Schweigeminute (gebundene Ausgabe) / Siegfried Lenz Testbericht
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Erfahrungsbericht von LilithIbi
Anklopfen, das darf ich doch bei dir.
Pro:
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Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
So oder so ähnlich erging es mir mit dem Buch
//SCHWEIGEMINUTE//
von Siegfried Lenz. Jenes Werk umfasst lediglich 128 Seiten, stellt eine Art „Liebesroman/Romanze/Liebesdrama“ dar, die sich nun auch der „Club“ Käufer für einen ermäßigten Preis von 17,95 EUR (statt der sonstigen 19,95 EUR) aneignen kann.
Ich selbst las über jenes Werk erstmals bewusst in „Ciao“ und setzte den Titel direkt auf meine persönliche Wunschliste. Im Zuge der von mir mitgemachten „zurück in den Club gegen 5 Bücher für lau“ Aktion nahm ich mir vorgestrig nun endlich jene Lektüre vor und war regelrecht gespannt und entsprechend vorfreudig, nach meiner vorangegangenen Halb-Enttäuschung bzgl. „Dear germany“ noch mal etwas bewegendes zu lesen.
Der Buchklappentext sprach hier von einer „zeitlosen Kostbarkeit“, einer „unerhört schönen Geschichte“ sowie einem „wunderschönen Liebesbuch“ und erinnerte mich somit an das immens große Bohei um „Kleine Lichter“ von Roger Willemsen, welches ich in der Tat für ein „kleines Licht“ halte, wenngleich in einer anderen Art und Weise als vom Autoren beabsichtigt.
Nichtsdestotrotz ward ich hier nicht stutzig, zumal ich mich nur noch schwach an Klappentexten orientieren mag. Fakt ist jedoch, dass ich mich erst an die „Sprung-Erzählweise“ gewöhnen musste. Anfänglich versteht der Leser, dass die Geschichte aus der Ego-Perspektive des Schülers Christian erzählt wird, taucht ein in die Trauerfeier anlässlich des Todes der beliebten Englisch-Lehrerin Stella Petersen und fragt sich zurecht, was geschehen sein mag; spekuliert vielleicht schon ein wenig... um das erste mal über die Zeitsprünge zu stolpern, die es zu Anfang nicht leicht machen, überhaupt zu folgen, wann wo was geschehen ist.
Doch nach und nach deckt sich die Geschichte auf ~ und langweilte mich damit fast zum entschlafen.
Schnell wurde klar, dass Christian sich in seine Lehrerin verliebt hatte und diese ihm ebenso wenig abgeneigt war; das altbekannte diesbezügliche Beziehungs-Verbot jedoch ein Hindernis darstellte. Trotzdem kommen die beiden sich näher; wissen nicht weiter, haben Angst, etwas zu riskieren und wollen es trotzdem. Christians Suche nach Stellas Nähe wiederholt sich genauso oft wie deren nichts- und doch so viel sagender Einwand „Ach Christian“.
Die Story an sich haben wir somit schon x-mal gehabt; was meiner Ansicht nach nicht weiter schlimm wäre; doch die Umsetzung ist derart grauenhaft ermüdend, dass ich für die wenigen Seiten fast 2 Stunden brauchte ~ eben weil ich mich kaum auf die ausschweifenden Fischer-Ausführungen konzentrieren konnte. Möglich, dass mein Lesefluss durch die Tatsache behindert wurde, dass mich Schilderungen rund um Fischfischer oder Steinfischer noch nie sonderlich fasziniert oder „nur“ interessiert haben. Warum aber überhaupt dieses „drumherumpalaver“ einen derartigen Platz in der sog. „Novelle“ einnehmen musste, entzieht sich meiner persönlichen Logik. Womöglich suchte der Autor nur neuen Nährboden, um Stella und Christian möglichst unauffällig stetig zusammen am Strand herumplanschen lassen zu können. Mir selbst ging jedenfalls der Kontext „Der Fischer und seine Frau“ nicht aus dem Kopf ~ erst recht nicht im Hinblick auf das bereits zu Anfang offenbarte Ende „Buttje Buttje in de See“.
Stella stirbt, ohne das die Liebe zu Christian je eine wirkliche Chance bekommen konnte ~ vorrausgesetzt, sie hatte je eine. Nach dem Strand- und Bootsfahrtstechtelmechtel sieht sich das von sich selbst verhinderte Liebes-Nicht-Paar in der Schule, wo Stella Christian kaum einen Blick schenkt. Klar, dass dieser sodann ihr ein wenig hinterherstalkert ~ und nicht klar, wann nun überhaupt was in welcher Reihenfolge geschehen ist.
Die ewiglichen Rückblenden sind nämlich nicht nur unübersichtlich, sondern fast schon nur mit hochgradiger Aufmerksamkeit in die richtigen Reihenfolge zu bringen; zumal der Schreibstil des Autoren jene „Aufgabe“ noch immens erschwert. Siegfried Lenz lässt den Hauptprotagonisten Christian nicht nur aus der Ich-Perspektive erzählen, sondern eben diesen dann und wann völlig unverhofft die direkte Anrede benutzen:
“Ich wartete darauf, dass sie sich zu mir setzte, doch sie tat es nicht, sie trat ans Fenster und blickte hinaus, gerade so, als suchtest du etwas, einen Zuspruch, eine Eingebung“.
(ZITAT S. 62/63)“
~ Meiner Meinung nach sicherlich ein „besonderes“ Stilmittel, eines, welches die Aufmerksamkeit des Lesers vermutlich wieder erhöht ~ um nicht zu sagen: mich vor dem direkten Einschlafen zu hindern. Und wieder erinnert diese Ich-Erzählweise eines Liebenden, der sein Herzblatt nicht mehr erreichen kann an „Kleine Lichter“; nur, dass dortig aus der Perspektive einer Frau geschrieben, sich an den Liebsten im Koma richtete und dieser durch die schwülstigen Zeilen erwachen sollte ~ während ich hier durch die monotone, schier untote Erzählweise eher gegenteiliges zu tun gefährdet war.
Die wirklich einzige Zeile des Buches, welche ich als „rundum gelungen weil nachwirkend“ bezeichne; findet sich ebenfalls auf S. 62:
“Das Land der Königin lag im Dämmer, keine Wege, keine Straßen, an einem Gewässer konnte man Häuser vermuten, geduckt, wie unerreichbar.“
Blöd nur, dass der Autor hierbei lediglich ein Bild („Eine Königin blickt auf ihr Land“ von Attenborough) beschrieb und darüber hinaus jene schriftstellerische Raffinesse wieder völlig verlor.
//VERNICHTENDES ERGO//
Ich hatte mir wer-weiß-was von dieser Lektüre versprochen; nicht aber ein Werk, welches mich nicht nur nicht berührte, sondern obendrein fragen ließ, woher die Begeisterung der anderen Leser stammen mag. Sicherlich sind auch literarische Geschmäcker verschieden; doch nichtsdestoweniger rätsele ich, ob ich nicht ganz einfach irgendetwas verpasst haben mag.
Christians Erinnerung an „den gemeinsamen Kopfabdruck im Kopfkissen“ mag ja anrührend sein; doch nach der gefühlten 725ten Erwähnung dessen spürte ich ein aufkeimendes (und angenervtes!) Aufseufzen meinerseits. Nix gegen Romantik, nix gegen Liebesleid und tränenreiche Rückblicke ~ aber in „Schweigeminute“ schwappen diese Gefühle rein gar nicht herüber; packen mich nicht und schockten mich lediglich in der Hinsicht, für so einen Käse im Normalfall rund 40 DM berappen zu sollen.
Glück für mich, dass der Hype um diesen Roman noch andauert, so dass ich jenes Werk bereits wieder gegen 3 Tickets bei meiner geliebten Internetdomain eintauschen konnte ~ noch 2 mehr und ich kann mich über den ersten Teil der „CSI: Miami“ DVD-Box erfreuen. Da weiß ich, was ich hab: eine immense Dosis (Tim) Speed(le), für den ich gerne die ein oder andere wortwörtliche Schweigeminute einlegen werde.
Lenz’ens Schweigeminute brachte mich hingegen weder zum schwärmen noch zu dem Gefühl, mir eine gelungene Lektüre angeeignet zu haben ~ vielmehr befinde ich die verlorenen zwei Stunden schon fast als Zeitverschwendung. Tröstlich nur, dass ich pünktlich zu Beginn von „Auf und davon“ die letzte Seite des Buches, die sich quasi wieder vor die erste schiebt, aufgenommen hatte ~ und ganz schnell wieder vergessen konnte.
Ergo des Ergos: „Schweigeminute“ ist definitiv nichts für mich; der meinige Lernfaktor bringt mich somit zu dem Schluss, mich vorrangig wieder anderen, unbeschreiblichen Genres zu widmen. Zeit, mir selbst ein Valentinstagsgeschenk zu machen und mir endlich Dirk Bernemanns „Satt. Sauber. Sicher. “ zuzulegen.
51 Bewertungen, 22 Kommentare
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14.02.2009, 21:24 Uhr von Prueter87
Bewertung: sehr hilfreichSehr informativ, klasse Bericht. LG
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13.02.2009, 05:24 Uhr von timecode001
Bewertung: sehr hilfreichKlasse geschrieben! Liebe Grüße. timecode001
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13.02.2009, 02:51 Uhr von tk7722
Bewertung: besonders wertvollEin sehr informativer Bericht, liebe Grüße
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13.02.2009, 00:14 Uhr von MasterSirTobi
Bewertung: sehr hilfreichDa hast du dir ein SH verdient. LG MST
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12.02.2009, 23:16 Uhr von droehn
Bewertung: sehr hilfreichToller Bericht, lg droehn
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12.02.2009, 22:41 Uhr von Mondlicht1957
Bewertung: sehr hilfreichSehr hilfreich und liebe Grüsse
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12.02.2009, 22:16 Uhr von sonnenbaerchen
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüße vom Sonnenbaerchen
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12.02.2009, 19:58 Uhr von taeler
Bewertung: besonders wertvollschöner Bericht, LG
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12.02.2009, 19:12 Uhr von campino
Bewertung: sehr hilfreichLG Andrea
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12.02.2009, 18:49 Uhr von frankensteins
Bewertung: sehr hilfreichganz liebe Grüße Werner
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12.02.2009, 18:41 Uhr von senora
Bewertung: sehr hilfreichEinen schönen Abend. LG
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12.02.2009, 18:06 Uhr von Vy_Zrudy
Bewertung: sehr hilfreichToller Bericht. Liebe Grüße Vy_Zrudy
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12.02.2009, 17:55 Uhr von sigrid9979
Bewertung: sehr hilfreichSuper Berichtet. Liebe Grüße Sigi
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12.02.2009, 17:55 Uhr von leupi123
Bewertung: sehr hilfreichSchöner Bericht. Hoffe auf Gegenlesungen, Leserunden und Freundesanfragen :)
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12.02.2009, 17:32 Uhr von angela1968
Bewertung: sehr hilfreichnoch nicht gelesen..... dein bericht klingt auf jeden fall sehr hilfreich
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12.02.2009, 17:13 Uhr von 4money
Bewertung: sehr hilfreich::: sh und lg, chris :::
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12.02.2009, 17:01 Uhr von ronald65
Bewertung: sehr hilfreichlg
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12.02.2009, 16:52 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichich wünsche dir einen schönen tag lg. petra
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12.02.2009, 16:48 Uhr von [email protected]
Bewertung: sehr hilfreichSuper Bericht LG koereplan
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12.02.2009, 16:42 Uhr von Jugin
Bewertung: besonders wertvollvon mir gibts ein BW weil ich den Bericht TOP finde........gruss jugin
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12.02.2009, 16:29 Uhr von nikita86
Bewertung: sehr hilfreichtoller bericht. freue mich über gegenlesung. lg, nikita
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12.02.2009, 16:27 Uhr von AnnaH
Bewertung: besonders wertvollScheint wirklich sehr interesannt zu sein.
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