Schmetterling und Taucherglocke (DVD) Testbericht




Auf yopi.de gelistet seit 03/2010
- Action:
- Anspruch:
- Romantik:
- Humor:
- Spannung:
Erfahrungsbericht von Dr_Ed
Die Gedanken sind frei
Pro:
siehe Bericht
Kontra:
siehe Bericht
Empfehlung:
Ja
Es ist ja in der Filmbranche nichts ungewöhnliches, dass das Leben bedeutender Persönlichkeiten oder herausragende Schicksale vergleichsweise unbekannter Personen verfilmt werden. In diesem Film werden quasi zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, denn hier geht es um ein herausragendes Schicksal einer relativ bekannten Persönlichkeit. Trotzdem ist dieser Film keine gewöhnliche Biographie oder kein banaler Schicksalsbericht geworden. Wieso, dazu mehr in diesem Bericht!
### DIE GESCHICHTE ###
~~~ Wie immer zuerst die "Gemeinwesen holt einmal tief Luft"-Kurzversion ~~~
Jean-Dominique Bauby hat in seinem 42-jährigen Leben schon vieles erreicht: Er ist Chefredakteur der Zeitschrift "Elle", führt ein angenehmes Luxusleben, bis er plötzlich einen sogenannten Hirnschlag erleidet. Von einem auf den anderen Tag ist er völlig gelähmt, hat keine Kontrolle über seinen Körper, kann sich weder bewegen, noch mit anderen kommunizieren, aber das bei vollem geistigen Bewusstsein. Lediglich sein linkes Augenlid kann er noch bewegen. Mit Hilfe einer Logopädin lernt er ein System, anhand dessen er sich mit seiner Außenwelt über sein noch funktionierendes linkes Augenlid verständigen kann. Auf diese Weise entsteht dann ein Buch, in dem er seine Erfahrungen, aber auch seine Gedanken schildert.
~~~ und jetzt die "Dr.Ed muss einige Male durchatmen"-Langversion ~~~
Das Leben des 42-jährigen Jean-Dominique Bauby (Mathieu Amalric) ist von Luxus, Glanz und Glamour geprägt, denn als Chefredakteur der Zeitschirft "Elle" ist er Teil des Mode-Jetsets. Im Jahre 1995 wird er jedoch eines Tages jäh aus diesem Leben herausgerissen, als er plötzlich und unerwartet 1995 einen Schlaganfall erleidet, der auch seinen Hirnstamm massiv schädigt (unter Medizinern spricht man auch von einem sogenannten "Hirnschlag"). Als Bauby wieder aus dem Koma erwacht, ist zwar bei vollem Bewusstsein, kann sich aber weder bewegen, noch verständigen. Das einzige, was Bauby noch bewegen kann, ist sein linkes Augenlid. Der behandelnde Arzt Dr. Lepage (Patrick Chesnais) stellt die niederschmetternde Diagnose, dass Bauby am sogenannten "Locked-in-Syndrom" leidet.
Anfangs ist Bauby verzweifelt und möchte am liebsten sterben. Aber seine Frau Céline (Emmanuelle Seigner), mit der er 3 Kinder hat und die hübsche Logopädin Henriette Durand (Marie-Josée Croze), sowie die nicht minder atrraktive Physiotherapeutin Marie-Lopez (Olatz Lopez Garmenida) geben ihm neuen Lebensmut. Auch sein Freund Laurent (Isaach de Bankolé) besucht ihn regelmäßig. Mit Hilfe von Henriette entwickelt Bauby ein System, mit dessen Hilfe er mit der Außenwelt über sein linkes Augenlid verständigen kann. Dieses System besteht darin, dass ein Alphabet erstellt wird, wo die Buchstaben nach Häufigkeit ihres Vorkommens in der französischen Sprache geordnet sind. Diese Buchstaben werden langsam vorgelesen und jedes Mal, wenn er einen Buchstaben auswählt, blinzelt Bauby mit dem Auge. Anschließend werden die Buchstaben zu Wörtern zusammengefügt und die Wörter zu Sätzen.
Nach einigem Hin und Her und dem Spielenlassen einiger alter Beziehungen gelingt es Bauby, seine Mitmenschen für die Idee zu begeistern, dass er seine Erlebnisse und Gedanken in Form eines Buches niederschreibt. In der Zwischenzeit hat Bauby nämlich festgestellt, dass er zwar in seinem Körper gefangen ist, seine Gedanken aber nichtsdestotrotz frei sind. Der Verlag stellt Bauby die junge (und natürlich wieder sehr hübsche) Verlagsassistentin Claude (Anne Consigny) als Schreibkraft zur Verfügung. Um das Diktat zu beschleunigen, überlegt sich Bauby bereits am frühen Morgen, welche Gedanken und Sätze er zu Papier bringen will und lernt diese bis zum Eintreffen Claudes auswendig.
Obwohl sich Bauby nicht immer ob der Sinnhaftigkeit seines Vorhabens sicher ist und ihn Zweifel plagen, gibt er nicht auf. Tiefsinnig und gnadenlos ehrlich überdenkt er sein bisheriges Leben und stellt fest, dass es trotz allen Erfolges nichts weiter als eine Aneinanderreihung vieler kleiner Fehlschläge war. Er erinnert sich an seine Lieben, seinen Vater Papinou (Max von Sydow) und bedauert die Momente des Glücks und der Gelegenheiten, die er achtlos vorüberziehen ließ. Und Bauby entdeckt, dass selbst seine Unbeweglichkeit eine Quelle des Glücksgefühls sein kann...
### MEINE MEINUNG ###
Regisseur Julian Schnabel ist in mehrfacher Hinsicht ein bemerkenswerter Film gelungen. Zum einen verzichtet er auf mitleidheischendes, weinerliches Herz-Schmerz-Gesülze und unnötige Gefühlsduselei. Es werden auch nur relativ wenige Rückblenden auf das Leben Baubys vor seinem Schlaganfall gezeigt. Selbst Bilder des bewegungsunfähigen, im Rollstuhl sitzenden Bauby werden nur sehr sparsam eingesetzt. Stattdessen wird der Film überwiegend aus der Perspektive von Baubys verbliebenem linken Auge gezeigt und seine Gedanken über eine Stimme aus dem Off erzählt.
Wie bitte? Das klingt doof? Das ist konventionell? Ist es gar nicht, denn es ist eigentlich sogar ein äußerst raffinierter Schachzug. Denn mittels überlappender Blenden mit verschwimmenden Bildern und dem ständigen Augenzwinkern der Kamera schafft es Kameramann Janusz Kaminski, unmittelbar am Anfang des Films das Publikum direkt in die Sichtweise Baubys hineinzuversetzen. Man erlebt also unmittelbar mit, wie sich seine Sicht der Dinge für ihn angefühlt haben muss. Die Eingeschränktheit dieser Perspektive entwickelt sich so zur Stärke des Films, denn man lernt schnell, was es bedeutet, einen wachen Verstand, aber einen quasi schlafenden Körper zu haben.
Erst mit zunehmender Dauer des Films weitet sich der Kamera-Blick, wird offener, mobiler, flexibler. Dennoch bleibt die Perspektive Baubys im Zentrum des Geschehens, schließlich soll das Publikum an seinen Gedanken und Erinnerungen teilhaben, denn selbst in seiner eigentlich hoffnungslosen Situation verbreitet Bauby Esprit, Humor, Tiefgang und Poesie. Das ist einerseits zwar sehr unsentimental und erfrischend, aber trotzdem berührt es einen, da man einen Menschen erlebt, der erst im größten Unglück sein wahres Ich entdeckt und darin zugleich auch seine größte Erfüllung findet.
Darstellerisch ist an den Beteiligten des Film nichts auszusetzen, auch wenn Mathieu Amalrics größte schauspielerische Herausforderung darin gelegen haben dürfte, regungslos und stumm im Rollstuhl zu sitzen. Später war er in dem James-Bond-Film "Ein Quantum Trost" als Bösewicht zu sehen, wo er aber nach meiner Meinung ein wenig farblos blieb. Ein kleinen Kritikpunkt muss ich an dieser Stelle noch loswerden, denn die ewigen Buchstabier-Monologe waren auf Dauer dann doch ein wenig anstrengend. Ich war irgendwann mal versucht, meiner Begleitung in Anlehnung an alte Glücksrad-Zeiten zu sagen "Wir nehmen das E-R-N-S-T-L!"
### FAZIT ###
Insgesamt kann ich den Film uneingeschränkt empfehlen, denn ein eigentlich sehr schwer zugängliches Thema und eine filmisch fast unmöglich umzusetzende literarische Vorlage, die überwiegend aus Innenansichten, Gedankenfetzen und Erinnerungen eines komplett Gelähmten besteht, wurde auf beinah spielerische Weise in eine erzählerische Handlung umgewandelt. Obwohl weitestgehend auf Sentimentalitäten verzichtet wurde, geht einem der Film auf unerklärliche Weise sehr nahe und schafft sogar eine gewisse Faszination. Also unbedingt ansehen, der Film hat es verdient! Zuf DVD kann ich leider nicht viel sagen, weil ich sie inzwischen verschenkt habe, aber es waren halt die üblichen Extras wie making-of, entfallene Szenen usw drauf und ich meine, dass es da auch noch einige Hintergrund-Infos zum "Locked-in-Syndrom" gegeben hätte, aber ich muss gestehen, dass ich mich damit nicht näher befasst habe. An der Abspielqualität der DVD gab es nichts auszusetzen und insofern kann ich auch hier eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen!
### ABSPANN ###
Spielfilm USA/Frankreich, 2007, 112 Min., FSK 12
Regie: Julian Schnabel
Drehbuch: Ronald Harwood
Buchvorlage: Jean-Dominique Bauby
Kamera: Janusz Kaminski
Musik: Paul Cantelon
~ Jean-Dominique Bauby - Mathieu Amalric
~ Celine Bauby - Emmanuelle Seigner
~ Dr. Lepage - Patrick Chesnais
~ Henriette Durand - Marie-Josée Croze
~ Marie Lopez - Olatz Lopez Garmenida
~ Claude - Anne Consigny
~ Laurent - Isaach de Bankolé
~ Papinou - Max von Sydow
u.v.a.
### NACHTRAG ###
3 Tage nach Veröffentlichung seines Buches starb Jean-Dominique Bauby an Herzversagen.
67 Bewertungen, 28 Kommentare
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28.07.2009, 12:48 Uhr von Baby1
Bewertung: sehr hilfreich.•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.
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27.07.2009, 15:27 Uhr von Mondlicht1957
Bewertung: sehr hilfreichSehr hilfreich und liebe Grüsse: PS aktualisierte Berichte kann man nicht mehr hochholen, bitte auch mal auf Seite 2-6 lesen - Danke
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27.07.2009, 13:24 Uhr von christianpirker
Bewertung: sehr hilfreichSehr guter Bericht! Liebe Grüße, Christian
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25.07.2009, 03:01 Uhr von anonym
Bewertung: besonders wertvollnö nicht meins, der Bericht aber schon
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25.07.2009, 01:28 Uhr von ingoa09
Bewertung: sehr hilfreichEin sehr guter Bericht! Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende, Ingo
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24.07.2009, 23:40 Uhr von MatthiasHuehr
Bewertung: sehr hilfreichciao Matthias
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23.07.2009, 22:31 Uhr von IngeB
Bewertung: sehr hilfreichgut berichtet . Gruß
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22.07.2009, 21:51 Uhr von Clarinetta2
Bewertung: sehr hilfreichwäre nicht so mein film, klasse bericht
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19.07.2009, 12:21 Uhr von campino
Bewertung: sehr hilfreich:.:.: LG Andrea :.:.: (der leider kein BW mehr zur Verfügung steht).
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17.07.2009, 16:49 Uhr von Elfenfrau
Bewertung: sehr hilfreichGut beschrieben. Lg Elfi
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17.07.2009, 13:56 Uhr von Gozo-Bernie
Bewertung: sehr hilfreichGruss aus Sicilia - der Heimat von telestrada.it
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17.07.2009, 12:05 Uhr von catmum68
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreicher Bericht LG
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17.07.2009, 10:46 Uhr von tk7722
Bewertung: sehr hilfreichEin sehr schöner Bericht, liebe Grüße
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17.07.2009, 10:09 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichhast du super gemacht
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17.07.2009, 09:57 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichSchöner Bericht. LG, Daniela
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17.07.2009, 08:43 Uhr von mauerblume
Bewertung: besonders wertvollGanz toller Bericht. Muss ich unbedingt sehen! Ein bw von mir und schoenes Wochenende :)
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17.07.2009, 08:22 Uhr von angela1968
Bewertung: besonders wertvollfand ihn auch genial!
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17.07.2009, 08:15 Uhr von ronald65
Bewertung: besonders wertvolllg
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17.07.2009, 02:53 Uhr von lydialucia
Bewertung: sehr hilfreichSH und liebe Grüße aus Darmstadt! :D
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17.07.2009, 01:48 Uhr von Jugin
Bewertung: sehr hilfreichsehr toll geschrieen..................
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17.07.2009, 01:39 Uhr von money_leon
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich ! mfg
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17.07.2009, 00:46 Uhr von Lale
Bewertung: besonders wertvollDein Bericht wurde gern gelesen. Beste Grüße die Lale
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17.07.2009, 00:38 Uhr von willma1984
Bewertung: sehr hilfreichToller Bericht! LG willma1984 :)
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17.07.2009, 00:35 Uhr von Steve2512
Bewertung: besonders wertvollSehr hilfreich, toller Bericht ! Freue mich über Gegenlesungen :- LG Steve 2512
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17.07.2009, 00:28 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichwünsche dir einen schönen abend lg. petra
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17.07.2009, 00:20 Uhr von sigrid9979
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüsse von der Nordsee...
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17.07.2009, 00:02 Uhr von billabbong
Bewertung: sehr hilfreichsehr schöner Bericht! LG
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16.07.2009, 23:24 Uhr von werder
Bewertung: sehr hilfreichFreu mich immer über Gegenlesung! LG
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