Nordwand (DVD) Testbericht
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- Action:
- Anspruch:
- Romantik:
- Humor:
- Spannung:
Erfahrungsbericht von Gemeinwesen
Toni steigt. Andi steigt. Die Spannung auch.
Pro:
-/-
Kontra:
-/-
Empfehlung:
Ja
Vor Jahr und Tag ist im Verlag Hoffmann und Campe ein Buch mit dem Titel „S.O.S. im Nordmeer“ erschienen, das dem Leser, so der Untertitel, „Dramen, die die Welt bewegten“ in Form spannender Reportagen nahe bringt. Dank des einschlägigen Kapitels waren auch mir als einem im Thema Alpinsport nicht sonderlich bewanderten Menschlein die Namen Toni Kurz und Andi Hinterstoisser ein Begriff. Als ich zum ersten Mal davon hörte, dass Kurzens und Hinterstoissers dramatische Durchsteigung der Eiger Nordwand verfilmt werden würde, war mir bereits klar, dass ich den Film sehen möchte.
Als ich die für den englischsprachigen Markt bestimmte Blu Ray-Fassung kürzlich zu einem Preis erstehen konnte, der in etwa dem für zwei Kinokarten entsprach, habe ich nicht lang gefackelt und „North Face“ fürs Heimkino erworben. Kleiner Wermutstropfen: Die englischen Untertitel lassen sich tatsächlich nicht ausblenden – wer sich daran nicht stört, erhält beim Versender play.com für tagesaktuell 12.99 € ein sehenswertes Filmdrama, das mit Schwindel erregenden Einstellungen aus eisigen Höhen für schweißnasse Handflächen sorgt.
Tatsächlich hat Stölzls Film mich vor allem durch seinen Schauwert für sich eingenommen. Die Szenen, für die der Regisseur seine Schauspieler tatsächlich in die Wand geschickt hat, sind von den komplett im Studio bewerkstelligten Tricksereien mit bloßem Auge wirklich nicht zu unterscheiden – eine kurze, den visuellen Effekten des Films gewidmete Zusammenschau enthüllt, in wie vielen Szenen erst Kollege Rechenknecht unter den Darstellern den Abgrund gähnen ließ. Die Geschichte, die der Film erzählt, ist vergleichsweise simpel gestrickt und orientiert sich in weiten Teilen an historischen Fakten. Die in vielen Foren und Rezensionen des Films monierte Liebelei, die das Drehbuch einem der Protagonisten andichtet, habe ich übrigens als nicht annähernd so störend empfunden, wie ich das nach Lesen der einschlägigen Kommentare befürchtet hatte.
Im Gegenteil: Ich glaube, der Kunstgriff, die dramatischen Geschehnisse des Films auch aus der Sicht der jungen Zeitungsvolontärin Luise Fellner (Johanna Wokalek) zu schildern, war unumgänglich. Die Geschichte von Hinterstoisser und Kurz ist auch die Geschichte einer Tragödie, die sich unter den Augen der Öffentlichkeit abspielt. Dass sich die Seilschaften in der Eiger Nordwand vom Tal aus bequem per Fernglas beobachten lassen, ist Teil der Geschichte, und „Nordwand“ erzählt diesen Teil der Geschichte eben mithilfe eines ölig wirkenden Redakteurs (Ulrich Tukur) und dessen junger Adlata. Damit die als Identifikationsfigur funktioniert, muss sie zu einer der Hauptfiguren in eine Beziehung gesetzt werden, und die Andeutung einer zart erblühenden Liebschaft zwischen den beiden bietet sich sicher auch aus erzähltechnischen Gründen eher an als andere, kompliziertere Konstruktionen.
Auf die eigentliche Handlung möchte ich an dieser Stelle nicht näher eingehen – Alpinisten wissen, wie der Film enden muss, aber Zuschauer ohne einschlägiges Hintergrundwissen sollen sich „Nordwand“ natürlich ansehen können, ohne dass ich an dieser Stelle entscheidende Teile der Handlung vorwegnehme.
Grundsätzlich hat mir der Film gefallen. Wenn mir die eingangs erwähnte Reportage, die ich im Laufe der Jahre wiederholt gelesen habe, auf lange Sicht eher im Gedächtnis bleiben wird als der Film, dann liegt das wohl vor allem daran, dass die schriftliche Rekonstruktion der Geschehnisse aus dem Juli des Jahres 1936 die tragischen Wendepunkte in der Gipfelsturm-Geschichte sehr viel deutlicher herausarbeitet, als Stölzls Film es tut. Hätte Stölzl seinem im Interview ventilierten Anspruch darauf, einen eher dokumentarischen Film zu machen, noch deutlicher Rechnung tragen wollen, dann hätte sein Film aber wohl auch eine andere Erzählstruktur haben müssen. Die Einreihung der schicksalhaften Bergpartie in einen alpinhistorischen Zusammenhang gelingt einer zwischen mehreren Zeitebenen wechselnden Reportage sicherlich müheloser als einem Spielfilm, der mit Rückblenden arbeitet. Klartext: Der Film ist sehenswert, die Spezialeffekte sind gelungen, die Darsteller überzeugen; aber Historiker wie Alpinisten werden ggf. gleichermaßen der Ansicht sein, dass der Film Chancen verschenkt.
In ähnlicher Weise gilt das auch für die Blu Ray-Disc, deren Menü auf den ersten Blick eine Fülle an Zusatzmaterial suggeriert, die sich bei näherem Hinsehen aber leider als Mogelpackung entpuppt. Komplett angesehen habe ich mir das (leider nicht in hochaufgelöstem Bild vorliegende) Zusatzmaterial zwar noch nicht, aber mit echten Knüllern rechne ich auch nicht mehr. Das „Making of“ ist eine deutlich erkennbar mit Blick auf den Bedarf von TV-Boulevard-Magazinen zusammengestoppelte Clip-Sammlung, die sich komplett oder auch auszugsweise in jeden x-beliebigen redaktionellen Rahmen fügen lässt; der den visuellen Effekten gewidmete Beitrag ist eine kurze, mit Musik unterlegte „Vorher-Nachher“-Montage verschiedener Szenen. Einen Audiokommentar aus berufenem Munde vermisse ich in diesem Falle so schmerzlich wie bei allen auf Tatsachen basierten Spielfilmen, deren Umsetzung fürs Heimkino darauf verzichtet.
An Bild und Ton hingegen gibt es nichts auszusetzen – das Bild ist, bis auf wenige Ausnahmen, sehr gut; die Tonspur in DTS HD 5.1 transportiert den Aufruhr der Elemente vom Heulen des Schneesturms bis zum krachenden Lawinenabgang perfekt ins heimische Wohnzimmer.
R e s ü m e e
Film und Blu Ray-Transfer bekommen von mir jeweils vier Sterne: Beide sind in meinen Augen nicht perfekt, aber der Film ist spannend und visuell beeindruckend umgesetzt, und die Blu Ray Disc punktet mit sehr gutem Bild und Ton.
46 Bewertungen, 10 Kommentare
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29.03.2010, 16:40 Uhr von struppitoeter
Bewertung: sehr hilfreichSehr hilfreich! Sehr schön!
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08.11.2009, 19:43 Uhr von Mondlicht1957
Bewertung: sehr hilfreichSehr hilfreich und liebe Grüsse
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03.11.2009, 12:11 Uhr von Prueter87
Bewertung: sehr hilfreichTop, geht kaum noch besser. LG Prueter87
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01.11.2009, 12:59 Uhr von liebes35
Bewertung: sehr hilfreichEin guter Bericht. LG Steffi
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01.11.2009, 11:17 Uhr von Gemini_
Bewertung: sehr hilfreichEinfach top! LG von Gemini_
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01.11.2009, 10:48 Uhr von MoeGott
Bewertung: sehr hilfreichder Bericht gefällt mir ! Würde mich auf Gegenlesungen freuen! Schönen Sonntag noch! lg
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31.10.2009, 22:47 Uhr von willma1984
Bewertung: sehr hilfreichToller Bericht! LG willma1984
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31.10.2009, 20:54 Uhr von Clarinetta2
Bewertung: sehr hilfreichsehr gut beschrieben
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31.10.2009, 19:02 Uhr von Bunny84
Bewertung: sehr hilfreichKlasse Bericht. Wünsche dir ein schönes Wochenende. LG BUNNY84 PS: Freue mich über Gegenlesungen
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31.10.2009, 18:32 Uhr von ssimonee
Bewertung: sehr hilfreichtoll berichtet...lg simone
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