Lilo & Stitch (DVD) Testbericht

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Lilo-stitch-dvd-zeichentrickfilm
ab 3,21
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Erfahrungsbericht von mima007

Monster & Mädchen: einer der besten Disney-Filme

Pro:

humorvoll, einfallsreich, unterhaltsam; umfangreiches Bonusmaterial

Kontra:

unscheinbare Brüche in der Entwicklung der Figuren

Empfehlung:

Ja

Ein außerirdisches Monster (Stitch) sucht eine der schönen Hawaii-Inseln heim - und lernt von einem kleinen Mädchen, was es heißt, ein Freund zu sein. Keine leichte Lektion. Und der Weg zu ihrem Verständnis ist lang und gespickt mit Hindernissen.

Ich habe mir den Film in der Originalfassung angesehen. Manche Namen können von der deutschen Fassung abweichen.

Filminfos

O-Titel: Lilo & Stitch (Walt Disney, USA, 2002), DVD: 20.03.2003
FSK: keine Altersbeschränkung
Länge: ca. 84 Min.
Regisseur: Chris Sanders, Dean Deblois
Drehbuch: Chris Sanders
Musik: Alan Silvestri
Sprecher: Tia Carrere (\"Die Wiege der Sonne\") u.a.

Handlung

In der galaktischen Föderation findet ein Gerichtsprozess statt, der unerhört ist: ein verrückter Wissenschaftler namens Jumba hat ein Wesen genetisch so manipuliert, dass nun sein Experiment Nr. 626 das tödlichste Monster im bekannten Universum ist. Die Präsidentin der Föderation verhängt sogleich die Strafe: ewige Verbannung für das Monster und Gefängnis für den Wissenschaftler.

Leider ist das Monster, das gerademal so groß wie ein Waschbär ist, schon nach wenigen Minuten seinen Häschern entkommen, hat einen Polizeigleiter geklaut und ist Richtung Erde geflohen. Die Präsidentin würde ja zu gerne die Erde in die Luft jagen, um die Bedrohung für immer zu beseitigen, doch da schreitet ihr Berater Mr. Pleakley ein: Die Erde sei ein geschütztes Reservat für die vom Aussterben bedrohten Moskitos, die nur dort ihre bevorzugte Nahrungsquelle, die Menschlinge, fänden. Kurzerhand verdonnert die Präsidentin Mr. Pleakley und Jumba dazu, das Monster dort aufzuspüren und zu eliminieren.

Unterdessen auf der nichtsahnenden Erde, genauer gesagt: auf Kauai, einer der kleineren Hawaii-Inseln. Die kleine Lilo ist eine wahre Rebellin und mit nichts zufrieden. Ihre Schwester Nani (gesprochen von Tia Carrere) soll sich zwar um sie kümmern, hat aber selbst ein zu jähzorniges Temperament, um bei dieser übermenschlichen Aufgabe viel Erfolg zu haben. Das Zusammenleben der beiden Schwestern endet regelmäßig in einem Wettbewerb im Anschreien. Vom Zerlegen der gemeinsamen Wohnung ganz zu schweigen. Beiden fehlen ihre Eltern.

Ein mysteriöser Man in Black taucht auf, Mr. Cobra Bubbles, der Nani eine Frist von drei Tagen setzt, um einen Job zu finden und Lilo ein gesichertes Zuhause zu bieten. Nani hält Mr. Bubbles für einen Sozialarbeiter, aber er ist natürlich etwas ganz anderes.

Um die kleine Rebellin Lilo zu beruhigen gibt es nichts Besseres als ein Haustier zum Kuscheln. Im Tierasyl werden die Schwestern fündig. Ein schwarzweißes Tierchen mit herzigem Grinsen und von Waschbärgröße hat es Lilo sofort angetan, und sie lässt es Nani vom Fleck weg kaufen. Sie ahnen nicht, dass sie es mit dem tödlichsten Wesen des bekannten Universum zu tun haben, das auf ihrer Insel abgestürzt ist. Trucker hatten es halbtot, vom Truck überfahren, von der Straße aufgesammelt und abgeliefert.

Das superintelligente Monster, das Lilo als erstes Stitch getauft hat, legt eine unheimliche Vorliebe für Elvis-Songs an den tag. In einer der komischsten Szenen des Films demonstriert die stolze Lilo die Fähigkeiten der Neuerwerbung: Mit der Klaue in der Plattenrille kann Stitch den Hit \"Hound Dog\" wiedergeben, sobald Lilo Stitchs Maul aufmacht. Macht sie ihm die \"Klappe\" wieder zu, verstummt die Musikwiedergabe - und umgekehrt. Soviel zu kindlichen Entdeckerfreuden mit der Technik. Nani jedenfalls ist sprachlos. Aber wird sie auch Lilo behalten dürfen?

Als Stitch und Lilo Nani bei deren Jobsuche auf der Insel begleiten dürfen, stellen sie so viel Unsinn an, dass es ein Wunder ist, dass Omas nicht an Herzinfarkt draufgehen. Am Strand versucht sich Stitch selbst als Elvis-Imitator, zweifellos auf Anweisung von Lilo, die seine Talente sagenhaft finden. Wenig später ist auch an die Stelle als Strandaufseherin nicht mehr zu denken.

Doch Ungemach naht: Stitchs Erfinder und sein Begleiter, der Ökologe Mr. Pleakley, sind auf Kauai eingetroffen und machen Jagd auf Stitch. Dabei lernt Pleakley zu seinem größten Schmerz, dass Moskitos zwar geschützt sein mögen, aber dennoch Blutsauger bleiben und auch vor Außerirdischen nicht Halt machen. Doch die Jagd auf Stitch bringt dessen neue Familie in Lebensgefahr. Als dann noch ein Jäger, Captain Ganu, auftaucht, ist es mit der Ruhe endgültig vorbei: Stitch muss auf die harte Tour lernen, was es heißt, eine Familie zu haben. Das Prinzip \"o\'hana\" - Familie - bedeutet, dass kein Familienmitglied zurückgelassen oder vergessen wird.

Als Captain Ganu sowohl Lilo als auch Stitch gefangennimmt und entführt, Stitch aber freikommt, erfordert es das o\'hana-Prinzip, dass er alles in seiner Machtstehende unternimmt, um Lilo zu retten: Ein Showdown der spektakulären Art folgt.

Mein Eindruck: der Film

\"Lilo & Stitch\" ist der erfolgreichste Animationsfilm der Walt Disney Studies seit langem - und zudem wesentlich besser als etwa \"Der Schatzplanet\" oder \"Atlantis\". Das liegt vor allem an den beiden unkonventionellen Titelhelden. Die kleine Lilo behauptet zwar, sie sei angepasst, aber alle anderen Mädchen fürchten sich vor ihr und finden sie einfach grässlich. Dennoch ist das kleine Waisenmädchen einfach liebenswert. Schon allein deswegen, weil es so gerne eine komplette o\'hana haben möchte.

Stitch hingegen ist wahrscheinlich das boshafteste Wesen, das die Disney-Studios je hervorgebracht haben. Es ist eine Art sechsbeiniges Stinktier mit Rückenstacheln und giftigem Speichel, von den obligatorischen enorm großen Zähnen ganz zu schweigen. Selbstredend ist sein ganzes Sinnen und Trachten auf Zerstörung ausgerichtet. Kein Wunder, dass alle Tier im Tierasyl einen möglichsten großen Abstand von ihm halten: Sie kleben an der Decke.

Deshalb ist es ein umso großeres Vergnügen mitzuverfolgen, wie die rabiate Lilo das außerirdische Monster nach Strich und Faden ausnutzt: mal als Plattenspieler, mal als Elvis-Imitat. Aus Angst vor Entdeckung macht Stitch alles mit. Nur beim Wellenreiten rastet er fast aus: Wasser macht ihm Angst. Doch sein Charakter ändert sich deswegen (noch) nicht.

Erst als dem Monster das Prinzip der Freundschaft und des o\'hana aufgeht, versteht er, was er bisher alles falsch gemacht hat: In diesem Moment der Selbsterkenntnis nimmt Stitch sich selbst als Monster wahr, als er die egoistische Motivation seiner Existenz und ihre zerstörerischen Folgen wahrnimmt. Kurzum: Im Idealfall ist Stitch ein Alter Ego des modernen Menschen, der seine eigene Welt zerstört. Wir alle können Stitch sein, und Lilo, die Waise, ist unser potentielles Opfer.

Nur wer sich noch näher mit der Entwicklung der Figuren beschäftigt, wird auf ein paar unplausible Brüche stoßen. Dafür muss man aber schon genau hinsehen.

Die DVD

Technische Infos:
Bildformate: 1.66:1
Tonformate: Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 5.1, DTS 5.1) Englisch (Dolby Digital 5.1, DTS 5.1)
Sprachen: Dt., Engl.
Untertitel: Dt., Engl., Türkisch

Extras:

- Making Of
- Kinotrailer
- Lilo\'s Lexikon: Hawaii - Die Aloha-Inseln
- Spiel: Das Alien-Experiment
- Mit Stitch auf Zeitreise: Die Jahre bei Disney
- Der Look von Lilo & Stitch
- Unterricht im Hula-Tanz
- Die Animation des Hula-Tanzens (zusätzliche Szenen)
- Making Of zu dem Elvis-Hit \"Burning Love\", im Film gesungen von der Sängerin Wynonna
- Musikvideo zum Elvis-Hit \"I Can\'t Help Fallin\' In Love With You\" von der Gruppe A*Teens
- 4 Kinotrailer mit Stitch und anderen Disney-Charakteren wie etwa Arielle, Aladin oder \"König der Löwen\"
- Zusätzliche Szenen (kommentiert von Dean Deblois)

Mein Eindruck: die DVD

Wie man leicht an der Aufzählung der Extras erkennen kann, hat Disney sich nicht lumpen lassen, als es um die Bestückung der Silberscheibe mit vielen kindgerechten Goodies ging. Insbesondere die vier Kinotrailer und \"Mit Stitch auf Zeitreise: Die Jahre bei Disney\" sind köstliche Wiedererkennungsorgien für kleine und große Kinder. Stitch stößt bei der Meerjungfrau Arielle, Aladin, im \"König der Löwen\" und in \"Die Schöne und das Biest\" keineswegs auf Gegenliebe. Das Lied ist immer das gleiche: \"Mach doch deinen eigenen Film!\" Und so kam es dann ja auch. Ein ironischer Kommentar von Stitch-Erfinder Christ Sanders?

Ein zweiter Themenkomplex bilden Hawaii und seine Bewohner. Eine Diashow stellt uns die einzelnen Inseln des Archipels vor, weitere Filme machen uns mit der Kunst des Hula-Tanzes bekannt und wie ernsthaft sie filmisch wiedergegeben wurde. Eher was für die Erwachsenen sind wohl das Making-of und die Animationsdoku \"Der Look von Lilo & Stitch\". Eher spielerisch ist dagegen das Spiel \" Das Alien-Experiment\", bei dem man einfach nur erraten muss, in welcher Reihenfolge drei farbige Knöpfe zu drücken sind, um das gewünschte Ergebnis, nämlich ein Stitch-ähnliches Wesen, zu erschaffen.

Wie man an der dokumentierten, verwendeten Musik erkennen kann, ist der Sound des Films ausgezeichnet, auch wenn sich zuweilen sehr viele Klangeffekte überlagern, etwa beim Showdown. Auch die Animation ist gut gelungen: Auffallend die runden Formen, die die eckigen Formen von \"Königreich für ein Lama\", \"Atlantis\" und \"Schatzplanet\" angenehm ablösen. Die Animateuere gehen auf diesen Aspekt extra ein.

Unterm Strich

Diese DVD ist durchaus ihr Geld wert: Soviel Bonusmaterial erhält man eben nur auf den erfolgreichsten Produktionen (Beispiel: \"Minority Report\"). Der Film selbst macht Laune, weiß zu unterhalten und auch menschlich zu bewegen. Man wartet zwar vergeblich darauf, dass das Monster in Tränen ausbricht, aber weit ist es davon nicht entfernt. Das kann durchaus anrührend sein. Ein guter Ausgleich zum Humor des Films, der sich häufig an oberflächlichen Effekten wie dem Elvis-Auftritt festmacht.

Der Look des Films ist sehr gelungen: Allein schon die umfangreichen Wellenreiterszenen verblüffen und begeistern. Schon das Hinsehen macht Spaß. Wie die Macher nicht müde werden zu betonen, hat man sich diesmal die Wirklichkeit ganz genau angesehen und sie so getreu wie möglich wiedergegeben. (Gleiches gilt für den Hula-Zanz, bei dem man ja die Gefühle der Bevölkerung nicht verletzten wollte.) Dieses Bemühen um Realismus ist etwas Neues bei Disney und sollte weiterverfolgt werden. Wir dürfen uns schon auf \"Lilo & Stitch 2\" freuen, das noch dieses Jahr zu sehen sein soll.

Ach ja: So mancher wird sich vielleicht fragen, was Hawaii und Elvis miteinander zu tun haben. Das ist ganz einfach zu beantworten: Hier hat der King seinen erfolgreichsten Film gedreht, \"Blue Hawaii\".

Michael Matzer (c) 2003ff

22 Bewertungen