Die Blutlinie (Taschenbuch) / Cody McFadyen Testbericht


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- Niveau:
- Unterhaltungswert:
- Spannung:
- Humor:
- Stil:
Erfahrungsbericht von BulmaZ
From Hell.
Pro:
alles
Kontra:
nichts
Empfehlung:
Ja
Die Blutlinie – Cody McFadyen
:: Bezugsquelle & Preis ::
Gekauft habe ich den Roman im Taschenbuchformat bei www.buecher.de.
Dort habe ich 8,95 € bezahlt.
:: Eckdaten ::
Titel: Die Blutlinie
Originaltitel: Shadowman
Autor: Cody McFadyen
Übersetzung: Axel Merz
Verlag: Lübbe
Erscheinungsjahr: 2008
Genre: Thriller
Seitenanzahl: 480 Seiten
:: Der Autor ::
Cody McFadyen (* 1968 in Texas) ist ein US-amerikanischer Schriftsteller von Kriminalromanen.
Nachdem Cody McFadyen mit 16 Jahren seine Highschool-Ausbildung abbrach, begann er, freiwillige soziale Arbeit zu leisten. So setze er sich unter anderem für Selbsthilfegruppen und bei der Drogenberatung ein und trat mehrere Weltreisen an. Er arbeitete danach in unterschiedlichen Branchen, wie etwa als Webseiten-Designer, bevor er sich mit 35 Jahren ganz der Tätigkeit als Schriftsteller widmete. Sein erster Roman Die Blutlinie um die Protagonistin Smoky Barrett fand internationale Anerkennung. Ihm folgten zwei weitere Romane; laut der Webseite des Autors stehe ein vierter Teil kurz vor der Veröffentlichung, und ein fünfter Teil sei bereits in Arbeit.[1]
Cody McFadyen ist Vater einer Tochter und lebt in Südkalifornien.
Quelle: www.wikipedia.de
:: Die Blutlinie ::
FBI Agentin Smoky Barrett ist am Boden zerstört: Vor sechs Monaten wurden vor ihren Augen ihr Mann und ihre kleine Tochter ermordet. Sie selbst kam knapp mit dem Leben davon, weil sie den Mörder erschoss. Erholt hat sie sich von diesem traumatischen Erlebnis noch lange nicht, dennoch möchte sie zurück ins Leben und raus aus dem lethargischen Alltag, den sie bisher verlebte.
Sie beschließt, für den Anfang ihr altes Team beim FBI zu besuchen. Dabei erfährt sie, dass ihre beste Freundin brutal ermordet wurde und dass der Täter eine Nachricht für sie persönlich zurück gelassen hat. Smoky bleibt keine andere Wahl, als sich des Falls anzunehmen. Schnell wird klar, dass der Täter, der sich selbst für einen direkten Nachfahren von Jack the Ripper hält, will, dass Smoky und ihr Team ihn jagen. Denn für jeden aus dem Team hat er eine besondere Überraschung vorbereitet – er demonstriert ihnen, dass er jederzeit in der Lage ist, ihnen alles zu nehmen, was ihnen wichtig ist.
So ganz nebenbei tötet er, wie schon seit angeblicher Vorfahre, Huren. Der Mörder, der sich Jack junior nennt, hat es allerdings auf eine etwas zeitgemäßere Variante abgesehen – auf Damen, die sich online ausziehen und ihre Kunden auf diese Weise bedienen.
:: Eindrücke ::
Wirkliche Innovationen wird es im Genre Thriller wohl kaum mehr geben. Aber wieso auch das Rad immer wieder neu erfinden? Im Endeffekt sind es doch immer die Serienkiller, die den geneigten Genrefan in ihren Bann ziehen, die Ermittlungsarbeit, die einen mitfiebern lässt und die Figuren, die allesamt meist keine allzu blütenreine Weste haben. Wird dies alles noch mit einem Aspekt gewürzt, wie hier, mit der Tatsache, dass sich der Mörder für einen Nachkomme von Jack the Ripper hält, kann doch eigentlich nur ein spannungsgeladener Roman dabei herauskommen, oder? Richtig.
Denn, um es vorweg zu nehmen, Cody McFadyen macht mit „Die Blutlinie“ wirklich alles richtig. Er leitet den Roman nicht auf konventionelle Weise mit einem blutigen Mord ein. Er beginnt seine Geschichte mit der seiner Hauptfigur Smoky Barrett. Der Leser wird sofort in ihr kaputtes Seelenleben mittels einer Sitzung bei ihrem Therapeuten eingeführt. Smoky sinniert auf den ersten paar Seiten darüber, was mit ihrem Mann und ihrer Tochter geschehen ist und wie es ihr dabei geht. McFadyen umgeht hier bereits den ersten Fehler, den man sicher mit Leichtigkeit hätte machen können: Er drückt nicht auf die Tränendrüse. Er bringt einem die kaputte Seele seiner Protagonistin näher, ohne dabei unnötig auf die Mitgefühlschiene abzudriften. Dennoch oder vielleicht gerade deshalb wirken all jene Schilderungen so extrem nah, dass man gar nicht anders kann, als betroffen zu sein. Gleichzeitig bewirkt dies aber auch etwas, das ich an den Thrillern von beispielsweise John Connolly und Richard Montanari so mag: eine extrem bedrückende Atmosphäre. Man hat den Eindruck, man würde sich zusammen mit der Protagonistin über eine dünne, brüchige Eisdecke begeben, die jederzeit unter einem weg brechen kann. Schnell wird klar, dass „Die Blutlinie“ keineswegs eine locker – heitere Atmosphäre haben wird, wie es z.B. in der Club der Ermittlerinnen Reihe von Patterson der Fall ist. Dementsprechend ist auch klar, dass die Geschehnisse, die das Leben der Protagonistin so schnell umgekrempelt haben, noch lange im Fokus der Handlung stehen werden. So flackern Momente der schrecklichen Tat immer wieder auf, Smoky lässt immer wieder kleinere Flashbacks zu, die einen nie vergessen lassen, was mit ihr passiert ist. Aber auch dies wird nie langweilig oder ausgelutscht. Der Autor schafft es, diesen wichtigen Aspekt der Hauptfigur neben der eigentlichen Handlung laufen zu lassen, ohne, dass es wirkt, als sei dies nur ein Alibi, das über den dünnen Plot hinweg täuschen soll.
Denn der eigentliche Plot ist alles andere als dünn – er ist intelligent, dabei nicht zu verschachtelt, konstruiert und einfach nur spannend. McFadyen pflastert seinen Roman dabei nicht unnötig mit Leichen. Das braucht er gar nicht. Denn man merkt deutlich, dass er eine Menge Zeit darauf verwendet hat, seinen Serienkiller, Jack junior, zu konstruieren. Dabei hat er sich ganz sicher Jack the Ripper und das, was man von ihm weiß, zum Vorbild genommen. Es funktioniert. Der Mörder in „Die Blutlinie“ ist das ultimative Böse und dabei so unverschämt intelligent, dass man sich als Leser fast selbst fürchtet. Er tut, was viele Killer tun – er verspottet das FBI und Smoky Barretts Team. Er schickt Briefe, Videos seiner Morde und er hinterlässt natürlich nie Spuren. Er weiß über jeden im Team bescheid und man glaubt ihm auch ohne die Beweise, die er später noch bringt, dass er jedem von ihnen alles nehmen kann. Auffällig ist bei genauer Betrachtung des Mörders und seiner Taten, dass der Autor nicht der Versuchung erlegen ist, jeden Mord bis ins kleinste Detail zu schildern. Er lässt den Leser zwar stets wissen, wie die Frauchenleichen zugerichtet wurden, aber er hört immer an einen gewissen Punkt auf, der den Leser unweigerlich dazu bringt, sich seine eigenen Vorstellungen zu machen, was in der Folge eine viel drastischere Wirkung hat, als jedes Detail zu zerreden. Rein psychologisch gesehen passiert auf diese Weise viel mehr, was im Endeffekt zu einer immensen Spannung führt, die ich so bisher leider nur selten bei Thrillern erlebt habe. McFadyens Mörder ist allgegenwärtig, man nimmt ihn ernst und das macht ihn so Furcht einflößend.
Der Schreibstil von Cody McFadyen ist ebenfalls bemerkenswert. Der Autor schafft viele Bilder, benutzt Metaphern, um dem Leser ein Bild von den Figuren zu schaffen. Jene Metaphern erinnern in ihrer Bildgewalt fast ein bisschen an Poesie, was dem Roman eine enorme Tiefe verschafft. Auch die Schilderungen der Morde, die Kaltblütigkeit und die Gewalt sind äußerst gelungen. McFadyen transportiert die Mordszenarien mittels Gedankenexperimenten der Hauptfigur auf den Leser. Diese Möglichkeit ist so genial wie simpel. Denn sie macht die gesamte Sache glaubwürdig. Würden die Abläufe der einzelnen Morde einfach so geschildert, würde man sich als Leser doch unweigerlich fragen, woher diese Informationen kommen. McFadyen jedoch macht dem Leser glaubhaft, dass seine Hauptfigur Smoky so dermaßen gut und scharfsinnig ist in ihrem Job, dass sie jene Szenarien ohne Probleme rekonstruieren kann. Eine andere Möglichkeit wäre noch, einzelne Kapitel einzufügen, die den Mörder direkt begleiten. Aber auch dies ist inzwischen doch schon sehr ausgelutscht. In „Die Blutlinie“ lernen wir den Mörder mittels Briefen und E-Mails kennen, die er dem Team zukommen lässt. Auch hier merkt man, dass sich McFadyen durchaus Gedanken gemacht hat, denn diese Nachrichten sind stilistisch her glaubwürdig und unterscheiden sich vom Rest des Romans, der aus der Ich – Perspektive der Protagonistin Smoky Barrett geschrieben ist. Im Großen und Ganzen kann man also festhalten, dass „Die Blutlinie“ allein schon durch den Stil eine sehr dichte und tiefe Atmosphäre aufzubauen weiß, sodass man sich dem Roman nicht mehr entziehen kann. Der Stil wirkt nicht larifari, sondern genaustens durchdacht.
Genauso verhält es sich mit den einzelnen Figuren.
Natürlich liegt der Fokus allein schon bedingt durch die Erzählperspektive auf Smoky Barrett. Man lernt sie von der ersten Seite an kennen und hat schon bald den Eindruck, man würde sie schon lange kennen. Smoky ist zu Recht vollkommen fertig. Sie starrt den ganzen Tag nur an die Decke, schläft schlecht und wacht immer wieder von Alpträumen geplagt auf. Sie gibt sich allerdings nie irgendeiner Art von Selbstmitleid hin, sie ist lediglich vollkommen in sich versunken. Zu Beginn ist dies noch schlimm, dass sie nicht einmal ihre Waffe in die Hand nehmen kann. Dies ändert sich, als sie zu ihrem Team zurückkehrt. Sie ist nicht von einer Sekunde auf die nächste geheilt und die Alte. Man merkt ganz genau, dass sie für immer anders ist – dennoch ist sie sympathisch und eine gestandene Romanfigur, die man durchaus gerne begleitet. Immer wieder brechen Erinnerungen durch und es gibt auch immer wieder schwache Momente, aber Smoky ist stark und dies auf eine unheimlich glaubhafte Weise, die man so selten in Thrillern trifft.
Auch die anderen Figuren, denen wir begegnen, können überzeugen. Dies auch, obwohl McFadyen bei ihnen nicht soviel Mühe darauf verwendet, sie einzuführen. Einer nach dem anderen werden sie von Smoky beschrieben, sodass man sich ein Bild machen kann. Zwar greift McFadyen dabei durchaus mal auf Stereotypen zurück, bastelt sie aber so hin, dass sie dennoch nicht ausgelutscht oder klischeehaft wirken. Allein durch das Figurenensemble kann der Roman also schon voll und ganz überzeugen.
Alles in allem ist „Die Blutlinie“ seit bestimmt zwei Monaten der beste Thriller, den ich gelesen habe. Der Autor macht einfach nichts falsch: Der Roman besitzt psychologische Raffinesse, bietet Spannung pur und wartet mit einem Figurenensemble auf, das glaubhafter und plastischer kaum sein könnte. Bei diesem Roman passt einfach alles zusammen, sodass ich an dieser Stelle doch wieder mal die Höchstwertung vergeben möchte. „Die Blutlinie“ muss man als Genrefan einfach gelesen haben.
53 Bewertungen, 14 Kommentare
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22.03.2010, 10:53 Uhr von struppitoeter
Bewertung: sehr hilfreichSehr hilfreich! Super!
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22.03.2010, 00:06 Uhr von martinludwig1
Bewertung: sehr hilfreichLG Martin
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19.03.2010, 19:29 Uhr von bigmama
Bewertung: sehr hilfreichLG Anett und ein schönes WE
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19.03.2010, 19:01 Uhr von mima007
Bewertung: besonders wertvollViele Gruesse, mima007
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19.03.2010, 11:56 Uhr von tina08
Bewertung: sehr hilfreichViele Grüße .... Tina
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18.03.2010, 17:44 Uhr von Q_Sonic
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich.... lg
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18.03.2010, 15:38 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichlg. ^^^^^^^^^^^^^petra
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18.03.2010, 15:21 Uhr von Steinbock78
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüsse Steinbock78
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18.03.2010, 12:32 Uhr von rainbow90
Bewertung: sehr hilfreichSuper berichtet. LG
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18.03.2010, 11:56 Uhr von minasteini
Bewertung: sehr hilfreichSehr hilfreich. LG Marina
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18.03.2010, 11:17 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichLG, Daniela
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18.03.2010, 10:39 Uhr von Medea78
Bewertung: sehr hilfreichschön geschrieben :-) Sonnige Grüsse aus Zürich
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18.03.2010, 10:25 Uhr von Iris1979
Bewertung: sehr hilfreichSuper Bericht. LG Iris
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18.03.2010, 10:11 Uhr von sigrid9979
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich...lg sigi
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