Der fremde Sohn (DVD) Testbericht

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ab 4,01
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Auf yopi.de gelistet seit 02/2010
5 Sterne
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Summe aller Bewertungen
  • Action:  durchschnittlich
  • Anspruch:  anspruchsvoll
  • Romantik:  niedrig
  • Humor:  wenig humorvoll
  • Spannung:  sehr spannend

Erfahrungsbericht von princesse

Zivilgesellschaft gegen Staatsgewalt

5
  • Action:  wenig
  • Anspruch:  anspruchsvoll
  • Romantik:  niedrig
  • Humor:  wenig humorvoll
  • Spannung:  sehr spannend
  • Altersgruppe:  ab 12 Jahren
  • Meinung bezieht sich auf:  Kino-Version

Pro:

sehr spannend, sehr ernst

Kontra:

nichts

Empfehlung:

Ja

Prolog Es gibt Geschichten und Filme, die gehen einem so richtig an die Nieren.
Als wir ins Kino gingen, ahnten wir dies noch nicht, was wir erwarteten war ein sehr guter und spannender Film, der sehr gute Kritiken erhalten hatte bis zu dem Zeitpunkt. Was uns erwartete, war genau dieses, und mehr.


Film

Dies ist eine wahre Geschichte die 1928 begann. Der Film beginnt mit den Ereignissen ab dem 9. März desselben Jahres.
Christine Collins (Angelina Jolie) ist allein erziehende Mutter und Abteilungsleiterin bei einer Telefongesellschaft. Ihr Sohn Walter (Gattlin Griffith) ist 9 Jahre alt und eigentlich sehr wohlerzogen. Aber er muss natürlich öfter einmal zurück stecken, wenn seine Mutter arbeiten muss und gerade dann für eine kranke Kollegin einspringen soll, wenn sie ihrem Sohn eigentlich einen gemeinsamen Nachmittag versprochen hatte. So auch an dem Tag, als Walter verschwand. Dass Christine Abteilungsleiterin war bei dieser Telefongesellschaft, war sicherlich sehr ungewöhnlich zu der Zeit. So vertröstete sie an dem Tag ihren Sohn mit der Aussicht am nächsten Tag den geplanten Ausflug nachzuholen. Walter war enttäuscht, liess es sich aber nur ein wenig anmerken.
Als Christine an diesem Tag von der Arbeit nach Hause kam, war Walter weg. Die Polizei, die Christine nach einigen Stunden am selben Abend noch anrief, sagte ihr, es müssten erst 48 Stunden vergehen, bis diese tätig werden würden, die meisten seien ja doch nur Ausreisser und kämen einen Tag später zurück. Aber Walter kam nicht und der Fall wurde bei der Polizei aufgenommen.
5 Monate später teilten sie Christine mit sie hätten ihren Jungen gefunden. Als Christine das Kind sieht, bemerkt sie sofort dass dies ein fremder Junge ist, nicht ihr Sohn. Aber Captain J.J. Jones (Jeffrey Donovan), der den Fall unter seiner Fittiche hatte, meinte, der Junge hätte sich nur verändert und bestand darauf, dass der Junge Walter sei. Sie nimmt das Kind mit nach hause, der Junge behauptete ebenfalls steif und fest, Walter Collins zu sein. Doch die Zweifel mehren sich in Christine zumal sie nach und nach Beweise findet, dass dieser Junge gar nicht Walter sein kann.
Sie lässt bei der Polizei nicht locker, dass man doch ihren Sohn suchen möge. Diese empfindet die verzweifelte Mutter zunehmend als lästig, und als Christine auch noch mit der Hilfe des streitbaren Pastor und Radiomoderator Briegleb (John Malkovich) an die Öffentlichkeit geht, hat sie die Schmerzgrenze der unter Korruptionsvorwürfen stehenden Polizei wohl überschritten, Captain J.J. Jones lässt sie kurzerhand in eine Nervenheilanstalt einweisen. Das Martyrium, dem sie dort ausgesetzt wird, ist aus heutiger Sicht kaum fassbar, und doch passierte sowas damals.

Der Film erzählt mehr als eine Geschichte. Zum einen die von Christine, von ihrem Kampf um die Suche nach ihrem Sohn. Dann die Geschichte Walters, von dem wir nicht viel erfahren und somit nur ahnen können, was ihm widerfahren ist. Dann die Geschichte einer durch und durch korrupten Polizei von Los Angeles, die Verbrecher lieber erschiesst als sie festzunehmen. Und dies wiederum auch nur als Vorwand benutzt, um Konkurrenz bei Prostitution und Drogenhandel auszulöschen. Jeden Tag werden Leichen gefunden von Erschossenen. Unbequeme Frauen werden gleich reihenweise in die Nervenheilanstalt eingewiesen, ohne Beschluss, Handlanger sind gefühls- und gewissenlose Ärzte und PflegerInnen.
Dann haben wir da die hochinteressante Geschichte des Pastors, der einen eigenen Radiosender betreibt und nicht müde wird, Tag für Tag die Korruption, Unfähigkeit und die sich für allmächtig haltende Polizei mit Polizeichef James E. Davis (Colm Feore) anzuprangern. Offenbar hat sich der Polizeichef nicht getraut, einen Pastor verschwinden zu lassen. Und als letzter Strang in dieser Geschichte taucht der Serienkiller Gordon Northcott (Jason Butler Harner) auf, dessen Morde an Perversität und Grausamkeit kaum zu überbieten sind.
Wahre Geschichten haben eine besondere Wirkung. Der Zuseher weiss, dass dies alles passiert ist. Dass es Menschen gegeben hat, die viel Leid ertragen mussten (in diesem Fall). Dass es Menschen gibt, die anderen sehr viele Schmerzen bereiten, wie in dieser Geschichte. Und manchmal geht der Film bis an die Grenze des Erträglichen, ohne sie jedoch zu überschreiten.
So wird zwar der menschenverachtende Umgang in der Nervenheilanstalt mit den "Patienten" gezeigt, aber die Art wie ermöglicht einem, dies aus fast sicherem Abstand zu betrachten.
Und auch wird angedeutet, allerdings nicht bis ins letzte Detail, was der Serienkiller mit seinen Opfern machte. Man ahnt es mehr als dass man es sieht, und dafür bin ich dem Regisseur sehr dankbar gewesen, manche Bilder brennen sich sonst zu sehr ein, zumindest bei mir.
Der Handlungsstrang, der über weite Strecken den Film dominiert, ist der Kampf der emanzipierten Frau und Mutter Christine Collins, grandios gespielt von Angelina Jolie. Obwohl ich manchmal dachte, diese Hüte aus den 20gern, die wie kleine schmale umgestülpte Blumentöpfe aussahen und deren Rand kurz über den Augen endete, für Angelina Jolie extrem unvorteilhaft wirkten, wenn sie im Profil von der Kamera aufgenommen wurde, irritierte dies nur ein wenig. Angelina Jolie zeigte hier die ganze Gefühlspalette, zu der ein Mensch fähig ist, auf sehr eindrucksvolle Weise. Selbst wenn sie traurig, wütend, müde und erschöpft war, wirkte diese Frau wie eine, die nicht umzubringen ist, nicht der ganze Schmerz und die Demütigungen konnten dies bewirken. Die Figur Christine Collins wirkte sehr authentisch, auch wenn ich mich manchmal fragte, ob ein Gesicht wie das der Jolie wirklich in diese Zeit passte. Aber es hatte auch etwas für sich, dass sie alles andere als klischeehaft wirkte.
Aber auch Jeffrey Donovan als korrupter arroganter dummer Captain J.J. Jones wirkt in seiner Rolle ausgesprochen überzeugend. Die Herablassung, die er Christine gegenüber an den Tag legt, sein überhebliches Grinsen.. ich bin mir sicher, genauso waren die damals, diese korrupten Polizisten. Wenn man als Zuschauer im Kino das Gefühl hat, man möchte dem am liebsten eine mitten rein hauen, dann hat er seine Rolle ausgezeichnet gespielt. Denn die unterschwellige Agression richtet sich nicht gegen den Schauspieler (was ja auch schon mal vorkommen könnte) sondern gegen die Figur die er im Film verkörpert.
Clint Eastwood ist hier ein unglaublich guter und spannender Film gelungen, alles ist stimmig, die Atmosphäre, das Schauspiel, die Kamera, die Musik und auch das was statt gezeigt nur angedeutet wird. Der Film hat an keiner Stelle Längen, die ganze Zeit über wird die Spannung aufrecht erhalten, auch sicherlich dadurch, dass wir in einem guten Thriller paralle Erzählstränge aufgebaut wurden, welche am Ende so geschickt miteinander verknüpft waren, sodass kein loses Ende übrig bleibt.
Ein Film, der nachhallt, auch Tage später noch, der nicht so leicht vergessen wird.


Empfehlung: Allzu zart Besaiteten würde ich von dem Film eher abraten. Auch wenn das Schlimmste nicht gezeigt wird, braucht es nicht viel Fantasie, sich dieses auszumalen. Allen anderen, die solche Geschichten oder grundsätzlich einen soliden Krimi/Thriller schätzen, lege ich den Film wärmstens ans Herz. Wie gut, dass Eastwood nach oder neben seiner Schauspielerei auch noch Filme gemacht hat.

Epilog

Der Mordfall, der für diesen Film die Vorlage lieferte, ist in Amerika als "Wineville Chicken Coop Murders" in die Geschichte eingegangen. Der Originaltitel des Films, "Changeling" heisst zu Deutsch: Wechselbalg.

Deutscher Titel: Der fremde Sohn
Originaltitel: Changeling
Produktionsland: USA
Erscheinungsjahr: 2008
Länge: ca. 140 Minuten
Originalsprache: Englisch
Altersfreigabe: FSK ab 12
Stab
Regie: Clint Eastwood
Drehbuch: J. Michael Straczynski
Produktion: Brian Grazer, Ron Howard, Robert Lorenz
Musik: Clint Eastwood
Kamera: Tom Stern
Schnitt: Joel Cox

Links:
Historischer Mordfall
Die wahre Geschichte des "fremden Sohns" http://www.fr-online.de/in_und_ausland/panorama/1659509_Die-wahre-Geschicht e-des-fremden-Sohns.html
diesen Artikel bitte nur lesen, wenn man den Film NICHT sehen möchte

Offizielle deutsche Webseite: http://movies.universal-pictures-international-germany.de/derfremdesohn/





Eine weitere Rezension aus dem Spiegel: http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,602545,00.html

41 Bewertungen, 19 Kommentare

  • Missfits

    20.05.2010, 18:09 Uhr von Missfits
    Bewertung: sehr hilfreich

    leider nur ein hilfreich, da mir der bericht zu oberflächlich ist außerdem bringt mich deine formatierung durcheinander. trotzdem lg und schönen abend noch

  • sonnenbaerchen

    20.02.2009, 12:38 Uhr von sonnenbaerchen
    Bewertung: sehr hilfreich

    Freu mich über Gegenlesung!

  • senora

    20.02.2009, 11:03 Uhr von senora
    Bewertung: sehr hilfreich

    Lieben Gruß von senora

  • HeikouSimone

    20.02.2009, 10:40 Uhr von HeikouSimone
    Bewertung: besonders wertvoll

    ...wünsche Dir einen schönen Start ins Wochenende. BW und LG von Simone

  • minasteini

    20.02.2009, 10:21 Uhr von minasteini
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr schön geschrieben. LG Marina

  • stars

    20.02.2009, 09:05 Uhr von stars
    Bewertung: sehr hilfreich

    Freu mich über Gegenlesung, Gruß stars

  • leupi123

    19.02.2009, 22:43 Uhr von leupi123
    Bewertung: sehr hilfreich

    Toller Bericht. Freu mich auf Gegenlesungen :D

  • Gering

    19.02.2009, 22:28 Uhr von Gering
    Bewertung: besonders wertvoll

    Toller Bericht. Michael

  • morla

    19.02.2009, 22:17 Uhr von morla
    Bewertung: besonders wertvoll

    verschneite grüße aus berlin lg. petra

  • Vy_Zrudy

    19.02.2009, 22:12 Uhr von Vy_Zrudy
    Bewertung: sehr hilfreich

    Exzellent geschrieben Liebe Grüße Vy_Zrudy

  • werder

    19.02.2009, 22:09 Uhr von werder
    Bewertung: sehr hilfreich

    Toller Bericht! LG aus Hannover!

  • carmaxx

    19.02.2009, 22:08 Uhr von carmaxx
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr schöner Bericht! Freue mich über Gegenlesung!

  • koereplan@gawab.com

    19.02.2009, 22:07 Uhr von [email protected]
    Bewertung: sehr hilfreich

    Klasse Bericht LG koereplan

  • sigrid9979

    19.02.2009, 22:00 Uhr von sigrid9979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Noch einen schönen gruss Sigi

  • Düsseldorf

    19.02.2009, 21:35 Uhr von Düsseldorf
    Bewertung: besonders wertvoll

    Hallo, das ist ein guter Bericht ! Ich lese gerne und viel :) das gilt für viele :)

  • Mondlicht1957

    19.02.2009, 21:21 Uhr von Mondlicht1957
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr hilfreich dein Bericht - Liebe Grüsse

  • droehn

    19.02.2009, 21:08 Uhr von droehn
    Bewertung: sehr hilfreich

    Toller Bericht, lg droehn

  • 4money

    19.02.2009, 21:05 Uhr von 4money
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr gut beschrieben, lg chris

  • anonym

    19.02.2009, 21:01 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    hast du super gemacht