Verdammnis (Taschenbuch) / Stieg Larsson Testbericht

Heyne-verlag-muenchen-verdammnis-taschenbuch
ab 8,48
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 10/2008
5 Sterne
(6)
4 Sterne
(0)
3 Sterne
(1)
2 Sterne
(0)
1 Stern
(0)
0 Sterne
(0)
Summe aller Bewertungen
  • Niveau:  anspruchsvoll
  • Unterhaltungswert:  durchschnittlich
  • Spannung:  durchschnittlich
  • Humor:  durchschnittlich
  • Stil:  sehr ausschmückend

Erfahrungsbericht von BulmaZ

Schuld & Unschuld.

5
  • Niveau:  durchschnittlich
  • Unterhaltungswert:  sehr gering
  • Spannung:  sehr gering
  • Humor:  wenig humorvoll
  • Stil:  sehr ausschmückend
  • Zielgruppe:  Männer

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Bei inzwischen schon mehreren meiner Buchbesprechungen habe ich erwähnt, dass ich zu dem einen oder anderen Werk nicht unbedingt durch Zufall gekommen bin. Wie auch beim dem heute vorliegenden Roman, bin ich erst durch eine Freundin auf selbigen gekommen. Es handelt sich dabei um den zweiten Teil einer Triologie, den ich wieder einmal in rasender Schnelligkeit durch hatte.

Verdammnis – Stieg Larsson

Bezugsquelle & Preis
___________________

Gekauft habe ich den Roman bei Jokers in Berlin Spandau. Dort habe ich für die Weltbildausgabe 11,00 € bezahlt. Es gibt den Roman noch als gebundene Ausgabe zum Preis von 22,00 €. Inzwischen habe ich auch gesehen, dass die Taschenbuchausgabe erschienen ist. Die kostet 9,95 €.

Kaufgrund
__________

Eigentlich wollte ich ja auf das Taschenbuch warten, denn 22,00 € waren mir dann doch zuviel für einen Roman aus einer Reihe, bei der ich den ersten Teil nur durchschnittlich gut fand. Als ich aber bei meinem obligatorischen Rundgang im Spandauer Jokers diese Ausgabe sah, griff ich einfach zu. Denn ich war der Ansicht, das Taschenbuch würde erst im Oktober herauskommen. So kann man sich irren.
Zu meiner Entscheidung, „Verdammnis“ zu kaufen, hat mich natürlich der erste Teil der Trilogie „Verblendung“ gebracht. Der war zwar nicht überragend, aber irgendetwas hatte er dann doch, sodass ich wissen wollte, wie es mit den Protagonisten weitergeht. Außerdem klang die Story hier recht spannend, deutlich spannender als beim Vorgänger. Als mich dann irgendwann spät abends eine völlig begeisterter SMS besagter Freundin erreichte, ich solle den Roman ganz unbedingt sofort lesen, blieb mir dann auch nichts anderes mehr übrig, als ihn mir nach meiner Pleite mit Lukianenko vorzuknöpfen – das war vor zwei Tagen. :o)

Eckdaten zum Roman
____________________

Titel: Verdammnis
Originaltitel: Flickan som lekte med elden
Autor: Stieg Larsson
Übersetzerin: Wibke Kuhn [aus dem Schwedischen]
Ausgabe: Weltbildausgabe
Erscheinungsjahr: 2007
Sonstiger Verlag: Heyne
Genre: Krimi / Thriller
Seitenanzahl: 751 Seiten

Der Autor
___________

Stieg Larsson (* 15. August 1954 als Karl Stig-Erland Larsson in Umeå, Schweden; † 9. November 2004 in Stockholm) war ein schwedischer Journalist, Schriftsteller und Herausgeber des antifaschistischen Magazins "EXPO".

[…]
Besonderes Interesse seiner Arbeit widmet er dem Rechtsextremismus. 1991 veröffentlicht er zusammen mit Anna-Lena Lodenius das Buch „Extremhögern“, das sich mit dem schwedischen Rechtsradikalismus befasst. Im Jahre 1995, als fünf Schweden von Rechtsextremisten ermordet wurden, gründet er die EXPO-Stiftung, zu der auch das gleichnamige Magazin gehört.Er galt weltweit als einer der führenden Experten für Rechtsextremismus und Neonazismus. Noch vor seinem Tod konnte er drei Kriminalromane fertig stellen, die jedoch erst posthum veröffentlicht wurden.
Stieg Larsson starb 2004 an den Folgen eines Herzinfarktes.2006 erhielt er posthum den skandinavischen Krimipreis Glasnyckeln für Verblendung, welches ein Jahr zuvor bereits vom schwedischen Buchhandel zum besten Buch des Jahres gewählt worden war.
Quelle: www.wikipedia.de

Die Story
___________

Nach Mikael Blomkvists Rehabilitierung im Fall der Wennerström – Affäre, ist er wieder als Redakteur bei der Zeitschrift Millenium tätig. Es scheint also wieder alles gut zu laufen. Da es sich bei Millenium um ein recht provokantes Enthüllungsblättchen handelt, steht natürlich auch wieder neuer explosiver Diskussionsstoff in den Startlöchern. Dabei soll es um ein Buch gehen, dass der junge Dag zum Thema Mädchenhandel schreiben und bei Millenium veröffentlichen will. Allerdings wird er in dem Buch Namen nennen – von Anwälten, Richtern, Polizisten. Behilflich ist ihm dabei seine Freundin Mia, die ihre Doktorarbeit ebenfalls zu diesem Thema geschrieben hat.

Als Mikael eines späten Abends noch einmal bei dem Pärchen vorbeischauen will, bietet sich ihm ein Bild des Schreckens. Denn beide wurden gezielt erschossen, ja nahezu hingerichtet. Vom Täter fehlt jedwede Spur. Nur die mutmaßliche Tatwaffe findet sich im Treppenhaus. Auf ihr sind die Fingerabdrücke einer alten Bekannten Mikaels – Lisbeth Salander.

Der Verdacht gegen die junge Frau erhärtet sich, als man ihren Betreuer, den Anwalt Nils Bjurman, ebenfalls erschossen mit derselben Waffe auffindet. Mikael glaubt nicht an Lisbeths Schuld und versucht, mit ihr in Kontakt zu treten und den wahren Täter zu finden sowie die Hintergründe aufzudecken…

Eigene Eindrücke
________________

Die Geschichte ist so sicher ganz und gar nicht neu. Vermutlich muss man nur einmal blind in einen Stapel des entsprechenden Genres greifen und erwischt garantiert einen Roman, der mit einem ähnlichen Plot aufwarten kann. Aber es wird wohl schwer seinen, einen Roman zu erwischen, der mit der gleichen Qualität und vor allem der gleichen Komplexität glänzen kann.

Man beginnt mit dem Lesen und hat lange Zeit den Eindruck, es würde gar nichts passieren. Dass man die ganze Zeit schon mitten in der Handlung ist und das Buch eben deshalb nicht weglegen kann, wird einem wohl erst später klar – wenn man es denn mal schafft, den beachtlichen Wälzer wegzulegen. Denn das ist in der Tat gar nicht so leicht. Zum einen liegt das am hervorragenden Schreibstil des Schweden. An dem ist überhaupt nichts auszusetzen. Sogar wenn er jeden noch so kleinen Nebencharakter kurz einführt und zuweilen Details ausbreitet, die entweder nicht wichtig oder völlig unerheblich für den Verlauf der Geschichte sind, liest man weiter und weiter. In „Verblendung“ hatte ich den ab und an leicht nüchternen Stil des Autors etwas bemängelt. Nach den 751 Seiten dieses Romans hier muss ich meine Meinung allerdings revidieren. Zwar ist der Stil weit davon entfernt, emotional zu triefen oder reißerisch zu sein, dennoch fesselt er einfach. Die Art und Weise ist unbeschreiblich. Der Mann hatte einfach nur Talent, wie ich finde.
Ich erinnere mich nur an eine einzige Passage, die ich wirklich etwas anstrengend fand. Dabei ging es um eine mathematische Gesetzmäßigkeit, die in allem Umfang erläutert wurde. Aber angesichts des restlichen Buches, kann man über so etwas ganz locker hinwegsehen. Stieg Larsson hat eine einzigartige Art drauf, den Leser bei der Stange zu halten. Da ist es wohl auch nicht verwunderlich, dass ich an einem einzigen Tag schon über 400 Seiten gelesen haben [irgendwann ging es leider nicht mehr, da auch mir irgendwann mal die Augen anfangen zu brennen von der recht kleinen Schrift].

Aber „Verdammnis“ lebt nicht nur vom einzigartigen Schreibstil.
Auch der Plot ist verdammt intelligent gestrickt. Wie mir von meiner Freundin prophezeit wurde, erkennt man hier, warum der Vorgänger „Verblendung“ teils so langatmig und detailverliebt war was die Einführung der Protagonisten angeht. Es war einfach nötig, eine so umfangreiche Einführung im ersten Roman zu schreiben. Denn hier passt alles hervorragend zusammen. Es kommt also niemals der Eindruck einer weit hergeholten Handlung oder aus der Luft gegriffenen Zufälle auf. Als ich dies erkannte, bin ich noch einmal mehr in Verzückung geraten. Man merkt also hier im zweiten Roman der Trilogie ganz deutlich, dass Larsson schon beim Schreiben des ersten Romans ganz genau und ganz sicher wusste, wo er mit seinen Figuren hin will. Ich finde das wahrhaft bewundernswert. So ist es vermutlich vollkommen überflüssig, noch das Wort Spannung in den Mund zu nehmen. Denn die ist bei den Voraussetzungen obligatorisch. Aber die Spannung wird nicht allein nur durch den Plot vorangetrieben. Es sind viele Faktoren. Hier ist meiner Ansicht nach der Weg zur Auflösung das Ziel. Das Tolle hier ist übrigens auch wieder, dass man nicht alleine auf eben jene Auflösung kommt. Die Situation scheint so ausweglos, dass man sich nicht vorstellen kann, wie das Ganze plausibel gelöst werden soll. Aber ich kann allen, die jetzt Interesse am vorliegenden Buch haben, versprechen: Es wird plausibel gelöst. Wie bereits erwähnt – nichts geschieht durch Zufall oder aus einer offensichtlichen Laune des Autors heraus.

Grandios gelöst hat Larsson übrigens das inzwischen schon leicht abgelatschte Klischee von den strahlenden Hauptfiguren, die kein Wässerchen trüben können und durch einen vorbildlichen Lebenswandel glänzen. Wer die zum formvollendeten Lesevergnügen braucht, ist mit Larsson schlecht bedient. Denn die gibt es hier definitiv nicht. Mehr noch als in „Verblendung“ wird dies hier klar.
Als erstes zu nennen wäre da also der Redakteur der Enthüllungszeitschrift Millenium – Mikael Blomkvist, von so manchem auch still und heimlich Kalle Blomkvist genannt in Anlehnung wohl an Astrid Lindgren. Er ist geschieden und unterhält seit zwanzig Jahren ein Verhältnis mit seiner Kollegin Erika Berger, ihres Zeichens übrigens verheiratet. Die Affäre der beiden wird vollkommen neid- und eifersuchtslos vom Ehegatten toleriert. Allein dieser Fakt ruft sicher bei vielen Lesern nicht unbedingt Sympathie hervor. Aber es geht noch weiter. Denn Mikael geht auch regelmäßig mit der inzwischen wieder aufgetauchten Harriet Vanger ins Bett [das ist die Dame, die in „Verblendung“ für tot gehalten wurde und mit deren Finden bzw. Aufklärung der Umstände Mikael betraut war]. Dennoch wirkt Mikael aber nicht wie der typische „Ey, isch kann sie alle haben, mann!“ Casanova. Er ist eher kultiviert in seinen Gewohnheiten was Frauen angeht. Das wiederum macht ihn irgendwie – nun ja – reizvoll vielleicht. Vor allem aber verleiht es einer Person mit einem derartigen Lebenswandel irgendwie eine ganz andere Erscheinungsform.
Im Berufsleben ist Blomkvist übrigens der knallharte Journalist, der alles doppelt und dreifach überprüft, bevor es in den Druck geht – aus gutem Grund und wegen schlechter Erfahrungen. Er wirkt professionell und fair gegenüber seinen Untergebenen. Außerdem ist er loyal Lisbeth Salander gegenüber. Denn ihm ist sofort klar, dass sie unschuldig sein muss. So lässt er sich auch nicht davon irritieren, dass die ganz offensichtlich nichts mehr mit ihm zutun haben will.
Lisbeth Salander ist eine Persönlichkeit für sich. Sie wurde für nicht geschäftsfähig eingestuft und hat deshalb eine Art Vormund – den perversen Anwalt Nils Bjurman. Allerdings hat die tätowierte und gepiercte, 1,50 m kleine Frau ihn bereits in „Verblendung“ auf beeindruckende Art und Weise in seine Schranken verwiesen. Lisbeth ist verschlossen und hütet ihre Privatsphäre fast schon auf paranoide Weise. Ja, sie hat einen an der Waffel. Trotzdem ist sie irgendwie sympathisch. Man fiebert mit ihr mit und kann sich sogar ein Stück weit mit ihr identifizieren. In „Verdammnis“ erfährt man einiges, aber immer noch nicht alles, über ihre Vergangenheit und den Grund für ihr Abdriften aus der Gesellschaftsnorm.
Mikael Blomkvist und Lisbeth Salander sind also die absoluten Antihelden und weit davon entfernt, perfekte Romanfiguren im klassischen Sinne zu sein.

Neben den beiden tauchen übrigens noch unzählige weitere Figuren auf, die eine mehr oder minder wichtige Rolle innehaben. Auf jeden einzelnen einzugehen würde jedoch den Rahmen vollends sprengen und sollte auch nicht Gegenstand einer Rezension sein. Es sei nur soviel gesagt, dass Larsson sich für jeden ein paar Seiten bzw. Passagen Zeit nimmt und ihn oder sie adäquat einführt. So wird er auch bei den Randfiguren nicht müde, jedem einen charakteristischen Zug zu verpassen. Erwähnenswert ist dabei wohl einer der ermittelnden Polizisten, der aus seiner Homophobie keinen Hehl macht, Lesbensex und SM - Spielchen dennoch aber irgendwie antörnend zu finden scheint. Oder aber Salanders gute Freundin und ehemalige Bandkollegin Miriam Wu, die sich gerne mal mit Lisbeth auf ein außergewöhnliches Schäferstündchen einlässt und ihre Brötchen nicht unbedingt mit einem mausgrauen Bürojob verdient. Also, ich denke, ihr wisst, was ich meine, wenn ich von unkonventionellen Figuren rede, von denen keine farblos bleibt.

Abschließend gehe ich davon aus, dass meine unverhohlene Begeisterung wohl zum Ausdruck gekommen ist. An „Verdammnis“ stimmt einfach alles. Es ist eine Schande, dass der Autor so früh sterben musste und den geneigten Leseratten nur drei Romane hinterlassen hat. Denn meiner Ansicht nach ist er ein Könner, der seines Gleichen sucht.
Es sei übrigens noch angemerkt, dass man prinzipiell auch mit diesem Roman hier beginnen kann. Denn die wichtigsten Dinge, die man über die Protagonisten und ihre Beziehungen untereinander wissen muss, werden hier jeweils noch einmal kurz umrissen, sodass kein Vorwissen nötig ist. Um aber den Effekt zu haben, den ich weiter oben beschrieben habe, nämlich plötzlich zu erkennen, dass dies alles einer ausgeklügelten Planung seitens des Autors unterliegt, sollte man „Verblendung“ dann vielleicht doch lesen. Wer sich hingegen wirklich nur für den Plot interessiert, kann getrost mit „Verdammnis“ anfangen. Allerdings wäre dies schierer Frevel gegen den verstorbenen Autor.

Lange Rede, kurzer Sinn – fünf Sterne und eine unbedingt Empfehlung an alle Leseratten, die diesem Genre zugeneigt sind.

48 Bewertungen, 13 Kommentare

  • mima007

    13.08.2011, 21:37 Uhr von mima007
    Bewertung: besonders wertvoll

    bw. Viele Gruesse, mima007

  • campino

    13.08.2011, 13:26 Uhr von campino
    Bewertung: sehr hilfreich

    ..... lg andrea .....

  • Baby1

    12.08.2011, 23:10 Uhr von Baby1
    Bewertung: sehr hilfreich

    .•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.

  • morla

    12.08.2011, 22:37 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    schönes wochenende lg. petra

  • Clarinetta2

    12.08.2011, 21:17 Uhr von Clarinetta2
    Bewertung: sehr hilfreich

    zwischendurch fand die geschichte langamtig, dem roman hätte ein paar kürzungen gut getan-priam vorgestellt

  • furthy

    12.08.2011, 21:00 Uhr von furthy
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr schön beschrieben

  • Iggiz

    12.08.2011, 21:00 Uhr von Iggiz
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schönes Wochenende. Lg

  • sirikit06

    12.08.2011, 20:55 Uhr von sirikit06
    Bewertung: besonders wertvoll

    Wünsche Dir ein schönes WE! LG

  • Mondlicht1957

    12.08.2011, 20:14 Uhr von Mondlicht1957
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr hilfreich und liebe Grüsse

  • Hansi04

    12.08.2011, 20:05 Uhr von Hansi04
    Bewertung: sehr hilfreich

    wünsche dir ein schönes Wochenende, lieben Gruß

  • Miraculix1967

    12.08.2011, 19:47 Uhr von Miraculix1967
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schönes Wochenende und LG aus dem gallischen Dorf Miraculix1967

  • feliciano2009

    12.08.2011, 18:21 Uhr von feliciano2009
    Bewertung: sehr hilfreich

    Kein schlechter Roman...

  • katjafranke

    12.08.2011, 18:10 Uhr von katjafranke
    Bewertung: sehr hilfreich

    Einen Gruß von der KATJA