Die Stadt der Blinden (DVD) Testbericht

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Die-stadt-der-blinden-dvd-drama
ab 4,55
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Summe aller Bewertungen
  • Action:  durchschnittlich
  • Anspruch:  sehr anspruchsvoll
  • Romantik:  niedrig
  • Humor:  wenig humorvoll
  • Spannung:  durchschnittlich

Erfahrungsbericht von LilithIbi

Für die Kommunikation mit der Außenwelt.

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

„Ich kenne den Teil in dir, der keinen Namen hat. Und das ist es doch, was wir sind ~ oder nicht?“

Beim erstmaligen Ansehen des 116minütigen Filmes
===Die Stadt der Blinden=== wunderte ich mich noch darüber, dass sich ein jeder mit seinem Beruf, nicht aber mit seinem Namen vorstellte; um im weiteren Gedankengang darüber zu stolpern, dass beinahe ausnahmslos keine einzige Person innerhalb des Dramas je nach diesem gefragt wurde. Erst als der quasi-Erzähler der Geschichte (Danny Glover) obige Zeilen von sich gibt, ist die damit verbundene Absicht deutlich erkennbar. So deutlich, wie auch der filmische Ausgang den gefühlten Jubel der Protagonisten im Keim erstickt und den Zuschauer grüblerisch zurücklässt.
Die Handlung hingegen schockiert bis dato ruhelos: von einer Sekunde zur anderen verliert ein Mann (Yusuke Iseya) mitten im Straßenverkehr sein Augenlicht; ein Zeuge (Don McKellar) erklärt sich bereit, ihn nach Hause zu fahren. Als die Ehefrau (Yoshino Kimura) des Erblindeten jenen zum Arzt (Mark Ruffalo) bringt, weiß dieser keine Erklärung ~ und erblindet am nächsten Morgen schließlich selbst. Seine Frau (Julianne Moore) hingegen scheint gegen die sich immer weiter ausbreitende Epidemie immun zu sein; lügt jedoch diejenigen an, die alle Erblindeten schließlich in eine Art Quarantäne-Lager unterbringen. Zunächst scheint die Versorgung mehr oder minder sichergestellt; ein Notfalltelefon soll für die notwendige Kontaktaufnahme nach draußen dienlich sein. Spätestens jedoch, als jemand verletzt wurde und bei der Bitte um Medikamente seitens eines „Bewachers“ der Satz
„Einen Schritt weiter; und ich muss sie erschießen!“ fällt, verdeutlicht sich, dass alle Betroffenen mehr oder minder sich selbst überlassen wurden. Die Versorgung mit Lebensmitteln erfolgt „von draußen“, doch da immer mehr Menschen in die engen Räume gepferscht werden, dauert es nicht allzu lang, bis die Lebensmittel immer knapper werden und sich eine Art Anführer zum „König von Block 3“ (Gael Garcia Bernal) selbsternennt. Jener ruft ein Tauschgeschäft ins Leben: Wertsachen gegen Lebensmittel ~ die Frage, was er mit dem Schmuck überhaupt anzufangen gedenkt, stellt sich an dieser Stelle bereits gar nicht mehr. Längst liegt auf der Hand, dass es auch hier um Macht, Erschaffung einer Rangordnung und Kontrolle der anderen geht... ebenso wie logisch ist, dass die Situation spätestens dann, als kein herkömmliches Tauschgeschäft mehr möglich ist, mehr und mehr eskaliert...

===Die Umsetzung=== befasst sich ausschließlich mit der Verrohung der Menschheit; der Schwerpunkt liegt hier weder auf der großen Frage, wie es zu der Erblindung kam; noch spielt die Suche nach einem möglichen Gegenmittel eine Rolle. „Die Stadt der Blinden“ befasst sich ausschließlich mit der zwischenmenschlichen Interaktion, der Hilflosigkeit, den jeweiligen Ideen, mit der Situation umzugehen wie auch verlorenes Scham- und Moralgefühl.
Nicht nur durch die Überbelegung der einzelnen Stationen nimmt die buchstäbliche Verdreckung zu; auch der Usus, dass manch einer sich soweit aufgegeben hat, dass er schlicht und ergreifend in den Flur (nicht nur) uriniert, trägt seine Früchte. Besonders interessant in diesem Zusammenspiel natürlich der Aspekt, dass die Ehefrau des Augenarztes niemanden offenbarte, dass sie nach wie vor sehen kann ~ somit stellt sie zwar eine große Hilfe für die anderen dar; ist jedoch neben dem Zuschauer als einzige den abstoßenden Bildern gegenüber ausgesetzt, die sich über kurz oder lang immer mehr intensivieren.
Im weiteren Verlauf darf man ruhig die FSK12 Angabe in Frage stellen ~ dass, was „Die Stadt der Blinden“ bereit hält, passt sicherlich zweifellos in die Kategorie Drama, involviert nichtsdestominder an mehreren Stellen durchaus „harten Tobak“, der nicht nur Zartbesaiteten die Luft zum Atmen nehmen wird. Atmosphärisch betrachtet mag sich der Kenner ein wenig an Stephen King's „Die Verurteilten“ erinnert fühlen; auch die Thementiefe und die sorgfältig platzierten Auflockerungsszenen sind ähnlicher filigraner Art.
Dadurch, dass ebenfalls ein Kind (Mitchell Nye) eine nicht mindere Rolle spielt, fühlt sich das Dargebotene noch eine ganze Ecke intensiver an.
Besonders hervorzuheben unabstreitbar die gesamte großartige Darstellerleistung ~ wüsste man es nicht besser, so würde man mehr oder minder davon ausgehen, dass sämtliche Protagonisten tatsächlich erblindet sind. Es dürfte wahrlich nicht einfach sein, trotz dienlichem Augenlicht überzeugend schauzuspielern, mehrfach über herumliegende Gegenstände oder gar Menschen zu stolpern.
Inhaltlich mag sich der ein oder andere über diverse Entwicklungen oder gar nur Reaktionen der Arztgattin wundern ~ vereinzelt würde ich mich anschließen, dass hier und dort womöglich etwas zu dick aufgetragen wurde. Jener Einwand verliert jedoch mehr und mehr an Gewicht, je länger – und damit intensiver – man den Film auf sich wirken lässt.
Regisseurs Fernando Mereilles scheint kaum etwas dem Zufall überlassen zu haben; selbst die unbunte Farbgebung wie leicht-verstörende Begleitmusik untermauern die Wirkung, die der puristische Inhalt ohnehin schon hat. Charakterisierungen finden eher am äußersten Rande statt; der Umstand, dass Einzelschicksale trotzdessen absolut unter die Haut gehen, ist somit als noch hochwertiger anszusehen.

===Summa summarum=== habe ich persönlich den Film inzwischen in längeren Abständen mehrere Male gesehen und bin nach wie vor jedes Mal von den gleichen Szenen erfasst. Die Hoffnungslosigkeit, die sich trotz des ersichtlichen Überlebenswillens der Erblindeten breit macht, lässt einen facettenreichen Gefühlspool auf den Zuschauer einwirken.
Das Gesamtwerk ist eher ruhiger Natur, verzichtet jedoch keineswegs auf vielerlei Szenen, in denen sich Ereignisse überschlagen und die Nerven des Zuschauers strapaziert werden. Die Brutalität innerhalb „Die Stadt der Blinden“ wird eher angedeutet als via Großaufnahme vorgeführt ~ doch die intensive Wirkung ist keinesfalls zu verachten. Sicherlich kein Drama, welches den Großteil der Gucker ansprechen wird ~ doch unabstreitbar eines der Sorte, welches man nicht zuletzt der abschließenden Worte des Erzählers so schnell nicht wieder vergessen wird.

35 Bewertungen, 9 Kommentare

  • catmum68

    18.03.2011, 19:13 Uhr von catmum68
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreicher Bericht, LG

  • anonym

    15.03.2011, 20:48 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße Edith und Claus

  • Miraculix1967

    14.03.2011, 21:56 Uhr von Miraculix1967
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schönen Abend und LG aus dem gallischen Dorf Miraculix1967

  • sigrid9979

    14.03.2011, 20:39 Uhr von sigrid9979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Wünsche einen schönen Wochenstart...

  • candyman01

    14.03.2011, 16:43 Uhr von candyman01
    Bewertung: besonders wertvoll

    Interessantes Thema! BH

  • XXLALF

    14.03.2011, 16:24 Uhr von XXLALF
    Bewertung: sehr hilfreich

    und einen guten wochenstart

  • SCOTTMASTER

    14.03.2011, 15:35 Uhr von SCOTTMASTER
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr schön berichtet

  • KaTaRaGiRl

    14.03.2011, 15:13 Uhr von KaTaRaGiRl
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich würde mich wirklich über Gegenlesungen bei mir freuen. glg Laura

  • laeuft

    14.03.2011, 14:15 Uhr von laeuft
    Bewertung: besonders wertvoll

    Toll beschrieben, LG Franz