Schmetterling und Taucherglocke (DVD) Testbericht

ab 8,42
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Summe aller Bewertungen
  • Action:  sehr wenig
  • Anspruch:  sehr anspruchsvoll
  • Romantik:  sehr niedrig
  • Humor:  wenig humorvoll
  • Spannung:  spannend

Erfahrungsbericht von Dr_Ed

Die Gedanken sind frei

Pro:

siehe Bericht

Kontra:

siehe Bericht

Empfehlung:

Ja

Hallo Zielgruppe!
Es ist ja in der Filmbranche nichts ungewöhnliches, dass das Leben bedeutender Persönlichkeiten oder herausragende Schicksale vergleichsweise unbekannter Personen verfilmt werden. In diesem Film werden quasi zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, denn hier geht es um ein herausragendes Schicksal einer relativ bekannten Persönlichkeit. Trotzdem ist dieser Film keine gewöhnliche Biographie oder kein banaler Schicksalsbericht geworden. Wieso, dazu mehr in diesem Bericht!

### DIE GESCHICHTE ###

~~~ Wie immer zuerst die "Gemeinwesen holt einmal tief Luft"-Kurzversion ~~~

Jean-Dominique Bauby hat in seinem 42-jährigen Leben schon vieles erreicht: Er ist Chefredakteur der Zeitschrift "Elle", führt ein angenehmes Luxusleben, bis er plötzlich einen sogenannten Hirnschlag erleidet. Von einem auf den anderen Tag ist er völlig gelähmt, hat keine Kontrolle über seinen Körper, kann sich weder bewegen, noch mit anderen kommunizieren, aber das bei vollem geistigen Bewusstsein. Lediglich sein linkes Augenlid kann er noch bewegen. Mit Hilfe einer Logopädin lernt er ein System, anhand dessen er sich mit seiner Außenwelt über sein noch funktionierendes linkes Augenlid verständigen kann. Auf diese Weise entsteht dann ein Buch, in dem er seine Erfahrungen, aber auch seine Gedanken schildert.

~~~ und jetzt die "Dr.Ed muss einige Male durchatmen"-Langversion ~~~

Das Leben des 42-jährigen Jean-Dominique Bauby (Mathieu Amalric) ist von Luxus, Glanz und Glamour geprägt, denn als Chefredakteur der Zeitschirft "Elle" ist er Teil des Mode-Jetsets. Im Jahre 1995 wird er jedoch eines Tages jäh aus diesem Leben herausgerissen, als er plötzlich und unerwartet 1995 einen Schlaganfall erleidet, der auch seinen Hirnstamm massiv schädigt (unter Medizinern spricht man auch von einem sogenannten "Hirnschlag"). Als Bauby wieder aus dem Koma erwacht, ist zwar bei vollem Bewusstsein, kann sich aber weder bewegen, noch verständigen. Das einzige, was Bauby noch bewegen kann, ist sein linkes Augenlid. Der behandelnde Arzt Dr. Lepage (Patrick Chesnais) stellt die niederschmetternde Diagnose, dass Bauby am sogenannten "Locked-in-Syndrom" leidet.

Anfangs ist Bauby verzweifelt und möchte am liebsten sterben. Aber seine Frau Céline (Emmanuelle Seigner), mit der er 3 Kinder hat und die hübsche Logopädin Henriette Durand (Marie-Josée Croze), sowie die nicht minder atrraktive Physiotherapeutin Marie-Lopez (Olatz Lopez Garmenida) geben ihm neuen Lebensmut. Auch sein Freund Laurent (Isaach de Bankolé) besucht ihn regelmäßig. Mit Hilfe von Henriette entwickelt Bauby ein System, mit dessen Hilfe er mit der Außenwelt über sein linkes Augenlid verständigen kann. Dieses System besteht darin, dass ein Alphabet erstellt wird, wo die Buchstaben nach Häufigkeit ihres Vorkommens in der französischen Sprache geordnet sind. Diese Buchstaben werden langsam vorgelesen und jedes Mal, wenn er einen Buchstaben auswählt, blinzelt Bauby mit dem Auge. Anschließend werden die Buchstaben zu Wörtern zusammengefügt und die Wörter zu Sätzen.

Nach einigem Hin und Her und dem Spielenlassen einiger alter Beziehungen gelingt es Bauby, seine Mitmenschen für die Idee zu begeistern, dass er seine Erlebnisse und Gedanken in Form eines Buches niederschreibt. In der Zwischenzeit hat Bauby nämlich festgestellt, dass er zwar in seinem Körper gefangen ist, seine Gedanken aber nichtsdestotrotz frei sind. Der Verlag stellt Bauby die junge (und natürlich wieder sehr hübsche) Verlagsassistentin Claude (Anne Consigny) als Schreibkraft zur Verfügung. Um das Diktat zu beschleunigen, überlegt sich Bauby bereits am frühen Morgen, welche Gedanken und Sätze er zu Papier bringen will und lernt diese bis zum Eintreffen Claudes auswendig.

Obwohl sich Bauby nicht immer ob der Sinnhaftigkeit seines Vorhabens sicher ist und ihn Zweifel plagen, gibt er nicht auf. Tiefsinnig und gnadenlos ehrlich überdenkt er sein bisheriges Leben und stellt fest, dass es trotz allen Erfolges nichts weiter als eine Aneinanderreihung vieler kleiner Fehlschläge war. Er erinnert sich an seine Lieben, seinen Vater Papinou (Max von Sydow) und bedauert die Momente des Glücks und der Gelegenheiten, die er achtlos vorüberziehen ließ. Und Bauby entdeckt, dass selbst seine Unbeweglichkeit eine Quelle des Glücksgefühls sein kann...

### MEINE MEINUNG ###

Regisseur Julian Schnabel ist in mehrfacher Hinsicht ein bemerkenswerter Film gelungen. Zum einen verzichtet er auf mitleidheischendes, weinerliches Herz-Schmerz-Gesülze und unnötige Gefühlsduselei. Es werden auch nur relativ wenige Rückblenden auf das Leben Baubys vor seinem Schlaganfall gezeigt. Selbst Bilder des bewegungsunfähigen, im Rollstuhl sitzenden Bauby werden nur sehr sparsam eingesetzt. Stattdessen wird der Film überwiegend aus der Perspektive von Baubys verbliebenem linken Auge gezeigt und seine Gedanken über eine Stimme aus dem Off erzählt.

Wie bitte? Das klingt doof? Das ist konventionell? Ist es gar nicht, denn es ist eigentlich sogar ein äußerst raffinierter Schachzug. Denn mittels überlappender Blenden mit verschwimmenden Bildern und dem ständigen Augenzwinkern der Kamera schafft es Kameramann Janusz Kaminski, unmittelbar am Anfang des Films das Publikum direkt in die Sichtweise Baubys hineinzuversetzen. Man erlebt also unmittelbar mit, wie sich seine Sicht der Dinge für ihn angefühlt haben muss. Die Eingeschränktheit dieser Perspektive entwickelt sich so zur Stärke des Films, denn man lernt schnell, was es bedeutet, einen wachen Verstand, aber einen quasi schlafenden Körper zu haben.

Erst mit zunehmender Dauer des Films weitet sich der Kamera-Blick, wird offener, mobiler, flexibler. Dennoch bleibt die Perspektive Baubys im Zentrum des Geschehens, schließlich soll das Publikum an seinen Gedanken und Erinnerungen teilhaben, denn selbst in seiner eigentlich hoffnungslosen Situation verbreitet Bauby Esprit, Humor, Tiefgang und Poesie. Das ist einerseits zwar sehr unsentimental und erfrischend, aber trotzdem berührt es einen, da man einen Menschen erlebt, der erst im größten Unglück sein wahres Ich entdeckt und darin zugleich auch seine größte Erfüllung findet.

Darstellerisch ist an den Beteiligten des Film nichts auszusetzen, auch wenn Mathieu Amalrics größte schauspielerische Herausforderung darin gelegen haben dürfte, regungslos und stumm im Rollstuhl zu sitzen. Später war er in dem James-Bond-Film "Ein Quantum Trost" als Bösewicht zu sehen, wo er aber nach meiner Meinung ein wenig farblos blieb. Ein kleinen Kritikpunkt muss ich an dieser Stelle noch loswerden, denn die ewigen Buchstabier-Monologe waren auf Dauer dann doch ein wenig anstrengend. Ich war irgendwann mal versucht, meiner Begleitung in Anlehnung an alte Glücksrad-Zeiten zu sagen "Wir nehmen das E-R-N-S-T-L!"

### FAZIT ###

Insgesamt kann ich den Film uneingeschränkt empfehlen, denn ein eigentlich sehr schwer zugängliches Thema und eine filmisch fast unmöglich umzusetzende literarische Vorlage, die überwiegend aus Innenansichten, Gedankenfetzen und Erinnerungen eines komplett Gelähmten besteht, wurde auf beinah spielerische Weise in eine erzählerische Handlung umgewandelt. Obwohl weitestgehend auf Sentimentalitäten verzichtet wurde, geht einem der Film auf unerklärliche Weise sehr nahe und schafft sogar eine gewisse Faszination. Also unbedingt ansehen, der Film hat es verdient! Zuf DVD kann ich leider nicht viel sagen, weil ich sie inzwischen verschenkt habe, aber es waren halt die üblichen Extras wie making-of, entfallene Szenen usw drauf und ich meine, dass es da auch noch einige Hintergrund-Infos zum "Locked-in-Syndrom" gegeben hätte, aber ich muss gestehen, dass ich mich damit nicht näher befasst habe. An der Abspielqualität der DVD gab es nichts auszusetzen und insofern kann ich auch hier eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen!

### ABSPANN ###

Spielfilm USA/Frankreich, 2007, 112 Min., FSK 12

Regie: Julian Schnabel
Drehbuch: Ronald Harwood
Buchvorlage: Jean-Dominique Bauby
Kamera: Janusz Kaminski
Musik: Paul Cantelon

~ Jean-Dominique Bauby - Mathieu Amalric
~ Celine Bauby - Emmanuelle Seigner
~ Dr. Lepage - Patrick Chesnais
~ Henriette Durand - Marie-Josée Croze
~ Marie Lopez - Olatz Lopez Garmenida
~ Claude - Anne Consigny
~ Laurent - Isaach de Bankolé
~ Papinou - Max von Sydow
u.v.a.

### NACHTRAG ###

3 Tage nach Veröffentlichung seines Buches starb Jean-Dominique Bauby an Herzversagen.

67 Bewertungen, 28 Kommentare

  • Baby1

    28.07.2009, 12:48 Uhr von Baby1
    Bewertung: sehr hilfreich

    .•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.

  • Mondlicht1957

    27.07.2009, 15:27 Uhr von Mondlicht1957
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr hilfreich und liebe Grüsse: PS aktualisierte Berichte kann man nicht mehr hochholen, bitte auch mal auf Seite 2-6 lesen - Danke

  • christianpirker

    27.07.2009, 13:24 Uhr von christianpirker
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr guter Bericht! Liebe Grüße, Christian

  • anonym

    25.07.2009, 03:01 Uhr von anonym
    Bewertung: besonders wertvoll

    nö nicht meins, der Bericht aber schon

  • ingoa09

    25.07.2009, 01:28 Uhr von ingoa09
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein sehr guter Bericht! Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende, Ingo

  • MatthiasHuehr

    24.07.2009, 23:40 Uhr von MatthiasHuehr
    Bewertung: sehr hilfreich

    ciao Matthias

  • IngeB

    23.07.2009, 22:31 Uhr von IngeB
    Bewertung: sehr hilfreich

    gut berichtet . Gruß

  • Clarinetta2

    22.07.2009, 21:51 Uhr von Clarinetta2
    Bewertung: sehr hilfreich

    wäre nicht so mein film, klasse bericht

  • campino

    19.07.2009, 12:21 Uhr von campino
    Bewertung: sehr hilfreich

    :.:.: LG Andrea :.:.: (der leider kein BW mehr zur Verfügung steht).

  • Elfenfrau

    17.07.2009, 16:49 Uhr von Elfenfrau
    Bewertung: sehr hilfreich

    Gut beschrieben. Lg Elfi

  • Gozo-Bernie

    17.07.2009, 13:56 Uhr von Gozo-Bernie
    Bewertung: sehr hilfreich

    Gruss aus Sicilia - der Heimat von telestrada.it

  • catmum68

    17.07.2009, 12:05 Uhr von catmum68
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreicher Bericht LG

  • tk7722

    17.07.2009, 10:46 Uhr von tk7722
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein sehr schöner Bericht, liebe Grüße

  • anonym

    17.07.2009, 10:09 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    hast du super gemacht

  • anonym

    17.07.2009, 09:57 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöner Bericht. LG, Daniela

  • mauerblume

    17.07.2009, 08:43 Uhr von mauerblume
    Bewertung: besonders wertvoll

    Ganz toller Bericht. Muss ich unbedingt sehen! Ein bw von mir und schoenes Wochenende :)

  • angela1968

    17.07.2009, 08:22 Uhr von angela1968
    Bewertung: besonders wertvoll

    fand ihn auch genial!

  • ronald65

    17.07.2009, 08:15 Uhr von ronald65
    Bewertung: besonders wertvoll

    lg

  • lydialucia

    17.07.2009, 02:53 Uhr von lydialucia
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH und liebe Grüße aus Darmstadt! :D

  • Jugin

    17.07.2009, 01:48 Uhr von Jugin
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr toll geschrieen..................

  • money_leon

    17.07.2009, 01:39 Uhr von money_leon
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich ! mfg

  • Lale

    17.07.2009, 00:46 Uhr von Lale
    Bewertung: besonders wertvoll

    Dein Bericht wurde gern gelesen. Beste Grüße die Lale

  • willma1984

    17.07.2009, 00:38 Uhr von willma1984
    Bewertung: sehr hilfreich

    Toller Bericht! LG willma1984 :)

  • Steve2512

    17.07.2009, 00:35 Uhr von Steve2512
    Bewertung: besonders wertvoll

    Sehr hilfreich, toller Bericht ! Freue mich über Gegenlesungen :- LG Steve 2512

  • morla

    17.07.2009, 00:28 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    wünsche dir einen schönen abend lg. petra

  • sigrid9979

    17.07.2009, 00:20 Uhr von sigrid9979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüsse von der Nordsee...

  • billabbong

    17.07.2009, 00:02 Uhr von billabbong
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr schöner Bericht! LG

  • werder

    16.07.2009, 23:24 Uhr von werder
    Bewertung: sehr hilfreich

    Freu mich immer über Gegenlesung! LG