Verdammnis (Taschenbuch) / Stieg Larsson Testbericht

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ab 8,48
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Summe aller Bewertungen
  • Niveau:  anspruchsvoll
  • Unterhaltungswert:  durchschnittlich
  • Spannung:  durchschnittlich
  • Humor:  durchschnittlich
  • Stil:  sehr ausschmückend

Erfahrungsbericht von vampire-lady

wahnsinnig genial

Pro:

Salander

Kontra:

Verschwörungen

Empfehlung:

Ja

Mit rund 750 Seiten geht die Millenium-Reihe des verstorbenen schwedischen Autors Stieg Larsson (1954-2004) in die zweite Runde. Larsson hat mich fernab Mankellscher Behäbigkeit und trotz einiger Kritikpunkte bereits im ersten Band überzeugt. Diesen hatte mir eine Kollegin geliehen, aber "Verdammnis" hatte ich mit bestellt, noch bevor ich mit Teil eins durch war. Die Hauptfigur Lisbeth Salander lässt einen einfach so schnell nicht mehr los und diese wird nun im zweiten Band weiter ins Zentrum der Handlung geschoben.

Im einen oder anderen Klappentext werden Salander und Mikael Blomkvist gern als Partner bezeichnet, was ich ein wenig anders sehe, weil sie keine bewusste Entscheidung treffen als Partner zu agieren, sondern durch die Ereignisse aufeinander treffen. Außerdem ist Lisbeth alles andere als ein Teamplayer und hat sich sogar bewusst von Mikael distanziert, was der Autor auch im ersten Drittel des Buches expliziert verdeutlicht.

Der Leser trifft die Charaktere etwa ein Jahr nach den Ereignissen des ersten Bandes. Hier hatte Lisbeth zunächst für den Journalisten und Besitzer eines kleinen politischen Magazins Mikael gearbeitet und sich irgendwo mit ihm angefreundet und ein wenig in den 20 Jahre älteren verliebt. Für Lisbeth ein guter Grund die Kurve zu kratzen. Auf gewissen Wegen zu Geld gekommen, verbrachte sie das letzte Jahr auf Weltreise. Nun führt sie der Tod der Mutter zurück nach Stockholm, wo sie sich häuslich niederlässt und überlegen will, was sie mit ihrem Leben anfängt. Leider hat Salander Feinde. Ihr rechtlicher Betreuer (Lisbeth gilt als geistig zurückgeblieben und psychisch krank), den sie nach einer Vergewaltigung erpresst, will sie aus den Weg räumen lassen.

Währenddessen ist Mikael durch die Ereignisse in Teil eins ein kleine Berühmtheit geworden und Millenium hat als Zeitung ein gewisses Image erlangt. So passt es, daß ein junger Journalist an Mikael herantritt um eine brisante Story über einen Mädchenhändlerring dort zu veröffentlichen. Gleichzeitig soll ein Buch erscheinen.

Dieses erste Drittel verfolgt man als Leser durchaus mit einigem Interesse. Mikael ist immer noch der alte Schlawiner Mitte 40 und weit davon entfernt mit Frau und Kind sesshaft zu werden, was nicht heißt, daß er sexuell betrachtet irgendwie zu kurz kommt. Seine Versuche Salander zu kontaktieren hat er aufgegeben. Er vermisst ihre Freundschaft, beschließt aber ihren scheinbaren Wunsch nach Privatheit zu akzeptieren und sich auf seinen Job zu konzentrieren. Deutlich wird schnell, daß Mikael diesmal nicht die Hauptrolle spielen wird, wie im Band zuvor. Diesmal tauschen er und Lisbeth die Rollen. Salander zeigt zu Beginn eine weiche Seite ihrer Persönlichkeit. Mittlerweile 26 wirkt sie reifer, ihre Ecken und Kanten wirken abgeschliffen, sie scheint zur Ruhe gekommen zu sein. Das wirkt angenehm einlullend auf den Leser, denn man gönnt es ihr. Salander gehört sicherlich zu den faszinierendsten Buchfiguren, die vorstellbar sind. Man weiß, daß in ihrer Kindheit etwas schief gegangen ist, was sie durch Heime und Klapsmühlen geführt hat. Offiziell gilt Lisbeth als psychisch krank und geistig unterentwickelt, inoffiziell hackt sie Computersysteme, spielt mit Mathematik und dreht Dinger bei denen 007 erblassen würde. Dabei lebt sie völlig außerhalb des Gesellschaftssystems, welches sie anscheinend nicht versteht oder verstehen will und welchem sie misstraut. Warum das so ist, sollen wir in diesem Buch teilweise erfahren. Außerdem lebt Salander nach ihrer eigenen Moral. Vergleicht man sie mit Figuren aus anderen Thrillern, ist sie durchaus wie die Serienkiller dort gestrickt, aber sie gehört zu den Guten, auf ihre Art. Salander ist einfach anders. Und hier zu Beginn des Buches sieht es so aus als würde sie ihre Nische finden. Der Autor selbst wird sie später mit Pippi Langstrumpf vergleichen, denn zwischen den beiden Figuren gibt es viele Parallelen. Salander ist aber lange nicht so sommersprossig-fröhlich.

Irgendwann dann, war ich versucht, das Buch von mir zu schmeißen. Mikael und Lisbeth rödelten beide vor sich hin, wurden von den Entwicklungen aufgesogen, aber die Handlung begann dahinzuplätschern. Stirnrunzelnd stellte ich fest, daß ich nicht verstand wo beide Stränge der Geschichte hinführen sollten. Es fehlte der Zusammenhang. Gerade beschloss ich noch ein Kapitel zu lesen und ins Bett zu gehen, da bekommen Mikaels neuer Journalistenkollege und dessen Freundin Besuch von Fräulein Salander. Man trinkt Kaffee und im nächsten Kapitel sind der Journalist und seine Freundin tot. Auf der Mordwaffe finden sich Lisbeths Fingerabdrücke, der geschockte Mikael findet die Leichen und mag nicht an Lisbeths Schuld glauben. Eigentlich hatte ich da keine Lust mehr schlafen zu gehen.

Mit dem Mord verschwindet Salander zunächst völlig vom Schirm des Autors. Im nächsten Drittel verfolgt der Leser drei Ermittlerteams die dem Rätsel "Salander" auf die Spur kommen wollen. Mikael glaubt an die Unschuld seiner Freundin, vermutet einen Zusammenhang mit seinem verstorbenen Kollegen und will dessen Geschichte unbedingt veröffentlichen. Armanskji, Lisbeths ehemaliger Boss und Inhaber einer Sicherheitsfirma will Salander finden, bevor die Polizei das tut, weil er zwar nicht an ihre Unschuld glaubt, aber genau weiß, daß Lisbeth eine Verhaftung nicht überleben würde. Und ein Polizeiteam, angeführt von Inspektor "Bubbla", der immer wieder auf Leute trifft, die ihm die geistige Niete Salander als hochintelligente aber ein wenig anders veranlagte junge Frau schildern. Seine Verwunderung gibt immer wieder Anlass zum schmunzeln.

Im letzten Drittel dann kehrt der Autor zu einer Salander zurück, die zunächst verwundert zur Kenntnis nimmt, daß sie wegen Mordes gesucht wird. Sie beobachtet das Chaos auf ihre ureigenste Art aus ihrem Versteck, als aber eine enge Freundin angegriffen wird, lernen wir Salander von ihrer besten nämlich ihrer schlimmsten Seite kennen. Faszinierend zu erleben, was die schmächtige kleine Figur für ein Zerstörungspotential hat. Gleichzeitig enthüllt der Autor meist über Mikael immer mehr von Salanders dunkler Vergangenheit, wo man schließlich auf den roten Faden stoßen wird, der die beiden Hauptfiguren wieder in eine Richtung marschieren lässt. Hier findet dann auch der Fan von Verschwörungstheorien sein Biotop. Larsson liefert ein actionreiches Finale ab, das allerdings für meinen Geschmack auf zu viele Effekte setzt und daher dick aufgetragen wirkt. Leider lassen dann auch die beiden Bösetäter am Ende etwas zu wünschen übrig und erinnern an einen typischen Bondgegner, allerdings ohne Schmusekatze und in Rente. Hier hat der Roman einfach vorher etwas mehr angekündigt. Trotzdem kann ich nicht mal behaupten, daß mich das großartig gestört hätte.

Larsson hat hier ein Buch geschrieben, das funktioniert wie eine Achterbahnfahrt. Immer mal wieder abgebremst, immer mal wieder für eine Irritation gut, um dann mit Vollgas in die nächste Wendung zu gehen. Das ganze besetzt mit gut dargestellten Nebenfiguren, die selbst gegen die faszinierende Salander nicht verblassen. In diesem Band fand ich vielleicht die Geschichte nicht ganz so gut, wie in Band eins der Trilogie, aber mir liegen Verschwörungen generell nicht. Dafür fand dich die Handlungsaufbau ausgesprochen gelungen.


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Millenium Trilogie erschienen bei Heyne, Teil 1 + 2 sind bereits als Taschenbücher erhältlich, Teil 3 erschien gerade erst als Hardcover:

Teil 1 "Verblendung"
Teil 2 "Verdammnis"
Teil 3 "Vergebung"

41 Bewertungen, 20 Kommentare

  • angela1968

    05.01.2009, 10:07 Uhr von angela1968
    Bewertung: besonders wertvoll

    mit freundlichem gruß ein bw von mir

  • tina08

    22.10.2008, 18:11 Uhr von tina08
    Bewertung: sehr hilfreich

    Viele Grüße .... Tina

  • anonym

    20.10.2008, 20:55 Uhr von anonym
    Bewertung: besonders wertvoll

    Sehr schöner Testbericht

  • tk7722

    18.10.2008, 11:48 Uhr von tk7722
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein sehr interessanter Bericht, liebe Grüße

  • anonym

    18.10.2008, 11:09 Uhr von anonym
    Bewertung: besonders wertvoll

    BW!! Liebe Grüsse, Chrissy

  • MasterSirTobi

    17.10.2008, 22:57 Uhr von MasterSirTobi
    Bewertung: sehr hilfreich

    Berichte schreiben ist dir wohl in die Wiege gelegt LG und Sh

  • bigmama

    17.10.2008, 20:36 Uhr von bigmama
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG Anett

  • Miraculix1967

    17.10.2008, 19:58 Uhr von Miraculix1967
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr guter Bericht! Schönes Wochenende, SH und LG Miraculix1967

  • anonym

    17.10.2008, 19:49 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr hilfreich. LG Just86

  • Mondlicht1957

    17.10.2008, 18:59 Uhr von Mondlicht1957
    Bewertung: sehr hilfreich

    Super.,.,.,.,Liebe Grüsse aus Berlin.,.,.,.

  • Elfenfrau

    17.10.2008, 16:03 Uhr von Elfenfrau
    Bewertung: sehr hilfreich

    Gelungener Bericht. Lg

  • morla

    17.10.2008, 15:30 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    wünsche dir ein schönes wochenende lg. petra

  • anonym

    17.10.2008, 14:24 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH für deinen guten Bericht.LG Bernd

  • sigrid9979

    17.10.2008, 14:16 Uhr von sigrid9979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Prima Berichtet Lg Sigi

  • anonym

    17.10.2008, 13:53 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    einwandfreier Bericht, lg

  • Jerry525

    17.10.2008, 13:33 Uhr von Jerry525
    Bewertung: sehr hilfreich

    Bericht gelungen lg JERRY

  • DOMMEL

    17.10.2008, 13:14 Uhr von DOMMEL
    Bewertung: sehr hilfreich

    bekommst ein sh von mir, habe neue Berichte

  • frankensteins

    17.10.2008, 12:53 Uhr von frankensteins
    Bewertung: sehr hilfreich

    super beschrieben lg Werner

  • Jugin

    17.10.2008, 12:53 Uhr von Jugin
    Bewertung: sehr hilfreich

    toller Bericht weiter so......

  • blackangel63

    17.10.2008, 12:25 Uhr von blackangel63
    Bewertung: sehr hilfreich

    WuEnScHe EiNeN sChOeNeN fReItAg...GrUsS aNjA