich dem ein oder anderen hier ein neues Spiel erklären und evtl. gibt es jetzt wieder weitere Schnaps-Fans (Kartenspiel ;). U.a. gibt es viele regionale Bewerbe oder auch Meisterschaften!


Dank fürs Lesen dieses längeren Berichtes,

heute schon geMOFFt?

23 Bewertungen, 1 Kommentar

  • NinaDivine

    30.01.2005, 12:21 Uhr von NinaDivine
    Bewertung: sehr hilfreich

    habe ich von diesen Spiel schon ma gehört,ich glaub dazu gabs mal ein spiel welches man nicht mit karten,sondern mit schweinen spielt ,kann das sein? lg Nina