Der fremde Sohn (DVD) Testbericht

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ab 4,01
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Summe aller Bewertungen
  • Action:  durchschnittlich
  • Anspruch:  anspruchsvoll
  • Romantik:  niedrig
  • Humor:  wenig humorvoll
  • Spannung:  sehr spannend

Erfahrungsbericht von LilithIbi

Haben Sie öfter Schwierigkeiten, Wahrheit und Fantasie zu trennen?

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Haben Sie öfter Schwierigkeiten, Wahrheit und Fantasie zu trennen?

Wer derartig zurückgezogen lebt wie ich, der hat natürlich eine Menge Zeit für Lektüren, Briefe sowie filmische Vergnügen ~ trotzdem dauerte es fast eine Woche, bis ich mir den ausgeborgten Film

==Der fremde Sohn==

endlich mal anguckte. Die Story klang arg nach Drama und basiert auf einer wahren Geschichte rund um die späten zwanziger Jahre. Die allein erziehende Christine
Collins (Angelina Jolie) verpasst an einem Tag, an dem sie ihrem Sohn Walter (Gattlin Griffith) versprochen hatte, mit ihm ins Kino zu gehen, obendrein die Rückfahrtbahn. Als Walter zu hause nicht auffindbar ist, geht sie – wie der Zuschauer auch – wohl erst davon aus, das Walter ihr böse ist, kann ihn jedoch auch nach stundenlanger Suche nicht finden. Nachdem die üblichen 24 Stunden rum sind, wird die Polizei schließlich tätig ~ vergebens. Erst 5 Monate später steht Captain J.J. Jones (Jeffrey Donovan) auf der Matte, hinter ihm die Presse und führt Christine zum Bahnhof, wo sie ihren wiedergefundenen Jungen entgegennehme soll. Doch schon auf dem ersten Blick ist ihr klar, dass dieser Junge ncht ihr Sohn ist. Um der Presse jedoch die versprochene Werbung für die Arbeit des LAPD zuzuspielen, beschwört der Captain, dass Christine nur verwirrt sei, es wäre normal, dass ihr Junge ihr fremd erscheint ~ schließlich hätte dieser ja seinen Namen genannt hätte sie als Mutter angesprochen. Somit nimmt Christine den Jungen mit nach hause ~ doch selbst der Umstand, dass dieser 10cm kleiner als Walter ist und obendrein beschnitten wurde, kann die Polizei nicht umstimmen.....

==Die Umsetzung==

verlief dank der DVD Beschriftug mal wieder völlig anders als erwartet. Ich ging davon aus, dass der Film arg „Sommersby“ ähneln würde, nur das hier eben ein Kind ausgetauscht wurde. Rasch jedoch erhält der Film eine Wende: da Christine einfach nicht locker lassen will und zudem Verstärkung von dem LAPD-kritisierenden Radio-Pastor Briegleb (John Malkovich) erhält, lässt Captain Jones sie kurzerhand in die psychiatrische Anstalt einweisen.
Dem Zuschauer wird an dieser Stelle eine weiterer Handlungsstrang präsentiert, der im groben und ganzen als derbe Kritik an die seinerzeitigen arg korrupten Polizei darstellt. Schon zu Beginn des Filmes sprach der Pastor diese Machenschaften an; und doch erfährt man hier mehr und mehr vom „großen Ganzen.“


Zu ungefähr dem selben Zeitpunkt soll ein Junge von einer Farm abgeholt und zurück in sein Heimatland ausgewiesen werden. Im ersten Moment ging ich davon aus, dass dies vielleicht Walter sein würde (zumal sich die Jungs in diesem Film alle arg ähneln), doch weit gefehlt. Was der Junge schließlich als Geständnis ablegt, hätte ich in keiner Minute der vorangegangenen Geschehnisse erwartet.


~ „Der fremde Sohn“ überzeugt vor allem durch die großartige Umsetzung und Darstellung unterschiedlicher Begebenheiten. Zwar basiert das ganze auf einer wahren Geschichte, so dass man die Geschichte genau so erzählen musste ~ und doch hätte man das Ganze exquisit vergeigen können. Das Erzähltempo, die Szenenabfolge und Dialoge wurden sorgfältig ausgewählt, greifen ineinander und lassen dem Zuschauer kaum Zeit um sich von dem einen Schreckensmoment erholen... schon wird er mit der nächsten Fassungslosigkeit konfrontiert.

Hier und dort bleibt einem regelrecht der Mund offen stehen; als Christine auch dem Polizeiarzt gegenüber äußert, dass dieser Junge nicht ihr Sohn sei, erwidert dieser lediglich:

„Sie sollten das nicht vor ihm sagen. Das könnte sein Selbstbewusstsein trüben.“

Man merkt deutlich die Ohnmacht, die Christine erleiden muss, den Splitter Hoffnung, als Walters Lehrerin sagt, vor Gericht bezeugen zu können, dass dieser Junge auf keine Fall Walter sei. Doch selbst hausärztliche Untersuchungen und Bestätigungen lassen das LAPD nur mehr auf ihrem Standpunkt beharren ~ zu groß wäre die Blamage (oder gar vorsätzlich einen falschen Jungen präsentiert zu haben?), einen Fehler gemacht zu haben.

Angelina Jolie wirkt in ihrer alberne-Hütchen-tragende-Hausmutter-Rolle arg unvertraut, befremdete mich die ersten Momente, überzeugt sodann dennoch vollständig. Ein wenig bedauerlich die mittelmäßige Synchronisation einzelner Polizeibeamter; vieles gesagte oder geschrieene wirkt eher hölzern als bedrohlich. Dies jedoch als einziges Mini-Manko; insgesamt wurde die Atmosphäre sehr gut eingefangen und dargeboten.

Harter Tobak präsentiert sich hier in einigen Details, wird jedoch nie detailgetreu dargestellt, eher erzählt, via Rückblenden dargestellt, doch niemals allzu ersichtlich.
Das „drumherum“ wirkt völlig eigenständig, die Darstellung des unerwartend-auftretenden Serienmörders Gordon Northcott wurde von Jason Butler Harner geradezu perfektiös gehandhabt. Gestik und Mimik überzeugen hier derartig, dass man getrost auf blutige Szenen verzichten konnte.

Dass der Film über zwei Stunden dauert, habe ich dank der DVD-Info zwar gewusst, aber an keiner Stelle gespürt. „Der fremde Sohn“ weist keinerlei Längen auf, ist durchgehend spannend, bewegend und rührt hier und dort zu Tränen.


==Summa summarum==

wird die DVD oftmals unter „historischer Mordfall“ geführt, wobei bis zum bitteren Ende nicht klar ist, was mit Walter überhaupt passiert ist, ob er überlebt hat oder tatsächlich von Northcutt zerstückelt wurde. De facto brachte Northcutt mehrere Jungen um; womit die Kategorisierung einerseits gerechtfertigt wäre, andererseits wird die Geschichte unabstreitbar aus dem Blickwinkel Christines erzählt, so dass man eher von einem Drama sprechen müsste.


Wie dem aber auch sei; mich persönlich hat der Film mehr als nur betroffen gemacht. Man hört und liest zwar immer wieder von Morden und vermissten Kindern; doch selten kann man sich derartig in die Rolle der Mütter hineinversetzen, wie es dank dieses Machwerks ermöglicht wurde.

Ganz nebenbei erfährt man einiges über die zwanziger Jahre, über das „damalige Los Angeles„ und kommt hier und dort aus dem Staunen, negativer Art, nicht heraus. Missstände werden hier wie nebenbei aufgedeckt, erhalten nicht zu viel Gewicht, bleiben dennoch arg im Gedächtnis haften ~ perfektiös, kann ich dazu nur sagen.

Genauso umschweiflos möchte ich „Der fremde Sohn“ wirklich jedem ans Herz legen, der sich auch nur einen Hauch dafür interessiert, welche Begebenheiten L.A. für immer veränderten.

34 Bewertungen, 10 Kommentare

  • MasterSirTobi

    28.10.2009, 01:10 Uhr von MasterSirTobi
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH, ganz toller Bericht. LG SirTobi

  • tina08

    02.10.2009, 11:34 Uhr von tina08
    Bewertung: sehr hilfreich

    Viele Grüße .... Tina

  • liebes35

    28.09.2009, 17:02 Uhr von liebes35
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein guter Bericht. LG Steffi

  • morla

    28.09.2009, 01:33 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    wünsche dir einen guten wochenstart lg. petra

  • Baby1

    28.09.2009, 01:19 Uhr von Baby1
    Bewertung: sehr hilfreich

    .•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.

  • Lale

    27.09.2009, 23:43 Uhr von Lale
    Bewertung: sehr hilfreich

    Besten Sonntags- Gruß

  • FeliChan

    27.09.2009, 21:33 Uhr von FeliChan
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr schön geschrieben! sh und schönen Sonntag noch! Freue mich über Gegenlesung :)

  • Daisy_Bluemchen

    27.09.2009, 17:24 Uhr von Daisy_Bluemchen
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh und viele Grüße

  • chan5

    27.09.2009, 16:45 Uhr von chan5
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße aus Bremen

  • sigrid9979

    27.09.2009, 16:27 Uhr von sigrid9979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Netter Bericht...Lg Sigi