Im Winter ein Jahr (DVD) Testbericht
Auf yopi.de gelistet seit 02/2010
- Action:
- Anspruch:
- Romantik:
- Humor:
- Spannung:
Erfahrungsbericht von Dr_Ed
Modellversuch
Pro:
siehe Bericht
Kontra:
siehe Bericht
Empfehlung:
Nein
Mittlerweile ist es sechs Jahre her, dass die Regissurin Caroline Link für ihren Film „Nirgendwo in Afrika“ den Oscar für den besten ausländischen Spielfilm erhielt. Seitdem ist es ziemlich still um sie geworden. Nun meldet sie sich mit einem neuen Film zurück und wieder ist es eine Literaturverfilmung geworden. Diesmal ist es der bislang in Deutschland unveröffentlichte Roman „Aftermath“ des Amerikaners Scott Campbell. Was von der Verfilmung zu halten ist, dazu mehr in diesem Bericht.
### DIE GESCHICHTE ###
~~~ zuerst die „Buchdeckelrückseitenkurzinhaltsangabe“ ~~~
Die erfolgreiche Innenarchitektin Eliane Richter beauftragt den bekannten Maler Max Hollander damit, ein Bild von ihrer Tochter Lili und ihrem Sohn Alexander zu malen. Das Problem dabei ist, dass Lili dazu wenig Lust verspürt und Alexander nicht mehr unter den Lebenden weilt, da er sich vor fast einem Jahr das Leben genommen hat. Hollander sagt – wenn auch zögerlich – zu, bedingt sich aber ein Vierteljahr Zeit für die Fertigstellung aus. Als Vorlage für das Bild stellt Eliane Richter ihm Fotos und Videos von Alexander zur Verfügung. Lili soll nach dem Willen ihrer Mutter selbst zu einigen Sitzungen erscheinen. Es dauert einige Zeit, bis sich Lili gegenüber dem Maler öffnet, aber allmählich finden beide Zugang zueinander. Das hat auch Auswirkungen auf Max. Denn auch in seinem Leben haben persönliche Verluste tiefe Spuren hinterlassen....
~~~ und nun die „Literaturpapst-Lamento-Langversion“ ~~~
Eliane Richter (Corinna Harfouch), eine erfolgreiche Innenarchitektin und ihr Mann Thomas (Hanns Zischler), ein renommierter Bioniker, leben gut situiert in München. Der 19-jährige Sohn Alex (Cyril Sjöström) besucht ein Elite-Internat für Spitzensportler in Berchtesgaden, während die 22-jährige Tochter Lili (Karoline Herfurth) Tanz und Gesang studiert. Alle sind erschüttert, als Alexander sich plötzlich selbst das Leben nimmt, ohne vorher dafür irgendwelche Anzeichen erkennen zu lassen. Dieser Verlust hinterlässt bei allen gehörige Narben und keiner kommt mit den Folgen zurecht. Während sich die Eltern in Arbeit stürzen, wird Lili bei ihrem Studium undiszipliniert und nachlässig. Das geht soweit, dass sie die Hauptrolle für eine Aufführung von Alice im Wunderland nach einer Auseinandersetzung mit ihrer Tanzlehrerin (Karin Boyd) abgeben muss. Auch im Liebesleben läuft es bei Lili nicht sonderlich rund. Die Beziehung zum Künstler Aldo (Misel Matisevic) geht ebenso schnell in die Brüche, wie sie begonnen hat, da Lili zu sehr klammert und in der Beziehung etwas sucht, was Aldo nicht zu geben bereit ist.
Um eine Erinnerung an ihren Sohn zu haben, beauftragt Eliane Richter den bekannten Maler Max Hollander (Josef Bierbichler) damit, ein Gemälde ihrer beiden Kinder zu malen. Nach einigem Zögern nimmt Hollander den Auftrag an, bedingt sich aber ein Vierteljahr Zeit für die Fertigstellung aus. Eliane überlässt Hollander etliche Bilder und Videos von Alex, damit er einen Eindruck von ihm bekommen kann, während Lili persönlich beim Maler zu Sitzungen erscheinen soll. Lili ist von dem Plan wenig angetan und findet ihn sogar gruselig. Daher begegnet Lili dem Maler anfänglich voller Skepsis. Während Hollander Skizzen und Fotos von Lili fertigt, versucht er, Lili ganzheitlich zu „sehen“, denn für ein wahrhaftiges Porträt möchte er einfach mehr über die Person wissen, mit der er sich gerade beschäftigt. Allmählich gewinnen Max und Lili Vertrauen zueinander. Nach und nach gerät Hollander immer tiefer in das komplexe und emotional aufgeladene Familiengeflecht der Richters.
Getrieben von dem Bedürfnis zu verstehen, was Alexanders Tod für Lili und ihre Familie bedeuten, begleitet er Lili auf die Spurensuche in die Vergangenheit. Dabei wird Hollander immer mehr mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert, die von einigen eigenen Verlusten geprägt ist. Auch Hollander hat einen Sohn, den er zwar nicht verloren hat, zu dem aber kein Kontakt mehr besteht. Er beobachtet ihn immer wieder heimlich im Olympia-Zentrum, wo der Sohn als Turmspringer trainiert. Außerdem hat Hollander vor kurzem seinen Freund verloren und diesen Verlust noch nicht verarbeitet. Genauso wie Lili ist Hollander nicht mit sich selbst im Reinen, weil er sich erst sehr spät in seinem Leben zu seiner Homosexualität bekannt hat. Das Vertrauensverhältnis, das zwischen Max und Lili entsteht, hilft den beiden, Schritt für Schritt ihre schmerzhafte Vergangenheit hinter sich zu lassen. Das fertige Porträt, das als Ergebnis aus diesem Suchprozess entstanden ist, erfüllt zwar nicht gerade Eliane's Erwartungen, aber es bewirkt dann doch einige heilsame Veränderungen bei allen Betroffenen...
### MEINE MEINUNG ###
Nachdem Caroline Link mit „Jenseits der Stille“ und „Nirgendwo in Afrika“ große Erfolge feiern konnte, mit beiden Filmen für Oscars nominiert war und ihn mit dem zweiten auch bekommen hat, waren alle sicher, die Frau würde in Hollywood Karriere machen. Pustekuchen. Stattdessen meldet sich die Filmemacherin mit einer deutschen Produktion zurück. Ursprünglich sollte die Verfilmung des Romans „Aftermath“ des jungen Amerikaners Scott Campbell in den USA gedreht werden. Aber nach erfolglosen Verhandlungen mit diversen Schauspielern hat Link ihr Drehbuch kurzerhand auf deutsche Verhältnisse umgestrickt und das Ganze über die heimische Filmförderung produziert.
Das Ergebnis hinterlässt allerdings einen eher zwiespältigen Eindruck. Sehr überzeugend fand ich Karoline Herfurth als fragile, skeptisch-nölige junge Frau, die ihren Platz noch nicht so recht gefunden hat. Auch Josef Bierbichler als bärbeißiger Maler spielt seine Figur mit einer Seelenruhe und einer angemessen Portion Melancholie. Corinna Harfouch als dauergestresste Karrierefrau und Hanns Zischler als kultivierter Machtmensch machen ebenfalls eine durchaus untadelige Figur. Das Problem dabei ist: Sie können ihre Rolle zwar glaubhaft verkörpern, trotzdem wirken die Figuren irgendwie schablonenhaft. Ihre Lebenswelt wird nicht erzählt, sondern allenfalls sehr formelhaft bebildert. Ebenso wirken ihre Dialoge manchmal ziemlich aufgesetzt: Sie reden zum Teil so gestelzt daher, als hätten sie sich gerade selbst synchronisiert. Da helfen auch die hellen und kraftvollen Bilder der Kamerafrau Bella Halben wenig: In ihren Bildern ist mitunter mehr Leben als in den Figuren. Zusammen mit diesen Bildern hat man phasenweise das Gefühl, einer aufwendig produzierten Familien-Soap beizuwohnen.
Ein weiteres Manko ist, dass der Geschichte fast jegliche Eigendynamik fehlt. Bei vordergründiger Betrachtung mag der Film wie eine Variation von Filmen wie „Die schöne Querulantin“ oder „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ erscheinen, weil auch hier die Beziehung zwischen einem Maler und seinem Modell im Zentrum der Erzählung steht. Im Unterschied dazu konzentriert sich die Regissurin nicht auf das Verhältnis der beiden untereinander, sondern eröffnet noch diverse Nebenschauplätze. Der Maler bittet sich ein Vierteljahr Zeit für die Fertigstellung aus und ebendiese Fertigstellung ist auch das Ziel der Erzählung. Sie bewegt sich offen von Episode zu Episode und plätschert dabei vor sich hin, als sei zu lange und unter zu verschiedenen Umständen an der Angelegenheit herumgewurschtelt worden. Der fertige Film mit seiner suchenden und brüchigen Form vermag die mögliche Faszination an dieser Geschichte nicht so richtig zu transportieren. Die Antriebsgründe dafür, warum die Figuren so handeln, wie sie handeln bleiben weitestgehend im Dunkeln bzw den Mutmaßungen des Publikums überlassen, so dass sich jeder seinen eigenen Reim machen kann.
### FAZIT ###
Von der Bildsprache her kann Caroline Link nahtlos an ihre vorherigen Filme anknöpfen, allerdings fehlt der Geschichte die nötige erzählerische Kraft, um dem Film die nötige Dynamik zu verleihen. Aus diesem Grund kann ich für den Film nur eine sehr eingeschränkte Empfehlung aussprechen für Leute, die Filme wie „Die schöne Querulantin“ oder „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ mochten. Ansonsten würde ich von dem Film eher abraten, weil er gegenüber den bisherigen Caroline Link-Filmen doch etwas herabfällt.
### ABSPANN ###
Spielfilm, D 2008, 128 Min, FSK 12
Regie: Caroline Link
Buch: Caroline Link als Drehbuch, Scott Campbell als Roman
Kamera: Bella Halben
Musik: Nikki Reiser
~ Eliane Richter – Corinne Harfouch
~ Thomas Richter – Hanns Zischler
~ Lili Richter – Caroline Herfurth
~ Alexander Richter – Cyril Sjöström
~ Max Hollander – Josef Bierbichler
~ Aldo – Misel Matisevic
~ Tobias Hollander – Jacob Matschenz
~ Renee Walters (Balletlehrerin) – Karin Boyd
u.v.a.
49 Bewertungen, 25 Kommentare
-
11.03.2009, 16:43 Uhr von Regan
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüsse, Nadine
-
06.03.2009, 13:35 Uhr von ingoa09
Bewertung: sehr hilfreichEin sehr guter Bericht! Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende, Ingo
-
13.01.2009, 00:17 Uhr von FritzWalter08
Bewertung: sehr hilfreichSchöner Bericht. LG von dem Fritz
-
12.01.2009, 16:43 Uhr von campino
Bewertung: besonders wertvoll:-::-:::-:::: Gruß, Andrea ::::-:::-::-:
-
10.01.2009, 20:36 Uhr von Baby1
Bewertung: sehr hilfreich.•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.
-
10.01.2009, 19:15 Uhr von MasterSirTobi
Bewertung: sehr hilfreichSchöner Bericht. LG von MasterSirTobi
-
09.01.2009, 20:48 Uhr von hbscgirl
Bewertung: sehr hilfreichliebe grüße
-
09.01.2009, 19:29 Uhr von Gemini_
Bewertung: sehr hilfreichGanz lieben Gruß von mir!
-
09.01.2009, 12:06 Uhr von stars
Bewertung: sehr hilfreichFreu mich über Gegenlesung, Gruß Stars
-
09.01.2009, 11:50 Uhr von tk7722
Bewertung: sehr hilfreichEin sehr informativer Bericht, liebe Grüße
-
09.01.2009, 11:02 Uhr von nikita86
Bewertung: sehr hilfreichtoller bericht. freue mich über gegenlesung. lg, nikita
-
09.01.2009, 09:13 Uhr von Puppekaa
Bewertung: sehr hilfreichsehr schöner Bericht - LG
-
08.01.2009, 23:18 Uhr von jenpitti
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüße von jenpitti
-
08.01.2009, 22:06 Uhr von Puenktchen3844
Bewertung: sehr hilfreichEin schöner Bericht. LG
-
08.01.2009, 22:04 Uhr von werder
Bewertung: sehr hilfreichSchön berichtet! LG aus Hannover!
-
08.01.2009, 22:03 Uhr von racheane
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüße, Anne
-
08.01.2009, 21:58 Uhr von Jerry525
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüße vom JERRY einen schönen Abend!!!
-
08.01.2009, 21:52 Uhr von Elfenfrau
Bewertung: sehr hilfreichInformativ beschrieben. Lg Elfi
-
08.01.2009, 21:49 Uhr von sigrid9979
Bewertung: sehr hilfreichWünsche einen schönen Donnerstag Lg Sigi
-
08.01.2009, 21:41 Uhr von Bunny84
Bewertung: sehr hilfreichKlasse Bericht. Freue mich über Gegenlesungen. Lieben Gruß Anja
-
08.01.2009, 21:34 Uhr von minasteini
Bewertung: sehr hilfreichSchöner Bericht. LG Marina
-
08.01.2009, 21:17 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichfrostige grüsse aus berlin lg. petra
-
08.01.2009, 20:59 Uhr von lanzbulldog79
Bewertung: sehr hilfreichSchöner Bericht! LG Sven
-
08.01.2009, 20:56 Uhr von Iris1979
Bewertung: sehr hilfreichSuper Bericht. LG Iris
-
08.01.2009, 20:53 Uhr von Mondlicht1957
Bewertung: sehr hilfreich:::Grüsse aus dem eisigen Berlin:::
Bewerten / Kommentar schreiben